Einführung von Stefanie Ott-Frühwald als Dekanin des Dekanatsbezirks Michelau am 02.04.2017

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zum Wochenspruch aus Matthäus 20,28

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Pfarrerin Stefanie Ott-Frühwald mit Ehemann und Familie.
Eigentlich sind wir in der nachdenklich-besinnlichen Passionszeit. Doch wir freuen uns schon fast österlich, denn Michelau hat eine neue Dekanin, die erste überhaupt.
Der biblische Wochenspruch, unter den ich meine Einführungsansprache stelle, stimmt nachdenklich und deutet doch österliche Hoffnung an:
Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
Durch Christus sind wir ganz und gar erlöst - aus Traurigkeit, Hass und jeder Schuld. Der Glaube an ihn verwandelt uns, sodass wir lernen, als Erlöste, als zur Freude befreite Menschen, zu leben.
Ohne Ihr Kommen, liebe Frau Ott-Frühwald zu überhöhen, hat es doch auch erlösende, spürbar erleichternde Aspekte für die vielen, die hier in der Vakanz besondere Verantwortung inne hatten und sie hervorragend überbrückt haben. Vielen Dank an alle daran Beteiligten.
Alles, was in unserem Leben erlösend wirkt, ist gewiss nicht mit der einzigartigen Erlösung durch Christi Tod und Auferstehung vergleichbar, aber all das hat doch Platz im Dank für Gottes stetiges Erlösungshandeln an uns Menschen. Denn wir Christen sind durch Christus erlöste Menschen und erfahren Gottes befreiende Hilfe mitten im Leben; und dazu zählt auch die Besetzung der Dekansstelle.
Liebe Frau Ott-Frühwald, neben dem, dass Ihr Dienstantritt viele erleichtert, ist es vor allem von Bedeutung, in Ihnen - hier auf der Stelle Michelau I - wieder einen Menschen zu haben, der die Erlösung in Jesus Christus verkündigen wird.
Nicht Organisation und Verwaltung sind Ihre wichtigsten Aufgaben, sondern das Weitersagen unseres befreienden Evangeliums. Das Dekansamt ist und bleibt – bei aller strukturellen Leitungs-verantwortung – ein geistliches Leitungsamt. Die Ihnen anvertrauten Leitungsorgane und Menschen – Pfarrer eingeschlossen - brauchen Ihre befreienden geistlichen Impulse.
Die Dekanekonferenz des Kirchenkreises Bayreuth, leite ich auch darum so gerne, weil hier im Kirchenkreis Dekane und Dekaninnen beieinander sind, die sich als solch eine geistliche Leitung verstehen. Willkommen in dieser Runde der 17 Dekane, in der Sie die dritte Frau sind und die Jüngste von allen – aber nur für vier Wochen, denn zum ersten Mai wird in Wunsiedel ein weit jüngerer Dekan beginnen.

Sie bringen für die Erfüllung der vielen Aufgaben für das Pfarr- und Dekansamt viel Erfahrung und große Begabung mit. Beginnen wir ruhig bei der geistlichen Dimension.
Ihre Frömmigkeit hat eine wohltuende Weite, in der sowohl einige Aspekte feministischer Theologie ihren Platz haben, wie auch die Durchführung von Exerzitien im Alltag zusammen mit einer Selbitzer Schwester. Sie hat Tiefe durch tägliches Beten, Singen und Bibellesen - wenn möglich gemeinsam mit Ihrem Mann.
Auch sind Sie in Meeder aufgewachsen und kennen die für den Coburger Raum typische volkskirchliche Frömmigkeit. In der Kirchengemeinde Meeder fühlten Sie sich in Kindergottesdienst und Kinderbibelwochen wohl. Sie merkten bald: hier werde ich geschätzt und gebraucht. So wurden sie Mitarbeiterin in diesen Feldern, zudem in besonderen Gottesdiensten und als Jugend-delegierte im Kirchenvorstand.
Auch aus der weltweiten und interkonfessionellen Ökumene haben Sie geistliche Anregung aufgenommen.
Durch all diese integrierten Erfahrungen haben Sie positiven Zugang zu verschiedenen Frömmigkeits-stilen; das ist wichtig für die Leitung dieses Dekanatsbezirks, in dem unterschiedliche Prägungen zuhause sind.
Sie lernten Ihren persönlichen Glauben theologisch zu reflektieren und zu festigen durch Ihr Theologiestudium in Erlangen, San Salvador, München und Bonn und in Ihrer gemeinde-praktischen Ausbildung im Vorbereitungsdienst in Neuses bei Coburg.

