Einführung von Peter Bauer in sein Amt als Dekan am 30.04.2017 in Wunsiedel

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Johannes 10,27

Liebe Gemeinde, vor allem, lieber Herr Pfarrer Bauer!
Es passt gut, am Sonntag Miserikordias Domini, auch Hirtensonntag genannt, einen neuen Hirten einzuführen. Der Wochenspruch für diesen Sonntag weist freilich erst einmal von Ihnen weg auf Jesus. Jesus spricht: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne Sie und Sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

Diesem Spruch zufolge, sind Sie, lieber Herr Bauer, ein Schaf - ein Schaf Jesu! Denn Sie haben von kleinauf seine Stimme gehört. Sie sangen als schon als Kind in mittelfränkischen Barthelmesaurach: „Weil ich Jesu Schäflein bin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich wohl weiß zu bewirten“. Und dieses Schäflein sind Sie geblieben - auch als sie Pfarrer geworden sind.
Das Wort „Pfarrer“ kommt von „Pferch“, gemeint ist der Schafpferch. Das norddeutsche Wort „Pastor“ ist sogar die lateinische Übersetzung von „Hirte“. „Hirte“ ist ein biblischer Begriff für die Gemeindeleitung, für die Führung der Schafe.
Jahrzehntelang war dieses Hirtenbild für den Pfarrberuf unmodern. Es schien zu dominant; keiner wollte Gemeindeglieder zu blöd blöckenden Schafen entmündigen. Man war stattdessen Moderator, Christ unter Christen mit Sprecherfunktion und so weiter.
Diese Phase, in der Leitung eher kaschiert und säkularisiert wurde, haben wir hoffentlich überwunden. Ein im Ruhestand befindlicher von mir sehr geschätzter Dekan, brachte es einmal auf den Punkt: Wir brauchen keine Leithammel, sondern Hirten.
Sie haben die Grundhaltung, dass Sie Hirte sein wollen, indem Sie auf die Stimme Ihres Hirten, Christus, hören. Das war einer der Gründe, weshalb ich Sie auf dem Wahlvorschlag haben wollte und ich glaube, dass diese geistliche Grundhaltung auch für viele ein Grund war, Sie zu wählen, neben Ihrer ruhigen, überlegten, zugewandten Art.
Zudem freuen sich alle, dass Sie eine Frau und drei Kinder mitbringen. Sie, liebe Frau Bauer heiße ich herzlich willkommen und auch Euch Kinder David, Markus und Elisabeth. Alle freuen sich, dass Ihr da seid. Meinen Segenwunsch spreche ich Euch nachher unter Handauflegung zu.

Geistlich leben und Familienvater sein – so wesentlich und schön das ist – reicht noch nicht um Dekan zu werden. Da braucht es auch Führungsqualitäten, die wir Ihnen zutrauen.
Von den 15 Dekanatsbezirken im Kirchenkreis, liegt Wunsiedel immerhin in seiner Größe auf Platz sieben, hat also eine mittlere Größe mit seinen 16 Kirchengemeinden, ca. 20 Pfarrstellen und 24.000 Gemeindegliedern.
Allerdings sind Sie der mit Abstand jüngste Dekan im Kirchenkreis. Sie sind noch nicht mal 40 Jahre alt. So jung Dekan werden? Dieser Gedanke kommt uns nur, weil wir immer älter werden. Übrigens wurde ich im selben Alter Oberkirchenrätin. Das ging auch.
Sie sind nicht zu jung für das Dekansamt in Wunsiedel. Sie haben wichtige Fähigkeiten, viele Gaben, und einiges an Erfahrung.
Dazu zählt, dass Sie nach dem Theologiestudium in Neuendettelsau, Erlangen und München und nach dem Vorbereitungsdienst (in Billingshausen bei Würzburg) zweieinhalb Jahre vertieft theologisch gearbeitet haben über ein biblisch-theologisches Thema bei Professor Achenbacher an der Uni Münster. Dieses geschulte biblisch-theologische Denkvermögen wird Ihnen täglich nützen.
Nach Ihrem Dienstbeginn als Pfarrer von Burgpreppach haben Sie Leitungserfahrung gesammelt:
als Mitglied im Dekanatsausschuss Rügheim,
als Mitglied des Vorstands einer Einrichtung der Jugend- und Behindertenhilfe und als Vorstand eines Kindergartens.
Sie optimierten die Abläufe des Pfarrbüros und der Friedhofsverwaltung.
Als Schulreferent organisierten Sie den evangelischen Religionsunterricht für den ganzen Dekanatsbezirk Rügheim, hielten guten Kontakt zu Schulleitungen und Lehrkräften.
Sie können - ohne viel Aufhebens zu machen - viel bewegen: Sie haben in relativ kurzer Zeit ein neues Pfarrhaus und ein neues Gemeindehaus gebaut. Nach Fertigstellung fehlten Ihnen neue Herausforderungen. Die haben Sie nun.

