Gründungsfest des Vereins Markgrafenkirchen am 9.7.2017 in der Bartholomäuskirche Bindlach

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner

Liebe Festgemeinde!
Heute, beim Gründungsfest des Vereins Markgrafenkirchen feiern wir Gottesdienst. Denn Kirchen sind zuerst Ort von Gebet und Gottesdienst, dann erst Kulturgut und Tourismusmagnet. Sie sind das zweite, weil sie das erste sind. Viele Touristen wollen hören, welches Glaubensgut im Kulturgut Kirche Gestalt gewinnt – unabhängig davon, ob ihnen der Glaube lieb oder fremd ist.
Man versteht eine Kirche erst, von ihrem Glaubensprogramm her. Jede Kirche ist Glaube in Stuck, Malerei und Architektur. Kirchenführungen mit Vermittlung der Glaubenswurzeln gewinnen Tiefe und machen Freude, weil sie auf eine spirituelle Entdeckungsreise führen.
Ich freue mich, dass wir heute miteinander das Gründungfest in dieser wunderbaren Bartholomäuskirche feiern, deren Weihe vor 250 Jahren wir übrigens nächstes Jahr begehen.

Wie bei der Vereinsgründung in Bad Berneck, soll meine Predigt auch heute eine thematische Kirchenführung sein. In Berneck war das Thema die Dreieinigkeit Gottes; heute ist es - der offene Himmel. Denn der offene Himmel ist ein theologisches Grundmotiv in Markgrafenkirchen.
Ich kann die Markgrafenkirchen gar nicht aufzählen, die in der Kirchendecke das Dreieck als Gottessymbol mit Strahlenkranz inmitten eines offenen Himmels zeigen - oft umgeben von Wolken und Engeln.
Doch wir sehen in ihren Decken auch andere Motive vor offenem Himmel, so die Auferstehung Jesu in Nemmersdorf, Christi Himmelfahrt in Neudrossenfeld oder die Berufungsvision des Jesaja in der Spitalkirche Bayreuth. In Weidenberg steht der Himmel über der Krippe bei der Geburt Jesu offen, in St. Georgen und Mistelgau bei der Taufe Jesu. Sie könnten vielleicht noch andere Motive ergänzen. Fast immer ist der offene Himmel symbolisch angedeutet durch Wölkchen.

In Bindlach erfreut uns das Motiv des offenen Himmels dreifach.
Wir haben eine zum offenen Himmel passende biblische Geschichte als Evangeliumslesung gehört: „Die Verklärung Christi“. Vielleicht ist bei der Lesung Ihr Blick schon nach vorne gewandert. Denn die Darstellung dieser Geschichte findet sich hier direkt über der Kanzel:
Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Dort haben die drei eine Vision, mit der sie in die Zukunft und in eine andere Welt blicken. Sie sehen Jesus als schon Auferstandenen im Himmel.
Bei ihm sind Mose und Elia. Elia erkennen wir am weiten, wehenden Mantel und Mose an der Gesetzestafel.
Jesus ist in dieser Szene unverkennbar schon der Auferstandene mit großem Strahlenkranz. Unsere Geschichte sagt: „Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.
Die drei Jünger blicken zu ihm:
Jakobus der Pilgerpatron wirkt, als ob er schon beginnen will auf allen vieren hinzukrabbeln.
Johannes, der Jüngste, ist mit Jesus innerlich am stärksten verbunden; das wird in seinem zu Christus gestreckten Arm sichtbar.
Und Petrus, natürlich in der Mitte, langt sich an den Kopf und denkt wieder das Falsche, wie so oft; und sagt: „Lasst uns hier Hütten bauen.“ Da ist die Vision vorbei. Den Himmel auf Erden gibt es nicht dauerhaft.
Aber bevor die Vision endet, spricht noch der Vater im Himmel und stellt sich damit eindeutig zu Jesus: „Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören.“
„Den sollt auch Ihr hören“, liebe Gemeinde. Diese Geschichte über der Kanzel gibt jedem hier Predigenden sein Bestimmung vor: Die Gemeinde soll Christus hören können. Ich habe Euch Christus zu predigen.
Den ihr sollt hören, dass Christus - und der Glaube an ihn - der Weg zum Himmel ist. Ihr sollt hören, dass in ihm -  durch seine Vergebung - der Himmel offen steht für Euch. Ihr sollt hören: wer zu ihm gehört, der kann hier auf der Erde immer wieder schon erfahren: Gottes Gegenwart – der Himmel mit seinem Licht – ist offen über mir.

In diese Erfahrungswelt: „Der Himmel steht offen über Dir“ - nimmt diese Kirche durch das beeindruckende Deckengemälde des Hofmalers Friedrich Wilhelm Wunder hinein. Es zeigt nun die elf Jünger  bei der Himmelfahrt Jesu – noch vor der Nachwahl des Matthias.
Wir sitzen sozusagen in der zweiten Reihe und sehen mit den Jüngern in den Himmel, in den Jesus bei seiner Himmelfahrt uns voraus geht.
Nicht nur die Jünger werden gesegnet, sondern wir auch. Zweifach werden wir gesegnet, denn Christus nutzt beide Segensgesten, mit der rechten Hand scheint er segnend ein Kreuz zu schlagen – denn er hat die typische Fingerhaltung dafür  - und mit der linken legt er uns die Hand auf.

