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Predigt am 16. Sonntag nach Trinitatis, dem 27. September 2009, zur Wiedereinweihung der Dreifaltigkeitskirche in Neudrossenfeld

Wiedereinweihung der Dreifaltigkeitskirche

am 16. Sonntag nach Trinitatis, dem 27. September 2009

in Neudrossenfeld

Predigt über „Blumen für die Ewigkeit“.

 

 

 

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt.

 

Liebe Gemeinde,

„Ein Hauch des Himmels! Bezaubernd, diese unaufdringlichen Farben!“ Das war mein erster Eindruck, als ich vor wenigen Wochen Ihre wunderschöne Kirche zum ersten Mal betrat und mein Blick auf die Stuckaturen an der Decke und die zarten Blumen an den Emporenbrüstungen fiel.

Ich beglückwünsche Ihre Gemeinde zu dieser Kirche. Gottesdienst zu feiern, ist eine Freude. Doch dabei solch einen offenen Himmel über sich zu haben, solche außergewöhnlichen Stuckaturen zu betrachten und von nie verwelkenden Blumensträußen umgeben zu sein, ist ein Genuss noch dazu. Diese Markgrafenkirche ist ohnehin von besonderer Schönheit. Doch bei dieser Innenrenovierung ist es gelungen, diese Schönheit insbesondere durch die im ursprünglichen Rokokostil gemalten zarten Blumen zum Blühen zu bringen.

„Ein Blumenstrauß für die Ewigkeit“, so lautete eine Zeitungsüberschrift am 4. Juni dieses Jahres im Nordbayerischen Kurier mit einem ersten Bild der neu bemalten Brüstungen. „Ein Blumenstrauß für die Ewigkeit“, wie kam Gabi Schnetter, die Journalistin oder der Redakteur zu dieser hochtheologischen Überschrift? Darüber will ich nicht spekulieren, zumal nichts zur Ewigkeit im Artikel stand. Doch die Überschrift ist gut. Sie taugt für eine Predigt. Angesichts Ihrer neu gemalten Blumen, möchte ich Ihnen eine Predigt über „Blumen für die Ewigkeit“ halten.

 

Das Wort „Blumen“ kommt in der Bibel nicht häufig vor. Im Wesentlichen in zwei Zusammenhängen. Beide sind bedeutsam für unsere Kirchenwiedereinweihung. Wenige Verse vor dem Bibelwort, das wir bei der Einweihungshandlung vorhin gehört haben, wird beschrieben, wie der Tempel ausgestattet war. 1000 Jahre vor Christi Geburt waren schon die Leuchter mit Blumen verziert. Schon im alten Israel gehörten Blumen dazu zur Verschönerung des Tempels, in dem das Volk betete. Viele haben kein Verständnis dafür, warum Menschen, die nicht viel Geld haben, auch heute noch dazu beitragen, dass sie schöne Kirchen haben. Ihr Glaube an Gott ist ihnen mehr wert, als alles Geld der Welt. Wunderschön soll die Kirche sein, weil der Glaube an Gott etwas Wunderbares, Unbezahlbares ist. Blumen sind so schön. Sie gehören zur uralten Tradition der Verschönerung unserer Gotteshäuser.

Zum anderen aber sind in der Bibel Blumen – und das scheint zunächst ganz unpassend für unsere Kircheneinweihung zu sein – der Inbegriff der Vergänglichkeit. „Alles Fleisch ist wie Gras, und alle seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt und die Blume verwelkt …“, heißt es bei Jesaja und im ersten Petrusbrief.

Stimmt! Es ist Herbst. Die Schönheit dieser Welt verwelkt. Kommenden Sonntag an Erntedank stehen die Blumen und Früchte nochmals in aller Pracht auf dem Altar. Aber gerade hier in Ortschaften, in denen viele Häuser ihre Gärten haben, wissen wir Menschen ganz genau, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alles vorbei ist. Bald sind Bäume und Beete kahl.

Die Neudrossenfelder haben Blumen, die nicht verblühen. Das Bibelwort zur Vergänglichkeit der Blumen, das ich gerade zitiert habe, geht weiter und die Blumen in Ihrer Kirche, die nicht verwelken, sind wie ein Hinweis auf diesen zweiten Teil des Bibelwortes. „Die Blume verwelkt“ – so der erste Teil und nun der zweite: „doch das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dieses Wort ist das Evangelium, das euch verkündet worden ist.“ Soweit 1. Petr. 1.

