Einführung von Dekan Andreas Maar in Naila

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 17. August 2014 zum Psalm 73,28

Liebe Festgottesdienstgemeinde, vor allem liebe Familie Maar und insbesondere lieber Bruder Maar!

Blenden wir zunächst kurz zurück. Am 16. Februar wurde Dekan Günter Förster verabschiedet. Schon drei Tage später am 19. Februar fand die so genannte Präsentation des neuen Dekans statt. Das bedeutete, dass ich dem Wahlgremium - bestehend aus Kirchenvorstand Naila und Dekanatsausschuss – Andreas Maar als zukünftigen Dekan vorstellte.
Drei Tage zuvor, bei der Verabschiedung des alten Dekans schon, als der Nachfolger also noch gar nicht bekannt war, hatte ich den Eindruck, dass eine Zuversicht hier im Kirchenschiff und beim anschließenden Empfang war, dass alles gut weitergehen würde.
Nun, zum einen hielt sich der Abschiedsschmerz in Grenzen, weil die Försters ja nicht aus der Welt sind. Zum anderen war die Bevölkerung auch durch ein Zeitungsinterview mit mir informiert worden, dass die Präsentation des neuen Dekans bevor steht. - Doch ich meine, dies allein war nicht der Grund der Zuversicht. - Schon als das Wahlgremium und ich uns am 7. November 2013 zum ersten Mal zusammensetzten, um die Stelle neu auszuschreiben, war diese Zuversicht im Raum. Alle waren realistisch und wussten, dass die Bewerberlage auf Stellen im Frankenwald nicht optimal ist. Doch: „Wir beten“, sagte einer im Wahlgremium und alle nickten zustimmend und ein anderer sagte: „Ja, wir beten. Gott hat schon den richtigen Dekan für uns ausgewählt.“
Da war sie, die Zuversicht. Obwohl zunächst keine Bewerbung eintraf, einer nach dem anderen absagte oder von mir den Rat erhielt, sich besser nicht zu bewerben, blieb diese Zuversicht auch in mir und begleitete mich das ganze Besetzungsverfahren hindurch.

Der Psalmbeter des Psalms 73 sagt:
„das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“
Vielleicht kommt Ihnen dieser Spruch bekannt vor. Die Jahreslosung diesen Jahres lautet: „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. Luther übersetzte diesen Vers mit: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte“. Und der Vers geht dann im Psalm ebenweiter mit den Worten: „und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn“.

Genau das haben viele Menschen hier in Naila während des Stellenbesetzungsverfahrens getan. Sie haben ihre Zuversicht gesetzt auf den Herrn. Sie haben gebetet.
Es war klar, es braucht hier in Naila einen Dekan, dem abzuspüren ist, dass er Jesus Christus lieb hat und die pietistisch-evangelikale Frömmigkeitsprägung mag und es braucht jemanden, der einfach ein Herz für die Menschen hat und auf sie zugehen kann, auch dann, wenn sie nicht oder anders fromm sind. Ach, und dann wünschten sich viele einen Dekan mit Familie und wagten kaum auch noch dafür zu beten.
Nun, Gott ist kein Automat, bei dem oben das Gebet eingeworfen wird und unten kommt die Erfüllung heraus. Doch dass der Dekan so vieles, von dem, was erhofft war, mitbringt und sogar zu fünft kommt macht uns sehr dankbar.