Wir als Gemeinde in Bartholomäus sind dabei. Zusammen mit Bartholomäus. Sein Name gehört zum Gesamtkonzept der Kirche. Es ist gewiss kein Zufall, dass diese Kirche am 24. August geweiht wurde, sodass sie den Namen des Tagesheiligen erhält: Bartholomäus.
Ein interessanter Apostel - nicht nur, weil Armenien die eigene christliche Prägung auf seine Mission zurückgeführt.
Die drei synoptischen Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas erwähnen Bartholomäus als einen der zwölf Jünger. - Beim Evangelisten Johannes aber fehlt sein Name völlig. Der Evangelist Johannes erwähnt stattdessen Nathanael. Weil in den Synoptikern der Apostel Philippus mit Bartholomäus zusammengespannt ist und im Johannesevangelium mit Nathanal, sagen Ausleger, dass der volle Name des Jüngers lautet: Nathanael Bar Thomai, also Sohn des Tholmai.
Dieser Nathanael Bar Tholmai – nennen wir ihn kürzer Bartholomäus – er bezweifelt zunächst, dass Jesus der Messias ist und brummt Philippus an: „Was soll aus Nazareth Gutes kommen?“ Da lädt Philippus ihn ein: „Komm und sieh“.
Bartholomäus kommt, und Jesus sagt zu ihm: „Ehe Du unter dem Feigenbaum saßest, sah ich Dich.“ Da fallen alle Zweifel in Bartholomäus zusammen und er bekennt Jesus als Gottes Sohn. Jesus kündigt ihm an, dass er noch viel erleben wird. Er macht ihm eine große Verheißung und schließt die Umstehenden mit ein: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabsteigen auf den Menschensohn.“
Das ist das theologische Programm der Bartholomäuskirche. Und entsprechend sehen wir an der Kirchendecke dann auch zwei Engel neben Jesus, um den herum sich der Himmel geöffnet hat.
„Ihr werdet den Himmel offen sehen“.
Diese Verheißung bekommt der Jünger Bartholomäus am Anfang seines Weges mit Jesus. Und was hat er dann nicht alles mit Jesus erlebt an Heilungen von Leib und Seele, von Reden, die das Herz ergreifen und verwandeln.
Er hat erfahren – und wir sehen es über der Kanzel und an der Decke: Der Himmel ist offen - dort, wo Christus ist.
So wie die Jünger damals Jesus bei der Verklärung und bei Himmelfahrt gesehen haben, werden wir ihn erst sehen, wenn wir im Himmel sind. Doch wir können uns in Gebeten ihm entgegenstrecken wie Johannes. In Liebe zu ihm betend breitet sich über uns und in uns der Himmel aus. Das hat Folgen für unser Leben: Wir werden offen, liebevoll und gütig, klar und wahr.

Der biblische Bartholomäus ist wohl weniger der volkstümliche Bartel, der uns direktiv zeigt, wo er den Most holt. Der biblische Bartel zeigt uns den offenen Himmel, den er selbst erfahren hat in Christus. Vielleicht ist er sogar der Apostel in der Mitte im roten Gewand. Bartel holt - uns zu Christus, zeigt ihn uns.
Wenn wir auf Christus sehen, dann allerdings gewinnen wir Wegweisung für unser Leben durch Jesu Leben, Jesu Lehre. Durch den Glauben an ihn wächst seine Liebe in uns und seine Klarheit. Beides.
Und beides brauchen wir auch in unseren Beziehungen, besonders in der Familie und beides brauchen wir in unserer Arbeit. Klarheit ohne Liebe für zu Verletzungen, Spaltungen; Liebe ohne Klarheit führt ins Chaos. Christen in der Schule Christi werden liebevoll und klar; klar und liebevoll - das eine nie ohne das andere, denn so ist Christus: klar und voll Liebe zu jedem Menschen.

Ein Letztes. Ich hatte drei Darstellungen des offenen Himmels angekündigt. Die dritte ist schwer zu entdecken, direkt über mir im Kanzelkorb. Nicht nur das Blau, sondern auch die Wölkchen sind wieder symbolhafte Andeutung des Himmels. Aus ihm kommend schwebt der Heilige Geist über mir.
Wie gut, ich brauche ihn so dringend. Denn wenn er nicht wirkt, dann sind meine Worte zwar nicht unwirksam. Doch nur durch ihn wirken sie zum Heil und zur Heilung des Lebens.
Der offene Himmel und der Heilige Geist sind über mir beim Predigen, damit Ihr durch meine Worte seht, hört, fühlt, dass über Euch der Himmel schon lange offen steht. Christus segnet Euch für Euer Leben.
Er segnet Euch für Euer reales Leben, wie es ist. Viele Firmen mit professionellen Werbemanagern versprechen uns das Blaue vom Himmel herunter für unser Leben. Aber solche Versprechen sind brüchig. Da bröselt bald der Stuck. Denn auf der Erde ist nichts vollkommen.
Dass Stuck bröckelt und die Wölkchen nicht mehr haften, kann selbst in unseren Markgrafenkirchen passieren. Auch unsere Kirchen sind irdisch. Doch sie sind ein wunderschönes Plätzchen Erde, das uns verkündigt: Der Himmel ist Dir nicht erst nah, wenn Du im Urlaub bist oder wenn Du endlich Dein eigenes Haus bauen konntest. Sondern lauter Himmel umgibt Dich – hier und wohin Du gehst, mitten in Deinem Leben.
Denn der segnende Christus schenkt im Segen seine bleibende Gegenwart; er schenkt seinen Heiligen Geist. Von Christus hier gesegnet nimmst Du Christus, nimmst Du seinen Geist, mit nach Hause und in die Arbeit und der Himmel öffnet sich über Dir, wo Du bist. - Himmel ist, wo Christus ist.
Euer Geist will Landebahn des Geistes Christi sein; hier in der Kanzel nimmt er nur Anlauf. Markgrafenkirchen sind Gott geweiht; und Euer Leben als Christ ist es auch – und damit Ort offenen Himmels.
Amen.