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Prädikantenbeauftragung am 14.2.2010 in Holzhausen

Gottesdienst mit Beauftragung mit der öffentlichen Wortverkündigung und zur Verwaltung des Heiligen Abendmahls von Sr. Tabea Schmolz, Frau Annegret Bossemeyer und Herrn Gerhard Winkler am 14. Febuar 2010 in Holzhausen

Beauftragung mit der öffentlichen Wortverkündigung und zur Verwaltung des Heiligen Abendmahls von Sr. Tabea Schmolz (Predigerin des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes, Bezirk Haßberge), Frau Annegret Bossemeyer (Prädikantin in der Begegnungsstätte Schloss Craheim) und Herrn Gerhard Winkler (Prädikant in den Kirchengemeinden Holzhausen, Uchenhofen, Haßfurt und im Dekanatsbezirk Rügheim)

am Sonntag Estomihi, 14. Februar 2010

in der Heilig-Kreuz-Kirche zu Holzhausen

Predigttext: 1. Korinther 13


 
Liebe Schwester Tabea, liebe Frau Bossemeyer, lieber Herr Winkler!

Liebe Heilige!

Nicht, dass hier ein Missverständnis entsteht, mit den Heiligen habe ich nicht nur unsere drei Prädikanten gemeint, sondern uns alle. Paulus spricht die Gemeinden, denen er schreibt, auch so an.

Auch die Mitglieder der korinthischen Gemeinde redet Paulus am Anfang seines Briefes als Heilige – als „Geheiligte in Christus“ an, denn sie glauben an Christus und sind getauft. Ihnen ist alle Schuld vergeben. Heiliger als durch die Vergebung aller Schuld kann man nicht werden. In diesem Sinne sind die Korinther Heilige und wir sind „Heilige“ durch den Glauben an Christus und auch unsere drei Prädikanten sind es.

Die Gemeindeglieder in Korinth verhalten sich aber wohl nicht so, wie man es sich von Heiligen erhoffen könnte. Warum sollte es bei den Heiligen in Korinth auch besser sein als bei uns?

Was macht Paulus? Er nimmt die Heiligen in Korinth, denen ihr Heiligenschein etwas verrutscht ist, mit hinein in die Bewegung der Heiligung. Es geht Paulus darum, dass die Heiligen auch leben, was sie sind.

Heilig sind wir, heilig leben aber ist ein Weg, ein lebenslanges Lernen. Wir Heilige brauchen die Heiligung. Luther hat das wunderschön ausgedrückt:

„Das Leben“ – gemeint ist das Leben als Heilige – „ist nicht ein Frommsein,
sondern ein Frommwerden,
nicht eine Gesundheit,
sondern ein Gesundwerden,
nicht ein Sein,
sondern ein Werden,
nicht eine Ruhe,
sondern eine Übung.
Es ist noch nicht getan oder geschehen,
es ist aber im Gang und im Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.“


In dem für den heutigen Sonntag vorgegebenen Bibelwort spricht Paulus von diesem Weg des Frommwerdens, der Heiligung. Ich lese einige Verse aus 1. Kor. 13:

„Ich will euch einen noch besseren Weg zeigen:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle …

Die Liebe lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Soweit einige Verse aus 1. Kor. 13. Es ist das Kapitel der Bibel, das wohl am häufigsten bei kirchlichen Trauungen als Trautext gewählt wird. Dabei ist in 1. Kor. 13 nicht die erotische Liebe zwischen Mann und Frau gemeint, sondern die „Agape“, die Liebe, die für den anderen da ist. Trotzdem ist es richtig, dass Brautpaare diesen Bibeltext wählen, denn diese Liebe, die für den anderen da ist, die sich nicht erbittern lässt, braucht es dringend in der Beziehung zwischen Mann und Frau, gerade dann, wenn die Erotik schon bessere Tage gesehen hat. Diese Liebe, von der Paulus spricht, hört nicht auf, sie kann wachsen und inniger werden von Jahr zu Jahr. Sie kann auch wachsen zu anderen Familienmitgliedern, zwischen Freunden und unter uns Christen. Wachsen im Glauben an Christus, in der Hoffnung auf das ewige Leben und vor allem in der Liebe zu allen Menschen ist der Weg der Heiligung, den Paulus den Korinthern und uns zeigen will.

Heute ist Valentinstag. Er gilt als der Tag der Verliebten. Heute sollen – nach Meinung der Werbebranche und der Blumenläden – Verliebte sich Blumen schenken.

