Nachrichten > Nachrichtenleser

Predigt im Festgottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum der Johanneskirche in Pottenstein am 3. Sonntag nach Trinitatis, dem 28. Juni 2009

Predigt im Sommersonnabendgottesdienst

am 27.6.2009

in der Rupertskapelle bei Obernsees

Predigttext: Joh 3.30 Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.

 

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Sie haben vorhin in der Lesung das Evangelium für das Johannifest gehört. Der Tag Johannes des Täufers hat auch einen Tagesspruch. Er soll Grundlage der Predigt sein.

Er steht im Johannesevangelium Kapitel 3, Vers 30. und ist ein Ausspruch Johannes des Täufers über Jesus: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

„Ich muss abnehmen“ – wie oft habe ich das schon zu meinem Mann gesagt. Wenn mein jüngerer Sohn es hörte, dann bemerkte er nur: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Stau am „Mittleren Ring“ sagen die Münchner gerne und meinen da manchmal die runde Route um München aber manchmal eben auch die Rundung in der Bauchmitte. Mögen etliche schlanke Tannen unter uns sein, die allermeisten in diesem Kirchlein kennen das Problem der wachsenden Ringe mit den Jahren.

„Ich muss abnehmen“ wäre also ein ganz normaler Satz – wäre er von Johannes nicht ganz anders gemeint. Johannes will nicht an Pfunden abnehmen, sondern an Bedeutung und Einfluss. Nicht Gewichtsverlust, sondern Machtverlust will er. „Das ist eine Größe“, sagen wir manchmal über bedeutende Menschen. Johannes will das nicht. Er möchte, dass Christus groß wird.

 

Ich habe Ihnen eine Fotographie einer Skulptur des Künstlers Karl Heinz Hoffmann mit dem Titel: „Johannes der Täufer tauft Jesus“ mitgebracht. Sie steht in der Johannes-Kirche in Pottenstein. Diese Johanneskirche feiert morgen ihr 50-jähriges Jubiläum. Sie sind herzlich eingeladen zu kommen. Sie hören dann, wenn Sie wollen, eine andere Predigt über Johannes den Täufer auf der Grundlage des vorhin gehörten Evangeliums. Dort in der Johanneskirche in Pottenstein steht jedenfalls diese Skulptur im Original.

Auf der Skulptur sind Johannes und Jesus mit geschlossenen Augen dargestellt. Beide sind ganz konzentriert, nach innen gewandt und still. Johannes legt segnend seine rechte Hand auf. Die Hände Jesu unterstreichen die empfangende Haltung Jesu.

Auffallend ist der Größenunterschied zwischen den beiden Figuren. Johannes groß und hoch, Jesus klein und niedrig. Religionsgeschichtlich betrachtet, war Jesus von Nazareth bedeutsamer als Johannes der Täufer, wiewohl auch Johannes – das ist historisch unbestritten – eine bedeutsame historische Gestalt gewesen sein muss. Er war ein Wüstenprediger mit großer Anhängerschar. In der Bibel heißt es sogar, dass ganz Judäa zu ihm kam und sich von ihm taufen ließ.

Dass Johannes in der Skulptur so viel größer ist als Jesus, lässt sich freilich auch so erklären, dass die Skulptur die Taufe Jesu durch Johannes darstellt. Der Jordan ist durch die Wellenlinien im Steinsockel angedeutet. Vielleicht stand der Täufling Jesus tiefer im Wasser.

Dieser Größenunterschied zeigt jedenfalls auf beeindruckende Weise, dass der, den wir als Herrn aller Herren preisen, die Taufe und den Segen Gottes durch einen Menschen empfängt. Jesus wird eben in der Bibel nicht nur dargestellt als starker Heiland, sondern auch als Mensch, der angefochten ist, der Hunger leidet, Angst hat, sich nach dem Segen seines Vater sehnt. Als dieser Mensch, der weiß, dass er angewiesen ist auf Hilfe von Menschen und auf Hilfe von Gott, lässt er sich segnen für seinen Weg zu Beginn seines Wirkens. Insofern haben die Größenverhältnisse in der Skulptur durchaus auch ihre Berechtigung.

 

Vermutlich aber will Karl Heinz Hoffmann durch den gravierenden Größenunterschied uns geradezu die Relevanz des Wortes: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ ins Auge springen lassen.

Was ist der tiefere Sinn dieser Aussage des Johannes? Warum will er hinter Christus zurücktreten? Warum will er, dass die Menschen nicht seine eigene, sondern Christi Größe wahrnehmen?

