Johannifeuer Coburg

Johannifeuer Posaunentag 2012

Liebe Anwesende!

In vielen Kirchengemeinden finden heute Abend Johannifeuer statt und es darf auch hier in Coburg nicht fehlen – feiern wir doch morgen im Gottesdienst das Fest Johannes des Täufers.

Ein Johannifeuer,  das ist doch etwas heidnisches oder gar nationalsozialistisches – meinen vielleicht manche. Eben gerade nicht. Dann wäre auch unser Weihnachtsfest etwas Heidnisches.
Das Johannifeuer ist das Gegenprogramm zum heidnischen oder nationalsozialistisch gebrauchten Sonnwendfeuer.
Gerade weil die alten germanischen, keltischen und anderen Volksreligionen an den Sonnenwenden große Feste feierten, die nicht auszurotten gewesen wären, lehnten die Christen diese Feste nicht nur ab, sondern prägten sie um – klug wie sie waren.
Das Fest der Wintersonnenwende wurde zum Weihnachtsfest, zum Fest der Geburt Jesu Christi, des Lichtes der Welt, gefeiert an der Wintersonnenwende am 25. Dezember. Das Fest der Sommersonnenwende, gefeiert am 24. Juni wurde zum Johannisfest.
Nun mögen manche sagen, aber die Sonnenwenden sind doch schon am 21. Dezember und am 21. Juni. Richtig! So ist es seit Einführung des gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert. Seitdem liegen die Sonnenwenden am 21. Juni und 21. Dezember. Doch bei Umprägung der heidnischen Feste galt noch der ältere Julianische Kalender, eingeführt im Jahr 46 vor Christi Geburt. Da waren die Sonnenwenden auf dem 25. Dezember und dem 24. Juni datiert. Unsere kirchlichen Feste, Weihnachten und der Johannistag sind eben schon älter als der gregorianische Kalender; und sie blieben auf dem alten Datum.
Interessant ist, dass die Nazis die christliche Prägung dieser Feste wieder zerstören wollten. Im Dritten Reich wurde der Tag des Heiligen Johannes des Täufers nicht mehr begangen; und Johannifeuer in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni gab es auch nicht mehr. Vielmehr wurden nun wieder Sonnwendfeuer entzündet am 21. Juni. Die germanischen Sonnwendfeiern wurden wiederbelebt. Es waren die Feste der SS. Die Swastika, das Sonnenkreuz, wurde als Hakenkreuz bereits 1920 zum Symbol der NSDAP.
Bis heute ziehen Sonnwendfeiern die Neonazis an.
Gerade wegen des Missbrauchs dieser Feuer verschwanden sie nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit den 70er Jahren gewinnen wir Christen sie wieder. Es ist die Frage, welche Prägekraft und Leuchtkraft wir Christen in der Gesellschaft haben. Nur Mut dazu. Christus ist unser Licht. Und Johannes ist der Zeuge dieses Lichtes. Wir sind Zeugen dieses Lichtes und zünden die Johannisfeuer wieder an.
Wir lassen sie uns nicht nehmen, schon gar nicht durch die Nazis. Sie haben viel zu viel genommen und zerstört. Gerade die Posaunenchöre hatten oft den Mut dazu, die Tradition der Johannifeuer neu zu beleben. Weiter so.
Unser Feuer soll unzweideutig sein. Darum, liebe Bläser und Bläserinnen, lest – wenn irgend möglich – auch vor dem Entzünden des Johannifeuers den dazugehörigen biblischen Text. Er steht im Johannesevangelium Kapitel 1, die Verse 6-9. Für uns heute lese ich ihn vor:
„Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“
Johannes bezeugte: „Christus, unser Licht.“ Und wir bezeugen es mit unserem Posaunentag und mit diesem Johannisfeuer.
Es sei uns und allen, die es sehen, Zeichen, dass Jesus Christus das Licht der Welt ist. Die Liebe zu ihm möge brennen in unseren Herzen.


Lieber Bezirksposaunenchor, danke, dass ihr geholfen habt, diese Tradition in Coburg wieder aufzunehmen, indem ihr heute spielt.
Danke, liebe Feuerwehr von Löbelstein! Heute löscht Ihr nicht das Feuer, sondern tut das Gegenteil. Ihr zündet es an. Das macht auch deutlich, wie besonders dieses Feuer ist. Ja, es soll brennen, das Feuer der Liebe zu Jesus Christus. Christus, unser Licht, möge scheinen im Dunkel dieser Welt.

Amen.

 
Abendsegen nach dem Johannifeuer
Wir haben nun einige Abendlieder gehört und gesungen. Wie schön, dass ein Johannifeuer dazu Gelegenheit bietet. Wir singen unsere wunderschönen Abendlieder viel zu selten.
Lasst uns jetzt noch den letzten Vers des Liedes „Mein schönste Zier“ als Gebet singen – ohne Posaunenchorbegleitung, sodass auch die Bläser singend mitbeten können.

Der Tag nimmt ab. Ach schönste Zier,
Herr Jesu Christ, bleib du bei mir,
es will nun Abend werden. Lass doch dein Licht
auslöschen nicht bei uns allhier auf Erden.

Christus, Du unser Licht.
Du hast das Feuer des Glaubens in uns entzündet.
Entfache es stets neu in uns, wenn wir zweifeln oder traurig sind.
Schenke uns Liebe zu Dir,
die in uns glüht, bis wir Dich sehen
und Du uns heimholst in Dein Licht.

Segne uns in dieser Nacht,
segne den morgigen Tag und
lass uns erwachen Dich zu rühmen.

Der Herr segne Euch und behüte Euch
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch
und sei Euch gnädig
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch Frieden. Amen.


Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin