Ordination von Daniel Städtler am Ostersonntag 16.04.2017 in Wonsees

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Markus 16,1ff

Liebe Gemeinde, vor allem, lieber Ordinand Daniel Städtler!
Nie werden Sie Ihren Ordinationstag vergessen: Ostersonntag! Auch, wenn an Weihnachten mehr Leute in die Kirche gehen - Ostern bleibt unser wichtigstes Fest. Erst von der Auferstehung her, verstanden die Jünger: Das Kreuz war kein Scheitern, sondern der größte Sieg der Liebe Jesu. Erst von der Auferstehung her verstanden sie: Schon die Geburt dieses Menschen war ein Heilsereignis.
An diesem größten kirchlichen Fest werden Sie ordiniert. Die Freude über die Auferstehung und die Freude über die Ordination verbinden und verstärken sich wechselseitig.
Was kann das Evangelium des Sonntags Ihnen als Ordinand sagen? Es endete ja mit der Furcht der Frauen und mit dem Satz: Und sie sagten niemandem etwas.
Letztendlich sieht es so aus, als ob der Bote Gottes scheitert. Er sagt den Frauen: Christus ist auferstanden - und sie kapieren nichts und sagen nichts, sie fürchten sich. Wir Pfarrer und Pfarrinnen sind zwar keine Engel, aber Boten Gottes und stehen in dieser Verkündigungstradition, die schon zu Beginn zu scheitern scheint.
Erst als Jesus selbst Maria Magdalena begegnet, hört sie auf zu weinen, glaubt und redet. Sie wird sogar zur Apostelin der Apostel: Als Frau verkündigt sie den Jüngern, dass Jesus auferstanden ist. Ob die ihr geglaubt haben? Das erzählt die Bibel nicht.
Was die Bibel erzählt ist: Allen, denen der Auferstandene selbst sich zeigt, ihnen begegnet, mit ihnen spricht, denen bricht jeder Zweifel weg. Die alle glauben und reden.
Die Jünger erzählen es Thomas, dem der Auferstandene noch nicht begegnet war. Er glaubt erst, als Jesus ihm begegnet. Dann aber ruft er: „Mein Herr und mein Gott“.

