Ordination von Christina Lungfiel an Lätare. 26.03.2017 in Ermershausen

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Johannes 12,20-26

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Ordinandin Christina Lungfiel mit Ehemann und Familie!

Wir sind in der Passionszeit; und so ist das Evangelium, das wir heute gehört haben, auch eher nachdenklich. Dabei ist unsere Stimmung heute hier in der Peterskirche gar nicht nach Passion, nach Leiden. Eine junge Frau ist da – noch sage ich nicht Pfarrerin, sondern erst nach der Ordination - eine junge Frau, die auf mich kuragiert, engagiert, durchsetzungsfähig, freundlich und in gesunder Weise fromm wirkt.
In meiner Stellungnahme, in der ich die Ordination befürwortete, habe ich Sie, liebe Frau Lungfiel, beschrieben als „orientierte, im besten Sinne bodenständige, kluge Theologin. Da sollte man sich nicht freuen, wenn Sie nun hier sind und ordiniert werden. Wir freuen uns. Und es passt auch zum Namen des Sonntags, Lätare – übersetzt „Freut Euch“.

Als Regionalbischöfin benenne ich, welche Stellen besetzt werden sollen im Herbst und im Frühjahr, wenn die zukünftigen Pfarrer entsandt werden. Eine Vergabekommission in München entscheidet dann, wer von den zukünftigen Pfarrern auf welche Stelle kommt. Dieser Kommission hatte ich deutlich gemacht, dass nach dem fehlgeschlagenen letzten Einsatz, diese Entsendung zum 1. März und die Person in Qualifikation und Persönlichkeit höchste Priorität hat und passen muss. Das sah die Kommission ebenso und wir sind froh über das Ergebnis. Darum sind hier alle fast ein wenig erlöst - gelöst auf jeden Fall - ich eingeschlossen.

Liebe Frau Lungfiel, ich heiße Sie herzlich willkommen im Kirchenkreis, Sie und Ihren Mann, und freue mich, dass ich heute Sie ordinieren darf; und – so Gott will und wir leben – auch Sie, lieber Herr Lungfiel, in einem halben Jahr. Gott behüte Sie, lieber Herr Lungfiel, auf Ihren Fahrten an Ihren Vikariatsort Großgründlach und retour. Er schenke Ihnen gutes Gelingen in der Endphase des Vorbereitungsdienstes.

Das ist nun Ihre erste Pfarr-Stelle, liebe Frau Lungfiel. Auf die wird man zwar entsandt, doch man darf Wünsche äußern. Und Ermershausen war Ihr Wunsch. Denn Sie haben beim Lesen der Ausschreibung genau gemerkt: diese Pfarrei - mit den Kirchengemeinden Ermershausen und Birken-feld und dem zugehörigen Dorf Dippach - ist lebendig. Und es stimmt: der Kirchenbesuch ist gut. Die Gemeinden hier in der Region sind klein aber sehr aktiv.  Viele Pfarreien, die doppelt so groß sind, haben nicht wie Ermershausen liturgischen Chor und Posauenenchor –  dem ich zu seinem 60-jährigen Jubiläum gratuliere. Hier gehören Kirchen-gemeinde und Dorfgemeinde selbstverständlich zusammen. Das kirchengemeindliche Leben bildet die Seele der Dörfer. Und im Ordinationsgespräch nannten Sie einen weiteren Grund, hierher zu wollen: „Auf dem Land geht es natürlicher zu“. Wie wahr!
In gewisser Weise nimmt unser Bibelwort etwas Ländlich-natürliches auf – einen Vorgang, den alle auf dem Land kennen, weil sie noch wissen, dass Brot nicht im Ladenregal wächst.
Zwar sind auch hier auf dem Land immer weniger Menschen Bauern, doch jedes Kind weiß, wie Getreide – die Grundzutat für unser Brot - gedeiht. Für den Winterweizen wurden im Herbst Körner gesät; die sind vor dem Winter noch aufgegangen; jetzt im Frühjahr treiben die Halme kräftig. Viel zu schnell wird der Sommer da sein und die Dreschmaschinen fahren um die reifen Körner einzuholen. Körner fallen im Herbst in die Erde, sterben, keimen - und pro Weizenkorn, das in der Erde aufgeht, können dann bis zu 40 Körner geerntet werden. 1 zu vierzig. Das ist viel.
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Was meint dieses Bild vom sterbenden, fruchtbringenden Weizenkorn im Zusammenhang des unseres Bibelwortes?
Zu allererst ist mit dem Korn, das in die Erde fällt und stirbt und dadurch Frucht bringt, Jesus gemeint. Um ihn scharten sich schon zu seinen Lebzeiten Tausende. Er starb am Kreuz, wurde auferweckt und erschien seinen Jüngern. Ab da war seine Wirkung nicht mehr aufzuhalten. 40 mal 40 mal unendlich ist die Anzahl der Menschen, die an Jesus Christus seit seiner Auferstehung glauben. Auch wir hier sind als Glaubende Frucht seines Sterbens und neuen Lebens.

