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TV-Weihnachtsansprache

Liebe Frauen und Männer,

Kinder und Jugendliche,

 

es ist Weihnachten. Draußen im Freien strahlen viele Weihnachtsbäume weithin sichtbar. Viele von Ihnen werden selbst einen im Garten oder in der Wohnung stehen haben. Christbäume gehören zum Weihnachtsfest.

Im Mittelalter allerdings kannte man den Weihnachtsbaum noch nicht. Er setzte sich nach der Reformation vor allem in evangelischen Gegenden durch. Überspitzt lässt sich sagen:  In katholischen Gegenden stellte man Krippen auf und in evangelischen Gegenden Weihnachtsbäume. Wie gut, dass evangelische und katholische Christen inzwischen beide Bräuche gemeinsam pflegen. Bei uns zu Hause stehen Christbaum und Krippe.

 

Dieses Jahr vor Weihnachten habe ich mich auch über eine weitere ökumenische Verbundenheit gefreut. Sie wissen es vermutlich: Eine große Elektronikmarktkette hatte eine Werbekampagne gestartet mit dem Werbeslogan: „Weihnachten wird unterm Baum entschieden.“ Die Werbespots zeigen Menschen aller Altersgruppen, die ungestüm Geschenkpapier von Weihnachtspaketen reißen und in Freudengeheul ausbrechen, weil irgendein Produkt, das es natürlich bei dieser Kette zu kaufen gibt, genau ihren Geschmack getroffen hat. Die Botschaft des Slogans ist klar. Ob Weihnachten schön wird, hängt entscheidend davon ab, was du an Geschenken kaufst oder bekommst. Dabei feiern wir an Weihnachten, dass Gott uns mit seinem Sohn Jesus Christus beschenkt hat. Wer mit solch einem Slogan wirbt, unterhöhlt das Fest und nimmt zumindest seine Entleerung billigend in Kauf. Wie billig!

Doch ich freue mich sehr darüber, wie viele Menschen sich ein Gespür für das Eigentliche am Weihnachtsfest bewahrt haben. Auf die Werbekampagne hin brach sofort Protest los. Schon nach wenigen Tagen hatte die Gegenreaktion im Internet über zehntausend Unterstützer.

Freilich bringt der Elektronik-Konzern sich auch durch diese Gegenreaktionen weiter ins Gespräch. Die Rechnung könnte aufgehen, wenn nicht doch viele Menschen so konsequent sind und dort in Zukunft nicht mehr einkaufen.

Jedenfalls haben sich in ökumenischer Verbundenheit und Wachsamkeit unsere evangelischen und katholischen Jugendverbände gemeinsam zu Wort gemeldet mit einer Presseerklärung. Ich zitiere daraus: „Weihachten wurde unterm Stern entschieden. Wir sind doch nicht blöd. Mit dieser Aktion gibt die evangelische und katholische Jugend eine Antwort auf die Werbung“ dieses Konzerns.

 

Diese Jugendlichen lassen sich nicht verblöden durch sinnentleerende Slogans. Sie kennen eben die biblischen Geschichten: „Euch ist heute der Heiland geboren“ hörten die Hirten und fanden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Ein großer Stern stand still über dem armseligen Stall. So fanden die Sterndeuter aus dem Morgenland den König aller Könige, fielen nieder auf ihre Knie und beteten ihn an. Die biblischen Geschichten erzählen: Alle, die zum Kind in der Krippe kamen, wurden von großer Freude ergriffen, weil sie erkannten: der Retter dieser Welt ist geboren. So wurde es Weihnachten bei ihnen. So wird es Weihnachten bis heute.

 

Und warum der Weihnachtsbaum? Es braucht ihn nicht unbedingt, doch er hat eine wunderschöne Symbolik. Fünf Symbole benenne ich:

-        Das Grün der Nadeln steht für die Hoffnung, die durch die Geburt Jesu Christi in diese Welt gekommen ist.

-        Die Beständigkeit der Nadeln, die selbst den Winter überdauern, ist Zeichen für die Treue Gottes.

-        Die eigentliche Schmuckfarbe der Bäume ist rot wie das Blut Jesu Christi: Rote Kerzen, rote Kugeln, rote Äpfel als Zeichen der Liebe und Vergebung Gottes.

-        Die Strohsterne erinnern an das Stroh in der Krippe. Jesus war arm, damit kein Armer sich schämt zu ihm zu kommen. Im Gegenteil, er hat eine große Liebe zu denen, die Hilfe brauchen.