Was heißt das nun, für jemand der ordiniert wird zum Verkündigungsamt? Der Schein des Scheiterns hört bis heute nicht auf. Wie der Engel, wie die furchtsamen Frauen, wie Maria Magdalena, wie die Jünger erhalten Sie heute den Auftrag in der Öffentlichkeit zu verkünden: Jesus ist auferstanden und lebt. Aber es wird Ihnen nicht anders ergehen als den ersten Auferstehungszeugen. Häufig werden Sie Achselzucken, Zweifel oder sonst etwas hervorrufen – bloß keinen Glauben.
Warum erhalten dann Menschen überhaupt den Verkündigungsauftrag? Warum schickt der Engel die Frauen, warum sendet Jesus Maria Magdalena und die anderen Jünger?
Weil es nur ein Schein des Scheiterns ist. Wer die Auferstehung Jesu verkündigt, ist Wegbereiter für eine spätere Christusbegegnung. Der Glaube an Christus beginnt oft nicht am Ort der Verkündigung, beginnt oft nicht in der Kirche oder im Konfirmandenunterricht, sondern später. Doch es braucht diesen Ort hier, damit dann irgendwo – da draußen an einem Grab, nachts im Bett oder wo auch immer Menschen zu beten beginnen, die gehörten Worte berühren und Glauben wächst. Und manchmal begegnet er auch gleich in Kirchen- oder den Schulbänken. Christus ist in seiner Macht, Glauben zu wecken, erfreulich unberechenbar.
Lieber Herr Städtler, Sie stehen in dieser Verkündigungstradition, die zu scheitern scheint. Erwarten Sie gar nicht erst, dass Sie Glauben wecken. Erwarten und erbitten Sie aber, dass Jesus selbst Glauben weckt und Menschen begegnet. Das wird er tun.
Auch Ihnen ist Gott begegnet. Erzählen Sie ruhig anderen Ihre Bekehrungsgeschichte. Sie ermutigt zu glauben, dass Gott da ist, dass Christus lebt und Gottes Geist uns verwandelt. Sie passt in diese Ostererzählungen der Verkündigung des unwahrscheinlichen und doch so wirkmächtigen Handelns Gottes.
Alle Verkündigungsweisen waren ja auch bei Ihnen gescheitert. Im Jahr 2002 traten Sie im Alter von 14 Jahren aus der Kirche aus, doch drei Jahre später, eben nach einer Begegnung mit dem lebendigen Gott, die Sie durchschüttelte, wieder ein. Ihr damaliger Gemeindepfarrer, der heutige Dekan Dr. Matthias Büttner, und Ihr Religionslehrer Winfried Heider halfen Ihnen diese Erfahrung zu deuten.
Sie studierten Theologie um mehr vom Glauben zu verstehen. Parallel zum Studium in Erlangen arbeiteten Sie in Ihrer Heimatgemeinde Eschenau/Eckental mit. Durch dieses Engagement und durch die Praktika im Studium wurde der Pfarrberuf für Sie zu eine realistischen Berufsmöglichkeit und es wuchs die Gewissheit zu diesem Dienst berufen zu sein. Dies hat sich im Vorbereitungsdienst in Herzogenaurach bestätigt.
Dass Sie eine Frau kennenlernten, die mit Ihnen den Verkündigungsweg geht, ist ein besonderes Geschenk für Sie – auch für unsere Kirche. Denn Ihre Frau, Anna Katharina Städtler-Klemisch, kommt – wie ich – aus Württemberg und hat zum 1.3. Ihren Vorbereitungsdienst bei Pfarrer Lipfert begonnen. Herzlich willkommen in unserer Kirche, liebe Frau Städtler-Klemisch.
Nun leben Sie beide in Wonsees. Seit ich erstmals hier war und dieses einzigartige Ensemble von Kirche, Friedhof, Brunnen, Pfarrhaus und Gemeindehaus gesehen habe, bedeutet Wonsees für mich: Ein Ort, an dem man mit Wonne sitzen kann als Pfarrer, oder Pfarrerin.

Für Sie, lieber Herr Städtler, galt bis heute noch hilfsweise die Beauftragung aus dem Vorbereitungsdienst. Doch die endet; und sie hätten den Dienst der öffentlichen Verkündigung aufhören müssen ohne Ordination.
Die Osterbibelworte machen die Sendung stark: „Geh und verkündige“. Doch Ordination ist mehr als Sendung. Ordination nimmt zudem auch die biblische Geschichte auf, in der Jesus vor seiner Himmelfahrt die Jünger segnet und zudem auch die Geschichten, in denen Jesus Männer von Fischernetzen wegruft zu sich. Die Ordination ist alles drei: Berufung, Segnung und Sendung. Und diese Berufung, Sendung und Segnung durch Christus gilt lebenslang auch über den Ruhestand hinaus.
Doch liebe Gemeinde, die Ordination ersetzt nicht Eure Sendung. Ihr alle sollt die Botschaft weitertragen, dass Jesus auferstanden ist. Und wenn Ihrs tut, kennt Ihr alle auch den Schein des Scheiterns und die Frage, ob das Vorlesen biblischer Geschichten oder ein Zuspruch beim gemeinsamen Stehen am Grab überhaupt im Herzen des anderen ankam. Ihr sollt verkündigen und Ordinierte haben darüber hinaus die Aufgabe, dies auch in der Öffentlichkeit zu tun. Ordinierte stehen auf der Kanzel und am Altar, damit Ihr in Familie und Freundeskreis nicht aufhört, da und dort die frohe Botschaft zu sagen und die biblischen Geschichten wieder und wieder vorzulesen.
Und seit 2000 Jahren zeigt sich, wie sehr der Schein des Scheiterns damals trog und auch in Zukunft trügen wird. Warum? Weil Christus auferstanden ist, lebt, in Gegenwart und Zukunft Menschen begegnet, sodass sie antworten: „Mein Herr und mein Gott“.
Lasst uns nun Daniel Städtler zum Amt der öffentlichen Verkündigung ordinieren.