Erster Internationaler Gottesdienst "Christus verbindet Welten"

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 4. Advent in der Stadtkirche Bayreuth

Dear brothers and sisters please allow me, to preach in the german language. The next adress will be in English.    

Peace be with you all!

Liebe internationale Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Christus verbindet Welten –  das ist das Motto aller Internationalen Gottesdienste, die wir von jetzt an monatlich hier feiern werden. Christus verbindet Welten – das erleben wir heute, wenn wir gemeinsam als Menschen aus verschiedenen Erdteilen singen: „In Christ there ist no east or west“; und wenn wir das Gebet sprechen, das Jesus uns gelehrt hat - jeder in der eignen Mutter-sprache: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme“. Gemeinsam ersehnen wir Gottes Reich des Friedens.
Der christliche Glaube war von Anfang an international. Schon die Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium erzählt, dass ´Drei Weise aus dem Morgenland`, also östlichen Ländern zur Krippe kamen. Und Paulus reist schon 25 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung durch die heutige Türkei, um von Christus zu erzählen.
Christliches und nationalistisches Denken sind einander so fremd wie Feuer und Wasser. Christuszugehörigkeit wiegt für Christen unvergleichlich schwerer als Volkszugehörigkeit.
Jesus verbindet Menschen aller Völker – allerdings nicht wie in der ´kommunistischen Internationale` zum letzten Gefecht - die kommt ausdrücklich ohne Gott aus. Der Glaube an Christus entwaffnet, versöhnt und reicht die Hand - auch dem Feind; und immer schon den Fremden.

Christus ist der Friede in Person. Er bringt der Welt Frieden. Darum singen schon die himmlischen Heerscharen bei seiner Geburt: „Ehre sei Gott und den Menschen Frieden.“ Doch der große Friedenswille Gottes zeigt sich schon im Alten Testament und auch in im Bibelwort aus Jesaja 2.
Darin findet sich das starke Bild, dass Menschen Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Winzer-messern schmieden. Gott will, dass alle Völker im Frieden Brot und Wein genießen können.
Jedes Mal stockt mir der Atem, wenn ich Psalm 46 lese. Dort heißt es von Gott: „der den Kriegen steuert bis ans Ende der Welt“ auch den Kriegen der IS? Ja, auch denen. Das hoffe ich. Denn dann lese ich den Satz im Psalm weiter: „der den Bogen zerbricht, den Speer zerschlägt und die Schilde im Feuer verbrennt“. So steuert er! Immer wenn dem Morden Kraft entzogen wird, dem Wüten Gewalt, sodass der Friede Chancen hat, dann ist Gott am Werk. Er ist es, der den flüchtenden Jakob nicht allein ließ und ihm auf der Flucht zusagte: „Ich will mit Dir gehen“.
In dem gerade erwähnten Psalm, macht Gott Waffen für die Kriegsführung unbrauchbar. Etwas anders unser Bibelwort. In Jesaja 2 macht Gott das nicht selbst, sondern die Menschen, die auf Gott hören. Es sind Menschen, die ins Haus Gottes kommen, so wie ihr. Sie sagen: „Kommt, lasst uns zum Hause des Gottes Jakobs gehen, dass er uns lehre seine Wege.“ Gelehrt von Gott schmieden sie Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Winzermessern.

Unser Bibelwort erzählt die Friedenswirkung von Gottesdiensten, in denen Menschen auf Gott hören. Auch ich vertraue darauf, dass von diesen Gottesdiensten eine Friedenswirkung ausgeht.  Und auch Sie haben Vertrauen in die Kraft der Gegenwart Gottes, oder ahnen etwas davon, sonst wären Sie nicht hier.
Schon vor einigen Monaten erzählte ich der Leiterin einer Unterstützergruppe, dass ich Gottesdienste für und mit Geflüchteten feiern möchte. Diejenigen, die ihre Heimat verloren haben, sollen  Heimat in Gott erfahren und seine Begleitung, Gemeinschaft mit Christen und Christus. Da sah sie mich an und sagte: „Auch wir Unterstützer brauchen solch einen Gottesdienst. Wir brauchen auch Trost und Gemeinschaft. Wir brauchen Gottes Kraft, um weiter helfen zu können.“
Wie gut ist diese Sehnsucht nach Gottesdiensten. Denn in Gottes Gegenwart ist für jeden Wegweisung, Trost und Gemeinschaft. Hier in Gottes Haus ist jeder willkommen:  Geflüchtete und Begleiter, Gemeindeglieder und Ungetaufte, Menschen aller Religionen und Völker. Wer Hilfe und Stärkung braucht, öffne hier in Gottes Haus sein Herz für Gottes Gegenwart, für seine Kraft, seinen Frieden. So seid und werdet Ihr Menschen, die Gottes heilsamen Frieden verströmen.
Das Verweilen in Gottes Haus, in Gottes Gegenwart, verwandelt uns. Auch die Menschen in unserem Bibelwort erfahren das. Erst sagten Sie. „Kommt lasst uns gehen zum Haus des Herrn.“ Und bevor sie es verlassen, sagen sie: „Kommt wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“. Sie sind entschlossen, auch draußen in seinem Licht zu leben, beschienen und erleuchtet von seiner Liebe, seinem Frieden.

Die Aktion Friedenslicht von Bethlehem gibt es seit 1986. Jedes Jahr entzündet ein Kind das Friedenslicht an der Flamme der Geburtsgrotte in Bethlehem. Pfadfinder bringen es zu über 500 Orten in Deutschland und heute zum ersten Mal in die Stadtkirche Bayreuth.
Das Friedenslicht von Bethlehem ist Symbol für Christus und die Hoffnung, die seine Geburt in die ganze Welt brachte. Es ist die Hoffnung, dass seine Friedenskraft doch siegt und wirksamer ist als Hass und Krieg. Er ist das Licht der Völker und kann aus ihnen jede Finsternis verbannen.
Eine kleine Flamme vertreibt viel Finsternis. Und wenn auch nur ganz wenig Hoffnung durch Jesus im Leben eines Menschen brennt, verwandelt sie doch den ganzen Menschen. Lasst das Licht der Hoffnung auf Christus in Euch brennen: Ihr könnt seine Friedensboten sein. Von Gott gelehrt, wandelt Ihr Schwerter in Pflugscharen und Spieße in Winzermesser. Vertrauen wir, er wirkt durch uns. „Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“. Amen.