Bis vor 14 Jahren hatte ich den Valentinstag nie bewusst wahrgenommen. Aber als ich dann in München arbeitete, war es mir schlechthin unmöglich, ihn zu übersehen, denn ich ging im Bahnhof fast täglich an einem Blumenladen vorbei, der mit Beginn des Februar über und über mit Valentinsmotiven, also vor allem roten und pinkfarbenen Herzen dekoriert war. Das war mir fremd und rief bei mir eher Kopfschütteln hervor. Einmal auf Valentin aufmerksam geworden, bemerkte ich auch die Anzeigen in den Zeitungen, in denen Blumenläden ihre verlängerten Öffnungszeiten – extra für den Valentinstag – bekannt geben. Dieses Jahr öffnen manche sogar vier Stunden am heutigen Sonntag, weil heute Valentinstag ist, das ist ärgerlich. Ich bin überzeugt, dass unsere Feier des Gottesdienstes Valentin um Welten mehr entspricht, als heute am Sonntag in den Blumenladen zu gehen.

Wahrscheinlich war es mein Ärger über diesen Valentinsrummel, der mich dazu veranlasste, mehr über den Heiligen Valentin zu erfahren. Das ist sowieso nicht verkehrt, denn in der evangelischen Kirche beten wir zwar nicht zu den Heiligen, aber sie sind uns Vorbild auf dem Weg der Heiligung: So steht in Artikel 21 unseres Augsburgischen Bekenntnisses: „Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen“ (EG S. 1573)

Und so nahm ich „das große Buch der Heiligen“ aus unserem Bücherregal und schlug nach. Dort ist am 14. Februar der Tag des Heiligen Valentin erwähnt. Es heißt dort: „Seit Mitte des 4. Jahrhunderts gab es eine Kirche zu Ehren dieses Heiligen an der Flaminischen Pforte in Rom. Die Märtyrerakten berichten, dass er dort selbst hingerichtet und die Kirche über seinem Grabe errichtet wurde.“

Was ist der Hintergrund? Der römische Kaiser Claudius hatte von der Weisheit eines alten Priesters mit Namen Valentinus gehört und wollte von ihm lernen. Er ließ ihn kommen und fragte ihn – ich zitiere wieder aus dem „Großen Buch der Heiligen“:  „´Warum dienst du dem eitlen Aberglauben der Christen, da du doch so verständig bist? Ich möchte gerne dein Freund sein, aber ich verlange von dir, dass du zu den alten Göttern Roms zurückkehrst.` Valentin antwortete dem Kaiser: ´Du würdest das nicht von mir verlangen, wenn du etwas von der Herrlichkeit Gottes ahntest und dass Christus wahrhaftig Sein Sohn ist`. Befragt, was er von den alten Göttern halte, sagte der greise Priester furchtlos: ´Es sind Dämonen`.“

Der Kaiser war beeindruckt, doch seine Ratgeber machten ihm weiß, dass Valentin ihn verhexen wolle oder schon verhext habe. So folgte Kaiser Claudius ihrem Rat und übergab ihn dem Richter.

Valentin bekannte auch vor dem Richter seinen Glauben an Christus. Da sagte der Richter zu Valentin: „Wenn dein Christus ein Licht ist, wie du sagst, so will ich sehen, ob er von seinem Lichte meiner Tochter zu geben vermag, die schon lange blind ist. Kann er das tun, so will auch ich an ihn glauben. ´Da betete Valentin: ´Herr Jesus Christus, der Du das wahre Licht der Welt bist, erleuchte auch diese Deine Dienerin`.“

Als das Mädchen tatsächlich sehend wurde, wollte Richter Asterius wissen, was er tun solle, um Christ zu werden. Der alte Priester Valentin unterwies ihn und seine ganze Familie. Richter Asterius und sein ganzes Haus mit 40 Menschen wurden getauft. Valentin freilich wurde daraufhin durch Befehl des Kaisers im Jahr 369 enthauptet.

Valentin zählt zu den volkstümlichsten Heiligen, weil er als Priester ein großes Herz für Liebende gehabt haben muss. Wenn er Liebespaare sah, schenkte er ihnen Blumen aus seinem Garten. Paaren, die aufgrund ihres Standes nicht heiraten durften – Leibeigene und Soldaten – gab er den Ehesegen. Valentin – ein großer Liebender? Ja wahrscheinlich. Wahrscheinlich war es ein Mensch mit einem großen Herzen voller Glaube, Hoffnung und Liebe.

Wie viel an der Legende über Valentin stimmt, wissen wir nicht. Manches deutet auf historischen Hintergrund hin, auch wenn sicher vieles hinzugedichtet ist, wie das eben bei Legendenbildungen so ist. Das ist auch nicht so wichtig. Wir erzählen die Heiligengeschichten ja nicht, um Historienwissen zu vermitteln, sondern um etwas über den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zu erzählen, damit wir den Weg der Heiligung gehen, den diese Heiligen uns voraus gegangen sind. Es ist der Weg der Nachfolge Christi.

