Einweihung des Gemeindehauses Burgpreppach

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner anlässlich der Einweihung des Gemeindehauses in Burgpreppach am Sonntag Jubilate 11. Mai 2014 über Apostelgeschichte 17,22-28a

Liebe Gemeinde!

Das Biblische Wort, das durch die Ordnung der Predigttexte für den heutigen Sonntag vorgesehen ist, steht im 17. Kapitel der Apostelgeschichte:
„Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.
Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.
Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,
damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
Denn in ihm leben, weben und sind wir.“

Liebe Gemeinde!
Dieses Bibelwort passt wie die Faust aufs Auge. Da hat Burgpreppach endlich ein neues Gemeinde-haus. Wir freuen uns alle miteinander riesig. Doch unser Bibelwort sagt – scheinbar zurückweisend: „der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.“
Die Athener waren stolz auf ihre Tempel. Schon deren Ruinen sind bis heute imposant.
Wir heute hier in  Burgpreppach sind zwar nicht stolz auf das neue Gemeindehaus. - Stolz hat als Wort auch immer den Geruch des selbstgerecht Hochmütigen. - Doch wir sind sehr froh und zutiefst dankbar:
Im Kyrie in der Eingangsliturgie hat Pfarrer Bauer bereits erwähnt, dass in der gesamten Bauzeit kein Unfall passierte.
Viele haben mitgebaut,
-    durch  Gebet für das Gelingen des Baus,
-    durch Gastfreundschaft wie die katholische Gemeinde in geschwisterlicher Ökumene
-    durch ehrenamtlich-handwerkliche Hilfe,
-    durch Spenden; auch unsere Landeskirche hat außergewöhnlich kräftig bezuschusst
-    durch weises Entscheiden im erweiterten Kirchenvorstand und in der Bauleitung,
-    durch Redlichkeit und Tatkraft in den beteiligten Firmen
-    und durch Wohlwollen haben Kommune und Bevölkerung den Bau gefördert.
Das sind alles Formen des Unterstützens und Mitbauens. Herzlichen Dank!
Dieses neue Gemeindehaus – zumal zusammen mit dem Neubau des Pfarrhauses – ist ein starkes Signal unserer Landeskirche zum Erhalt der Pfarrstelle in Burgpreppach. Unsere Landeskirche zieht sich nicht aus der Fläche zurück. Das sind nicht nur Worte. Hier ist der sichtbare Beweis.
Ich gratuliere der evangelischen Kirchengemeinde hier am Ort, dass sie nun solch schöne, flexibel nutzbare und dem Gemeindeleben dienliche Räume hat.
Es werden im besten Sinne offene Räume sein. Denn die Kirchengemeinde will die Tür öffnen für Vereine und private Feiern, für Feuerwehr und Landfrauen, um nur einige Beispiele zu nennen. Viele Ideen zur Belebung sind da. Ganz Burgpreppach und sogar die Region hat gewonnen. Es ist eine Freude heute das Gemeindehaus einzuweihen.
Doch nun heißt es in unserem Bibelwort: Gott wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
Wo wohnt Gott? Nicht im neuen Gemeindehaus, nicht in der Kirche hier? Paulus scheint das zu verneinen. Doch wo wohnt Gott dann? – überall und nirgends?
Was will Paulus eigentlich sagen? Will er sagen, dass Gott seine Gegenwart verweigert? Das wäre ein Missverständnis. Paulus will genau das Gegenteil ausdrücken:
Gott braucht nichts, um da zu sein – keine Tempel, keine Kirchen, keine Gemeindehäuser. Es gibt keine Voraussetzungen, die erst geschaffen werden müssten, damit er da ist. „Keinem von uns ist er fern“ sagt er. Mehr noch: „in ihm leben, weben und sind wir.“
Ja auch ich bin überzeugt, die Begegnung mit Gott ist an jedem, jedem Ort möglich, auch zu Hause in der Küche, am Arbeitsplatz, vor dem Einschlafen und Aufstehen im Bett, ja selbst im Traum.
Eines der wichtigsten und besten Mittel gegen Burn-out ist es: Mitten in der Arbeit, mitten im Stress, mitten beim Autofahren, mitten in einem Streit, mitten in einem Gespräch innerlich an Gott zu denken und zu danken, dass er da ist. Das ist ein Augenblick, in dem wir uns vergewissern: „Du bist da. In Dir ist alles, was ich brauche. Ich bin in dir geborgen und behütet.“ Solch ein Innehalten hält unser Inneres, stärkt uns an Seele und Leib.
Augustin sagte: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht Gott in Dir“. Dass unser Herz in Gott ruht, kann inmitten der Unruhe des Tages sein. Die heilsame Begegnung mit Gott geschieht mitten im Leben. Denn in Gott leben, weben und sind wir.