Schon vor dieser Taufe, scheint Gott Johannes auf die Begegnung mit Jesus vorbereitet zu haben. Johannes ist ein Prophet, ein Visionär. Er ahnt, dass der vom Volk lang ersehnte Messias geboren ist. Es ist für ihn Ehrensache, für diesen Messias zu rufen: Ebnet den Weg des Herrn. Der Messias hat für Johannes so große Bedeutung, dass er meint, er sei nicht wert, die Schuhriemen dieses Herrn zu lösen (Joh. 1).

Und dann kommt es zur ersten und einzigen Begegnung zwischen Johannes und Jesus am Tauftag Jesu. Nach den Erzählungen des Johannesevangeliums begrüßt Johannes der Täufer Jesus mit dem Worte: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Der Maler Grünewald hat diesen Ausspruch des Täufers unüberbietbar darge­stellt, indem er Johannes mit einem überlangen Finger malt, wie er auf Jesus deutet. Nach den Erzählungen des Johannesevangeliums bezeugt Johannes selbst, dass er bei der Taufe sah, wie der Heilige Geist vom Himmel herabfuhr und auf Jesus blieb. Ob Johannes das mit geschlossenen Augen gesehen hat? Vielleicht ja. Seit er Christus gesegnet hat, ahnt er jedenfalls, dass Christus der Messias ist. Messias ist nur der hebräische Ausdruck für das griechische Wort „Christus“, auf deutsch „der Gesalbte“ – gesalbt durch Gott selbst und die Gegenwart des Heiligen Geistes.

 

Nach der Taufe beginnt das Wirken Jesu. Der Täufer Johannes empfindet Jesus, der immer mehr Zulauf bekommt, nicht als Konkurrent. Im Gegenteil, er freut sich durch seine Bußpredigt und sein Taufen mit dazu beizu­tragen, dass die Menschen sensibel werden für die Botschaft Jesu. Die Jünger des Johannes aber sind entsetzt und schildern Johannes den Zulauf, den Jesus hat. „Jedermann kommt zu ihm“. Johannes antwortet: „Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Die Bereitschaft des Johannes ist also kein Ausdruck von Verzicht und mürrischer Machtaufgabe, sondern Ausdruck großer Freude über das Erscheinen des Retters der Welt. Es gibt für ihn nichts Größeres und Fröhlicheres als ihm zu dienen

 

Unsere Kirchenjahresfeste sind ausdrucksstark. Wir feiern die Geburt Jesu am dunkelsten Tag im Jahr bei geringster Sonneneinstrahlung zur Zeit der Wintersonnenwende, ab der die Kraft der Sonne zunimmt. In vorchristlicher Zeit feierten die Römer in den dunklen Wintertagen das Fest des sol invictus, der unbesiegbaren Sonne. Kein anderer konnte für Christen mit einer unbesiegbaren Sonne verglichen werden – nur Christus, das Licht der Welt.

An Mittsommer dagegen feiern wir die Geburt Johannes des Täufers. Ab Mittsommer nimmt die Sonneneinstrahlung ab, geht zurück. Johannes hatte Strahlkraft, aber er selbst wollte sie einsetzen, um auf Christus zu verweisen.

Ab Johanni werden die Schatten länger, wie ein stärker werdender Fingerzeig auf Christus, das Licht der Welt. Das Fest Johannes des Täufers verweist durch seine jahreszeitliche Gegenüberstellung auf Weihnachten und Christus. Da ist es gar nicht so verkehrt also, wenn die Kerzen heute weihnachtliche Gefühle in uns auslösen.

Nicht nur die Aussage des Johannes: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ legte es nahe, den Geburtstag auf den Tag zu legen, ab dem die Sonneneinstrahlung abnimmt. Abgesehen von der Notwendigkeit das heidnische römische Fest des sol invictus abzulösen, gab es für die junge Kirche auch ein Bibelwort, das es für die alte Kirche nahe legte, den Geburtstag Jesu auf den dunkelsten Tag im Jahr zu legen. Es findet sich in unserem vorhin vorgetragenen Evangelium. Dort jubelt Zacharias, der Vater des Johannes, nicht nur über die Zukunft seines eigenen Sohnes, dass dieser ein Prophet des Höchsten sein wird und ihm dem Weg bereiten wird, sondern es ist in diesem ein Hinweis enthalten auf Christus und seine Geburt. Zacharias prophezeit: „Es wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die da sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes.“ Diesen Besuch des aufgehenden Lichtes für alle, die im Finstern sitzen, feiern wir an Weihnachten ausdrucksstark mit vielen Kerzen.

Jesus, das aufgehende Licht, das im Dunkeln scheint. Auf dieses Licht will Johannes der Täufer hinweisen. Es macht ihm nichts aus, wenn sein Glanz vergeht, solange die Menschen an Christus glauben.

 

Ich habe bisher keinen Menschen kennengelernt, der keine Probleme mit seinem Selbstbewusstsein hätte. Gerade Menschen, die besonders fest und resolut auftreten, haben sogar manchmal größere Selbstbewusstseinsprobleme als Menschen, die sich im Hintergrund halten und still zuhören können. Es tut uns allen doch so gut, auch mal bestätigt und gelobt zu werden. Wie schön, wenn wir uns das gegenseitig immer wieder gönnen können. Da werden wir doch innerlich ein Stückchen größer. Das darf und soll sein. Das gehört zum liebevollen Umgang miteinander.

Und nun sagt da einer: Ich muss abnehmen – an Bedeutung. Christus muss zunehmen. Doch das hat nichts damit zu tun, dass er sich selbst kein Lob gönnt. Er fühlt sich überaus geehrt und gelobt, in der Rolle, in der er sich selbst sieht. Christus ist der Bräutigam, ich – Johannes – nur sein Freund. Er ist der Messias, ich nur sein Wegbereiter. Er ist der Heiland, ich bezeuge das nur.

Nur? Für Johannes ist das kein „nur“, sondern die allerhöchste Erfüllung. Und auch wir würden nicht Kirchen nach Johannes dem Täufer benennen, wenn das nicht die Aufgabe schlechthin wäre, auf Christus aufmerksam zu machen, mit dem Finger auf ihn zu zeigen: auf Christus schaut, er vergibt, er öffnet die Tür zum Himmel, er schenkt uns Heil und ewiges Leben, das hier beginnt und im Tod nicht endet.

Ich bin darüber hinaus überzeugt, dass viele – sicher nicht alle – aber viele unserer Selbstbewusstseinsprobleme vergehen, wenn wir ergriffen sind wie Johannes von der Größe Christi und es uns zur Erfüllung wird, Christus groß zu machen in der Welt.

Dass wir Christus als Herrn aller Herren, Heiland aller Menschen, Licht der Welt preisen und von ihm erzählen, hat nichts aber auch gar nichts mit einer knechtisch gebückten Haltung zu tun. Im Gegenteil, es wird uns so gehen wie Johannes, der von Freude ergriffen ist, dass er der Freund des Bräutigams ist und eingeladen zu einem großen Fest.

Er, Christus, muss wachsen. Ich muss abnehmen. Es ist augenscheinlich, dass Johannes gerade in diesem Satz seine eigentliche Größe und Bedeutung zeigt.

Amen.

 

Und Christus unser Licht und Leben erleuchte unseren Tag und unsere Nacht.

Amen.

 

Dr. Dorothea Greiner

Regionalbischöfin


Fürbitten

Lasst uns Fürbitte tun:

 

Lieber Vater im Himmel

Du hast Christus als Licht der Welt zu uns gesandt

Wir bitten Dich für diese Welt, in der oft so erschreckend viel Dunkelheit und rohe Gewalt herrscht:

Herr sende Dein Licht der Liebe in die Herzen der Gewalttäter und der Opfer im Iran.

 

Wir bitten Dich für unsere Familien, in denen oft der Feuerfunke Deines Geistes fehlt:

Herr sende Dein Licht der Liebe in die Herzen von Eltern und Kindern, von Ehepartnern, von Geschwistern.

 

Wir bitten Dich für uns selbst:

Entzünde an jedem Tag und in jeder Nacht die unvergängliche Freude über Dich in unserem Herzen und lass unseren Mund übergehen im Lob zu Dir und im Erzählen von Dir und Deinem Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Vaterunser

 

Wir singen ein Abendlied, das erzählend beginnt und betend endet.

Wir singen

477, 1.2.8.9 Nun ruhen alle Wälder


 

In diesem Schutz Gottes und seiner Engel geht in die Nacht.

Geht in den Sonntagmorgen mit dem leuchtenden Angesicht Gottes über Euch,

Geht durch die neue Woche im Frieden unseres Herrn..

 

Der Herr segne Euch und behüte Euch,

der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch + Frieden.

Segen

Zurück