Grußwort zur Eröffnung "Woche für das Leben" am 19. April 2012 in der CariThek, Bamberg

Woche für das Leben 2012
Grußwort zur Eröffnung am 19. April 2012
in der CariThek, Bamberg

Sehr geehrter Herr Erzbischof,
sehr geehrter Herr Dekan Sperl,
sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Dr. Kern,
sehr geehrter Herr Caritasdirektor Msgr. Hagel,
sehr geehrter Herr Landrat Denzler,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Starke,
sehr geehrte Damen und Herren,
vor allem liebe Mitarbeitende in der CariThek,
im Projekt Schülerpaten und bei der Kulturtafel!

Es freut mich, dass die CariThek ausgewählt wurde als Ort der Eröffnung der Woche für das Leben 2012. So lerne ich, liebe Mitarbeitende der CariThek, Ihre Arbeit kennen. Was ich bisher über Sie gehört habe in meinen Erkundigungen in Vorbereitung der Eröffnung, war so ungebrochen gut, dass ich mir dachte: Wenn es die CariThek nicht gäbe, müsste sie entstehen.
Ich fasse das im Vorfeld gehörte für mich so zusammen: Die CariThek ist sozusagen eine Ehrenamtlichenvermittlungsbörse. Sie genießt dabei bei Menschen, die ehrenamtlich tätig sind oder sein wollen, wie auch bei kirchlichen, sozialen und politischen Institutionen einen ausgesprochen guten Ruf.
Die CariThek arbeitet dabei als Einrichtung der Caritas so gut mit der Diakonie zusammen, dass manche schon denken, sie sei eine ökumenische Institution. So erhält beispielsweise der ökumenische Besuchsdienst, der evangelischerseits angeregt wurde, Zugang durch Ehrenamtliche, die über die CariThek vermittelt werden.
Die CariThek ist eben eine Netzwerk-Werkstatt. Sie ist Teil des Netzes zwischen den sozialen, kirchlichen und politischen Einrichtungen in Bamberg und knüpft es selbst durch die eigene Arbeit noch fester. Ich danke Ihnen dafür.

„Mit allen Generationen“ so lautet das Thema der diesjährigen Woche für das Leben. Es ist hoch aktuell.
Die CariThek knüpft bei ihrer Netzwerkarbeit zwischen den Institutionen auch das Netz zwischen den Generationen. Das Projekt „Schülerpaten“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür.
Die Kulturtafel, die uns heute noch vorgestellt wird, scheint auf den ersten Blick nichts mit der generationenübergreifenden Arbeit zu tun zu haben. Doch auch hier gibt es durchaus generationenübergreifendes Handeln, wenn etwa Karten für kulturelle Veranstaltungen eben nicht nur von wohlhabenden Erwachsenen an bedürftige Erwachsene vermittelt werden, sondern z.B. Karten für den Zirkus und das Kindertheater auch an Kinder und Jugendliche.

Es ist mir heute zugedacht, grundsätzliche Gedanken zur Generationenfrage in unserer Gesellschaft zu äußern. Ich möchte diese grundsätzlichen Gedanken an drei Beispielen veranschaulichen:

Das erste: In unserer Gesellschaft sind die Menschen um 65 nicht mehr die älteste Generation. Wenn man in die Regionen meines Kirchenkreises schaut, aus denen die Jungen wegziehen, wie etwa die Regionen um Wunsiedel und Selb, so wird deutlich, dass in Zukunft „Alte“ „Ältere“ begleiten werden. Es ist wesentlich, dass auch Ehrenamtliche im fortgeschrittenen Alter noch ausgebildet und gefördert werden für ehrenamtlichen Dienst, den sie an Betagten tun. Menschen um die 70 haben oft viel Kraft und sehr viel Gespür für die Begleitung von noch älteren Menschen. Die Arbeitswelt mag weitgehend ohne das Engagement der über 65-jährigen auskommen – unsere Gesellschaft dagegen nicht. Die Alten sind Säulen unserer Gesellschaft und werden es noch mehr werden.

Ein zweites Beispiel:  Menschen gehen oft sehr spät in Senioreneinrichtungen. Überspitzt gesagt, werden unsere Altenheime in Zukunft zu Hospizen. Die Kompetenz der Hospize und Palliativeinrichtungen, die dem Sterben Lebensqualität gibt, braucht es in unseren Senioreneinrichtungen. Wir brauchen in Hospizen –und verstärkt eben auch in unseren Senioreneinrichtungen – geschulte Ehrenamtliche, die – selbst mitten im Leben stehend – das Sterben anderer nicht verdrängen, sondern das Sterben zum gelingendem Leben werden lassen. Das ist möglich.

Im dritten und letzten Focus komme ich zum Ursprungsgedanken der Woche für das Leben:
Das generationenübergreifende Netz ist keine Erfindung des neuen Jahrtausends, vielmehr drohte es uns am Ende des letzten verloren zu gehen. Generationenübergreifende Netze haben schon früher dazu beigetragen, dass junge Frauen, die Kinder hatten, berufstätig sein konnten und aufs Feld und in den Stall gehen konnten. Die Omas und Opas sind aber heute oft nicht mehr am selben Ort, um den jungen berufstätigen Müttern und Vätern zur Seite zu stehen. Vor allem sind die meisten leiblichen Omas und Opas noch selbst mitten im Berufsleben und können nur sehr begrenzt unterstützen.
Die Konsequenz für viele junge Leute ist, dass sie keine Kinder mehr bekommen. Die Woche für das Leben wollte in ihrem Ursprung und Grundgedanken dem Schutz des ungeborenen Lebens dienen und Abtreibungen vermeiden helfen. Heute bedarf es nicht nur des Schutzes des ungeborenen und geborenen Lebens, sondern der strukturellen, gesellschaftlichen Ermöglichung, dass Leben geboren wird. Wie das biologisch geht, wissen wir alle; wie das sozial und finanziell und berufsbiographisch gehen soll, wissen viele beim besten Willen nicht mehr.
Unsere Gesellschaft muss wesentlich, wesentlich kinder- und familienfreundlicher werden, sonst sind alle Appelle, Kinder in diese Welt zu setzen, in den Wind gesprochen.
Krippen, Horte und Ganztagesschulen müssen weiter ausgebaut werden, flexible Arbeitszeiten müssen stärker ermöglicht werden, seriöse Leihomas und Leihopas müssen vermittelt werden.
Es hat keinen Wert, über den Verlust der idealen bürgerlichen Familie zu klagen, bei der die Mutter zu Hause blieb bis die Kinder aus dem Haus waren. Es braucht eine deutlich stärkere strukturelle und soziale generationenübergreifende Unterstützung, sodass Frauen bereit sind, Mütter zu werden und Männer Väter. Generativität und generationen-übergreifende verlässliche  Unterstützung bedingen einander.
Das Projekt Schülerpaten geht hier in die richtige Richtung. Es ist ein Zeichen, dass Eltern nicht allein gelassen werden in der Begleitung ihrer Kinder.  Ich bin gespannt auf die Vorstellung des Projekts nachher und danke Ihnen allen hier im Raum für Ihre Unterstützung für das Leben.
 

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin