Verabschiedung von Dekan Hans Hager in Thurnau

Rede von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zur Verabschiedung von Dekan Hans Hager in den Ruhestand am 20. Juli 2014 über den Konfirmationsspruch Johannes 8,12

Liebe Gottesdienstgemeinde,vor allem, liebe Familie Hager und besonders lieber Herr Dekan Hans Hager!

„Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
So steht es im Johannesevangelium Kapitel 8, Vers 12 – und so steht es bis heute über Deinem Leben, lieber Hans. Dieser Spruch wurde Dir bei Deiner Konfirmation zugesprochen. Auf die Frage, welches für Dich der wichtigste Leitvers Deines Lebens sei, nanntest Du dieses Wort.
Licht und Leben. Das Pendant ist Dunkelheit und Tod. Licht und Leben verheißt Jesus jedem Menschen, der ihm nachfolgt. Du hast Dich auf diese Nachfolge sehr eindeutig eingelassen.
Das fing bereits in Deiner Jugendzeit an. Eigentlich war alles klar. Dein Vater hatte eine Kfz-Werkstadt. Du absolviertest sowohl eine Lehre als Kfz-Mechaniker wie auch als Bankkaufmann, um die Werkstadt zu übernehmen. Doch von Menschen Deines Vertrauens im CVJM und Hauskreis erhieltest Du den Hinweis, dass Du – nicht nur wie bisher für ehrenamtlichen Dienst in der Jugendarbeit - sondern für den hauptamtlichen Dienst in der Kirche geeignet seist.
Jesusnachfolge ist auch in weltlichen Berufen möglich. Jesus ist ja das Licht der Welt. Doch Dir wurde klar, dass der Glaube an Christus auch Inhalt Deines Berufes sein sollte. In die Mission gehen – diese Möglichkeit stand im Raum, doch zerschlug sich, weil eines Eurer Kinder sehr krank war. Pfarrer werden über die Pfarrverwalterschiene – auch dieser Weg schien verbaut, weil die Kirche just ihr Gesetz für diese Ausbildung geändert hatte und Du mit Deinen 24 Jahren zu jung warst.
Immerhin, die Zusage der Rummelsberger Diakonie für den Zugang zum Diakonenberuf stand. Und doch sagtest Du OKR Wolf Deine Meinung, dass die Entscheidung, Dich wegen Deiner Jugend für den Pfarrverwalterweg abzulehnen,  falsch sei.
Ohne noch damit zu rechnen und schon eingestellt auf den Beruf des Diakons erhieltest Du dann doch noch den Bescheid, ausnahmsweise zugelassen zu werden für das Theologiestudium in der Pfarrverwalterausbildung in Neuendettelsau. In meinen Augen ein Beleg, dass der Landeskirchenrat durchaus lichte Momente hat. Noch dazu ist Hans Hager der lebende Beweis, wie wichtig es ist, dass unsere Kirche auch den zweiten Weg zum Pfarrberuf über die Pfarrverwalterausbildung offen hält. Wir werden diesen Zugang in den kommenden Jahren noch dringend brauchen.
Die Pfarrverwalterausbildung fiel Dir leicht. Als ich Dich fragte, woher Dein tiefgründiger Humor kommt, der oft hell blitzend in Gesprächen und in Predigten durchbricht, sagtest Du: „Angefangen zu lachen habe ich im Theologiestudium“. Licht und Leben in der Nachfolge Jesu und das Gefühl den passenden Berufsweg zu gehen, das führte bei Dir zu Leichtigkeit und Lachen.
Das ist keine singuläre Erfahrung. „Wo Glaube ist, ist auch Lachen“ sagt Martin Luther. Manchmal führt der Glaube freilich auch ins Leiden – denken wir an Bonhoeffer, der mitverantwortlich ist für das mutige Attentat auf Hitler heute, 20. Juli vor 70  Jahren. Auch ist heute das Christentum die meistverfolgte Religion in der Welt. Doch Christen bleiben Christus im Leben und Sterben treu, weil sie überzeugt sind, dass Christus Licht und Leben bringt. Am Ende steht für Christen nie das Leiden, sondern das Leben bei ihm. Darum – wo Glaube ist, ist auch ein Lachen, das immer wieder durchbricht.
Wie gesagt, Leiden im Leben bleibt uns Christen nicht erspart. Ein Kind fast verlieren, ist noch schlimmer als selbst ernsthaft krank werden. Beides aber hast Du zusammen mit Renate durchstanden. Da vergeht einem und verging Dir zwischendurch schon das Lachen. Doch ich bin froh, dass es wohl aus den Tiefen Deiner Seele immer wieder aufsteigt.

