Einführung von Günter Förster als Spiritual der Communität Christusbruderschaft Selbitz

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zur Einführung von Günter Förster als Spiritual der Communität Christusbruderschaft in Selbitz am Palmsonntag, 13. April 2014

Liebe Gottesdienstgemeinde, vor allem lieber Günter Förster!

Vor einer Woche haben wir uns abgesprochen, wer über welches Bibelwort reden wird, heute in diesem Gottesdienst – Du über den Predigttext und ich über das Evangelium das heutigen Sonntags: Johannes 12. Dort lesen wir: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt…“ Sofort stand sie mir wieder vor Augen, Deine besondere Kunst der Abschiedlichkeit, die ich schon in meiner Rede zu Deiner Verabschiedung als Dekan von Naila am 16. Februar hervorgehoben hatte.
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt…“ - Sterben ist die radikalste Form des Loslassens; und wir sollen als Christen in unserem Leben das Loslassen schon vor dem Sterben lernen. Loslassen in Liebe – Menschen, Dinge, Prozesse – Gott anvertrauen, ihm in die Hände legen. Du hast den Dekanatsbezirk Naila in Liebe losgelassen und in Gottes Hände gelegt.
Du hast auch Deine lange gehegten Pläne des Dienstes in einem spirituellen Zentrum einer anderen Landeskirche losgelassen, als Du merktest, dort tun sich ungeplante Schwierigkeiten auf. Dir wurde klar vor Gott, das ist wohl doch nicht Dein Weg.
Unser Gott führt. Er hat Dich durch Deine Pläne, in ein anderes spirituelles Zentrum zu gehen, auf dieses hier vorbereitet, ohne, dass Du es wusstest. Unmittelbar als sich die Pläne dorthin zerschlugen, wurde diese Stelle frei. Es fiel Dir nicht schwer, Deine ursprünglichen Pläne loszulassen. Deine dafür absolvierte Zusatzausbildung in christlicher Spiritualität wird nun hier zum Tragen – zum Fruchttragen – kommen. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Heute rede ich nicht über die Kunst des Abschiednehmens, die Du beherrschst. Die andere Seite geübter echter Abschiedlichkeit ist ein ungeteiltes Ankommen können. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Jemand, der nicht loslassen kann, hat die Hände für Neues nicht frei. Wer nicht wirklich geht – auch innerlich, kann nicht ankommen.
Wer dagegen in Liebe ganz Abschied von Vergangenem nimmt, kann ganz offen sein für die Gegenwart und die Zukunft. Beide Seiten gehören zu Dir.
Ein französisches Sprichwort lautet: „La où Dieu vous a semé, il faut savoir fleurir.“ „Dort, wohin Gott dich gesät hat, musst du zu blühen wissen.“ Oder etwas anders übersetzt: „Dort, wohin Gott dich gesät hat, gilt es zu blühen.“
Du hast Dich hierher säen lassen. Du bist hier schon angekommen.  Du warst schon an der Profess von Schwester Silvett, Heike und Barbara an Lätare beteiligt. Der Ort Deiner neuen Wirkungsstätte und die Communität ist Dir und Deiner Frau seit langem vertraut; nichts ist fremd oder fern. Das Weizen-korn liegt fest im Boden und hat schon begonnen, sich  einzuwurzeln. Es gewinnt Kraft inmitten der Frömmigkeit der Christusbruderschaft und wird Frucht bringen für die Christusbruderschaft und darüber hinaus.
In Deiner Abschiedskunst für Vergehendes und wachen Präsenz für die Gegenwart und Kommendes kannst Du die Prozesse begleiten, die in der Communität anstehen: Das ist zum einen der Generationswechsel. Jüngeren wird Verantwortung übertragen werden. Gott sei Dank sind starke Jüngere da.
Es gilt zum anderen das Profil des Ordens weiter zu klären: diakonisch oder spirituell oder beides? Auch für den Orden stellt sich die Frage, was es loszulassen gilt, um ganz in der Gegenwart für Christus und die von ihm geliebten Menschen da zu sein.

Du bist nun Seelsorger und Prediger und Lehrer für die Schwestern und Brüder. Als Spiritual bist Du nicht Teil des Ordens, bestimmst nicht mit. Du bist dem Orden und allen Mitgliedern nah und bleibst doch auch ein Gegenüber.
Du kommst mit Deinen Gaben: Das ist nicht nur die erwähnte Kunst des Loslassens und damit der Freiheit für die Gegenwart und Zukunft. Du kannst auch leiten ohne jedes Machtgebaren. Das ist eine wirkiche Stärke. Du kannst Zurücktreten, wenn es der Sache dient.
Du bist nüchtern und kannst unterscheiden, was zum Glauben an Jesus Christus gehört und was von Christus wegführt. Die Hingabe des Weizenkorns ist ja weniger eine Hinhabe an eine neue Aufgabe als vielmehr die Hingabe ganz an Christus, der Dir gibt, was Du für Deine Aufgaben brauchen wirst. In Deiner Liebe zu Christus passt Du hierher.

Die Christusbruderschaft wirkt fruchtbar an allen Orten ihrer Konvente in die jeweiligen Landstriche und Kirchen hinein und auch in diese Region. Das wird durch Deinen Dienst gefördert werden. Denn Du bist ein Mann, dem viele hier in der Region vertrauen. Das wird die Verbindung zwischen dem Orden und unser Kirche weiter stärken

Ich bin überzeugt, Du wirst hier blühen. Denn Du bist hierher gesät wie das Weizenkorn, das durch einwurzeln neu zum Leben erwacht.
Auch Deine Frau wird hier einwurzeln, blühen, Frucht tragen. Du, liebe Karin, bist offen dafür, welche Aufgaben Dir hier zuwachsen werden. Du kannst Deine Tanzkenntnisse zum (Frucht-)Tragen bringen. Auch die Mitarbeit bei der Pfarrfamilien-freizeit ist schon angedacht. Dass Du Dich – als berufstätige Frau natürlich ehrenamtlich und damit begrenzt – hier einbringen willst, das empfinden alle als besonderes Geschenk. Für Deinen ehrenamtlichen Dienst wirst auch Du nach Günters Amtseinführung - zusammen mit ihm - gesegnet werden.
Die Frucht, die durch Euch wachsen wird, ist die Liebe zu Christus und den Menschen.  Das schenke der dreieinige Gott.
Amen.

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin