Einweihung des CAP-Marktes in Stammbach

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Greiner zur Einweihung des 1. CAP-Marktes in Oberfranken in Stammbach am 14. Februar 2014

Liebe Gemeinde!

Warum eine kirchliche Einweihung eines Einkaufsmarktes? Nun, vor kurzer Zeit habe ich hier in Oberfranken auch ein ganz säkulares Fabrikgebäude eingeweiht. Die beiden Geschäftsführer wollten deutlich machen: Wir sind Christen und wir wissen: Wir brauchen Gottes Segen und wir erbitten ihn. Ich habe sehr gerne jene Einweihung vollzogen, weil ich glaube: Gott segnet und tut wohl, hilft und fördert uns auch durch ganz normale Dinge: wie durch einen Arbeitsplatz oder eine nahe gelegene Einkaufsmöglichkeit.

Gott will uns Gutes tun mitten im alltäglichen Leben für unser alltägliches Leben. Darum danken wir Gott nicht nur in der Kirche, sondern in und für eine Fabrikhalle und in und für einen Einkaufsmarkt.

Jesus Christus kam mitten in die Welt. Er brachte Vergebung, Heil, ewiges Leben im Himmel. Er brachte aber auch Brot, Heilung, Lebensfreude mitten im Leben auf der Erde. Denken wir an die Speisung der 5000, die vielen Heilungswunder und die Hochzeit zu Kana, bei der er Wasser in Wein verwandelte.

Wenn wir Christen an Jesus Christus glauben, dann haben wir den Himmel im Herz und seine Erde; dann wohnt in unserem Herz die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen, die bei uns wohnen. So konnte der Prophet Jeremia auch seinen Glaubensgenossen zurufen:

„Suchet der Stadt Bestes.“ Eben für die Menschen, die im selben Ort mit Euch wohnen  – suchet das Beste auch für das Gemeinwesen, die Stadt, den Ort.

Ich hätte darum auch gar keine Scheu gehabt, einen normalen Einkaufsmarkt einzuweihen und hätte mich dabei mit den Menschen gefreut, dass sie nun wieder eine nahe gelegene Einkaufsmöglichkeit haben. Das allein hätte schon gereicht. Denn über eine Sache, die ein Segen ist oder ein Segen sein soll, kann auch ein Segen gesprochen werden.

Doch dieser Einkaufsmarkt ist eine ganz besondere Sache. Als ich hier war zur Visitation am 15. Juni letzten Jahres war ich begeistert von der Idee und sagte etwas leichtfertig und doch auch bewusst zu, als ich gefragt wurde, ob ich nicht zur Einweihung kommen würde. Es freut mich selbst, dass ich mein Versprechen wahr machen konnte.

Was nun aber ist die Besonderheit dieses Einkaufsmarktes?

Er ist nicht kommerziell, er ist kirchlich. „Was?!?“ werden jetzt manche rufen. Ein kirchlicher Lebensmittelladen? Ja, der CAP-Markt ist ein kirchlicher Einkaufsmarkt, genauer noch: Ein Lebensmittelmarkt in Trägerschaft der Evangelischen Diakonie. Das gibt es sonst nirgendwo in Oberfranken.

Hätte nicht Frau Mangei, die Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken, den unternehmerischen Mut gehabt zu diesem Wagnis, einen Einkaufsmarkt in die Trägerschaft der Diakonie zu nehmen, obwohl die Vorgänger ihn aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben mussten, gäbe es in Stammbach keinen Einkaufsmarkt mehr.

Warum aber nimmt die Diakonie solch ein Risiko auf sich? Weil sie Diakonie ist. Sie ist Dienst an Gott durch den Dienst an den Menschen, in Liebe zu den Menschen. Diese Liebe zeigt sich sehr konkret. Sie zeigt sich auch im Kümmern darum, dass die
2.750 Einwohner Stammbachs ihren letzten Lebensmittelladen nicht verlieren.

Darum war auch die Kommune, die Gemeinderäte und vor allem Bürgermeister Erler erfreut über das Angebot der Diakonie und unterstützte es nach Kräften. Danke in diesem Zusammenhang besonders an die Regierung von Oberfranken für den großen finanziellen Zuschuss.

