Verabschiedung von Dekan Günter Förster, Naila

Rede von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner beim Emfang nach dem Gottesdienst zur Verabschiedung von Dekan Günter Förster in Naila am 16. Februar 2014

„Herr, Dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.“ (Mörike)

Liebe Gottesdienstgemeinde,
vor allem lieber Dekan Günter Förster!

Eine ungewöhnliche Verabschiedung. Meist habe ich Professoren, Rektoren und Dekane in den Ruhestand verabschiedet. Doch bei Dir, lieber Günter, habe ich die Freude, Dich an Palmsonntag wieder einführen zu dürfen – als Spiritual der Christusbruderschaft Selbitz.
Das ist nur wenige Kilometer entfernt. Doch wird es ein ganz anderer Typ von Pfarrstelle sein, eine Stelle ohne strukturelle Leitungsverantwortung, „nur“ (in Anführungszeichen) geistliche Leitung.
Mancher mag fragen: „War Günter Förster als Dekan unglücklich, sodass er sein Amt aufgibt?“
Der tapfere Rücktritt von Landwirtschaftsminister Friedrich ging gestern durch die Presse. Da könnte ja jemand auf die Idee kommen – vielleicht hat es bei Dekan Förster auch ein zumindest sanftes Pushen gegeben eine andere Aufgabe anzugehen. All solchen Fantasien nehme ich völlig den Wind aus den – Rädern: Es bestand keinerlei Notwendig-keit, Anlass oder Anregung zu gehen. Dieser Abschied ist kein Rücktritt auch kein Rückschritt, sondern ein von Gott geführtes Weitergehen.
Du warst gerne Dekan und hast dieses Amt voll ausgefüllt. Doch die besondere Stärke Deiner Leitung lag immer in der geistlichen Dimension. Und die kann nun noch ausgeprägter zum Tragen kommen, frei von der Last der Verwaltung, die das Dekansamt mit sich bringt.

Wenn nun im Folgenden von dieser geistlichen Dimension die Rede sein wird, so will ich vorausschicken – sonst wäre Dir auch nicht wohl beim Zuhören: Alles wirklich Geistliche ist Geschenk des Heiligen Geistes und nicht eines Menschen Erfolg oder Verdienst. Unter diesem Vorzeichen bitte ich meine weitere Rede zu verstehen. Sie ist im Kern Lob Gottes.

Seit Juli 2000, also fast 14 Jahre lang warst Du hier in Naila Dekan. Durch die dein Handeln besonders prägende geistliche Dimension hast Du das Team in Naila und das Pfarrkapitel in Dekanatsbezirk nicht nur kollegial, sondern auch geschwisterlich geführt. Zwischen pietistisch geprägten Gemeinschaften und Verbänden zum einen und den Christen, die diese Frömmigkeitsprägung nicht teilen zum anderen, hast Du die schon bestehende Brücke gefestigt. Dass es Dir um die Einheit in Christus geht, haben Dir auch unsere katholischen und methodistischen Mitchristen abgespürt.
Gerade dass Du eigentlich hälftig Gemeindepfarrer und Dekan warst, hat Dir entsprochen. Beides lag Dir. Du hast den Glauben an unseren dreieinigen Gott gerne in die Öffentlichkeit getragen und damit die Kirche repräsentiert und zugleich hast Du die stille Seelsorge geliebt, besonders die Begleitung Sterbender im Hospiz der Diakonie Martinsberg.
Geistlich vertiefende und missionarische Angebote waren Dir ein besonderes Anliegen und eine besondere Freude: „Alltagsexerzitien“, „Christ werden – Christ bleiben“, „Stille finden im Advent“ seien als Beispiele genannt. Wie schön, dass bei den so genannten „Abenden zum Christsein“ alle Gemeinden im Dekanatsbezirk mitgewirkt haben und dass diese Abende auch bereits für 2015 wieder geplant sind.
Ja, vieles wird bleiben, wenn Du gehst. So auch die neu renovierte Kirche, in der wir heute sind. Sie hat in ihrer Gestaltung an christlich-spiritueller Wirkung gewonnen, nicht zuletzt durch das tiefe, mutige Blau. Immer wieder höre ich auch außerhalb des Kirchenkreises, dass die Nailaer Kirche positiv beeindruckt.
Die Zeit der Baumaßnahmen an dieser Kirche allerdings hatte auch sehr belastende Züge. Der Konflikt über die Innengestaltung war ausgeprägt. Das Amt, das „die Versöhnung predigt“ – wie Paulus es sagt - musste sich da bewähren. Du, wahrscheinlich wir alle, empfinden es als Geschenk, dass Du aus einer versöhnten Situation heraus gehen kannst. So ist es in Deinen Augen ein guter Zeitpunkt zu gehen, zumal die Kinder Renate, Annette und Gabriele aus dem Haus und teilweise in der weiten Welt sind.
Deine Frau Karin, die heute im Hintergrund bleiben möchte, hat Dich in der ganzen Zeit hier nicht nur stets unterstützt, sondern auch selbst direkt ins Gemeindeleben eingebracht.
Natürlich sind in den fast 14 Jahren Freundschaften gewachsen. Es ist schön, dass Ihr sie durch den geringen räumlichen Abstand auch weiter pflegen könnt. Doch bin ich bei Euch beiden ganz gewiss und innerlich beruhigt, dass da keinerlei Einmischung mehr in Dienstliches, auf die alte Stelle Bezogenes, erfolgen wird. Eher werdet Ihr, liebe Nailaer Euch daran gewöhnen müssen, dass die Försters noch ganz nah sind und trotzdem andere Aufgaben wahrnehmen.

Meine Gewissheit hängt auch mit Folgendem zusammen, lieber Günter. Deine Art zu leiten war und ist sanft, nie drängend, ruhig und geklärt, und sie war und ist – im besten Sinne – abschiedlich. Das letzte Wort ist erklärungsbedürftig. Vielleicht kennen manche den Ausspruch Hermann Hesses: „Nimm Abschied und gesunde“ – bei ihm ist Abschiednehmen können also auch etwas sehr Positives.
Nun, ich teile das philosophische Gesamtgebäude des Denkens von Herrmann Hesse nicht. Es ist buddhistisch durchwebt. Und natürlich passt „Nimm Abschied und gesunde“ ins buddhistische Weltbild, in dem das Abstandnehmen zu allem in der Welt erlösend wirkt. Als Form der Selbsterlösung aber bedarf dies der theologischen Kritik.
Und doch ist darin ein richtiges Moment, das wir auch im christlichen Glauben haben. Auch wir Christen gewinnen eine heilsame Distanz zu allem und allen durch unsere Nähe zu Christus, unserem Erlöser. Er hat uns gelehrt, alle und alles in Gottes Hand zu legen, abzugeben, loszulassen. Daraus wächst eine freie und liebevolle Form der Zuwendung, die an nichts und niemandem bindend hängt. Es ist die Liebe Christi und die Liebe zu Christus, die uns frei macht von allem und für alles. Und wer durch Christus loslässt, dem kann Gott die Hände neu füllen.
Wenn die geistliche Dimension die größte Stärke Deines Leitungsamtes war, so ist diese abschiedliche Dimension wiederum zumindest eine Deiner größten geistlichen Gaben.
Jeden Konflikt, jedes Problem, jeden Erfolg hast Du Gott in die Hand gelegt. Zumindest hast Du Dich darin geübt. So musstest Du Dich in keinen Konflikt hineinbohren und Erfolge haben Dich dankbarer und demütiger gemacht. Und wahrscheinlich konntest Du gerade in Deiner Hospizarbeit anderen beim liebevollen loslassen sehr helfen.
Weil Gott Dir diesen Wesenszug geschenkt hat, darum konntest wohl sogar Dein Dekansamt in erstaunlicher Leichtigkeit loslassen. Du gibst es in Gottes Hand zurück. Wir, die wir bleiben, tun dies nun mit Dir im großen Vertrauen, dass Gott es ist, der für seine Gemeinde in Naila und den ganzen Dekanatsbezirk und für Dich und Deine liebe Frau weiter sorgen wird.
Ja, Gott in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.  
Amen.

Im Vertrauen, dass Gott Dir, Deiner Frau und uns allen im Loslassen die Hände neu füllt, singen wir:
„Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei Dir Herr, füll Du uns die Hände.“