50-jähriges Kirchenjubiläum Bayreuth-Auferstehungskirche (Saas) am 01. Juli 2012

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
in der Auferstehungskirche Bayreuth-Saas
am Sonntag, 01. Juli 2012

Predigttext: Johannes 14,19
 

Christus spricht: Ich lebe und ihr sollte auch leben.

Liebe Gemeinde,
dieses Wort steht auf der Auferstehungsglocke dieser Kirche. Es ist die größte Glocke.
Dieses Wort aus dem Johannesevangelium c. 14 soll Grundlage meiner Predigt sein.
Zuerst:
Herzliche Glück- und Segenswünsche zu Ihrem Jubiläum 50 Jahre Auferstehungskirche!
Eigentlich komme ich nicht zu 50-jährigen Jubiläen. Das schaffe ich gar nicht. Doch in die Saas muss ich kommen.
- Erstens sind wir Nachbarn.
- Zweitens habe ich Ihnen Ihren Pfarrer Michael Thein weggenommen als er bei mir Referent wurde – doch ich glaube, Sie sind mir nicht böse angesichts der geglückten Nachfolge;
- und drittens haben mein Mann und ich schon vor 20 Jahren beim Ihrem Waldfest im Posaunenchor mitgeblasen.
Da gibt es also gewachsene gute Beziehungen und die will ich pflegen.
Vor 50 Jahren auf den Tag genau am 1.Juli 1962 ist die Auferstehungskirche durch Kreisdekan Flurschütz eingeweiht worden. Als ich in der Saaser Kirchenchronik in Vorbereitung auf heute las, begann ich im Artikel zum Jahr 1960 zu lesen und wunderte mich. Bei allen Planungen zur Kirche war der Name Auferstehungskirche schon da. Ich blätterte also zurück und richtig: Am 12. Juli 59 – also bereits drei Jahre vor der Einweihung der Kirche und sogar noch vor Einweihung des ersten Kindergartens der Saas (Reformationsfest 1959) - beschloss der Kirchbauverein, dass die Kirche einmal Auferstehungskirche heißen soll.

Die ganze Saas stand hinter dem Bau der Auferstehungskirche. Fast jede Familie hier in der Saas kaufte mindestens einen Baustein, einen echten. Und als am 2. September 1961 der Grundstein der Kirche gelegt wurde, da kamen die ganzen Familien und mauerten die von Ihnen erworbenen Steine für ihre Auferstehungskirche selbst ein.
Liebe Kinder, manche von Euch haben Großeltern und Urgroßeltern, die damals dabei waren. Sie haben diese Auferstehungskirche mit aufgebaut.
Viele, viele von denen, die damals ihren Stein mit einmauerten, sind schon gestorben. Gerade wenn man an die Verstorbenen denkt, dann tröstet der Name Auferstehungskirche. Wir glauben an die Auferstehung von den Toten. Wir vertrauen darauf, dass diejenigen, die mitgebaut haben und an den Auferstandenen geglaubt haben, jetzt bei Jesus Christus sind, mit ihm leben und mit uns mitfeiern.

Liebe Kinder und Jugendliche erinnert Ihr Euch noch, was vorhin die Kanzel, auf der ich jetzt stehe, zum Gockel über die Figur hinter mir gesagt hat?
….
Sie hat genau folgendes gesagt: „Diese Figur ist Jesus, der vom Tod auferstanden ist. Und das ist die wichtigste Botschaft unseres Glaubens: Jesus, der Auferstandene. Kapiert?“
Wo der Gockel Recht hat, hat er Recht.

Nun stellt Euch aber mal vor: Als die Kirche eingeweiht wurde vor 50 Jahren, gab es diese Holzfigur noch gar nicht. Sie wurde erst später hier angebracht. Die Gemeinde und der Architekt waren sich aber sicher, dass man auch ohne eine solche Figur in dieser Kirche spüren kann, dass diese Kirche Auferstehungskirche heißt.
Und jetzt frage ich Euch - die Frage ist schwer: Woran kann man in dieser Kirche erkennen, dass diese Kirche etwas mit der Auferstehung zu tun hat, damit dass Jesus lebt?
….
Habt Ihr das Kreuz im Rundbogen vorne alle schon entdeckt? Ihr seht 4 violette Felder, die zusammen mit dem roten runden Feld in der Mitte ein Kreuz bilden.
Ganz dicht bei diesem Kreuz seht ihr vier ganz helle weiß leuchtende Glasfenster, durch die Licht durchstrahlt.
Könnt ihr Euch denken, was damit ausgedrückt werden soll?

