Pressekonferenz zu den Markgrafenkirchen

Statement von Regionalbischöfin Dr. Greiner bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Tourismusflyers Markgrafenkirchen am 11. Juni 2015 im Landrätesaal der Regierung von Oberfranken


Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Wenning, lieber Wilhelm!
Sehr geehrte Herren Landräte Hübner und Söllner!
Sehr geehrter Herr Dr. Kern als Vertreter der Oberbürgermeisterin!

Heute vor allem liebe Frau Dr. Fohrbeck und
sehr geehrte Vertreter der Presse und Medien!

Das einzige, das bei dieser Pressekonferenz nicht passt, ist die Kunstepoche der Räumlichkeiten, in denen wir uns befinden: Jugendstil. Doch der ist vom Feinsten und weist so auf das – im Barock und Rokokostil gehaltene – immense Kulturgut der Markgrafenkirchen. Insofern passt der Raum dann auch wieder, weil er auf die Güte und Qualität dessen weist, worüber wir heute reden.

Ich habe die Trägerschaft für die Entstehung des Tourismusführers, der heute offiziell vorgestellt wird, übernommen und habe doch sehr wenig dafür tun müssen. Das Lob gebührt Frau Dr. Fohrbeck, die mit unglaublicher Entdeckerfreude, Schaffenskraft und Durchsetzungskunst dieses Werk in Windeseile erstellt hat. Da war gewiss auch der Wind des Heiligen Geistes am Werk.
In diesem großformatigen Flyer findet sich mehr Information als in manchem Buch. Er präsentiert die Fülle der vielen, vielen Markgrafenkirchen unserer Region in komprimierter Weise. Markgrafenkirchen finden wir in zig verschiedenen Ortschaften. Doch erst durch diese konzentrierende Darstellung werden vielen Menschen die Augen aufgehen, welchen geistlichen und zugleich kulturellen Schatz wir in unserer Region haben. In diesen Kirchen liegt unerschlossene Kraft für Tourismus und Regionalförderung und auch für Besinnung und Meditation.

In Markgrafenkirchen predige ich ausgesprochen gerne, weil ich da ganz nah bei den Menschen bin. Die Menschen auf der ersten Empore sind oft so dicht bei mir, dass wir jede Mimik im Gesicht von einander wahrnehmen und unwillkürlich in Kontakt treten. Der Raum ist für Gottesdienste ausgesprochen funktional, mehr noch: er hilft und trägt zur Verkündigung und zum Gotteslob bei
-    durch seine eigene christologische und trinitarische Botschaft,
-    die Fröhlichkeit der Formensprache
-    und seine – die Gemeinde zusammenführende - Kompaktheit.
Obwohl ich an jedem Sonntag in einer anderen Kirche Gottesdienst halte – kommenden Sonntag in Lanzendorf, 500-jähriges Glockenjubiläum – beginne ich neu das Ausmaß und die Güte dieses kulturellen Schatzes zu artikulieren – angeregt durch diese Impulsarbeit dieses Kirchenführers besonderer Art.

Eine „Impulsarbeit“, sagte ich gerade, soll der Flyer sein. Denn nun dürfen wir uns auf diesem Werk nicht ausruhen. Es braucht weiterhin das Miteinander der Landkreise, der Stadt Bayreuth, der Regierung – und auch der Tourismusbüros, Pfarrämter und Kirchenvorstände. Es ist eine besondere Chance, dass sich mit Frau Dr. Fohrbeck eine Frau mit so viel kulturellem und theologischem Wissen, geistiger und geistlicher Kraft für die Entdeckung der Markgrafenkirchen einsetzt. Es gilt die geistliche, kulturelle und touristische Erschließung dieser Kirchen zu fördern. Dies will ich selbst aktiv – in Kooperation mit Frau Dr. Fohrbeck und genannten Verantwortlichen – voran bringen.
Alle Markgrafenkirchen sind evangelisch – bis auf die Schlosskirche, die einst protestantische Hofkirche war und 1813 katholisch wurde. Unsere Markgrafen waren eben zugleich unsere Kirchenleitung.
Bis vor zehn Jahren gab es den für Evangelische unerfreulichen Witz: Was ist der Unterschied zwischen einer evangelischen und einer katholischen Kirche: die eine ist zu, die andere offen.
Dieser Witz hat glücklicherweise an Wahrheitsgehalt in den letzten Jahren mehr und mehr verloren. Etwa die Hälfte der evangelischen Kirchen im Kirchenkreis ist mittlerweile geöffnet. Doch das sind eindeutig zu wenige. Wir haben da eine Aufgabe vor uns. Diesen Montag habe ich daher mit allen 17 Dekanen und Dekaninnen des Kirchenkreises über die Markgrafenkirchen und das Thema „Offene Kirchen“ gesprochen. Wir sind uns einig im Ziel, unsere Kirchen zu öffnen. Sie gehören nicht uns, sie gehören Gott und den Menschen. Offene Kirchen öffnen Menschen für die Welt Gottes. Sie helfen zur Belebung des Gebets mitten im Alltag.
Es muss darum weitergehen: Wir wollen Kirchengemeinden beraten und unterstützen
-    zur weitergehenden Öffnung und Erschließung von Kirchen, insbesondere der Markgrafenkirchen,
-    bei der Erstellung von gedruckten, ansprechenden Kirchenführern – auch für Kinder.
-    bei der Nutzung neuer Medien wie Markgrafenkirchen-Apps für Smartphones
-    Bei Gästeführungen und Kirchentouren und vielem mehr.
Im Flyer sind 24 Markgrafenkirchen ausführlich beschrieben. Hinweise finden sich auf 38 Kirchen und auf der Karte werden ca. 50 erwähnt. Doch im Kirchenkreis, bzw. in Oberfranken befinden sich über 100 Markgrafenkirchen. Es gilt noch viel zu entdecken. Schön, dass wir damit nun angefangen haben.

11. Juni 2015, Dr. Dorothea Greiner, Regionalbischöfin