Ordination von Jonas Moßdorf am Palmsonntag 9.4.2017 in Leupoldsgrün

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Markus 1,3ff

Liebe Gemeinde,
vor allem lieber Ordinand Jonas Moßdorf!

Das Bibelwort für diesen Sonntag und damit auch zu Ihrer Ordination ist die Geschichte von der Salbung in Betanien, wie sie im Markusevangelium, Kapitel 14, Verse 3ff. steht.
Hören wir das Bibelwort:
Und als er in Betanien war im Hause Simons, des Aussätzigen, und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Und so ist es gekommen. Seit fast 2000 Jahren lesen wir in der Bibel von dieser Frau. Wir kennen ihren Namen nicht. Doch wir wissen, was sie getan hat: sie goss unverfälschtes, kostbares Nardenöl über Jesu Kopf aus.
Was ist eigentlich der Punkt, warum wir von dieser Frau erzählen und über sie predigen? Das ist ihre große Liebe zu Jesus Christus. Er ist es ihr wert, dass sie teures Öl über ihm ausgießt.
Einige Jünger spüren die Liebe nicht, weil sie ihnen selbst noch nicht geschenkt ist. Sie beschimpfen diese Frau als Verschwenderin. Arme hätte man mit dem vielen Geld speisen können.
Armenliebe contra Jesusliebe? Obwohl Jesus der ist, der sonst zu den Armen geht und den Ärmsten der Armen hilft – denn die Kranken, die er heilte, waren zum Teil Bettler; also obwohl er sonst den Armen hilft, hat er kein Verständnis für dieses Argument. Er stellt sich hinter diese Frau, lobt sie und ermahnt: betrübt sie nicht.
Er weiß: Wer ihn liebt, in dem wird auch die Liebe zu benachteiligten Menschen wachsen.
In großer Liebe zu ihm vollzieht sie mit der Salbung eine starke Symbolhandlung: Sie macht ihn zu dem, der er schon lange ist: der Gesalbte; der Messias; der Christus. Alle drei Worte bedeuten dasselbe - nur in unterschiedlichen Sprachen. Durch ihr Handeln ist Jesus nun auch augenscheinlich und riechbar – sinnlich wahrnehmbar - der Gesalbte, der Messias, der Christus.

Diese Frau liebt, schätzt und verehrt Jesus über alles. Bibelausleger fragten sich warum? Weil sie vielleicht die Frau ist, die der Evangelist Lukas als große Sünderin bezeichnet und der viel vergeben ist. Auch wurde diese Salböl vergießende Frau mit Maria Magdalena identifiziert, die dann die allererste Auferstehungszeugin wurde. Durch diese Identifizierungen wurde dann Maria Magdalena zu der Frau, von der man sagte, sie sei eine große Sünderin gewesen. Alles Spekulation!
Wir wissen nichts über diese Frau, außer, dass sie dies tut. Sie ist eine namenlose Frau, deren Tun für uns immer bewegend bleiben wird, weil sich darin so viel Liebe zu Jesus sinnlich wahrnehmbar ausdrückt.
Und das ist mir auch der eigentliche Punkt für Sie, lieber Herr Moßdorf. Sie lieben Jesus Christus und ich glaube auch, Sie lieben ihn über alles. Auch über Ihre Eltern, auch über Ihre Freundin? Das können nur Sie beantworten. Doch ich vermute und hoffe es. Denn wenn Sie Jesus über alles lieben, wird in Ihnen größere Liebe zu allen Menschen wachsen.
Wie hat diese Christusliebe in Ihnen begonnen? Sehr ungewöhnlich. Es stand für Sie auf der Kippe, ob Sie sich – wie Ihr atheistischer Freund – auch von Glaube und Kirche abwenden. Doch Sie sind wohl ein gründlicher Mensch und wollten erst wissen, von was Sie sich da abwenden. So wollte Sie Glauben und Kirche erst einmal näher kennenlernen und gingen von sich aus als Jugendlicher in die Kirche.
Dort war Ihnen alles fremd. Keine Ahnung, wo der Introitus im Gesangbuch zu finden ist. Doch eine freundliche Frau zeigte es Ihnen. Sie fühlten sich willkommen und hineingenommen.
Was, wenn diese Frau nicht gewesen wäre?! Wir kennen ihren Namen nicht, aber sie hatte offene Augen der Liebe.
Ihr Lieben hier in der Gottesdienstgemeinde; von den allermeisten von Euch kenne ich den Namen nicht. Gott kennt jeden von Euch mit Namen. Und diese biblische Geschichte und diese Geschichte unseres Ordinanden zeigt, wie wichtig Ihr seid. Es ist Eure Liebe zu Jesus, die Euch fast automatisch für andere wichtig werden lässt. Es sind die offenen Augen der Liebe, die zu einem Handeln führen, das bedeutsamer ist für andere Menschen als wir oft ahnen.

