Einweihung des Lorenzparkes in Hof

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner im Rahmen der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen von St. Lorenz am 14. Juli 2014

Sehr verehrte Anwesende, liebe Gemeinde!

Zu allererst meinen herzlichen Glückwunsch an die Kirchengemeinde St. Lorenz, die in diesem Jahr ihr 800-jähriges Jubiläum feiert. Das ist wirklich etwas Besonderes, wenn eine Kirchengemeinde solch ein hohes Alter zu verzeichnen hat. Neuere Forscher gehen davon aus, dass die Pfarrei sogar schon um 1122 bestanden hat. Trotzdem feiern wir das urkundliche erwähnte Datum 1214.

Doch heute geht es gar nicht primär um das Pfarreijubiläum von St. Lorenz. Vielmehr freut es uns alle, dass es gelungen ist, im Jubiläumsjahr die allernächste Umgebung von St. Lorenz so schön zu gestalten. St. Lorenz erhält nicht einen Blumenstrauß zum Geburtstag, sondern einen Park voller Blumen und Bäume.
Vor zwei Wochen war ich schon hier als die Handwerker und Gärtner noch kräftig zu tun hatten und konnte aber schon die Schaufenster auf die Stadt genießen, bewundern, dass St. Lorenz nun sogar einen eigenen Platz für das Osterfeuer hat, mir vorstellen, wie Menschen auf dem Stadtbalkon Kaffee trinken, im Rondell ein Schwätzchen halten oder konzertante Musik hören oder gar auf der Terrassen vor der Gemeindehaus frühstücken, wie dies die Bastelgruppe zu tun pflegt. Ich freue mich mit der Kirchengemeinde, dass nun solch ein gepflegter Park Gemeindehaus und Kirche verbindet. Davon wird das Gemeindeleben sicher profitieren.
Der Stadt spreche ich meine Anerkennung aus, dass sie Alt-Hof und ihre Mutterkirche ehrt und ich gratuliere auch der Stadt, weil sie Raum zum Aufatmen und Begegnen mitten in der Stadt gewonnen hat. Durch die Kooperation von Kirche und Stadt haben beide profitiert, mehr noch die Menschen in Kirchengemeinde und Stadt haben gewonnen.

Meine Gedanken knüpfe ich an zwei Bibelworte. Eigentlich hätte man sie vor der Ansprache vortragen können, doch ich baue sie in die Ansprache ein.
Das erste Bibelwort ist alttestamentlich. Wir hören Psalm 84. Er ist überschrieben mit „Freude am Haus Gottes“.

Vorlesen von Psalm 84
Da liebt ein Mensch den Tempel, das Gotteshaus. Er ruft aus: „Ein Tag in Deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend“. Gilt das auch für den Vorhof von St. Lorenz? Das wirkt vielleicht übertrieben. Und hat doch hat dieser Park echte Attraktivität. Zu ihr trägt seine gepflegte Gestaltung bei mit
Blumenrabatten,
Rasen unter Bäumen,
Bänken mit Aussicht,
Plätzen der Begegnung
und eben auch, dass er Vorhof einer Kirche ist.
Wo jetzt der Park ist, war bis 1879 Friedhof. Die Menschen wollten nahe der Kirche begraben sein, nahe der Stätte, in der Menschen beten.
Die Nähe zur Kirche ist nicht nur für Tote gut. Manchen ist die Kirche egal; für manche ist sie Inbegriff einer fremden Religion; für manche ist sie reines Kulturgut geworden. Doch für viele in dieser Stadt ist sie Ort des Gebets und davon lebt auch dieser Park. Er ist – in der Sprache des Psalms – Vorhof der Kirche. Darum gewinnt für viele Menschen in diesem Park die Ruhe und Erholung an Tiefe. Nicht nur der Körper atmet tief ein, sondern auch die Seele. Er ist Oase für Leib und Seele.