Valentin war ein Heiliger, der vor dem Kaiser und vor seinem Richter von seinem Glauben an Jesus Christus erzählt hat. Ob er so furchtlos war, wie es uns heute scheint? Wohl kaum! Er wusste, dass ihm sein Bekenntnis das Leben kosten kann.

Doch seine Hoffnung auf das ewige Leben und dass Christus ihn begleitet – ob er lebt oder stirbt – war wohl stärker als die Angst, sein irdisches Leben zu verlieren.

Angeklagt vor Gericht heilt er das Töchterlein des Richters und wendet sich in Liebe diesem Kind zu. Er betet für die Tochter des Menschen, der ihn in der nächsten Sekunde zum Tode verurteilen kann. Er betet nicht, um sein eigenes Leben zu erhalten, sondern wirklich für dieses Kind.

Lassen wir uns den Valentinstag nicht von Blumenläden und Werbeindustrie aus der Hand nehmen. Wir sollen der Heiligen gedenken, meint unsere Confessio Augustana. An Valentin geht es zu allererst um die Liebe, von der 1. Kor. 13 spricht. Es ist die Liebe, die für den anderen da ist, egal was geschieht. Es ist die Liebe, die aus dem Glauben kommt und getragen ist von einer Hoffnung auf Gottes Wirken. Es ist freilich auch eine Liebe, die Herz hat für die Liebenden. Der Heilige Valentin ist den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe vorausgegangen. Wir Heilige sind noch unterwegs.

Sie, liebe Sr. Tabea, liebe Frau Bossemeyer, lieber Herr Winkler, werden nun am Tag des Heiligen Valentin in Ihren Dienst als Prädikantin, als Prädikant eingeführt. Ich glaube, dieses Datum werden Sie nicht mehr vergessen. Es ist ein Tag, der Sie erinnert, dass Sie nun Glaubenszeugen sind in der Öffentlichkeit – sicher nicht vor dem Kaiser, denn den haben wir nicht mehr – doch wer weiß, wer in Ihren Gottesdiensten alles sitzen wird. Sie sind gerufen, öffentlich vom Glauben an Christus, unseren Herrn, zu reden, vor dem kein Ansehen der Person gilt, weil er alle gleichermaßen liebt.

Sie sind dabei getragen von der Hoffnung, dass Gott es ist, der durch Sie wirkt. Wie hätte Valentin sonst vor dem Richter vom Glauben reden können? Was sollten wir auf die Kanzel steigen, wenn wir nicht die Hoffnung hätten, dass der Heilige Geist unsere unbeholfenen Worte gebraucht und Menschen dadurch hilft; dass er sie ruft zum Glauben an Christus, so wie es bei jenem Richter war, der sich taufen ließ mit seinem ganzen Haus; oder dass er durch uns die Menschen ruft zum nächsten Schritt auf dem Weg der Heiligung und des Frommwerdens. Wir sind getragen von der Hoffnung, dass Gott selbst redet, wenn wir von ihm sprechen.

Und die Liebe? Kein Mensch würde heute noch an den Heiligen Valentin erinnern, wäre sein Glaube und seine Hoffnung nicht verbunden und durchdrungen gewesen von einer großen Liebe zu Gott und den Menschen. „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich eintönend Erz und eine klingende Schelle“. Das gilt auch für unser Predigen. Predigt ist Zeugnis unseres Glaubens und unserer Hoffnung und sie soll die große Liebe Gottes zu uns Menschen spiegeln, die er zu uns hat. Daher muss – selbst wenn wir über Gerichtstexte zu predigen haben, und benennen, wo Gott

uns zur Umkehr ruft – deutlich werden, dass Gott uns aus Liebe zur Umkehr ruft. Es gibt nichts Besseres für einen Menschen, als dass er von Gott selbst angesprochen wird. Diesem Liebesgeschehen zwischen Gott und Mensch stellen wir uns beim Predigen zur Verfügung. Predigen ist ein Liebesdienst.

Unsere Kirche beauftragt Sie zum Liebesdienst, zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Sie sind Heilige durch Glauben und Taufe, durch die Vergebung aller Ihrer Schuld. Gott geht mit Ihnen auch den Weg der Heiligung, auf dem Valentin uns nur vorausgegangen ist. Möge Gott Sie selbst und durch Sie Menschen rufen zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe und durch Sie den Weg der Heiligung in uns Heiligen befördern.

Amen.


Und der Friede Gottes…

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