Paulus will aber noch weiter führen. Zielpunkt seiner ganzen Rede  ist Christus. Der letzte Satz seiner Rede lautet: „Gott hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn – gemeint ist Jesus Christus – von den Toten auferweckt hat.“
Die Athener waren sehr religiöse Menschen. Sie dachten, vielleicht kennen wir nicht alle Götter und verehren gar nicht alle. Ein Gott, den wir nicht verehren, der könnte beleidigt sein. Daher hatten sie einen Altar dem „Unbekannten Gott“ gewidmet.
Paulus knüpft an diesen Altar an und sagt: Ich kenne diesen euch unbekannten Gott. Er hat sich uns bekannt gemacht in Jesus Christus. Und einen anderen Gott, als den, der sich in Jesus Christus uns bekannt gemacht hat, gibt es nicht.
Paulus knüpft an das Denken der Athener an und sprengt es zugleich. Denn an diesen Jesus zu glauben, heißt Gewissheit haben. Die Suche nach Gott ist vorbei. Denn durch Jesus Christus wissen wir, wie und wer Gott ist. Er ist unser Vater und Schöpfer. In Jesus Christus ist die Tür zum Vater auf. Er lehrte uns zum Vater beten. Er ist da.
Wo wohnt Gott nun? Überall und nirgends? Nein! „Gott wohnt, wo man ihn einlässt“ – so sagte es Martin Buber treffend.
Wenn wir ihn im Gebet anrufen, dann erfahren wir nicht nur seine Gegenwart, die uns umgibt, sondern dann wird unser Herz zu seiner Wohnung.
In seinen Briefen schärft unser Redner Paulus den Gemeindegliedern ein, dass sie selbst ein Tempel des Heiligen Geistes sind und Gott in ihnen wohnt.
„Gott wohnt, wo man ihn einlässt“. Das gilt eben zuallererst für das eigene Herz.

Und was ist nun mit Gebäuden? Ist es dann überhaupt angemessen, dass wir Christen Kirchen und Gemeinderäume bauen?
Es hat mich sehr bewegt, als ich im vergangenen Jahr in Trier auf einer Glasplatte über den Ausgrabungen einer uralten Hauskapelle von Christen stand. Diese Hauskapelle existierte wohl schon im dritten Jahrhundert n. Christi Geburt. Schon ab 329 nach Christi Geburt wurde in Trier die erste Basilika gebaut. D.h. sobald Christen an einem Ort waren, haben sie sich Versammlungsorte geschaffen.
Denn zum christlichen Glauben gehört die Versammlung der Glaubenden. Das ist zuallererst die Versammlung wie wir sie heute pflegen: die Versammlung um Wort und Sakrament. Wir Christen beten allein und beten gemeinsam. Fand und findet schon bei den Juden der Glaube an Gott Gestalt in gemeinsamen Gottesdiensten, gemeinsamen Wallfahrten und gemeinsamem Psalmengebet, so ist dieser Gemeinschafts-charakter des Glaubens bei den Christen von Anfang an fast noch stärker ausgeprägt. Der Glaube an Christus verbindet.
Hinzu kommt: Die Versammlung der Glaubenden hat große Verheißung. Denn Christus hat versprochen: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“.
Und deswegen bauten die Christen von vorn herein Orte, an denen sie sich treffen. Diese Orte sind uns lieb, weil wir an ihnen in besonderer Weise die Erfahrung seiner Gegenwart machen. Deswegen singen und beten wir den Psalmvers: „Herr ich habe lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnt“.