Vor wenigen Jahren hat ein erfolgreicher Managementberater ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Das Hirtenprinzip“. Das Buch erzählt, dass ein junger Manager von einem alten Berater etwas lernen will. Der lässt sich darauf ein – aber statt ihn von Chefsessel zu Chefsessel zu unterrichten, heißt er ihn Gummistiefel anziehen und nimmt ihn mit auf seine Schafweide. Sie schauen alle Schafe an – Klauen, Fell, Augen. Dann fahren sie zurück. Der Junge meint, dass nun der Unterricht beginnen könne. Da sagt der Alte: Die erste Lektion hast Du schon hinter Dir. Du muss wissen, wie es den Menschen, die Dir anvertraut sind geht. Dazu musst Du hingehen zu ihnen und sie liebevoll und genau anschauen. So entwickeln sie auch Vertrauen zu Dir.
Das ist das erste von sieben zu lernenden Leitungsprinzipien.
Der Autor des Buches hat zweifellos die Bibel gelesen und bezieht sich in seinem ersten Hirtenprinzip auf das Christuswort: Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“.
Sie haben keine Berührungsängste gegenüber Menschen. Mit den Menschen einer kleinen Dorfgemeinde zu leben, entsprach ihnen. Ich wünschte vielen Stadtpfarrern, dass sie erst einmal durch die Schule eines Dorfpfarramtes gegangen wären, so wie Sie. Sie können Nähe und Zuwendung schenken und weiterführende Impulse setzen.
Nur noch ein weiteres der sieben Leitungsprinzipien greife ich heraus. Es steht für die zweite Hälfte des Wochenspruches „und ich gebe ihnen das ewige Leben“:
Wenn man Hirte ist, muss man wissen, wohin man mit den Schafen will. Es gibt viele Ziele, deren Verwirklichung hier in Wunsiedel wichtig sind:
-    Ihre Pfarrer und Mitarbeitenden gut anleiten begleiten,
-    ansprechend predigen,
-    die Diakonie in die Zukunft führen,
-    Geflüchtete integrieren,
-    die Chancen des Tourismus für die Region fördern,
-    mit dem Evangelischen Bildungszentrum, den Ausschüssen, Kollegen und Mitarbeitenden gelingend kooperieren,
-    Gemeindeglieder zur Sprachfähigkeit im Glauben anleiten.
Grundziel muss dabei immer sein, dass Menschen – seien sie ungetauft oder taufende Pfarrer - Schafe werden und bleiben, Schafe Jesu. Denn er ist der einzige Hirte, der in die Freiheit führt, mündig macht, Liebe nährt, Leben schenkt – hier und im Himmel.
Nur wer Jesu Schaf ist, kann Jesu Hirte sein. Darum weiß auch ich in meinem Hirtenamt nichts Besseres, als dass ich Sie als sein Schaf seinem Hirtenamt anvertraue und zugleich als sein Hirte sende, in seinen Fußtapfen zu leiten - hier in Wunsiedel.
Das soll nun geschehen.
Lasst uns dazu zuvor um Gottes Geist bitten.

Es folgt das Bittlied um den Heiligen Geist und die Einführungshandlung.