-        Die Kerzen sind zum wichtigsten Schmuck des Christbaumes geworden. Denn Christus ist das Licht der Welt. Wer an ihn glaubt, wird nicht im Finstern sein, sondern das Licht des Lebens haben.

 

Wir feiern die Geburt Jesu in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres. Einen besseren Zeitpunkt zur Feier seiner Geburt gibt es nicht als die Wintersonnenwende. Nach ihr gewinnen Licht und Sonne wieder an Kraft, so wie durch den Glauben an Jesus unser Leben hell und froh wird.

Jochen Kleppers Weihnachtsgedicht nimmt die Lichtsymbolik auf:

 „Welch Dunkel uns auch hält, sein Licht hat uns getroffen!

Hoch über aller Welt steht uns der Himmel offen!

Gelobt sei Jesus Christ.“

Klepper lebte im Dritten Reich und war mit einer christlichen Jüdin verheiratet. Die ganze Familie lebte in Angst vor dem Abtransport ins KZ. „Welch Dunkel uns auch hält.“ Klepper kannte das Dunkel der Braunen Bewegung, das Dunkel der eigenen Angst, das Dunkel gesellschaftlicher Verblendung.

„Welch Dunkel uns auch hält“ - der braune Spuk ist immer noch nicht vorbei. Das wurde überdeutlich durch die Morde aus rechtsradikaler Motivation an ausländischen Mitbürgern.

„Welch Dunkel uns auch hält“; - die finsteren Wolken der Finanzkrise machen vielen Bürgern Sorgen. Sie wird noch lange nicht überwunden sein.

„Welch Dunkel uns auch hält“; - wenn die Lichter heute Abend in den Häusern verlöschen, liegt manch einer im Bett wach, weil die erdachte berufliche Zukunft oder die ersehnte Partnerschaft sich zerschlagen hat, weil finanzielle oder gesundheitliche Sorgen quälen, weil es einem lieben Menschen nicht gut geht, oder weil der eigene Schlaf schon lange gestört ist, oder, oder, oder.

„Welch Dunkel uns auch hält, sein Licht hat uns getroffen.“

Jesus Christus ist das Licht der Welt. Es gibt kein Dunkel, in dem uns nicht sein Licht den Weg weisen kann, sei es im politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Bereich.

Christus ist das Licht in der Welt der Politik: Er ist unser Herr, einen anderen Führer brauchen und wollen wir nicht. Sein Licht bricht sich bunt - nicht braun. Hier in Oberfranken können wir insbesondere Warmensteinach und Wunsiedel gratulieren. Hier wurden Christenmut und Zivilcourage im Widerstand gegen die braune Bewegung bewiesen.

Christus ist das Licht in der Welt der Wirtschaft: Nicht das vergängliche Geld, sondern seine unwandelbare Liebe zu uns, ist unser Glück. Die Jagd nach schnellem leichtem Geld verdirbt den Charakter. Diese Jagd erübrigt sich für Christen, die wissen:  Wir sind beschenkt und reich.

Christus ist das Licht auch unserer persönlichen Welt: Er will im Dunkel wohnen, um es zu erhellen. Schuld, Not, Sorge - sagen wir es ihm und beten ihn dabei an als Licht der Welt. Jedes Dunkel weicht, wenn sein Licht der Liebe über uns leuchtet.

 

Selbst wenn Werbefachleute und Geschäftwelt es schon wieder eilig haben und nach Neujahr die Schaufenster für Fasching dekorieren: Lassen Sie die Bäume ruhig stehen, mindestens bis zum Epiphaniasfest, auch Heilig-Drei-König genannt. Wenn die Nadeln halten, wird er - zusammen mit der Krippe - bei uns sogar bis zum Ende der Weihnachts- und Epiphaniaszeit am 5. Februar stehen. Katholiken entfernen ihn traditionell an Maria Lichtmess, dem 2. Februar.

Liebe Mitchristen, wir sind nicht blöd. Wir lassen uns weder weismachen, Weihnachten würde unterm Baum entschieden, noch lassen wir uns den Weihnachtsbaum vorzeitig nehmen. Denn der Christbaum weist uns hin auf Christus, das Licht unseres Lebens und dieser Welt. Dieses Geschenk feiern wir.

 

Ein gesegnetes Christfest Ihnen allen und ein helles, frohes Jahr 2012.

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