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Predigt in der Osternacht

Osternacht

am 12. April 2009

in der Stadtkirche Hl. Dreifaltigkeit Bayreuth

Predigttext entsprechend der Perikopenordnung: Matth. 28, 1-10

 

 


Votum:

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Amen.

 

Liebe Gemeinde!

 

Wie sehr freue ich mich nach 10 Jahren des Dienstes im Landeskirchenamt wieder eine feste Predigtstelle hier bei Ihnen in der Stadtkirche zu haben!

 

Wie schön mit diesem Dienst in der Osternacht zu beginnen! Es ist die Nacht, in der so viel neu geworden ist, weil Christus auferstanden ist, Menschen begegnet ist und in ihnen ein Feuer entzündet hat.

 

Die Perikopenordnung gibt uns für diese Osternacht ein Bibelwort vor, das – wie könnte es auch anders sein – von der Auferstehung Jesu erzählt.

Wir hören Mt. 28, 1-10.

 

Textlesung.

 

Drei Mal erwähnt unsere Auferstehungsgeschichte, dass die beiden Frauen die frohe Botschaft: „Christus ist auferstanden“ verkünden sollen und wollen.

 

Der Engel Gottes begegnet Maria Magdalena und der anderen Maria am Grab. Nachdem er ihnen selbst die Osterbotschaft verkündigt hat gibt er den beiden den Auftrag: „Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten.“

 

Obwohl der Engel sie begrüßt hatte mit „Fürchtet euch nicht“, fürchten sie sich natürlich trotzdem; aber es heißt: „Sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen“. Es drängt sie also selbst, sie wollen also selbst von der Auferstehung Jesu weitererzählen. Der Auftrag des Engels ist bei ihnen angekommen. Wahrscheinlich ist ja in ihnen selbst bereits etwas geschehen. In ihnen ist ein Freudenfeuer entzündet, sodass sie laufen und reden wollen.

 

Da begegnet Jesus ihnen und auch er sagt als erstes: „Fürchtet euch nicht“ und weiter: „Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern. …. Sie werden mich sehen.“

 

Der Engel beauftragt die Frauen zur Verkündigung der Osterbotschaft, sie wollen verkündigen und Jesu bekräftigt noch einmal den Auftrag.

 

Christus ist auferstanden, er lebt, er begegnet Menschen. Diese Osterbotschaft will weitergesagt werden, damit sie sich ausbreitet, wie ein Lauffeuer. Und sie hat sich ausgebreitet, wie ein Lauffeuer. „Brannte nicht unser Herz, als wir ihn sahen“, wundern sich die Emmausjünger, als er ihnen begegnet ist. Auch sie laufen nach Jerusalem und sagen es den anderen; und wieder andere Begeisterte laufen und fahren weiter bis Rom, bis Alexandria und noch weiter.

 

Liebe Gemeinde, die Osterbotschaft will weitererzählt werden und sie soll weitererzählt werden von vielen. Es ist die schönste Nachricht der Welt: Jesus lebt. Der Gekreuzigte ist auferstanden. Er ist hier in unserer Mitte. Er geht mit uns, wenn wir aus der Kirche hinausgehen. Sein Geist wohnt in unseren Herzen.

 

Diese Osterbotschaft zu verkündigen ist meine Aufgabe heute. Eine wunderschöne Aufgabe. Und wenn ich nun Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, sage, dass das auch Ihre Aufgabe ist, dann ist es sicher gut, dass zu unserem Bibelwort die eindrückliche Ermutigung gehört: „Fürchtet euch nicht.“

 

In gewisser Weise ist es viel einfacher hier oben zu stehen und zu predigen: „Jesus lebt, er ist auferstanden.“ Das wird von mir erwartet und ich erfülle diese Erwartung sehr gerne, weil diese frohe Botschaft meiner innersten Überzeugung entspricht. Aber es ist viel schwerer, ohne Talar, ohne Pfarrerstitel zu sagen: Jesus lebt, er ist auferstanden. Das glaube ich, das ist meine Überzeugung.

 

Doch liebe Gemeinde, nur wenn der Glaube mitten im Leben bekannt wird, dann wird er wieder bekannter. Und das braucht es. Diese Botschaft muss aus der Kirche raus, in die Häuser, in die Zimmer, will auf Wegen und Umwegen erzählt werden. Manche werden es nicht hören wollen. Manche werden uns aber zutiefst dankbar sein und schon lange darauf warten.

