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Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung "40 Jahre TelefonSeelsorge Bayreuth" am 1. Oktober 2009 in der Sparkasse Bayreuth

Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung

"40 Jahre TelefonSeelsorge Bayreuth"

am 1. Oktober 2009 in der Sparkasse Bayreuth

 

Sehr verehrter Herr Münch im Sparkassenvorstand!

Sehr geehrter Herr Dekan Peetz!

Sehr geehrte Frau Pobell und Frau Pfarrerin Bayer-Stude!

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

40 Jahre Telefonseelsorge – diese Jahreszahl löst bei christlich geprägten Menschen sofort Assoziationen aus. Die Bibel erzählt uns von 40 Jahren Wüstenwanderung. Das Bild der Wüstenwanderung passt durchaus zum Jubiläum der Telefonseelsorge; - nicht weil nun zu beschreiben wäre, welche Wüsten die Telefonseelsorge durchwandert hat. Die Telefonseelsorge ist vielmehr eine verlässliche Anlaufstation für Menschen, die sich in einer Wüstensituation befinden. Menschen durchlaufen Durststrecken im Leben. Dann braucht es andere, die bereit stehen, ein Glas Wasser zu reichen, das bis zur nächsten Oase, manchmal sogar akut zum Überleben hilft.

 

Menschen, die bei der Telefonseelsorge anrufen, sind oder fühlen sich oft mutterseelenallein im steinigen Gelände unterwegs. Manchmal heißt ihre Wüste sogar Einsamkeit, manchmal heißt sie Alkohol, manchmal heißt sie Missbrauch, manchmal Ehekrise. Der Seelsorger, die Seelsorgerin lässt sich im Gespräch per Telefon mitnehmen an den wüsten Ort, wie immer er heißt. Manchmal werden so – um den Titel der Ausstellung aufzunehmen – aus Worten Wege aus der Wüste.

 

Telefonseelsorger und -seelsorgerinnen leiden manchmal auch an der Begrenztheit ihrer Möglichkeiten zu helfen. Sie können die Wüsten nicht begrünen. Wenn das Telefonat beendet ist, wissen sie nicht, was der andere Mensch nun aus dem Gespräch und aus seiner Situation machen wird. Immerhin, sie sind Christen und können diesen Menschen nach dem Gespräch Gott anvertrauen. Die Mitarbeitenden der christlichen evangelischen Telefonseelsorge wissen auch, wo sie selbst Wasser schöpfen können. Sie glauben, dass aus Gott als Quelle Wasser des Lebens fließt. Gerade wenn sie dieses Wasser auch für sich selbst schöpfen, werden sie immer mehr zu Seelsorgern und Seelsorgerinnen im tiefsten Sinne des Wortes.

 

Vieles in und um den Dienst muss verborgen bleiben, um die Anrufenden und die Mitarbeitenden durch Vertraulichkeit zu schützen. Die Mitarbeitenden stehen darum nie vor dem Scheinwerfer. Sie bekommen daher auch nicht den Dank der Öffentlichkeit durch Rampenlicht. Wir werden – um den Dienst zu schützen – niemals Bilder der Telefonseelsorger und
-seelsorgerinnen in der Presse finden.

Umso wichtiger sind solche Anlässe, an denen wir den fast 80 Mitarbeitenden danken. Ich danke Ihnen zusammen mit Dekan Hans Peetz, der heute ebenfalls anwesend ist.

Wir danken vor allem den Mitarbeitenden,

-         die Stunden an den Telefonhörern verbringen – auch in der Nacht,

-         die sicher die eine oder andere Wüstengeschichte mit nach Hause nehmen,

-         die doch alles dafür tun, ihre Arbeit und die Gespräche professionell zu reflektieren,

-         die ihre Freizeit einbringen – nicht nur für die Zeit der Telefonate und der Reflexion, sondern auch für ihre Fortbildung.

Sie investieren Zeit, Kraft und Kompetenz ehrenamtlich dafür, dass unsere Gesellschaft menschlich bleibt oder wird, dass Menschen, die Hilfe brauchen, auch erste Hilfe zuteil wird.

Wir danken aber auch den Menschen, die sich für die Rahmenbedingungen der Telefonseelsorge stark machen. Die Namen dieser Menschen sind nicht geheim. Stellvertretend für andere können wir zwei Personen nennen:

Zum einen Frau Pobell, die als Vereinsvorsitzende des Vereins „TelefonSeelsorge Bayreuth“ die stille Arbeit der Telefonseelsorge organisatorisch und finanziell unterstützt; und zum anderen Frau Pfarrerin Bayer-Stude, die seit über acht Jahren die geistliche Begleitung der Mitarbeitenden inne hat, für Fortbildungen sorgt und neue Mitarbeitende gewinnt.

