Einführung der neuen Priorin der Communität Christusbruderschaft in Selbitz am 15. April 2012

Grußwort bei der Einführung Priorin Sr. Anna-Maria aus der Wische
am 15.04.2012 in der Communität Christusbruderschaft Selbitz

Sehr geehrter, lieber Bischof Johannesdotter,
sehr geehrte, liebe anwesende Schwestern und Brüder in Christus,
vor allem: sehr geehrte liebe Schwestern und Brüder der Christusbruderschaft,
insbesondere sehr geehrte, liebe Priorin Anna-Maria aus der Wiesche!

Im Namen unserer Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern – insbesondere auch für die Abteilung C und den anwesenden Kirchenrat Ritter – gratuliere ich Dir, liebe Priorin Anna-Maria und dem ganzen Orden sehr herzlich.
Du bist gewählt, gesegnet und gesendet. Das ist richtig und gut.
Du kannst in Gegenwart und Zukunft in Deinem Amt in schwierigen Situationen immer darauf vertrauen: Menschen haben mich gewählt, gesegnet, gesendet; und doch hat Gott darin gewählt, gesegnet, gesendet. Besinne Dich in den kommenden sechs Jahren immer wieder auf dieses Anfangsgeschehen. Gott selbst hat Dich an diesen Platz gestellt. Er steht Dir zur Seite. Er will leiten durch Deine Leitung. Du bist eine starke Leitungspersönlichkeit. Doch das ist nicht Deine eigentliche Stärke. Der dreieinige Gott ist Deine eigentliche Stärke.

Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich über die Christusbruderschaft anderen erzähle und es wird Situationen geben, in denen ich dabei über die Priorin reden werde. Heute bei der Amtseinführung ist ein Anlass der Christusbruderschaft und der Priorin auch einmal mitzuteilen, was ich dann sage.

Zunächst zur Priorin. Die Priorin ist – wie erwähnt - eine starke Führungspersönlichkeit. Sie leitet. Sie nimmt ihren Platz der „Ersten unter Gleichen“ ein und gibt darin anderen Raum zur aufbauenden Gabenentfaltung. Sie ist eine sehr gute, geistliche Theologin. Sie ist Pfarrerin unserer Kirche und hat einen sehr guten Ruf in unserer Kirche.  Sie lässt sich nicht vereinnahmen, weil ihre starke Christusbindung ihr große Freiheit von allen Menschen schenkt. Sie ist sehr klar in ihren Äußerungen und in ihrem Denken, sehr konsequent in ihrem Handeln. Sie hat asketische Züge und kann doch genießen. Sie ist ernst und doch fröhlich. Ich hoffe, dass das erneute Piorinnen-Amt sie nicht noch asketischer und ernster macht, sondern noch fröhlicher, noch mehr Gott genießend und das ihr geschenkte Leben.

Nun zum Orden. Was sage ich über die Christusbruderschaft, wenn ich von ihr erzähle?

Die Christusbruderschaft ist ein lebendiger und fröhlicher, gesunder und starker Orden. Das zeigt sich auch darin, dass die Jungen, die dazu kommen, oft wirklich starke Persönlichkeiten sind, die Kraft haben, den Orden weiterzutragen.
Die Christusbruderschaft ist ein gastfreundlicher Orden, der unendlich vielen Menschen geistliche und körperliche Rekreation ermöglicht hat und ermöglichen wird. Durch die Gastfreundschaft wirkt der Orden in unsere Kirche hinein, weil die Menschen, die hierher kommen, gestärkt in ihre Kirchengemeinden zurückkehren.
Sie ist ein sozialer Orden, der die Liebe Christi zu dieser Welt lebt, sei es z.B. in der Arbeit an Aidskranken in Afrika, an bedürftigen Jugendlichen in Bayreuth oder an Senioren im eigenen Seniorenheim in Selbitz selbst.
Sie ist ein betender Orden, der treu segnend betet für einzelnen Menschen, die Kirche, die Welt.
Sie ist ein anziehender Orden. Die größte Anziehungskraft des Ordens liegt in der echten Fröhlichkeit der Brüdern und Schwestern. Die Trennung in den 70er Jahren war eine schwere Verwundung und doch ist die Grundgabe der Fröhlichkeit und evangelischer Freiheit von Gesetzlichkeit dadurch noch mehr zum Tragen gekommen. Aus dem, was zunächst eine Schwächung war, hat Gott eine große Stärke wachsen lassen.

Und nun habe ich bei der Einsegnung, Dir, liebe Priorin, das Wort zugesprochen: „Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Paulus bekommt dieses Wort in einer angefochtenen Situation gesagt, die er als schwierig empfindet, in der er sich schwach fühlt. Das scheint zu meinem ungebrochenen Lob für Dich und den Orden nicht zu passen, zumal ich auch keine Schwächen hinzufügend nennen werde, weil die Schwächen in meinen Augen auch wirklich zurücktreten hinter die genannten großen Stärken.
Trotzdem dieses Wort für Dich und den Orden – und dies nicht nur, weil Deine Wahl, Segnung und Sendung in das Jahr fällt, in dem dieses Wort die Jahreslosung ist. Ich habe es Dir auch nicht nur zugesprochen, weil ich weiß, dass die Innenansicht oft eine andere ist als die Außenansicht und die Selbstwahrnehmung eine andere als die Fremdwahrnehmung.
Vielmehr zeigt dieses Wort vor allem, dass alle die genannten Stärken nicht Eure eigentliche Stärke ist. Vielmehr ist Eure eigentliche Stärke die Kraft Gottes, die nicht trotz, sondern in Eurer Angefochtenheit und Schwachheit wirkt. Seid dankbar für die Stärken, die Gott Euch geschenkt hat und wenigsten ebenso dankbar für die Schwächen, die ihr fühlt und die Schwierigkeiten, die ihr wahrnehmt. Gerade sie sind die Krippe, in die Gott die Fülle seines Reichtums und Segens legt.

Eine gesegnete Prioratszeit Dir, liebe Priorin Anna-Maria und dem ganzen Orden.