(Ober)Fränkischer Posaunentag am 23./24.06.2012 in Coburg

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
auf dem Schlossplatz in Coburg
am Sonntag, Johanni, 24. Juni 2012


Predigt Teil I

Er steht am Jordan: Groß, hager, Kamelhaarfelle sind seine Kleidung, nur von einem Ledergürtel zusammengehalten, nackte Füße in einfachen Sandalen. Das ist keiner der Wasser predigt und Wein trinkt. Er ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Er lebt in der Wüste. Er meint es ernst.

Liebe Gemeinde!
Johannes der Täufer war für die Menschen eine Sensation, ein Hoffnungsstern, ein echter Star. Er hat die Menschen angezogen: Die Reichen und die Angesehenen, die Politiker und die religiösen Führer, die Handwerker und Arbeiter – alle Sinnsucher kamen zu ihm an den Jordan. Und was bekamen sie zu hören: „Ihr Schlangenbrut! Ihr müsst umkehren. Ihr lebt verkehrt. Ihr folgt nicht den Geboten Gottes. Euer Herz ist nicht barmherzig. Ihr gebt den Armen zu wenig ab von eurem Besitz. Ändert euer Leben. Bald trennt Gott die Spreu vom Weizen. Tut, was er von euch fordert.“
Warum ging man zu so einem hin, der einem so die Leviten liest? Er war eben nicht nur radikal, sondern auch klar und glaubwürdig. Er nannte die Missstände beim Namen. Vermutlich hätte auch ich ihn hören wollen.
Wir brauchen solche Menschen auch heute, die unverblümt die Wahrheit über unsere Welt sagen: Die Wahrheit, dass die einen zeitgleich über den Weizenpreis an der Börse spekulieren und andere verhungern. Die Wahrheit, dass im Mittelmeer Flüchtlingsboote abgedrängt werden und Menschen ertrinken, während andere auf Luxusfahrten all inklusive genießen. Die Wahrheit, dass zur selben Zeit die einen ein Kunstgemälde für Millionen ersteigern, während viele Alleinerziehende den Cent zweimal umdrehen. Das sind nur Beispiele aus dem Bereich des Geldes. Missbrauch von Macht und Sex habe ich noch gar nicht erwähnt. Auch wir haben eine Sehnsucht nach Heilung dieser Welt, nach klaren wahren Worten, nach einer unbeugsamen Stimme inmitten des Chors der Satten.
Das Besondere an Johannes ist nicht, dass er solche Wahrheiten ausspricht. Das Besondere  ist, dass er sagt:  „Es hat mit dir zu tun. Ändere du dein Leben, fange bei dir an.“
Manche seiner Anhänger denken, Johannes sei der Messias, der Erlöser, auf den alle warten. Doch Johannes weiß, dass er genau der nicht ist. Er wartet selbst sehnlichst auf diesen Erlöser, den Heiland der Welt.

Auch Jesus hört Johannes zu und bittet ihn um die Taufe. Gemeinsam stehen sie im Fluss. Johannes schöpft Wasser und lässt es über Jesus rinnen. Da sieht Johannes, was andere nicht sehen: Über Jesus öffnet sich der Himmel. Johannes hört Gottes Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen.“ Johannes spürt, er hat den Menschen vor sich, auf den er gewartet hat.

Danach beginnt Jesus zu predigen. Er predigt in keiner Weise weniger radikal, klar und glaubwürdig als Johannes. Auch er ruft zur radikalen Lebensänderung. Doch bei ihm ist die Klarheit gepaart mit großer Liebe. Er predigt: Ihr seid verloren, doch der Vater im Himmel wartet schon lange auf euch mit offenen Armen wie der barmherzige Vater auf den verlorenen Sohn. Er erzählt vom barmherzigen Samariter und er heilt Kranke. Er zeigt Sünde auf und nimmt die Sünderin in die Arme. In ihm ist Gott nah. Das spüren die Menschen. Auch Johannes erkennt, dass es Jesu Liebe ist, die einen Spielraum zur Umkehr öffnet.
Es ist die Größe des Johannes, dass er auf den Größeren hinweist, der diese Liebe lebt. Im Blick auf Jesus sagt er bildhaft einprägsam: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“. Wirklich wichtig für diese Welt ist Jesus.

