Sommerfest im Heilpädagogischen Zentrum Bayreuth

Grußwort von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 11. Juli 2015 im Heilpädagogischen Zentrum Bayreuth zum Fest der „SeitenwechslerInnen“

Sehr geehrte, liebe Mitarbeitende der Diakonie Bayreuth

Insbesondere sehr geehrte, liebe Frau Eggert und liebe Frau Frickmann mit allen Mitarbeitenden und Kindern aus der Gruppe Sonne

Sehr geehrter, lieber Herr Dr. Roland Pelikan als Vertreter des KDA – extra angereist aus München

Vor allem sehr geehrte Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft, liebe so genannte Seitenwechsler!

„Der hat die Seiten gewechselt“ ist manchmal eine eher kritische Aussage über einen Menschen, der nicht bei seiner Linie geblieben ist.

Für eine Woche die Seiten zu wechseln aus der Wirtschaft zur Diakonie hilft dagegen, eine besondere Linie im Leben zu stärken: Den anderen Menschen, seine Bedürfnisse und Gaben zu sehen.

Führungskräfte, die nicht kompetent, klar, und konsequent sind, taugen nicht als Führungskräfte. Doch Führungskräfte, die nicht menschlich, nahbar und vertrauenswürdig sind – noch viel weniger.

Positiv: es gilt - neben Kompetenz, Klarheit und Konsequenz - auch zu fördern, dass wir Führungskräfte menschlich, nahbar und vertrauenswürdig sind und wirken. Wir dürfen den Boden unter den Füßen nicht verlieren und den Blick für das Wesentliche im Leben. Das Wesentliche im Leben aber sind gelingende, tragende Beziehungen zu Gott und Menschen.

Ich habe selbst einen Tag die Seiten gewechselt, um die Erfahrung ermessen zu können, die so genannten Seitenwechsler machen. Nach diesem Tag bin ich mir sehr sicher, dass eine Woche Seitenwechsel hier im HPZ Führungskräfte stärkt, Menschlichkeit und Bodenhaft und den Blick für das Wesentliche zu behalten oder sogar wieder zu gewinnen.

Das braucht unsere Gesellschaft. Darum danke ich

1. den Menschen, die sich auf dieses Wagnis einlassen und gratuliere allen Seitenwechslern zu diesem mutigen Schritt.

2. danke ich den Unternehmen, die ihre Führungskräfte für den Seitenwechsel freistellen. BMW, Siemens, Lufthansa und andere Unternehmen verdienen dafür ein Lob.

3. danke ich dem kirchennahen Institut „Persönlichkeit und Ethik“ und dem „Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt“ für die Bereitstellung des Angebots mit dazugehöriger reflektierender Begleitung.

4. danke ich der Diakonie Bayreuth, Frau Eggert als Leiterin des Wohnheims und insbesondere der Gruppe Sonne mit Kindern und allen Mitarbeitenden im Wohnheim des Heilpädagogischen Zentrums – allen voran und Frau Frickmann der Gruppenleiterin – dass sie Führungskräfte ermöglichen eine Woche lang in einer Wohngruppe mitzuleben. Mit dem Öffnen der Wohnungstür eröffnet sich ein neuer Horizont. Führungskräfte erstens erfahren, welch große Klarheit und zugleich echte menschliche Zuwendung Mitarbeitende für die Führung von Menschen mit Behinderung brauchen. Zweitens werden Schatten unserer Gesellschaft unverkennbar und drittens wird deutlich, wie schön und fröhlich Leben sein kann auch mit großer Leistungsminderung im Bereich dessen, was in der Wirtschaft als Leistung zählt. Lebenswertes Leben braucht zweifellos auch Leistung – aber eben auch Leistung im Bereich der Hilfe grundlegender Lebensbewältigung und echter Menschlichkeit.

Dafür steht die Diakonie Bayreuth insgesamt und das wird ganz gewiss auch so bleiben – lassen sie mich das angesichts der finanziellen Krise sagen.

Abschließend: Danke an Sie alle, dass Sie die den Seitenwechsel hin zur Menschlichkeit und echter Zuwendung in unserer Gesellschaft auf Ihre Weise fördern.

D. Greiner, Regionalbischöfin 11.7.2015