Und wer meint, damit verdiene die Diakonie ja auch Geld, dem sei gesagt, dass es im letzten Jahr ein Draufzahlgeschäft war, gerade auch durch die zwischenzeitliche Schließung. Nein kommerziell wird dieser Markt nicht geführt werden, doch eine schwarze Null ist auch für die Diakonie notwendig. Sie wird dieses Engagement für die Menschen in Stammbach nur halten können, wenn genügend Stammbacher es auch wollen und dann nicht schnell noch auf dem Heimweg von der Arbeit an einem Supermarkt halten.

Heute ist wirklich die letzte Chance für einen Lebensmittelmarkt in Stammbach. Liebe Bürger und Bürgerinnen: „Suchet der Stadt Bestes“, das gilt auch für die Stammbacher. Nutzen Sie alle diese Chance nicht nur gedanklich, sondern tatsächlich. Stammbacher werdet Stammkunden im CAP-Markt, damit er Euch bleibt. Das wünsche ich Euch. Verwirklichen aber müsst Ihr den Wunsch selbst und ich helfe wenigstens noch ein bisschen mit, indem ich heute noch hier kräftig einkaufe. Doch wesentlich wird für die Zukunft sein, wie die Einkaufsgewohnheit der Stammbacher sein wird. Gerade ein nicht kommerzieller Markt braucht und verdient Freunde.

Die zweite Besonderheit: Der CAP-Markt ist nicht nur ein Lebensmittelmarkt. Er ist ein „Lebensmittelpunkt“; diese Leitidee, den Lebensmittelmarkt als „Lebensmittelpunkt“ zu gestalten, hatte Herr Schöberlein.  Es war der Diakonie so wichtig, dass Menschen sich hier auch treffen können. Einkaufen ist für ältere Menschen ein echtes Tagwerk. Da tut es gut, sich nach dem Bezahlen hinzusetzen und ein Tässchen Kaffee zu trinken und einen Schwatz zu halten. Viele leben allein. Hier trifft man sich.

„Suchet der Stadt Bestes.“ Das Beste ist nie ein Ding und schon gar nicht das Geld, das im Geldbeutel oder der Kasse klingt. Das Beste, das wir haben im Leben, sind gepflegte Beziehungen. Christen sind Beziehungsmenschen. Sie pflegen die Beziehung zu Christus und zu den Menschen. Lebensmitte für Christen ist Christus. Doch wenn Christus unsere Lebensmitte ist, dann geht Christus mit uns einen Weg, den Weg zu anderen Menschen.

Christsein macht nicht elitär, macht nicht einsam. Es führt in die Gemeinschaft. Das ist ganz bestimmt die Gemeinschaft im Gottesdienst am Sonntag, und es ist die Gemeinschaft mitten im Alltag.

Die Diakonie will den Weg Jesu gehen, den Weg zu den Menschen. Und gerade darum kümmert sich die Diakonie dass Menschen in „Lebensmittel-punkten“ zusammenfinden und die Einsamkeit der Gemeinschaft weicht. Darum schafft die Diakonie Begegnungsräume, wie es die so genannten „Lebensmittelpunkte“ sind.

„Suchet der Stadt Bestes.“ Das Beste sind gepflegte Beziehungen.

Und die dritte Besonderheit:

Manche mögen fragen, warum heißt dieser Markt CAP-Markt? CAP kommt von handicap. Denn hier arbeiten Menschen mit Behinderung. Hier werden auch Menschen mit Behinderung ausgebildet.

Behinderungen sind etwas Natürliches. Die Schöpfung war gut, sehr gut, aber sie war nicht perfekt. Behinderte Menschen gehören zur sehr guten Schöpfung Gottes.

Perfektheit ist chic, glatt und kalt. Perfektes kann man achten, aber nicht lieben. Scheinbar Nichtbehinderte brauchen oft Erlösung aus einer Behinderung: Gutes und Perfektes zu verwechseln. Der natürliche Umgang mit behinderten Menschen hilft uns, dazu frei zu werden von dieser Verwechslung. Hören wir auf, perfekt sein zu wollen. Lasst uns gut sein und gütig. „Suchet der Stadt Bestes“ – das geschieht, indem Güte nicht nur die Produkte, sondern unser Handeln bestimmt. Amen.