Wohnt Gott nun doch in einem Haus? Ja, Gott wohnt, wo man in ihn einlässt, wo sein Name angerufen wird. Daher sind Kirchen unverzichtbare Orte, an denen die Gemeinde sich gemeinsam trifft um Gott anzurufen. Kirchen sind Orte, die nur dazu gebaut sind, dass Gott wir Gott begegnen und er uns. Gewiss, Gott kann und will uns an allen Orten begegnen; er braucht solche Orte nicht; doch uns helfen Kirchen in besonderer Weise, innezuhalten, an Gott zu denken, auf ihn zu hören, die Gemeinschaft des Leibes Christi zu feiern in Brot und Wein, einen Menschen durch Taufe in die Gemeinschaft aufzunehmen und gemeinsam Gottes Segen zu empfangen, damit wir je an unseren vielen Orten auf Gottes Gegenwart mitten im Alltag vertrauen.

Und das Gemeindehaus? Der Glaube an Christus verbindet. Immer wieder beobachte ich, wie schwer sich Eheleute tun, in denen der eine an Christus glaubt und der andere nicht. Ihnen fehlt ein wichtiges Bindeglied. Umgekehrt verbindet es Eheleute auf eine besondere Weise, wenn sie miteinander zu Tisch beten und gemeinsam in den Gottesdienst gehen, nebeneinander am Altar stehen zum Empfang des Sakraments. Der gemeinsame Glaube an Christus ist ein Band der Liebe besonderer Art.
Alle Christen, die an Christus als ihren Herrn und Erlöser glauben, sind in ihm verbunden. Das ist etwas Wunderbares. Und diese Gemeinschaft findet Gestalt über den Gottesdienst hinaus: In Gemeindefesten, im Chorgesang, in Bibelwochen und Themenabenden, in denen man sich mal intensiver über Glaubens- und Lebensfragen unterhalten kann. Wie gut, wenn dafür nun wieder Haus dafür da ist.
Auch die junge Generation soll herangeführt werden an den Glauben, der uns verbindet. Wie schön, dass es in der Kirchengemeinde Burgpreppach eine Krabbel-Gruppe gibt, eine Jungschar und Jugendarbeit. Auch so zeigt sich christliche Gemeinschaft, dass Ältere den Jüngeren den Glauben weitergeben durch Spielen und Singen und Beten und Reden. Es wird all diesen Gruppen und Kreisen gut tun – und auch dem Konfirmandenunterricht und dem Kirchenvorstand, dass nun Räume da sind, die dieser christlichen Gemeinschaft dienlich sind.
Kirchen und Gemeindehaus dienen der Gemeinschaft und werden selbst dadurch geprägt, dass in ihnen immer wieder der Name des Herrn angerufen wird.
Deswegen kann durchaus auch darin das Tanzbein geschwungen oder ein fröhliches Familienfest mit kräftigem Essen gefeiert werden. In diesem Haus ist willkommen, was dem Glauben nicht wider-spricht; und der Glaube ist eine fröhliche Sache, das soll und wird auch in Ihrem Gemeindehaus erfahrbar werden. Dass wir in Gott „leben, weben und sind“, das macht uns fröhlich und manchmal sogar ausgelassen. Nur, was dem Glauben wider-spricht, gehört nicht ins Gemeindehaus hinein.
Doch alle Fragenden und Suchenden sind willkommen. In unserem Predigtwort heißt es ja wortwörtlich: „Die Menschen sollen Gott suchen, ob sie ihn vielleicht ertasten und finden würden“.
In Christus kommt diese Suche an ihr Ziel. Mögen die Gemeinderäume dazu beitragen, dass Menschen erfahren: Gott ist näher als wir ahnten und er geht mit an jeden Ort.
Amen.