Verabschiedung von Hans Peetz als Dekan und Einführung auf der Stelle "Markgrafenkirchen erschließen"

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner im Gottesdienst am 19.2.2017 in der Stadtkirche Bayreuth

Sehr geehrte Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
vor allem sehr geehrter lieber Herr Dekan Hans Peetz und Familie Peetz!

Heute ist keine Verabschiedung in den Ruhestand, daher werde ich keinen Rückblick auf die Berufsvita geben. In frühestens drei Jahren sehen wir uns dazu, so Gott will und wir leben, hier wieder.
Heute geht es „nur“ (in Anführungszeichen!) um die Zeit ab dem September 1999, in der Du, lieber Hans Peetz, Dienst getan hast als Pfarrer auf der Pfarrstelle Bayreuth Stadtkirche I und als Dekan des Dekanatsbezirks Bayreuth - seit 1. Februar Dekanatsbezirk Bayreuth-Bad Berneck.
Über 17 Jahre hast  Du – um an das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld anzuknüpfen - hier gesät. Du hast auch geackert und oft selbst die Hand an den Pflug gelegt. Für keinen Dienst warst Du Dir zu schade. Auch ging Dir vieles schnell von der Hand. So hast Du oft für zwei gearbeitet.
Was Du hier geleistet hast, wird niemand mehr nach Dir tun. Denn seit diesem Monat ist der Stellenzuschnitt der Dekansstelle mit Sitz in Bayreuth auf menschliches Maß reduziert.
Dein Nachfolger wird nicht mehr für die Begleitung von 31 Kirchengemeinden, sondern wohl von 22 verantwortlich sein, nicht mehr das Diakonische Werk, den Jean-Paul-Verein, Bildungswerk und Bildungszentrum, nicht mehr die Bereiche Jugend und Schule begleiten.
Es bleiben bei der Stelle die Aufsicht über die Gesamtkirchengemeinde und die Verwaltungs-stelle, der auch Pegnitz angeschlossen ist. Auch Kirchenmusik und Telefon-, Hochschul- und Krankenhauseelsorge bleiben aufsichtlich zugeordnet. Und ein Gemeindesprengel ist auch noch da und regulärer Predigtdienst in den Seniorenheimen, Spital- und Stadtkirche. Die Seelsorgestiftung Oberfranken und die Förderstiftung für die Hochschule für Kirchenmusik bedürfen weiter leitender Mitwirkung.
In dieser unvollständigen Aufzählung wird Dein enormes Pensum erkennbar und die strukturelle Überlast, die Du getragen hast und dies in hoher Qualität und über 17 Jahre lang – und mit Kraft, Liebe und Besonnenheit!
Hinzu kommt Dein Einsatz in den Gremien unserer Landeskirche. OKR Dr. Hübner wird dazu nachher ein Grußwort sprechen, so benenne nur die 12 Jahre Mitgliedschaft in der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, davon die Hälfte der Zeit auch im Landessynodal-ausschuss und die vollen 12 Jahre in Leitung des Organisationsausschusses.
Da ich vor meinem Dienst als Regionalbischöfin zuständige Oberkirchenrätin für Personal und Stellen der Landeskirche war, haben wir in der Synode miteinander mehrere Landesstellenplanungen durchgetragen. Ich danke Dir für Deine geschwisterliche Loyalität in evangelischer Freiheit, Deine unüberbietbare Fachkompetenz für Organisationsfragen der Landeskirche in völliger Friedfertigkeit – gewiss alles in menschlichen Grenzen doch mit großer Gottesgabe.
So warst Du in Landeskirche, Dekanatsbezirk und Kirchengemeinde ein viel gefragter Mann. Du, liebe Sabine, hättest ihn gerne öfter an Deiner Seite gehabt. Doch als diplomierte Kirchenmusikerin wurdest Du selbst aktiv. Stetig hast Du  nebenamtlich Organistendienst geleistet und eine geistliche Kinder- und Jugendchorarbeit aufgebaut, die seit 15 Jahren  blüht.
Deine ehrenamtlichen Stunden beim Telefondienst für Deinen Mann, bei der Klavierbegleitung in der Kantorei, im Kammerorchesters der Stadtkirche, beim Komponieren für den Kinderchor, beim Ausgestalten von Gottesdiensten mit Familienorchester oder mit Deinen professionell geführten Mini- und Maxigeigern – all diese ehrenamtlichen Stunden hat nur Gott allein gezählt.
Ihr als Familie, Du liebe Sabine Peetz, Du lieber Hans, ihr habt die Körner nicht gezählt beim Säen. Ihr habt aus vollen Händen und Herzen das Beste gegeben, Euch selbst und was uns geschenkt ist – das Evangelium in vielfältiger Weise.
Die Dornen und Disteln an denen Du, lieber Hans Dir auch selbst Blessuren zugezogen hast - beim notwendig gewordenen Geschäftsführerwechsel in der Diakonie oder der Schließung der Altenpflegeschule - blieben beim Bestellen solch eines riesigen Feldes nicht aus.
Doch die Diakonie ist wieder stabil und auch die Telefonseelsorge, lange Sorgenkind, ist nach Trägerwechsel im Aufwind. Die dornigen Täler sind durchschritten. Der weiten Höhen sind viel mehr. Der Bau der Matthias-Claudius-Kapelle beispielsweise oder das bunte Kinderhaus werden Dir als sichtbare Frucht beim Anschauen immer Freude bereiten. Nicht zu vergessen das unmittelbare Säen in der Predigt. Jede Deiner Predigten, die ich hörte, war mir geistlicher Gewinn und ich war dankbar für Deine gute Theologie, mit der Du all Dein Handeln – nicht nur das Predigen – durchdringst.