Das zweite Bibelwort. Ich zitieren einen Vers aus dem letzten Buch der Bibel, letztes Kapitel, Offenbarung 21, Vers  13: Jesus Christus spricht: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“
Als Jugendliche habe ich dieses Bibelwort nicht verstanden. A ist der erste Buchstabe im Alphabet, aber O nicht der letzte. Da hat sich jemand doch getäuscht. Und außerdem: O schreibt man auch nicht so, wie das manchmal bei diesem Spruch geschieht: unten offen mit zwei querstehenden Füßen. Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich verstand, dass das griechische Alphabet mit O, bzw. Omega endet und das Neue Testament ursprünglich in Griechisch geschrieben war. Daher waren Alpha und Omega zugleich Symbol-buchstaben für Anfang und Ende.
Diese Symbolbuchstaben: Alpha und Omega sind nun auch in den Boden dieses Parks eingelassen worden – je nachdem, wie man es betrachtet - am Anfang oder am Ende des Geschichtenweges. Wenn man aus der Stadt in den Park tritt, dann sieht man Steinplatten, auf denen Geschichts-zahlen  samt ihrer Bedeutung zu lesen sind. Dieser Park bildet also auch.
Von der Innenstadt aus gesehen die erste Platte trägt die Jahreszahl 2014, also das gegenwärtige Jahr der Einweihung dieses Parks und des so genannten Geschichtsweges. Geht man an diesen Platten entlang, so kommt man nicht nur zum Jahr 1214, sondern eben zu diesen beiden Buchstaben Alpha und Omega. Das macht nachdenklich. Denn es ist ein Hinweis darauf, dass die Geschichte Gottes mit den Menschen mit Christus beginnt und bei ihm ihr Ziel hat. Christus spricht: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.
Nun mag mancher sagen: „Moment, Christi Geburt war nicht der Anfang der Geschichte Gottes mit den Menschen. Auch wir Christen glauben, dass Gott schon Abraham begegnete ungefähr 1200 Jahre vor Christi Geburt.“ Doch ist das kein Widerspruch. Wir glauben, dass Gott noch nie anders war als so, wie er sich dann in Jesus Christus gezeigt hat. Christus war immer schon in Gott – schon als Gott diese Erde werden ließ. Und wenn wir einst nach unserem Tod zum Vater gehen, werden wir bei Christus sein. Er ist Anfang und Ziel unseres Lebens. Er ist A und O.

Das besonders Geglückte dieses Geschichtsweges ist aber nicht nur sein bildender Charakter mit diesem nachdenklichen Tiefgang, sondern auch, dass er völlig barrierefrei ist.
Das bedeutet freilich auch: Man kommt nun völlig barrierefrei zur Lorenzkirche. Wie passend, denn es gibt auch von Christus her keine Hürden, wenn Menschen zu ihm gehen wollen. Sie können kommen, wie sie sind – schwer behindert oder völlig fit, alt oder jung, arbeitslos oder überarbeitet, gläubig oder zweifelnd. Barrieren bauen wir selbst in uns auf, wenn wir an Gott denken – ob wir ihm recht sind. Da steigt das das schlechte Gewissen in uns auf wegen des seltenen Kirchgangs oder wegen des Seitensprungs oder wegen was auch immer.
Dabei sagt Christus: Kommt alle zu mir und lernt von mir. Da findet ihr Ruhe für Eure Seelen.
Auch wenn das Geld für einen Brunnen in der Stadtoase nicht mehr gereicht hat: Bei ihm ist Wasser des Lebens, kostenlos.
Diese Hoffnung verbinden wir gerade mit diesem barrierefreien Lorenzpark, dass Menschen hier sinnenhaft spüren: Sie sind willkommen nicht nur im Vorhof der Kirche, sondern auch innen. Auch Menschen muslimischen Glaubens sind willkom-men und Menschen, die völlig atheistisch aufge-wachsen sind ebenso. Gerade die, die innere Barrieren haben, sind besonders herzlich eingeladen.
Ich danke den Ehrenamtlichen, die mit dem Café auf dem Stadtbalkon diesen einladenden Charakter verstärken.
Park und Kirche St. Lorenz können und sollen ein Ort der Begegnung sein für Stadt und Kirchengemeinde, an dem innere Barrieren zwischen Menschen und gegenüber Gott fallen und Leib und Seele sich erholen in dieser Stadtoase. - Dann ist eine Stunde hier besser als sonst tausend.
Amen.