Zurück zu Ihnen, lieber Bruder Moßdorf. Sie begannen zudem von sich aus in der Bibel zu lesen. Religiöse und philosophische Texte faszinierten Sie. So studierten Sie Theologie in Erlangen und Berlin um dieses Kennenlernen fortzusetzen. Sie beschäftigten sich insbesondere auch mit der orthodoxen Kirche und lernten zu schätzen, wie orthodoxe Gottesdienste in die Heilsgeschichte mit hineinnehmen. Sie gewannen Gottesdienste und auch unser Abendmahl dadurch nur noch mehr lieb. Sie vertrauen darauf, dass Gott da selbst wirkt und uns hineinnimmt in sein Heil.
Sie merkten: das alles bewegt mich nicht nur gedanklich, sondern auch mein Herz. Es ist mein Leben. Sie waren bereit, ins Vikariat zu gehen.
Im Abschiedsgottesdienst am Ende des Vorbereitungsdienstes in Wilhelmsdorf und Brunn wählten Sie das Lied: „Jesu geh voran.“ Das wollen Sie in Ihrem Leben: dem Jesus, den Sie lieben, folgen und von ihm lernen, sodass Ihr Leben immer mehr ihm entspricht.

Ihre Christusnachfolge hat Sie dazu geführt, Ihr Leben und auch Ihre Arbeitskraft ihm zur Verfügung zu stellen und den Weg als ordinierter Pfarrer unserer Kirche zu gehen. Ihre erste Stelle ist Leupoldsgrün. Ich glaube, Sie passen hierher.
Es ist gut für die Gemeinde, die lange warten musste, - doch das Warten hat sich gelohnt.
Und es ist gut für Sie. Auch die Viertelstelle Altenheimseelsorge schreckt Sie als junger Mensch nicht. Ihre Liebe zu Jesus wird Ihnen Augen der Liebe gerade auch für Menschen mit Inkontinenz und Demenz, eben mit den vielen Behinderungen des Alters geben. Es sind und bleiben liebenswerte Menschen. Und die Liebe Jesu, die durch Sie strahlt, wirkt auch dann, wenn manche meinen, dass dieser Mensch nichts mehr versteht.
Doch Menschen mögen noch so dement sein, sie werden den gesprochenen Psalm „der Herr ist mein Hirte“, doch ein gesungenes Passions- Oster- oder „Weihnachtslied“ in sich aufnehmen. Und Christi Gegenwart in Brot und Wein wirkt auch in Dementen.
Vielleicht ist diese Geschichte von der Salbung auch darum so passend zu Ihrer Ordination und Ihrer ersten Stelle, weil diese Salbung von Jesus selbst gedeutet wird als Salbung vor dem Sterben.
Es ist so bedeutsam, Menschen auf dem Weg des Sterbens liebevoll zu begleiten. Und das tun wir Pfarrer. Auch Segnen und Salben gehört dazu.
Das Segnen und Salben insbesondere von Kranken und Sterbenden ist in den letzten zwei Jahrzehnten in der lutherischen Kirche – auch mit einer offiziellen Liturgie – wieder bekräftigt worden. Menschen sanft und segnend die Hand aufzulegen und ihnen – ruhig auch mit Öl - ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen, tröstet und verändert sie. Diese Handlung spricht und sagt: Du gehörst zu Christus, der für Dich gestorben ist und Dir alle Deine Schuld vergibt.
Ihr Christen, befördert, dass Menschen vor ihrem Tod dieses gute Zeichen an sich erfahren. Ruft den Pfarrer, die Pfarrerin zum Abendmahl ins Haus zu Euren Kranken, ruhig auch schon, wenn der Tod noch nicht unmittelbar bevor steht; sorgt dafür, dass sie gesegnet werden.
Ihr Leupoldsgrüner, Euer neuer Pfarrer ist dazu gerne bereit. Ein Hausabendmahl mit Segnung Kranker, die nicht mehr in den Gottesdienst kommen können, tut allen Mitfeiernden wohl an Leib und Seele, auch Kindern und Jugendliche, die dabei sind.

Lieber Jonas Moßdorf, Sie lieben Christus wie diese Frau, die Jesus vor seinem Tod salbt. Sie wollen Christus in Ihrem Leben dienen und er sagt dazu sein „Ja“ und unsere Kirche sagt „Ja“.
Christus, der Gesalbte, der Erlöser dieser Welt, ruft, segnet und sendet Sie heute, damit Sie Ihr Leben lang von ihm erzählen,
von seinem Tod am Kreuz, der uns erlöst,
von unserer Schuld, die er vergibt,
von seiner Auferstehung und das ewige Leben, in das er alle Glaubenden hinein nimmt,
von seinem Geist, der uns erfüllt mit Liebe zu ihm und allen Menschen;
und damit Sie sein Heil zuwenden in den Sakramenten und im Salben und Segnen.
Amen.