Gott sei Dank bleibst Du uns auf andere Weise erhalten. Du wirst weitersäen zwar auf einem anderen Feld im großen Reich Gottes, doch weiter mit Sitz in Bayreuth. Du erhältst für drei Jahre die Projektstelle zur Erschließung der Markgrafen-kirchen. Ich freue mich auf die noch engere Zusammenarbeit.
Viele Pfarrer, Haupt- und Ehrenamtliche, Erwach-senenbildung, Tourismusbranche,  Oberbürger-meisterin und Bürgermeister, Landräte und Dekane, Regierungspräsidentin und Landesdenk-malrat und ich wir ziehen mit Dir an einem Strang und vertrauen uns Deiner Projektleitung an.
Eine Deiner besonderen Fähigkeiten, Kunst sensibel mit den Augen des Glaubens zu sehen, kann nun noch mehr zum Tragen kommen beim Erschließen der Kunst in Markgrafenkirchen gerade für Menschen, denen der Glaube an Christus fremd geworden ist.
Der russische Diplomat Tjutschew dichtet in Oberbayern im Blick auf lutherische Kirchen:
„Ich liebe eures Kultus herbe Strenge,
Die schlichte Einfachheit des Kirchenbaus,
Die kahlen Wände und das leere Haus,
Den Gottesdienst ohn´ eitles Festgepränge.“
Dieses Kompliment können wir für Oberfranken nur teilweise annehmen. Es stimmt schon, Markgrafenkirchen sind einfache Saalkirchen. Doch kahle Wände? – selten bei uns.
Und von wegen leer - unser  Haus. In Neudrossenfeld beispielsweise lächeln uns Hofdamenengel – wie Frau Dr. Fohrbeck sie nennt - aus Stuck an; die Jünger samt dem auferstandenen Christus im Deckengemälde des Hofmalers Wunder nehmen uns mit in den Himmel.
Von wegen schlicht! Schauen wir in Benk das Golddreieck für die Trinität Gottes an, mit Strahlen-kranz und Stuckengeln liebreich geschmückt, in Bindlach den reich verzierten Kanzelaltar, in Sankt Johannis, den Taufengel mit Muschel. Ihr lieben anderen Gemeinden verzeiht mir, dass ich nicht auch Eure Schönheiten nenne.
Hans Peetz wird uns bescheidenen Oberfranken die Augen und den Mund öffnen, damit wir uns nicht scheuen zu sagen:
Wir haben in unseren Kirchen feinsten protestantischen Barock und Rokoko, Stuck und Gemälde von Künstlerhand europäischen Ranges, die auf Erschließung für Tourismus und Glaubensvermittlung warten.
Lieber Hans, Du bist für diese Aufgabe bestens geeignet. Böse Zungen behaupten, ich hätte die Stelle nach Oberfranken geholt und es war von vornherein klar, dass ich sie Dir geben will. Doch ich sage hier nochmals öffentlich, dass Du mir Deinen Wunsch, diese Stelle zu bekleiden in dem Moment überraschend offenbartest, als die Ausschreibung fertig war. Nichts im Stellenprofil ist auf Dich hingetrimmt, doch alles passt zu Dir - Deinem unverwechselbaren Gabenprofil, in dem Theologie und Frömmigkeit, ästhetisches Gefühl und Kunstsachverstand, strukturelle Klarheit und Durchführungskraft sich wechselseitig stärken.
Du bist voller Tatendrang und nach Umzug und Urlaub geht es los. Es gilt Gemeinden zu besuchen und zu beraten, dass sie es wagen, ihre Kirche zu öffnen und dies als missionarische Chance im besten Sinne verstehen. Es gilt unsere Markgrafenkirchen als Marke bekannt zu machen durch Musikkultur. Kooperationen laufen schon an. Es gilt mit den ansprechende Gemeinden Materialien zu entwickeln - von Flyern über Apps bis hin zu bilderreichen Büchern -, die Besucher in unserer Region zum Verweilen einladen.
Denn Freude an Kunst und Kultur und Freude am Glauben an den auferstandenen Christus gehören zusammen in diesem Projekt und in Dir.
Wir vertrauen wir darauf, dass Gott auch hier aus Deinem Säen hundertfältig Frucht wachsen lassen wird.
Amen.