 

Wenn schon der Dienst im Verborgenen geschieht, so ist doch – wie gerade eben erwähnt – der öffentliche Dank wichtig aber eben auch eine Ausstellung wie diese, die die stille Arbeit der TS sichtbar werden lässt, Daten und Fakten, Ziele und Methoden vor Augen führt. Ich hoffe, diese Ausstellung macht die Arbeit der TS bekannter, denn ich fürchte: viele, die in Not sind, denken nicht an die Möglichkeit anzurufen, weil sie davon nicht gehört haben.

Daher danke ich auch der Sparkasse sehr herzlich, dass sie der Telefonseelsorge ihre Ausstellungsräume zur Verfügung gestellt hat. Wie gut, dass der Vorstand der Sparkasse eben nicht nur an Wirtschaftskreisläufe und Finanzmärkte denkt, sondern an die Menschen und ihre verschlungenen Wege auf Durststrecken. Die Sparkasse ist – so habe ich mir sagen lassen, eine Freundin der Telefonseelsorge und unterstützt sie immer wieder. Lassen Sie mich dafür Ihnen meinen großen Respekt und meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Wir brauchen Sie auch weiter als Freundin in Zukunft. Die Gründe werden nur allzu deutlich werden, wenn ich nun meinen Blick auf die kommenden Jahrzehnte richte.

 

Für die Telefonseelsorge Bayreuth stehen große Herausforderungen ins Haus. Die anderen Standorte der Telefonseelsorge in Bayern haben sich in den vergangenen zwei Jahren finanziell neu aufgestellt, oder sie sind gerade dabei. Diese Reorganisation steht für die Telefonseelsorge Bayreuth erst noch an. Nun aber mit höchster Brisanz. Denn wie bei den anderen Standorten in Bayern wird keine Personalstelle – weder eine Pfarrstelle noch eine theologisch-pädagogische Stelle – durch die Landeskirche direkt finanziert. Vielmehr werden nur Zuschüsse nach einem transparenten Schlüssel – auch an den Bayreuther Standort – verteilt. Schon bevor ich wusste, dass ich hierher nach Bayreuth kommen würde, lag mir das Weiterbestehen der Telefonseelsorge Bayreuth und der halben Pfarrstelle am Herzen. Die gegenwärtige Stelle würde es seit einiger Zeit nicht mehr geben ohne meine frühere heftige Intervention. Auch Dekan Hans Peetz hat durch seine Schreiben Wesentliches zur letzten Verlängerung beigetragen. Die Telefonseelsorge Bayreuth hat in uns also zwei kirchenleitende Personen, die ohne Wenn und Aber hinter der Arbeit der Telefonseelsorge am Standort Bayreuth stehen.

Erneut haben wir die Fachabteilung im Landeskirchenamt um letztmalige außerordentliche Unterstützung gebeten. Sollte uns noch einmal – so unsere Hoffnung – ein halbes Jahr Verlängerung der Stelle geschenkt werden, so doch nur, weil die Fachabteilung in München bereit ist, noch einmal zeitlichen Raum zu schaffen, damit hier vor Ort in Kooperation von Verein, Dekanatsbezirk und Kirchenkreis entschlossen die Wende zur eigenständigen Finanzierung der theologischen Begleitung in die Wege geleitet werden kann. Daran führt kein Weg vorbei, wenn man die Telefonseelsorge erhalten will. Es braucht genügend Menschen, die sich dieser Herausforderung positiv offensiv stellen und das Unternehmen wagen.

 

Der Kirchenkreis Bayreuth/Oberfranken hat einen einzigen Fundraiser auf einer halben Pfarrstelle. Er ist zuständig für den Bereich von Haßfurt bis Hof, von Coburg bis Wunsiedel. Er ist heute da, Herr Pfarrer Waedt. Er ist von mir bereits beauftragt, den Fortbestand der Pfarrstelle bei der Telefonseelsorge zu seinem vornehmlichen Projekt zu machen.

Einen gesicherten Fortbestand der Stelle wird es nur durch eine kräftige Stiftung geben, deren kontinuierliche Erträgnisse zusammen mit den aktuellen Spenden den Fortbestand dauerhaft gewährleisten. Bis die Stiftung potent genug ist, braucht es weitere überbrückende Maßnahmen. Doch es gilt: Wer gute Arbeit tut, braucht dauerhaft gesicherte gute Rahmenbedingungen und dafür müssen wir sorgen. Das muss unser Ziel sein, liebe Freunde und Freundinnen der Telefonseelsorge. Und ich glaube fest, dass uns das gemeinsam gelingen wird.

 

Mehr als weitere 40 Jahre wünsche ich der TelefonSeelsorge, auch wenn sie dann möglicherweise anders heißen wird, weil sie in 40 Jahren sicher mit anderen Audio-Medien arbeiten wird. Entscheidend ist, dass es auch in Zukunft Seelsorger und Seelsorgerinnen gibt, die anonym, rund um die Uhr, kompetent, offen, ideologie- und kostenfrei, doch aus christlicher Überzeugung für andere da sind, sodass für Menschen in Not „Worte zu Wegen“ aus der Wüste werden.

Gottes Segen dafür.

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