Ohne Zweifel aber will unser Bibelwort alle Glaubenden – auch uns -  rufen unser Leben hinzugeben.
Doch diese Hingabe war weder bei Jesus noch ist sie bei uns verbunden mit einer Todessehnsucht oder Lebensverachtung. Sondern unsere Hingabe ist eine Hingabe an Jesus, der für uns aus Liebe gestorben ist. Nur in einer bestimmten Weise ist damit auch eine Lebensverachtung verbunden. Es ist - für uns selbst - die Verachtung eines Lebens ohne Christus.

Sie, liebe Frau Lungfiel, hatten das Geschenk in einem christlichen Elternhaus aufzuwachsen, in dem zum Leben der Glaube gehörte. Ihr Vater war Dekanatsjugendreferent, Ihre Mutter Kirchenvor-steherin, ihre Patentante leitete den Kindergottes-dienst und Sie gehörten bald mit zum Team. Das ist ein großer Segen so hineinzuwachsen ins Gottvertrauen.
Trotzdem war der Pfarrberuf für Sie zunächst nicht Ihr Zielberuf. Sie wollten eher Psychologie studieren. Menschen und was sie in der Tiefe der Seele bewegt, hat Sie damals schon interessiert.
Doch dann gingen Sie erst einmal ein Jahr nach Argentinien. Dort erlebten Sie, wie die Kirche sich diakonisch um die Ärmsten der Armen kümmerte. Sie haben eine Liebe erlebt, die hingebungsvoll, stark und selbstverständlich war, weil sie im Glauben gründete. Das hat Sie überzeugt, und Sie erfuhren an sich selbst, wie sehr Themen dieses - die Liebe stärkenden - Glaubens Ihr Herz berührten. Also studierten Sie Theologie.
Doch das ist nicht der einzige Ertrag aus dem Jahr in Argentinien. Seitdem wollen Sie bewusst Ihre Augen offen halten für zurückgezogene Menschen, denen es gut täte, wenn Sie auf sie zugehen mit der frohen Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus. Vermittlung des Glaubens geht nicht ohne liebevollen Blick für die Menschen, auch die, die sich nicht rühren. Gut, wenn Sie den haben.

Unser Evangelium, das wir vorhin gehört haben, beginnt ja ganz unspektakulär. Griechen kommen in die Stadt Jerusalem. Die gehen nicht direkt zu Jesus, sondern wenden sich an Philippus und sagen zu ihm: „Wir wollen Jesus sehen“. Philippus sagt das erst einmal Andreas und beide sagen es dann Jesus.
Das ist auch für´s Dorf nicht untypisch. Manche werden nicht direkt zu Ihnen kommen, sondern sagen es erst einmal einem Kirchenvorsteher, dass die Pfarrerin doch mal kommen könnte. So wie ich Sie kenne, werden Sie nicht lange warten, sondern so bald wie möglich hingehen. Die Menschen wollen, dass Sie kommen, weil sie darauf vertrauen, dass ihre Pfarrerin Jesus im Herzen hat und darum ein Herz für sie.
Auch sind viele Menschen nicht eingeübt, mit ihren Anliegen direkt zu Jesus zu kommen und sagen ihre Sorgen und Erlebnisse bewusst der Pfarrerin. Es tut den Menschen gut, wenn Sie, liebe Frau Lungfiel, am Ende des Gespräches beten, die Sorgen Jesus sagen und das Leben der Menschen in Gottes Hand legen und ihm alles anvertrauen. Wie Philippus und Andreas in unserem Evangelium heute, ist es wesentlich, dass Pfarrer und möglichst viele Kirchenvorsteher und Gläubige für andere Menschen Brückenbauer zu Jesus sind, damit sie ihn sehen.
Sie werden, darauf vertraue ich, diese Brückenaufgabe mit Hingabe tun, mit Hingabe an Jesus Christus. Der wird dafür sorgen, dass Frucht wächst, ja, dass Glauben wächst und die Gemeinde grünt.
In die Nachfolge Jesu Christi werden Sie heute gesandt. Christus selbst hat Sie gerufen, das haben Sie innerlich gespürt. Doch Gefühle können vergänglich sein.
Christus ruft Sie heute unüberhörbar. Er braucht Sie. Er sendet Sie in den Dienst der öffentlichen Verkündigung seines Evangeliums und in die Leitung.
Dazu segnet er Sie heute. Er segnet Sie für den Dienst in Ermershausen und darüber hinaus für Ihr ganzes berufliches Leben. Ja sogar über die aktive Dienstzeit hinaus; denn die Ordination als Berufung, Segnung und Sendung gilt Ihr ganzes Leben lang bis Sie sterben. Die Ordination umfasst alle Zeit, sogar die Freizeit, die auch sein soll, ja muss. Als Getaufte und umso mehr als Ordinierte gehört unser ganzes Leben Christus. Dadurch wird in vielen Gemeinden vielfältige Frucht entstehen. Doch auch in Ihrem Leben wird durch die Hingabe an Christus große Freiheit wachsen und tiefe Freude grünen. 
Amen.