Ihre pastorale Kompetenz vertieften Sie besonders auf dem Feld, der Seelsorge.
Acht Jahre lang waren Sie bei der Pfeifferschen Stiftung, einem diakonischen Träger in Magdeburg, Krankenhausseelsorgerin und gaben Schulungen für Personal und Fortbildungen für Mitarbeitende in Kirche und Diakonie.
Zudem haben Sie  – um Ihre Fähigkeiten im Feld von Seelsorge und Beratung noch zu erweitern - eine klinische Seelsorgeausbildung und vor allem die intensive Ausbildung zum Supervisor und Coach absolviert.
Diese besondere seelsorgerliche und beraterische Qualifikation nützt auch im Dekansamt. Zuhören können, das Gehörte reflektieren und gezielte Impulse setzen können, das hilft zu leiten und nützt denen, die auf gute Leitung angewiesen sind.
Als geistliche Leitung stellen Sie auch die Frage: was braucht dieser Mensch, was braucht dieses Beziehungsgefüge auf dem Weg gelebter Erlösung durch Christus. Und, was brauche ich selbst.

Nicht zuletzt bringen Sie, liebe Frau Ott-Frühwald auch ganz normale Gemeindeerfahrung mit. Vor der „Ausreise“ in ostdeutsche Gefilde - wegen der Berufstätigkeit des Ehemannes - hatten Sie noch kurze Vertretungsdienste in Gauerstadt und Coburg St. Moriz. Und nach der Magdeburger Seelsorgestelle waren Sie bis jetzt fünf Jahre in der Kirchengemeinde Verden, Hannoversche Landes-kirche. Dabei nahmen Sie Leitung wahr in Pfarramtsführung, Vorsitz im Diakonieausschuss des Kirchenkreistages und im Vorstand des Kinder-tagesstättenträgerverbandes Rotenburg-Verden.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene...
Nun könnte man ja sagen, in der Nachfolge des Menschensohnes Jesus Christus dienen nun Sie den vielen Menschen hier. All Ihre vielen erwor-benen Fähigkeiten, dazu Ihr freundliches, verbind-liches, ordnendes und kommunikatives Wesen bringen Sie ein - Christus und damit den Menschen dienend. Ja, das werden Sie gewiss tun. Denn Sie sind ein Mensch, der dienen kann und will.

Doch zwei Gedanken gehören notwendig dazu.
Erstens redet unser Bibelspruch zu allererst von Christus. Zu allererst dient Christus Ihnen, erlöst und befreit Sie. Es werden Situationen kommen, in denen Sie sich belastet fühlen und es sind. Suchen Sie dann betend die Nähe Christi, denn als Erlöste brauchen Sie doch stete Erlösung aus Ihren Sorgen und Anstrengungen durch den Blick auf ihn. Wir können nur guten Dienst leisten, wenn wir immer mehr lernen uns vom Christus dienen zu lassen.
Zweitens sind wir alle hier in der Nachfolge Christi; und das bedeutet, dass auch wir in den Dienst gerufen sind, auch um Ihnen zu dienen und Sie zu unterstützen, wo immer wir können. Denn gemeinsam ist uns Ziel und Hoffnung, dass noch viele von der Erlösung in Christus hören und von ihr verwandelt werden.

Bevor ich Ihnen nun im Namen unserer Kirche den Dienst als Dekanin und Pfarrerin von Michelau übertrage, und wir Sie gemeinsam segnen, gilt Dir, lieber Dr. Christian Frühwald, ein besonderes Willkommen. Wir freuen uns, dass Du mit Deiner Frau in die  bayerische Heimat zurückkehrst.
Du bist ein von Christus und unsere Kirche ordinierter Pfarrer. Doch Du lebst Deine Ordination ehrenamtlich, denn Du bist u.a. Geschäftsführer einer eigenen Firma. Diese Tätigkeit kannst Du gut von Michelau aus wahrnehmen. Ich freue mich, wenn Du Deine Ordination - so wie Du willst, kannst und es passt - in unsere Landeskirche wieder einbringst.
Nach der Segnung und Sendung unserer neuen Dekanin werdet Ihr beide für Eure neue gemeinsame Lebensphase gesegnet – übrigens 25 Jahre nach Eurer Trauung.

Lasst uns nun für all dies um Gottes Geist bitten.