Gerade, weil wir nun froh sind über die gelungene Besetzung ist das Bibelwort so wichtig: „das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn“
Dieses Bibelwort ist eine Botschaft an uns, dass wir nun auch weiterhin unsere Zuversicht setzen auf Gott und nicht auf den neuen Dekan, der´s schon richten wird.
Wir hätten zwar schon auch  Grund zuversichtlich zu sein, wenn wir uns „den Neuen“ anschauen. Er sieht nicht nur freundlich aus, sondern ist es auch. Die Menschen in Tansania wären begeistert über seine Körpergröße. Häuptlinge müssen dort groß sein, damit sie mehr Überblick über die Steppe und die Menschen haben. Doch im übertragenen Sinn Überblick und Weitblick braucht es auch für ein Dekansamt. Daher ist es gut, dass Andreas Maar nicht nur seit dem Jahr 2009 stellvertretender Dekan war in Oettingen. Vielmehr war er auch im Dekanatsausschuss und im Kooperationsausschuss der drei Ries-Dekanatsbezirke: Oettingen, Donauwörth und Nördlingen; und er hat ein Jahr lang bis Mitte letzten Jahres wegen der Vakanz auf der Dekansstelle, das Dekanat Oettingen geleitet. Auf Dekanatsebene war er Kindergottesdienst-beauftragter, zuständig für die Begleitung Lektoren und Prädikanten und gründete die Konfi-Camp-arbeit mit. Doch mindestens genauso wichtig ist, dass er Gemeindepfarrer war und ist mit Leib und Seele. Seit 1998 schon im Probedienst bis vor wenigen Wochen war er auf der Pfarrstelle Ehingen im Ries und damit allein zuständig für drei Kirchengemeinden und vier Predigtstellen. Sicher werden die Ehinger uns nachher noch sagen, dass wir ihn und seine Familie äußerst pfleglich behandeln sollen und schätzen sollen, was wir an ihm haben.
Ja, wir sind froh, dass Andreas Maar da ist und doch gilt es nun – auch um seinetwillen – dass wir im Blick auf die kirchliche Arbeit in Naila nicht unsere Hoffnung auf ihn setzten, sondern auf Gott.
Wir sind voll Zuversicht, dass Gott Ihnen, lieber Bruder Maar, die Kraft, Weisheit und Liebe und auch die Klarheit und das Durchsetzungsvermögen schenken wird, das Sie brauchen für die Leitung der Gemeinde.
Wir sind zuversichtlich, dass Gott die anderen Pfarrer im Kapitel, Diakone, Sekretärinnen, Kantorin, Prediger der LKG, Schwestern der CCB, Kirchenvorstand und die vielen anderen Ehrenamtlichen mit den Gaben seines Heiligen Geistes erfüllt, damit es ein gutes Miteinander wird und Gottes Reich gebaut wird hier in der Region.
Hier lebt schon so viel in den Kirchengemeinden, in der Diakonie  in der landeskirchlichen Gemeinschaft, der Bobengrüner Pfingsttagung, der Christusbruderschaft Selbitz, auch bei unseren katholischen und methodistischen Glaubens-geschwistern. Wir sind voll Zuversicht, dass Gott auch Sie, lieber Bruder Maar, und die ganze Familie durch andere Christenmenschen stärken wird.
Wir sind voll Zuversicht, dass Gott auch Ihnen, liebe
Frau Maar und Euch Lukas, Yannik und Tina hier eine neue Heimat schenkt, in der ihr Euch wohl fühlt. Wir freuen uns, dass Ihr da seid und auch alle Tiere den Umzug gut überstanden haben. Den Kindern wünschen wir, dass sie rasch gute Freunde und Freundinnen finden, dass sie hineinfinden in die Schulklassen und auch die Kinder- und Jugendarbeit hier am Ort ein zu Hause für sie wird. Sie, liebe Frau Maar bringen große Gaben mit. Doch mehr will ich gar nicht verraten, denn Sie sollen ja ganz frei sein, sich so einzubringen, wie es für Sie passt.
„Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“
Dieses Verkündigen der Taten Gottes ist nicht nur die Aufgabe der Pfarrer und des Dekans, sondern wirklich von uns allen. „Gott nahe zu sein ist mein Glück“ – das haben die meisten hier im Kirchenschiff schon erfahren. Doch viele Menschen haben dieses Glück noch nie gespürt. Es ist unsere Freude, dass wir uns zu Gott halten. Nun gilt es, dass wir anderen Menschen an dieser Freude Anteil geben und erzählen von unserem Glauben, der uns fröhlich macht. Auch durch die Mitwirkung im Chor und im Posaunenchor verkünden wir mit. Jeder Kirchgang ist ein kleines Zeugnis: Ja ich halte mich zu Gott.

„Dass ich verkündige all Dein Tun“ Sie, lieber Bruder Maar, sind von Beruf Verkündiger des Evangeliums und Sie lieben diese Aufgabe. Und es ist darüber hinaus nun auch Ihre Aufgabe Fürsorge zu tragen, dass im ganzen Dekanatsbezirk die Verkündigung des Evangeliums an Kraft gewinnt. Das ist eine große Aufgabe. Darum bitte ich Sie: Setzen auch Sie Ihre ganze Zuversicht auf Gott.
Das ist doch eines der Geheimnisse unseres Glaubens dass wir uns nach Kräften um die Verkündigung des Evangeliums bemühen, dass wir fleißig sind, alles so gut wir können organisieren und doch unsere ganze Zuversicht setzen auf Gott. Das entspannt und macht in aller Arbeit gelassener.
Denn dass nicht Streit, sondern Friede, nicht Depression, sondern Freude, nicht weiterer Traditionsabbruch, sondern Glaube an Christus wächst -, das ist nicht machbar, selbst wenn wir uns noch so mühen; das sind reine Gottesgeschenke.
Darum: Im Blick auf Ihren Dienst als Pfarrer und Dekan in Naila, im Blick auf das Wohlergehen der  Familie Maar im Blick auf die Zukunft unsere Kirche und im Blick auf alles, was uns wichtig ist, setzen wir unsere Zuversicht auf Gott den Herrn.
In dieser Zuversicht auf Gott führen wir nun Andreas Maar in sein neues Amt ein.
Amen.