In wenigen Monaten, mitten im Winter, wenn draußen nichts mehr blüht, sind Sie in Ihrer Kirche umgeben von einer Fülle von Blumen, die nicht verwelken. Hinweis sind sie, auf Unvergängliches, auf das Evangelium, auf Christus, auf den Himmel.

 

Von der Hoffnung auf das ewige Leben zu reden ist unter Christen gegenwärtig nicht in. Es gibt christliche Modethemen. Das ewige Leben und das Jenseits, die Auferstehung und das Leben bei Gott, gehören gerade nicht dazu. Vielleicht haben wir zu sehr Angst, dass uns der alte Vorwurf treffen könnte, dass unser Glaube zur Flucht aus der Wirklichkeit beitrage und eine Vertröstung auf das Jenseits sei. Das war früher vielleicht einmal so. Heute ist diese Angst unberechtigt. Ich glaube eher, wir erzählen vor lauter Angst zu vertrösten nicht mehr genug vom Trost der Auferstehung. Doch, dass wir nach dem Tod bei Gott sein werden gehört zum Kern des Evangeliums.

Unsere Lieder singen davon. Mindestens die letzte Strophe unserer älteren Lieder öffnet den Blick für das ewige Leben, für den Himmelssaal, das Paradies, den gedeckten Tisch in Gottes Reich, der uns erwartet. Auch das Lied von Paul Gerhardt, das wir nach der Predigt singen: „Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerszeit“ öffnet nach dem Blick in die irdischen Gärten in Strophe 9 den Blick für den himmlischen Garten: „Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein!“ Und Strophe 10 beginnt: „O wär ich da! O stünd ich schon, ach süßer Gott vor deinem Thron.“

Auch diese Kirche predigt davon. Nicht nur die beiden Engel aus Stuck, die vor der Renovierung absturzgefährdet waren, abgenommen wurden und nun wieder sicher hängen, erinnern an den Himmel, nicht nur der frisch gereinigte Engel, der Trompete bläst und mit dem Finger nach oben zeigt, weist uns den Weg, wohin wir gehen. Auch die Blumen, die nicht verwelken, sind wie ein Hinweis auf den Himmelsgarten, in dem wir einmal sein werden.

Beim Gang durch die Baustelle vor wenigen Wochen habe ich dem Restaurator beim Malen etwas zugeschaut. Ich fragte ihn, ob er bestimmte Blumen vor Augen habe, wenn er male; manche würden an Tulpen erinnern, manche an Pfingstrosen. „Nein“, meinte er, „ich male keine konkreten Blumensorten, ich male Phantasieblumen.“

Blumen spielen in der Kirchenmalerei eine wichtige Rolle. Ist auf Kirchengemälden z.B. die Lilie gemalt, so ist sie Zeichen für die Reinheit Marias oder eine Akelei weist auf die sieben Gaben des Heiligen Geistes hin. Doch welche Bedeutung können in der Kirchenmalerei Blumen haben, die der Phantasie entsprungen sind?

Beim Nachdenken darüber stieß ich auf ein Bild von der Heiligen Dorothea, zufällig meine Namensschwester. Ich entdeckte, dass die Heilige Dorothea um ihre Stirn Blumen hatte, die keine konkreten Sorten darstellten, sondern einfach Blumen ohne Namen. Andere Bilder stellen diese Heilige dar mit einem Korb voller Blumen. Diese Blumen sind manchmal Rosen, häufig aber Blumen der Phantasie – wie hier in unserer Kirche.

Dorothea sollte um ihres Glaubens willen getötet werden. Sie nutzte trotz vorangegangener Folter selbst die Situation ihrer Hinrichtung, um die Menschen noch einmal auf das Heil in Jesus Christus hinzuweisen und sagte, dass sie noch heute im Himmel sein werde und im Paradiesgarten Blumen pflücken werde. „Dann schick mir doch ein paar Blumen aus deinem Paradies“, spottete der Schreiber Theophil, als er ihre Worte hörte. Dorothea starb. Der Schreiber kam nach Hause. Vor seiner Tür stand ein Korb voller Blumen. Es war mitten im Winter. Theophil erschrak zutiefst und begann an Christus zu glauben.

