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Grußwort bei der Pfingsttagung des CVJM in Bobengrün am 31.5.2009

Pfingsttagung

am Pfingstsonntag, 31. Mai 2009

in Bobengrün

 

 

 

An Pfingsten feiern wir das Kommen des Heiligen Geistes. Das war die Geburtsstunde der Kirche Jesu Christi. An Pfingsten begann das Weitersagen des Glaubens an Jesus Christus, als den Retter der Welt. Für viele wäre Pfingsten ohne Bobengrün wie ein Geburtstag ohne Feier mit Freunden. Unser Glaube an Jesus Christus und das Wirken des Heiligen Geistes braucht Ausdruck und unsere Kirche braucht an Pfingsten Feiern wie diese.

 

Natürlich weiß ich, dass die Bobengrüner Pfingsttagung nicht durch die verfasste Kirche, sondern durch den CVJM organisiert ist. Doch CVJM und Kirche sind aneinander gewiesen und befruchten sich wechselseitig – da spreche ich aus biographischer Erfahrung. Ich selbst bin meine ganze Jugendzeit donnerstags in den CVJM, am Sonntagmorgen in die Kirche und am Sonntagabend in die Gemeinschaftsstunde gegangen. Das hat mich geprägt und ich bin dankbar für diese Prägung.

 

Darum habe ich mich sehr über die Einladung gefreut, zu Ihnen zu kommen und ein Grußwort zu sprechen und die Bobengrüner Pfingsttagung kennenzulernen. Mein erstes Grußwort möchte ich persönlich gestalten, damit auch Sie mich kennenlernen. Von meinem Weg zu erzählen bietet sich an, denn im CVJM habe ich gelernt zu beten und täglich Bibel zu lesen, aber auch Lagerfeuer anzuschüren und mich nicht schrecken zu lassen von kalten Nächten in Zelten. Ich habe gelernt Lieder mit der Gitarre zu begleiten, Gruppen und Freizeiten zu leiten, bin die ersten Schritte in geschwisterlicher Seelsorge gegangen und habe die Hemmschwelle überwunden, andere auf unseren Glauben an Jesus Christus anzusprechen und dazu einzuladen. Es war Glaubens- und Lebensschule zugleich. Nicht erst als Regionalbischöfin, sondern als Jugendliche war mir klar, dass mein Leben Christus ganz und gar gehören soll – unabhängig vom zukünftigen Berufsweg. Das Theologiestudium hat mich nicht von Gott weggeführt, sondern mir die Tiefe und Weite unseres Glaubens und die Menschenfreundlichkeit Gottes nur noch mehr erschlossen. Luther ist mein Leib- und Magen-Theologe geworden und ich habe durch ihn gelernt, Taufe und Abendmahl zu schätzen und aus dem Reichtum der Güte Gottes zu schöpfen, weil Gott uns beschenken will, bevor wir handeln. Auch wenn ich manche Gesetzlichkeit und manchen Druck, den ich in meiner Jugendzeit übernommen und vermittelt habe, heute kritisch sehe, bin ich bleibend dankbar für die Ein­übung in Frömmigkeit und Glaubenspraxis, die ich in dieser Verbindung von CVJM, Kirche und Gemeinschaftsstunde gewonnen habe.

 

Es ist ein jung erhaltendes Lebenselixier für unsere Kirche, die als Institution in Bayern heuer 200 Jahre alt wird, dass junge Menschen im CVM, der allermeist pietistisch geprägt ist, lernen betend zu leben und aus der Schrift die Leitplanken und Normen für ihr Leben zu gewinnen, so wie das hier geschieht. Umgekehrt tut uns pietistisch und evangelikal geprägten Christen die alte Mutter Kirche gut, in ihrem Traditionsbewusstsein, ihrer Offenheit für andere christliche Prägungen und ihrem Gespräch mit Wissenschaft und Kultur. Der kirchliche weite Horizont und das pietistisch-evangelikale klare Profil müssen sich weder beißen noch verachten. Wenn Christus unsere Mitte ist, die Schrift unsere eigentliche Norm, das Gebet die Sprache unserer Seele, die Liebe unser Weg und das ewige Leben bei Gott unser Ziel, was soll uns dann trennen? Ich möchte Sie alle ermutigen, diese Verbindung von CVJM und Kirche zu leben, weil Christus Christen zur Einheit ruft.

 

Vor wenigen Tagen war ich schon hier, habe mir die Zeltwiese, diesen Platz hier und die Häuser unten angeschaut, habe die ersten Bobengrüner Pressluftstollen meines Lebens gegessen und mich sehr gefreut auf diese Begegnung heute, weil – wie Sie nun gemerkt haben – es ein Anknüpfen an meine mich gegenwärtig immer noch prägende Vergangenheit ist.

 

Es wird – so Gott will und wir leben – sicher nicht das letzte Mal sein, dass ich hier bin. Bis wir uns wiedersehen, lassen sie uns anderen weitersagen, dass wir einen Gott haben, der hilft und rettet. Zur Geburtsstunde der Kirche an Pfingsten gehören das Feiern und das einladende Weitersagen unseres Glaubens in der Kraft des Heiligen Geistes.

 

Gottes Segen Ihrer Tagung und dann für Ihr Leben jeden Tag bis es wieder Pfingsten ist.

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