Doch dann wird Johannes verhaftet, denn er eckt an und hat viele Feinde in der politischen und religiösen Führungselite des Landes.  Im Gefängnis, den Tod vor Augen, kommt noch einmal alles auf den Prüfstand. Er zweifelt, ob Jesus wirklich der Messias ist: Jesus nimmt kein Schwert in die Hand, um das Volk Israel von den Römern zu befreien. Stattdessen sagt er: „Liebt eure Feinde“. Kann diese radikale Liebe wirklich die Welt retten? Ist Jesus wirklich der Erlöser der Welt? Johannes stellt die entscheidenden Fragen, die wir uns bis heute stellen.
Ist Jesus nicht zu weichgespült? Ist da nicht zuviel Vergebung, zuviel Erbarmen und in-die-Arme-nehmen, zu viel Freude am Leben, am Essen, am Feiern, zu wenig Gericht und Trennung der Spreu vom Weizen?
Johannes zweifelt und fragt. Die Antwort, die Jesus Johannes ins Dunkel seines Gefängnisses sendet, lautet im Kern: Ja, Johannes, ich bin´s. „Blinde sehen, Lahme gehen, Tote stehen auf, den Armen wird das Evangelium verkündigt.“ Die Bibel erzählt nicht, wie Johannes reagiert, als er die Antwort hört. Doch ich glaube, dass bei dieser Antwort ein Lichtstrahl der Hoffnung ins Gefängnis und ins Herz des Johannes gefallen ist, Licht aus dem Licht der Liebe Jesu.

Gemeinsames Lied: Licht, das in die Welt gekommen


Predigt Teil II

Wenn ein Kind geboren wird, werden gute Wünsche, Worte des Segens über ihm ausgerufen durch Eltern, Freunde und Verwandte, die sich über das kleine Wesen beugen. Ein besonderer Wunsch, eine Verheißung steht über dem Leben des Johannes. Sein Vater Zacharias ruft: „Du wirst dem Herrn voran gehen, seinen Weg bereiten“. Wegweiser zu Jesus hin zu sein, das ist die Bestimmung des Johannes.
Der Maler Matthias Grünewald hat das in ein Bild umgesetzt. Vielleicht kennen Sie das Gemälde des Isenheimer Altars. Es zeigt Johannes mit einem unproportionierten, überlangen Finger. Mit ihm weist er auf Jesus, wie er am Kreuz hängt. Direkt bei diesem überlangen Finger stehen die Worte: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Auch das Datum des heutigen Johannitages, der 24. Juni, ist wie ein langer Finger auf Christus. Denn genau ein halbes Jahr später am 24.Dezember feiern wir die Geburt Jesu Christi.

Als Jesus geboren wurde, feierte man im ganzen Römischen Reich in den dunklen Dezembertagen, am 24. Dezember das Fest des Sol invictus, der unbesiegbaren Sonne.
Die christlichen Gemeinden legten bewusst das Fest der Geburt Jesu auf das Fest des Sonnengottes. Damit drückten sie unmissverständlich aus: Unsere Sonne ist Christus. Er ist das Licht der Welt. Seine Kraft der Liebe ist unbesiegbar.
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ – mit dem 24. Juni hat dieses Wort des Johannes einen Ort im Kalender bekommen. Mit dem Geburtstag des Johannes nimmt die Kraft der Sonne ab.  Die Botschaft des heutigen Datums ist: Die Sonne verliert von jetzt ab an Kraft. Doch Christus nicht. Er wird in den dunkelsten Tagen geboren. Jesus ist das aufgehende, das stärker werdende Licht. Es erscheint gerade denen, die im Finstern sitzen und im Schatten des Todes. Er ist gekommen, damit es hell wird in unserem Leben. „Welch Dunkel uns auch hält, sein Licht hat uns getroffen, hoch über aller Welt steht uns der Himmel offen, gelobt sei Jesus Christ.“

In dieser Welt gibt es viel Dunkles. Kein Mensch geht durchs Leben, ohne wirklich dunkle Tage zu erleben. Manche Kinder erfahren schon früh die Schattenseiten des Lebens in ihrer Familie oder auch in der Schule. Viele Jugendliche haben keinen Schimmer, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Manche wenden sich sogar rechtsradikalen, braunen Ideologien zu. Woher erhalten sie Orientierung? Manchmal sitzen Menschen wie Johannes gefangen in einer dunklen Zelle der Depression oder der Einsamkeit.
„Christus, unser Licht“. In jeder Situation hat Christus Kraft aus jedem Dunkel ins Licht zu führen. Wer ihm nachfolgt, wird sogar selbst zum wärmenden, orientierenden Licht mitten im Dunkel dieser Welt.

