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Predigt zur Ordination von Pfrrer z.A. Florian Herrmann am 13. September 2009

Ordination von Pfarrer z.A. Florian Herrmann

am 14. Sonntag nach Trinitatis, dem 13. September 2009

in der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus zu Pegnitz

Predigttext: Lukas 17,11-19

 

 

 

Gnade sei mit Euch von Gott unserem Vater und Jesus Christus, unserem Heiland. Amen.

 

Liebe Gemeinde, besonders lieber Bruder Herrmann,

 

vor zweieinhalb Jahren begannen Sie, lieber Herr Pfarrer Herrmann, als Vikar in dieser Gemeinde. Sie sollten hier in Pegnitz, begleitet durch Ihren guten und erfahrenen Mentor Dekan Dr. Schoenauer, wesentliche Lernschritte zum Pfarrberuf gehen. Sie sind diese Schritte gegangen und wurden vor wenigen Tagen zum 1. September in das Pfarrerdienstverhältnis in unserer Kirche aufgenommen.

Freilich wird niemand in unserer Kirche im Pfarrerdienstverhältnis bleiben, der nicht auch ordiniert wird; denn niemand darf in unserer Kirche den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung tun, ohne berufen, gesegnet und gesendet worden zu sein. Genau diese Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung geschieht heute in der Ordination. Die Rechte und Pflichten aus der Ordination gelten nicht nur bis zum Ruhestand, sondern unser ganzes Leben lang.

Sie alle hier im Kirchenschiff bitte ich bei der Ordination mitzuwirken und für Florian Herrmann zu beten, wenn die Assistierenden und ich ihm die Hände auflegen und ihn segnen. Wir vertrauen darauf, dass nicht die Regionalbischöfin, sondern Christus, der Herr der Kirche selbst der eigentliche Ordinator ist, der Bruder Herrmann zum Dienst beruft, ihn segnet und sendet.

Es ist etwas Besonderes, dass die Ordination in der Vikariatsgemeinde stattfindet und nicht wie sonst üblich in der neuen Gemeinde. Doch Pfarrer Herrmann wird zunächst nicht in Bayern tätig sein, sondern in der Geschäftsstelle der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa, die ihren Sitz in Wien hat. Darum ordinieren wir ihn noch hier in Bayern, bzw. Franken. So tritt der Charakter der Sendung, der bei jeder Ordination sowieso vorhanden ist, noch einmal stärker in den Vordergrund.

 

Sie als Gemeinde haben Ihren Vikar sicher nicht nur kennen-, sondern auch schätzen gelernt,

in seiner freundlichen Art, bei der ein humorvolles Lächeln oft die Mundwinkel umspielt,

in seiner geistlichen Tiefe, die gereift ist in der eigenen Praxis des Betens und Lesens der Schrift im Hören auf Gott,

in seinem theologischen Denkvermögen und seiner Fähigkeit biblische Texte auszulegen,

in seinen gelungenen Gottesdiensten, lebendigen Konfirmanden- und Religionsunterrichtsstunden.

Darum ist heute neben der Ordinationsfeier – insbesondere dann beim Empfang hinterher –  auch Gelegenheit, Pfarrer Herrmann und vor allem Jesus Christus zu danken und Gott zu loben für das, was Gott in dieser Gemeinde durch Bruder Herrmann getan hat.

 

Es wäre viel zu eng geführt, wenn ich nun sagen würde, dass unser Bibelwort für den heutigen Sonntag ermuntert, Herrn Herrmann zu danken. Aber das Evangelium für den heutigen Sonntag zielt auf eine Haltung der Dankbarkeit, zielt darauf, dass wir Gott loben für das, was er uns geschenkt hat und da gehört der Dienst von Herrn Herrmann sicher auch mit dazu.

Sie alle kennen die Geschichte vom barmherzigen Samariter, auch die, die letzten Sonntag nicht im Gottesdienst waren, da war die Geschichte vom barmherzigen Samariter der Predigttext. Unser Evangelium heute ist die Geschichte vom dankbaren Samariter. Unsere Geschichte heute ist unbekannter als die erstgenannte, aber nicht weniger wichtig.

Beide Geschichten – die vom barmherzigen und die vom dankbaren Samariter – stehen nur im Lukasevangelium, also nicht auch bei Matthäus, Markus und Johannes. Beide Geschichten scheinen also Lukas in besonderer Weise wichtig zu sein.