Tod und Krankheit drücken wir mit dunklen Farben aus – fröhliches Leben dagegen ganz hell. Diese hellen Fenster drücken aus: Jesus hat gelitten, die blutrote Mitte erinnert daran. Doch der, der gelitten hat, hängt nicht mehr am Kreuz. Jesus ist jetzt im Licht, im Himmel bei Gott. Da wo er ist, ist es fröhlich und hell.
 
Ausgerechnet das Kreuz erzählt von der Auferstehung. Ja! Unsere Kreuze erzählen von unserem Glauben:
Wir haben ganz verschiedene Kreuze in unseren Kirchen und zu Hause. Ihre besondere Gestaltung drückt immer etwas Besonderes aus.

Ich habe Euch drei verschiedene Kreuze mitgebracht.

(Kruzifix)
Was drückt dieses Kreuz aus?

Jesus hat gelitten. Er ist gestorben. Am Kreuz sterbend hat er aber gebetet für seine Folterer: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.
Dieses Kreuz bedeutet daher:
Jesus ist in großer Liebe zu allen Menschen gestorben. Auch uns vergibt er.

(Altarkreuz in klein)
Hier ist ein zweites Kreuz. Ihr findet es sogar in dieser Kirche.

Dieses Kreuz auf dem Altar hat dieselbe Botschaft wie das Kreuz aus Licht im Rundbogen:

Jesus hängt nicht mehr am Kreuz. Jesus ist jetzt im Licht, im Himmel bei Gott. Da wo er ist, ist es fröhlich und hell. Auch durch dieses Kreuz kann Licht hindurchscheinen.

Weil beide Kreuze, das auf dem Altar und das im Rundbogen dieselbe Botschaft haben, schauen wir doch nochmals kurz nach vorne.  Helmuth Meißner hat die Fenster gedeutet und gesagt: „Die Fenster in der Mitte sind „farblich in Kreuzform gestaltet mit dem Blut Christi als Schnittpunkt; die übrigen Farben der Fenster bedeuten „Weltenraum mit Sternen“ je näher bei Christus, desto mehr Licht“.
Seht ihr das? „Je näher bei Christus, desto mehr Licht.“ Die vier Felder um das rote Feld herum sind die hellsten überhaupt.
Jesus Christus hat zu seinen Jüngern gesagt und das sagt er auch zu uns:  „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Wer mit Jesus in Verbindung steht, der lebt, selbst wenn er stirbt. Je näher bei Christus, desto mehr Licht, desto mehr Leben.

Mit dem dritten Kreuz gehen wir noch einen Schritt weiter.
(Lateinamerikakreuz)
Dieses Wort: „Ich lebe und Ihr sollt auch leben“ gilt aber nicht erst für die Zeit nach unserem Tod, sondern schon jetzt. Gerade weil wir wissen, dass mit unserem Tod nicht alles aus ist, sondern wir bei Christus sein werden, können wir schon jetzt fröhlich leben.

Das drückt sich in dem dritten Kreuz aus, das ich Euch Kindern heute schenke. Es gehört nach diesem Gottesdienst Euch Kindern.
Seht ihr, was die Menschen auf dem Kreuz fröhlich tun?
…. (Tanzen, spielen, miteinander in der Bibel lesen, Da freuen sich zwei über frisch geerntetes Obst, da stillt eine Frau ihr kleines Kind)
Dieses Kreuz drückt aus:
Weil Jesus lebt und weil wir nach dem Tod bei ihm sein werden, können wir schon jetzt fröhlich leben.
Weil Jesus auferstanden ist, können wir aufstehen und fröhlich und freundlich aufeinander zugehen.  So habt ihr es selbst gesungen am Anfang des Gottesdienstes mit unserem „Auferstehungskirchensschlager“: „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehn.“
Wir Christen sorgen dafür, dass niemand sich allein fühlt in der Kindergartengruppe oder in der Schulklasse und dass auch Nachbarn Freunde werden. Je mehr wir mit Christus verbunden sind, desto mehr Licht und Freude ist in unserem Leben und desto mehr Licht und Freude werden wir bringen. Je näher bei Christus, desto mehr Licht, desto mehr Leben.
Wenn ihr in Zukunft die Auferstehungsglocke läuten hört, dann hört die Botschaft der Glocke:
Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.
Amen.