Einführung von Martina Beck als Dekanin in Thurnau

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Greiner anlässlich der Einführung von Pfarrerin Martina Beck als Dekanin in Thurnau am 4. Advent, Gaudete, 21. Dezember 2014

„Freuet Euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich Euch, freuet Euch. Der Herr ist nahe.“ Das ist unser Wochenspruch in dieser heute anbrechenden letzten Woche vor dem Weihnachtsfest.

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Frau Pfarrerin Beck mit Familie!

Es war ein langer Advent für Thurnau: Am 25. März präsentierte ich Sie, liebe Frau Beck, dem hiesigen Wahlgremium, bestehend aus Kirchenvorstand und Dekanatsausschuss. Das Wahlgremium brachte keine Bedenken vor – ganz im Gegenteil, und so war Ihr Einsatz besiegelt. Ende März schon war es öffentlich, dass Sie die neue Dekanin von Thurnau werden würden. Und nun hat es noch ein dreiviertel Jahr gedauert, bis Sie wirklich hier ankommen. Ein langer Advent.
Dafür feiern wir heute in gewisser Weise ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Nicht, dass Sie das Christkind wären, aber Sie werden in Ihrem neuen Amt hier an Weihnachten die frohe Botschaft verkünden können, dass Jesus Christus geboren ist. Es wirkt wie ein Geschenk für den ganzen Dekanatsbezirk, die Kollegen und die Thurnauer Gemeindeglieder, dass Sie, liebe Frau Beck, vor Weihnachten hier beginnen.

Dem Aufruf des Paulus an die Gemeinde in Philippi Folge zu leisten – „Freuet Euch in dem Herrn“ – fällt darum der hier anwesenden Gemeinde nicht schwer. Und ich bekräftige: Ihr könnt Euch auch wirklich freuen und ich freue mich mit über Martina Beck, die heute Ihre neue Pfarrerin und Dekanin wird.
Frau Beck wurde in Ludwigsstadt geboren, getauft und konfirmiert,
ging in Kronach aufs Gymnasium,
studierte in Erlangen und Marburg Theologie,
absolvierte ihr Vikariat in Ruhpolding,
wurde zu ihrem ersten Pfarrdienst nach Landshut entsandt, dort auch ordiniert
und bewährte sich seit 1996 außerordentlich als Hirtin der Gemeinde von Betzenstein.
Die Pfarrerskollegen hatten Vertrauen zu ihr, sodass sie im Jahr 2001 zur Seniorin gewählt wurde. Als Seniorin hatte sie die Ehre und die Pflicht auch immer wieder Dekan Dr. Schoenauer zu vertreten. Sie bringt alle nötigen Erfahrungen mit.
Frau Beck wirkt ernst und nachdenklich. Das ist sie auch; doch hat sie auch Humor und kann lachen – auch, weil sie selbst diese Freude am Herrn in sich trägt. Sie ist verlässlich, fleißig, ehrlich und den Menschen in Liebe zugewandt. Oftmals haben wir zusammen die Gottesdienstprüfung bei Vikaren durchgeführt. Frau Beck hat einen klaren Blick und kann deutlich fragen, weil sie selbst klare Überzeugungen hat. Sie wird ihr Amt nicht pfarrherrlich, sondern mit natürlicher menschlicher und geistlich geschenkter Autorität ausfüllen.
Im Thurnauer Dekanat wird nun Frauenpower walten, wenn wir von Tim Herzog absehen. Frau Moritz, Frau Erlmann im Sekretariat, Frau Winkler als Seniorin, Frau Leupold auf der Nachbarpfarrstelle, Frau Peter an der Orgel. Wäre da ein Mann als Dekan nicht besser gewesen?
Nun könnte man dagegen halten: Es waren an die 2000 Jahre nur Männer im Amt. Da hat auch keiner gefragt, ob nicht eine Frau im Team sein sollte. Doch das ist ein schwaches Argument. Wir wollen ja keine Umkehrung der Machtverhältnisse.
Die beiden eigentlichen Argumente sind: Erstens: es müssen die richtigen Menschen an der richtigen Stelle sein; und das ist gewiss der Fall. Zweitens: der Dienst soll bestmöglich geschehen, damit das Evangelium zur Freude der Menschen verkündigt wird; und dafür stehen alle Genannten ein.
Vielleicht ist es auch ganz gut, dass ein Vergleich mit dem Vorgänger, unserem geliebten Hans Hager und seiner Frau, durch die Besetzung mit einer Frau  etwas schwerer möglich wird. 
Wer die „Frau Dekan“ ist, ist nun eindeutig. Das kann nur die Dekanin sein und nicht mehr die Ehepartnerin. Herr Jürgen Beck wird gewiss nicht mit Herr Dekan angeredet werden.
Auch das ist Freude, lieber Jürgen Beck und lieber David Beck, dass Sie beide sich ebenfalls auf diese neue Lebenssituation ganz und gar einlassen. So habe ich es bei meinem Besuch empfunden. Dass Sie sich alle drei heute im Anschluss an die Installation gemeinsam segnen lassen, ist ein beredtes Zeichen.
Liebe Thurnauer, freuen Sie sich auf die besonderen Gaben, die Herr Beck mitbringt. Ich würde ihn gerne einmal Gitarre spielen hören oder eine Exkursion mit ihm machen in die Fränkische Schweiz. Er weiß, wo Mengen von Frauenschuh blühen und Helmknabenkraut, wo welche Tagfalter fliegen und vieles mehr. Als gelernter Diplomingenieur für Landschaftspflege ist er doch mit Leib und Seele Hausmann und aktives Gemeindeglied. Ich selbst bin dankbar, dass Frau Beck mit solch einer liebenswerten Familie kommt. Sie, lieber David, werden als Student allermeist in Bamberg sein. Doch möge auch Ihnen, eben der ganzen Familie, Thurnau Heimat werden und das Wohngebäude ein Zuhause.

Ihr lieben Thurnauer in Gemeinde und Dekanatsbezirk, Ihr habt viel Grund zur Freude.
Freuet Euch auch „in dem Herrn“. Nehmt Eure neue Pfarrerin und Dekanin als Geschenk des Herrn Jesus Christus an Euch.
Freuet Euch in dem Herrn alle Wege: Über Eure Vakanzen in Azendorf/Peesten und Wonsees braucht Ihr Euch nicht freuen, auch nicht über Schweres im Privaten – doch in allem an Christus. Er wird helfen.
Freuet Euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich Euch freuet Euch. Es ist wirklich Eure Lebensbestimmung Euch zu freuen. Klagen darf sein, doch eine Klagehaltung nie. Euer Weg als Christen geht in jeder Lage von der Klage zum Dank, von der Trauer zur Freude.
Freuet Euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich Euch freuet Euch. Der Herr ist nahe. Noch ist Jesus nicht sichtbar da, bzw. noch sind wir nicht bei ihm. Das wird erst sein in der Ewigkeit. Aber jetzt ist er schon so nah, dass er unsere Gedanken hört, dass er zu uns spricht und sagt: „Freut Euch, ich bin bei Euch alle Tage, heute, dieses Jahr, im Neuen Jahr, in der ganzen Dienstzeit der Dekanin und sogar darüber hinaus.“
Martina Beck ist nun dazu da, Euch diese herrliche Botschaft zu sagen. Damit Ihr Euch freut. Sie ist Eure Pfarrerin, Dekanin und – als höchste Amtsbezeichnung für uns Leitende – Gehilfin Eurer Freude.

Dazu wollen wir sie nun segnen und senden.
Amen.