Wir werden viel von der Botschaft des Lukas verstehen, wenn wir uns beide Geschichten anschauen.

– Beide Geschichten handeln vom Erbarmen. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter fragt Jesus: „Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?“ Die Antwort: „Der die Barmherzigkeit an ihm tat.“ In unserer heutigen Geschichte vom dankbaren Samariter ist Jesus der, der sich erbarmt. In unserer Geschichte heute rufen zehn Aussätzige als sie Jesus sehen: „Erbarme dich unser.“ Jesus erbarmt sich. Erbarmen ist für Lukas eine der wichtigsten Eigenschaften Christi und der Christen.

– In beiden Geschichten stellt Jesus Fragen. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter ist es die Frage, wer einem anderen zum Nächsten wird. In der Geschichte vom dankbaren Samariter stellt Jesus gleich drei Fragen hintereinander: „Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Durch seine Fragen macht Jesus deutlich, dass Menschen Handlungsalternativen haben. Menschen können an Leidenden vorbeigehen oder sich erbarmen. Und: Wir Menschen können, wenn wir Gottes Erbarmen und Gutes empfangen haben, dankbar sein und Gott loben, oder wir können es bleiben lassen.

– In der Geschichte vom barmherzigen Samariter sind es zwei Fromme, die sich eben nicht erbarmen und den Verwundeten liegen lassen. In unserer Geschichte sind es gleich neun geheilte Leprakranke, die dem, der sie geheilt hat, nicht danken. Einer von den zehn kehrt um, lobt Gott mit lauter Stimme und fällt dankbar Jesus zu Füßen. 1 zu 9 – eine ziemlich armselige Quote.

Ob es sogar noch schwerer ist, für erfahrenes Gutes dankbar zu sein, als Gutes zu tun?

Beide Geschichten lassen keinen Zweifel daran, welche Handlungsalternative im Sinne Jesu ist. Wie der barmherzige Samariter Erbarmen üben und Gutes tun und wie der dankbare Samariter für empfangenes Erbarmen und erfahrenes Gutes dankbar sein und Gott loben.

– Dass es in beiden Geschichten ein Samariter ist, der so handelt, wie Gott es möchte, will gerade die Frommen und Rechtgläubigen aufrütteln, die meinen die richtigen Haltungen an den Tag zu legen. Gerade wir, die wir hier in der Kirche sitzen oder auf der Kanzel stehen, müssen uns von Christus fragen lassen, ob wir Erbarmen im Herzen haben und es anderen Menschen zeigen, indem wir uns ihnen hilfreich zuwenden, und ob wir im Herzen dankbar sind und es Gott zeigen, indem wir ihn loben.

In beiden Geschichten gemeinsam bildet sich das Doppelgebot der Liebe ab. Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, ihm danken, ihn loben wie der dankbare Samariter und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, wie der barmherzige Samariter, der dem Hilfsbedürftigen nahe war.

 

In unserer Geschichte vom dankbaren Samariter geht es um die Gottesliebe, die sich im Loben und Danken zeigt. Der Epheserbrief (5,20) ruft sogar auf, Gott allezeit und für alles Dank zu sagen. – Auch für Krankheiten, auch für eine 6 in Latein? Manchem mag das zu weit gehen für alles Gott zu danken. Ich selbst halte das für eine unserer größten Glaubensweisheiten und besten Lebenshilfen, dass wir lernen, Gott für wirklich alles zu danken. Doch unser Predigttext heute verlangt das gar nicht von uns. Er will uns „nur“ veranlassen, Gott für das Gute in unserem Leben zu danken.

9 : 1. Dass wir das Gute einfach hinnehmen und Gott nicht „danke“ sagen ist viel wahrscheinlicher. Dass wir heute Nacht ein warmes Bett hatten und ein Dach über dem Kopf, dass wir am Morgen nicht krank im Bett liegen bleiben mussten, sondern aufstehen konnten, dass wir etwas zum Essen und Trinken hatten, dass wir Kleidung ohne Löcher und Flicken anziehen konnten, dass wir in solch eine schöne Kirche gehen können, dass wir miteinander in Freiheit Gottesdienst feiern können und auch, dass ein junger Mann bereit ist, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen und für die öffentliche Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung mit Verantwortung zu übernehmen – das sind sehr unterschiedliche Gründe Gott zu danken und zu loben, aber es sind Gründe.

„Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ ist die Aufforderung in unserem Wochenspruch für diese Woche. Er steht in Psalm 103 – einem der schönsten Psalmen: „Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.“

Der eine Samaritaner vergisst nicht, was Gott ihm Gutes getan hat, kehrt um und lobt Gott mit lauter Stimme.

 

Und die anderen neun? Immerhin rufen auch die neun zu Christus um Erbarmen, das ist gut. Bei ihm sind sie an der richtigen Adresse. Jesus ist übrigens auch nicht erbost über ihre Undankbarkeit, sodass er ihnen den Aussatz gleich wieder anhängen würde. Und doch sucht Jesus nach dem Verhalten, das nur der eine zeigt.

Wir sind Christen und es ist ja keine Frage: Wir wollen als Christen so barmherzig sein, wie der barmherzige Samariter und so dankbar wie der dankbare Samariter. Doch wie gelingt es uns, dankbarer zu werden? In der Geschichte steht nicht umsonst das Wort „umkehren“.

Im sonntäglichen Gottesdienst kann übrigens eine Einübung in die alltägliche Umkehr zum Dank und Lob Gottes geschehen. Zu Beginn fast jedes Gottesdienstes rufen wir um Erbarmen, wie auch die zehn Aussätzigen riefen: „Kyrie eleison, Herr erbarme Dich über uns.“ Hier im Gottesdienst gehen wir dann aber auch den Weg des einen Geheilten mit, indem wir nach dem Ruf um Erbarmen Gott loben mit dem Glorialied „Allein Gott in der Höh sei Ehr“. Heute sogar mit dem großen Gloria: Wir loben dich.

Dieser Weg, den wir am Sonntag im Gottesdienst gehen, ist genau der Weg des Glaubens im Alltag. Es geht also nicht darum, dass wir Gott nicht so viel bitten sollen, dass wir nicht rufen sollten: „Christus erbarm dich meiner.“ Im Gegenteil! Es ist gut, wenn wir das tun hier im Gottesdienst und zu Hause. Es ist so gut, wenn wir mitten im Familienstreit die innere Verbindung zu Christus suchen und rufen: „Herr erbarme dich, komm mit deiner Liebe mitten in dieses Zimmer, mitten in mein Herz.“ Es ist gut, wenn wir abends vor dem Einschlafen Christus bitten, sich der Menschen, die wir lieb haben und auch unser selbst zu erbarmen. Es ist gut, wenn wir tun, was die zehn getan haben. Doch vielleicht erinnern wir uns – nach dem Bitten – auch daran, was Christus uns schon geschenkt hat. Rufen wir um Erbarmen und kehren wir innerlich um von der Klage zum Dank, vom Erbarmensruf zum Lob Gottes. Vergiss es nicht, was er dir schon Gutes getan hat.

 

Lieber Herr Herrmann, wir Pfarrerinnen und Pfarrer haben diese Umkehr zum Lob Gottes mindestens genauso nötig wie andere. Manchmal gibt es eine Betriebsblindheit in helfenden Berufen, dass keine echte Lust zum Helfen mehr da ist und in kirchlichen Berufen, dass die Freude am Herrn der Kirche nicht mehr spürbar ist. Aber die Freude am Herrn ist nun mal unsere eigentliche Stärke. Das Lob Gottes stärkt uns selbst, denn das Lob, das aufsteigt, kommt im Segen unvergänglicher Freude zu uns zurück.

Heute ist Ihre Ordination. Sie knien bei der Ordination vor Christus, dem Sie alles verdanken, was Ihnen bisher im Leben geschenkt ist. Dazu gehören Ihre Gaben, die Gesundheit an Leib und Seele. Dazu gehören die Menschen, die Sie auf dem Weg hierher begleitet haben, Ihre Eltern, Ihre Frau, Ihre Promotionsmentorin, Ihr Vikariatsmentor, und Ihre Schulmentorin, die Michaelsbruderschaft und viele und vieles mehr. Dazu gehört aber vor allem auch der Glaube an Christus, der in Ihnen das Gotteslob hervorgebracht und Sie gerettet hat. "Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen", sagt Christus dem einen.

Sie werden gehen, Sie werden gesandt. Aber sie werden gesandt als einer, der gekniet hat vor Christus. Christus hat Ihnen alles geschenkt und wird Ihnen alles schenken, was sie brauchen werden in Ihrem Dienst und in Ihrem ganzen Leben. Er selbst mehre in Ihnen das Lob Gottes und durch Sie in der Welt.

Amen.

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