Eröffnung der ökumenischen Alltagsexerzitien

Kurzpredigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea zu Lukas 6,43-46 am 24.02.2017 um 18 Uhr in der Kirche St. Hedwig, Kulmbach

Liebe Gemeinde!
Ein guter Baum trägt gute Früchte, ein schlechter Baum trägt schlechte Früchte. Wovon das Herz voll ist, redet der Mund.

Will unser Bibelwort, dass wir durch die Lande gehen und die Menschen nach ihrem Verhalten beurteilen, ob sie gut oder böse sind? - Das ist allenfalls ein Nebengedanke des Textes.
Will es, dass wir uns selbst beurteilen, ob wir ein guter oder ein schlechter Baum sind? - Schon eher. Denn in den Bibelversen direkt davor steht das Bibelwort vom Splitter im Auge des Anderen und den Balken im eigenen Auge, den wir nicht wahrnehmen.
Kriterium, ob wir einen Balken im Auge haben, ob wir ein schlechter Baum sind, ist die Liebe. Wenn unsere Gedanken oder unsere Worte lieblos sind, dann kommen sie aus einem lieblosen Herzen. Und jeder prüfe, ob er Freunde, Feinde und Verwandte lieben kann und wirklich liebt.

Aber letztlich geht es in unserem Bibelwort weniger ums Prüfen und Beurteilen von anderen und uns selbst, ob wir gut sind und Gutes tun, sondern darum, dass wir Gutes tun. Der letzte Satz lautet: „Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?“ Bei Eurem Christsein muss schon was rauskommen, etwas Genießbares für die Menschen. Unser Bibelwort ist fordernd. Das gute Herz redet Gutes. Wer Christi Wort hört, soll Konsequenzen im Handeln ziehen.

Was hat das nun mit den Alltagsexerzitien zu tun?
Natürlich hat unser Bibelwort etwas mit dem diesjährigen Thema der Alltagsexerzitien zu tun „von Herzen gern“. Denn ein gutes Wort, eine gute Tat kommt aus einem Herzen, das von Herzen gern Liebevolles sagt und tut. Christus im Herzen ist der Garant dafür, dass wir liebevoll handeln.
Doch ich will noch eine andere Verbindungslinie zu den Alltagsexerzitien ziehen. Dazu eine kleine wahre Erzählung.
Mein Mann und ich waren Pfarrer in Holzkirchen, Oberbayern. Ein neues Pfarrhaus wurde gebaut. Wir zogen ein und machten uns daran, auch einen neuen Garten anzulegen. Da stand ein mickriger Baum, die Rinde grün bemoost. Früchte keine.
Wir erkundigten uns, was es sei. Walnuss. Wenn er keine Früchte bringt, dann störte er nur zumal bei dem Blumenbeet, das wir anlegen wollten.
Wir ließen ihn stehen, pflanzten ein großes Staudenbeet bis an den Baum heran, gossen unsere Stauden und düngten sie kräftig mit Kompost.
Und siehe da. Das Bäumchen verlor sein grünes Moos, es tat Sprünge im Wachstum und zwei Jahre später fanden wir zu unserer Überraschung die ersten Walnüsse beim Abschneiden der Stauden für den Winter.
Es tat uns leid, den Baum zurückzulassen, als wir nach Bayreuth zogen. Eimer voll Walnüsse waren es zuletzt.

Was ist ein guter Baum? Kann ein Mensch ein guter Baum werden? Ja natürlich. Wie Wasser und Kompost diesen mickrigen Walnussbaum verwandelten, so verwandelt Jesu Wort, das im Herzen haftet, Dich und mich.
Die Worte Jesu hören und nicht tun – das wäre etwas ganz Unnatürliches.
Das gibt es freilich.
 
Zwei Beispiele.
Zum einen: Da hört jemand das Gebet Jesu mit der Bitte, dass alle, die durch das Wort der Jünger glauben auch eins seien.
Doch stattdessen gefällt er sich weiter darin, die Abgrenzung zur anderen Konfession zu pflegen, statt die von Christus erbetene Einheit zu suchen.
Die Pflege der Einheit ist uns aufgrund der Bitte Jesus ins Herz gelegt - unabhängig davon, ob uns der Pfarrer oder die Pfarrerin der anderen Konfession gefällt oder die Akteure in Rom oder Genf, Berlin oder München uns gefallen oder nicht. Es geht um Jesu Wort. Um Jesu Bitte; und die ist eindeutig: Dass alle, die an ihn glauben eins seien.
Das zweite Beispiel:
Jesus sagt uns im Gleichnis vom Weltgericht, dass er selbst uns in den Fremden begegnet und um Aufnahme bittet. Ärger über die falsche Flüchtlingspolitik ist für manche ein billiger Grund, sich nicht an der Integration derer, die da sind zu beteiligen. Aber Jesus geht davon aus, dass wir einen Beitrag leisten können, ihn und zugleich die Fremden aufzunehmen. Der Beitrag kann ganz klein und unterschiedlich sein, doch will von Herzen kommen.

Was hat das mit den Alltagsexerzitien zu tun? Wir düngen und gießen den „Walnussbaum“. Wir reden über Jesu Worte, wir singen Lieder des Glaubens, wir öffnen unser Herz für ihn. Und es wird so sein, dass wir verwandelt werden als Leitende und als Teilnehmende.
Glauben wir nicht, dass wir uns wandeln können und liebevoller werden können? Stimmt, wir können uns nicht wandeln. Aber Christus kann unser Herz verwandeln. Und die Prüfung, ob er bei uns am Werk ist, ist immer, ob die Liebe zu allen Menschen in unserem Leben wächst, die Liebe zu den Menschen der anderen Konfession, die Liebe zu den Fremden – auch die Liebe zu ihm und zu uns selbst.
Manchmal fühlen wir uns selbst wie ein moosbegrüntes, mickriges Bäumchen. Durch die Worte Jesu, durch das Evangelium in all den wunderbaren Büchern der Heiligen Schrift, durch Gebete im Zimmer und unter offenem Himmel werden wir wachsen, gesunden und Frucht bringen. Wir werden genießbar für andere und dies sogar mit den Jahren immer mehr.
Amen.