Licht und Leben und Lachen, das schenkt uns unser Gott zu allererst durch den Glauben an Christus, doch in anderer Weise auch durch Menschen; und Dir vor allem durch Deine Frau, Renate. „Ich gehe mit“, das hast Du, liebe Renate, immer wieder sehr mutig gesagt. Das Mitgehen gilt für den Weg der Nachfolge Jesu und für konkrete Schritte, wie mit dem ersten Kind – drei kamen noch - nach Neuendettelsau zu ziehen wegen der Pfarrverwalterausbildung.
Dann ging es im September 79 - zunächst im Vorbereitungsdienst - nach Kipfenberg, im September 83 nach Rentweinsdorf und schließlich im Oktober 98 hierher nach Thurnau.
An all den Dienstorten Deines Mannes hast Du Dich selbst eingebracht. Beispielhaft erwähne ich Deinen Einsatz im Kindergottesdienst, den Du bis zu Deinem 60. Geburtstag durchgehalten hast. Deine warmherzige, handfeste, realistisch-nüchterne Art hat nicht nur Deinem Mann und Euren Kindern Jürgen, Daniela, Charis und Johannes gut getan, sondern auch vielen anderen. Du warst und bist ein beständiges Licht, durch das der Himmel in den Alltag vieler Menschen scheint und - so Gott will - weiter scheinen wird. 

Dein Konfirmationswort, lieber Hans, ist ja eines der Ich-bin-Worte. Jesus sagt: Ich bin - Weg, Wahrheit, Leben, Brot, Auferstehung, Weinstock, Hirte und eben auch Licht.
„Ich“, sagt Christus. Das hat Dir eingeleuchtet. Darum sagst Du: „Er ist es! - Ich brauche mich nicht so ernst nehmen.“ Diese Selbstrelativierung durch die Beziehung zu Christus befreit. Sie gehört zu Dir.

Lachen musste auch ich, als ich von Dir einen Kalender geschenkt bekam mit Tierbildern aus Deiner letzten Afrikareise – samt Untertiteln. Auf einem Foto hast Du ein Nashorn eingefangen. Da steht es. Mitten in der Steppe, reckt sein Horn in die Luft, hebt sein Bein zum kräftigen Auftreten. Unter das Bild hast Du die Worte gesetzt - „Ich bin der Boss.“
Temperament hast Du schon, lieber Hans, doch so hast Du nie geleitet, mit spitzem Horn und hartem Huf, sondern mit Humor und Herzlichkeit;
Gerade weil Du nicht so auftrittst, zeigen sich Deine Stärken umso deutlicher: lebendiges Predigen, das Christus zum Leuchten bringt mit lebensnaher Theologie; eine sensible, klare Seelsorge noch dazu geschult durch eine lange Gestaltseelsorge-ausbildung; dein wirtschaftlicher Sachverstand aus der Banklehre und Organisationstalent aus der Führung eines Handwerksbetriebs; ohne dieses Talent gäbe es heute wahrscheinlich kein Gebäude namens Lichtblick“, in dem Gemeinde und Dekanat und Pflegestation und Jugend und Chor und vieles andere Raum und Licht hat. Der Name „Lichtblick“ erinnert übrigens auch an Deinen Konfirmationsspruch. 
Manche müssen das Licht anderer dimmen, damit ihr eigenes besser gesehen wird. Dir war es ein Anliegen, dass die Gaben der Pfarrer und Mitarbeitenden zur Geltung kommen, damit diese Menschen wie Du etwas zu Lachen haben – und die Gemeinden auch.
Dir ging es nicht darum, dass Du glänzt, sondern Dir ging es darum, dass Christus, strahlt durch die Pfarrer und Mitarbeitenden Deines Kapitels, durch Gemeindeglieder – damit möglichst alle Menschen von diesem Licht beschienen werden.
„Ein paar Glühlampen löschen die Milchstraße aus“, wusste Walter Ludin, ein schweizer Journalist und Kapuzinermönch. Menschen können Christus verdunkeln, weil sie selbst leuchten wollen. Sie können aber auch Spiegel sein, die sein warmes, helles Lichts reflektieren. Spiegel, Reflektor, für Christus zu sein, das war und ist Deine Bestimmung und Sehnsucht Deines Lebens. Das wird auch so bleiben im Ruhestand.

Ein Letztes. Eigentlich ist es heikel, wenn ein Pfarrer oder Dekan im Ruhestand am Dienstort wohnen bleibt. Doch hier bin ich in keiner Weise skeptisch. Im Gegenteil, ich bin ganz gewiss, dass Du, lieber Hans, alles vermeiden wirst, was dazu beiträgt, dass Deine Nachfolgerin in Deinem Schatten steht.
So hast du selbst sehr weise entschieden, dass Du keine Beerdigungen, Taufen oder Trauungen in der Kirchengemeinde Thurnau mehr halten wirst, sobald die Nachfolgerin da ist. Das bekräftige ich von meiner Seite, liebe Thurnauer, denn zum einen müssen die Verhältnisse klar sein, zum anderen ist Dekan Hager nicht nur im Sinne seines Konfirmationsspruches Lichtexperte  - sondern auch als Fotograph mit der Spiegelreflex in der Hand. Diese Kunst soll er nun auch ausüben dürfen. Nach so vielen Jahren Berufstätigkeit darf und soll nun auch Erholung sein.

Lieber Hans Hager, Du bleibst in der Nachfolge Jesu Christi. Möge die Verheißung Deines Bibelwortes sich weiter an Dir erfüllen in vielfältiger Weise durch Licht und Leben. Und möge Dein Lebenslicht, Christus, noch lange durch Dich unter uns leuchten.
Amen.