Diese Heilige hat in der Legende sehr naiv vom Leben nach dem Tod gesprochen. Ich glaube nicht, dass wir nach dem Tod Blumen pflücken werden. Aber das Blumenpflücken ist wohl auch nur Bild dafür, dass wir dort tun werden, was uns mit Freude erfüllen wird.

Die Bibel erzählt uns nicht viel vom Leben nach dem Tod, oder von dem, was nach unserer Auferstehung sein wird. So viel kann ich aber sagen, dass es in der Bibel keinerlei Anhalt dafür gibt, dass wir als Kamel, Laus oder Lamm wiedergeboren werden. Reinkarnation lässt sich biblisch nicht begründen. Doch in welche Richtung weist uns die biblische Botschaft?

Paulus spricht davon, dass wir einen Auferstehungsleib haben werden. Das meint aber nicht, dass sich die Zellen unseres jetzigen Körpers wieder zusammenfügen. Keine Angst also vor Organspende aufgrund unseres Glaubens an die Auferstehung. Wir brauchen unsere Organe dort nicht mehr. Paulus spricht aber wohl von einem Auferstehungsleib, weil er davon ausgeht, dass es uns dort geben wird und dass wir Christus und dass wir einander mit neuen Augen sehen und mit neuen Ohren hören werden. Wir lösen uns nicht auf ins Alleine. Es wird uns erkennbar geben, uns als Dorothea, als Claus und Johannes, als Karin und Anna, Andreas und Thomas und wie wir alle hier heißen.

Wir werden auch nicht herrenlos umherirren wie Irrlichter. Das Johannesevangelium erzählt uns bildhaft davon, dass Christus uns eine Wohnung bereitet. Das heißt, dass wir einen Ort haben werden, an dem wir sein werden. Vor allem wird Christus dort sein. Das gehört für mich zur größten Freude, dass wir, die wir an Christus glauben, sein werden, wo Christus ist. „Ich habe Lust abzuscheiden und bei meinem Herrn zu sein“, meint Paulus. So sehr freut er sich auf dieses Leben bei Gott.

Kein Leid und Geschrei und Schmerz wird dort mehr sein, sondern uns ist verheißen, dass wir uns mit unermesslicher Freude freuen werden, gerade weil wir bei Christus sein werden. Er, das Licht der Welt, wird uns im Tod zu sich rufen und wir werden in seinem Licht leben.

 

Die Freude über das zukünftige Leben bei Gott trübt in keiner Weise unsere Freude am Leben hier. Christen fliehen auch nicht aus dem Leben hier. Im Gegenteil gibt das Vertrauen auf ein Leben nach dem Tod Kraft und Mut für das Leben vor dem Tod. Weil Christus, der unser Weg zum Vater, zum Himmel ist, in die Welt gekommen ist, stehen wir mitten in dieser Welt und gestalten sie hier und heute.

Heute ist Wiedereinweihung und Wahlsonntag. Christen, die an den Himmel glauben, stellen sich den Realitäten auf der Erde und gestalten sie. Nicht zu wählen heißt, sich der Gestaltung der Realität verweigern oder sie anderen überlassen. Wir sind aber in die Welt gestellt. Wir gehen auf die zukünftige zu, aber noch sind wir da, um sie in der großen Kraft, die aus der Auferstehungshoffnung wächst, zu verändern mit Gottes Hilfe. Diese Welt hat die Freude, die aus dem Glauben an die Auferstehung kommt, bitter nötig. Sie braucht die Blumen aus der Ewigkeit.

 

Ihre Kirche ist so schön, dass sie mich – die ich nun wirklich keine Dichterin bin – angeregt hat im Anklang an das Lied, das wir gleich singen werden, noch einen Vers zu dichten. Mit ihm schließe ich und leite über zum Lied „Geh aus mein Herz“. Paul Gerhardt kann es unvergleichlich besser, doch verstehen Sie meinen Vers

als Kompliment für Ihre wunderschöne Kirche,

als Einladung, auch in Zukunft sonntags in diese wunderschöne Kirche zu kommen

und als Ausdruck unseres gemeinsamen Glaubens an das Leben bei Gott.

 

„Geh auch zur Kirche, suche Freud

stets zu der Gottesdienste Zeit

an deines Gottes Gaben.

Denn all der schönen Blumen Zier

sind steter Hinweis, dass einst wir

im Himmel Leben haben,

im Himmel Leben haben.“

Amen.

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