 

Da ist doch so viel im Leben der Menschen, was sie traurig macht. Vielleicht ging es Ihnen auch so, dass Ihnen beim Wort "Erdbeben" in unserem Bibeltext der italienische Ort L'Aquila eingefallen ist mit seinen Hunderten von Erdbebentoten. In unserem Bibelwort bebt die Erde, als der Verkündigungsengel kommt. Es ist ein Beben gegen den Tod. Ich hoffe, dass es für jeden Menschen, der Angehörige und Freunde verloren hat in L'Aquila einen Engel in Menschengestalt gibt, der von der Auferstehung erzählt. Oft erreicht die Botschaft einen Trauernden nur wie ein schwaches Licht in der Ferne, doch manchmal geschieht es, dass es ihnen nahe kommt und dann heller strahlt als alle Sonnen. Dunkles gibt es im Leben jedes Menschen. Alle haben ihr Kreuz und manche können es kaum noch ertragen – ich schließe hier die Kinder und Jugendlichen bewusst mit ein. Es gibt keine Familie, in der nicht auch gelitten wird, zumindest zu mancher Zeit.

 

Die Auferstehungsbotschaft wischt das Leid und die Probleme nicht weg. Doch das Osterfeuer brennt am hellsten mitten in der Dunkelheit. Die Freude dass Jesus lebt, mit uns lebt, in und trotz dem Dunklen, das zu jedem Leben gehört, - diese Freude soll sich in den Familien in Bayreuth, im Kirchenkreis und überall ausbreiten. Wenn etwas die Welt erhellen kann, dann der Glaube an Christus, das Licht der Welt.

 

Jesus will doch genau dort sein, wo Menschen Angst vor dem nächsten haben. Gerade ihnen will er sagen: „Fürchte dich nicht, ich bin heute und morgen bei dir.“ Jesus ist nicht zu den Gesunden gegangen, sondern zu den Kranken. Ihnen hat er die Hände aufgelegt. Er wird dort sein, wo Menschen sich schwer tun – mit sich selbst, mit anderen oder mit beruflichen oder gesundheitlichen Belastungen. Er will bei den Menschen sein und helfen – so war es mit dem irdischen Jesus und so ist es mit dem Auferstandenen.

 

Und genau das, liebe Gemeinde, müssen die Menschen erfahren. Gerade die, die nicht in die Kirche kommen, sollen hören: „Jesus lebt. Er will bei ihnen sein“. Das ist unsere Aufgabe als Christen, als Menschen die schon angesteckt worden sind mit der Osterbotschaft, sonst wären wir nicht hier. Das Osterfeuer brennt nicht nur draußen, sondern in uns. Lassen wir es brennen!

 

Durch die erste Osternacht hat sich so viel geändert und auch diese Osternacht nimmt uns hinein in die Bewegung, die damals entstand: Geht und verkündet, dass Jesus lebt.

 

Trotzdem, ich will es nicht beschönigen: Es ist gar nicht so einfach ohne Talar, Ort und Zeit und Art und Weise zu finden den Glauben weiterzusagen ohne aufdringlich zu sein und doch einladend. Das bedarf der Überwindung und der Übung. Die gewinnen wir freilich nur, wenn wir es tun. Furcht und Freude waren damals schon beieinander auf dem Verkündigungsweg.

 

Es gibt Möglichkeiten zum Weitersagen:

Bei einer Einladung mal statt einer Flasche Wein als Mitbringsel eine CD mit Liedern von Paul Gerhardt schenken und in einem Satz erwähnen, warum uns das Lied „Befiehl du deine Wege“ so gut tut.

Bei einem Geburtstag ein Büchlein mit christlichen Gedanken und der Hinweis auf eine Seite, die uns besonders anspricht.

Bei einer blöden Bemerkung über den Glauben und die Kirche nicht schweigen, sondern dagegen halten im Reli-Unterricht, auf der Straße, im Wirthaus, wo auch immer.

 

Es gibt Gelegenheiten, Bote der Auferstehung zu sein. Die Gelegenheiten werden sich ergeben; erzwingen brauchen wir nichts. Haben wir den Verkündigungsauftrag erst einmal angenommen wie die beiden Frauen, wird er in uns wirken und durch uns wirken.

 

Der Auftrag erging in unserer biblischen Geschichte an die Frauen und es ist gut, wenn sich hier alle Frauen angesprochen fühlen. Doch es geht nicht ohne die Männer. Glauben ist nicht primär Frauensache. Denken wir an Paulus, Petrus, Jakobus und viele andere. ­ Und wer weiß, wie oft Kindermund nicht schon die Wahrheit, dass Christus auferstanden ist und lebt, weitergesagt hat, sodass Erwachsene dadurch zum Nachdenken kamen.

 

Tragen wir alle hier, Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen die Osterbotschaft hinaus aus dieser Kirche, hinein in die Welt. Das christliche Abendland braucht einen Ostermorgen. Das Lauffeuer des Weitersagens ist heute in unserer Gesellschaft nicht weniger not-wendig als damals. Das Freudenfeuer wird Christus dann selbst in den Herzen der Menschen entzünden.

 

„Christus, Licht der Welt“. Lasst uns dieses Licht in die Welt tragen. Christus braucht dazu uns alle. Amen.

 

Und die Freude über die Auferstehung Jesu Christi erfülle unsere Herzen und Sinne durch den Heiligen Geist. Amen.

Predigtlied:

EG 116, 1,(2), 3 und 4

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