Christus, unser Licht, feiern wir an Weihnachten, an Johanni und auch in der Osternacht mit dem Ruf in der dunklen Kirche: „Christus, Licht der Welt“. Sogar unsere Kirchengebäude sind nach Osten gerichtet, damit das Morgenlicht durchs Fenster fällt, Zeichen des Auferstehungslichtes, das gerade im Schatten des Todes, wenn wir sterben, auf uns fallen wird.

Christus, unser Licht, feiern wir heute mit unserem Posaunentag. Dieser Posaunentag ist ein Fest im Rahmen der Lutherdekade auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017. Luthers Kernbotschaft war: Allein in Christus ist Heil und Heilung für uns zu finden“. Dieser Posaunentag bringt diese reformatorische Kernbotschaft zum Klingen.
Ich bin überzeugt: Es ist gerade dieses Bekenntnis zu Jesus Christus als alleinigem Erlöser und Heiland, das die Kirchen wieder zusammenführt. Sind doch die christlichen Konfessionen Strahlen, die aus dem einen Licht kommen: Jesus Christus.

(schräg Gedrucktes wurde nicht vorgetragen)

 
Gemeinsames Lied: Strahlen brechen viele aus einem Licht.

 
Predigt Teil III

Christus ist unser Licht – warum feiern wir das nicht nur an den großen Christfesten Weihnachten und Ostern, sondern auch an Johanni? Weil es im wahrsten Sinne des Wortes „not-wendig“ ist, die Not wendend für diese Welt, dass es Menschen gibt, die wie Johannes mit überlangem Finger auf Jesus Christus zeigen und andere auf ihn hinweisen. Es braucht lebendige Wegweiser zu Christus. Das war die Bestimmung des Johannes; und das ist auch unsere Bestimmung als Christen. Wir sollen in unserem Leben mit Worten und Taten hinweisen auf ihn, unser Licht.
Die Worte „Christus unser Licht“ kommen im Logo des Posaunentages wie ein Schallstrahl aus einer Posaune heraus. Ihr Posaunenchormitglieder spielt auf Gemeinde- und Volksfesten auch Volkslieder, Oldies und Blues. Doch Euer eigentliches Ziel ist, Gottesdienste auszugestalten, damit sie festlich sind, die Menschen gerne kommen und das Evangelium von Jesus Christus hören.
Euch hält nicht nur der Spaß am gemeinsamen Musizieren zusammen, nicht nur die generationen-übergreifende, einzigartige Gemeinschaft im Chor, sondern dass ihr einen tieferen Sinn seht in Eurem Musizieren. Ihr spielt für Christus. Euer Musizieren ist Verkündigung mit Tönen. Ihr posaunt das Evangelium von Jesus Christus in die Welt hinaus im wahrsten Sinne des Wortes.
Dafür gibt es viele Beispiele:
Fast alle Posaunenchöre gestalten auch Gottesdienste im Freien aus. Gerade zu diesen Gottesdiensten kommen oft Menschen, die selten in die Kirche gehen. Ihr helft ihnen zu singen. Posaunenchöre sind Allwetterorgeln.
Manche Chöre spielen am Ostermorgen mitten auf dem Friedhof: „Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“ Menschen, die einen lieben Menschen verloren haben im vergangenen Jahr, kommen dazu. Euer Hinweis auf den auferstandenen Christus tröstet.
Etliche Posaunenhöre spielen „Ständchen“ bei Geburtstagen älterer Gemeindeglieder. „Befiehl du deine Wege“ oder „Bis hierher hat mich Gott gebracht.“ Ihr bringt die Botschaft in die Straßen und Häuser. Bei solchen musikalischen Geburtstagsbesuchen zeigt sich christliche Gemeinde liebevoll.

Ihr spielt auf den Adventsmärkten „Macht hoch die Tür die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“. Manche bleiben stehen und singen mit.
Ich habe von einem Posaunenchor gehört, der an Silvester auf den Turm steigt und in den vom Feuerwerk erleuchteten Himmel spielt: „Nun danket alle Gott“. Ich bin sicher, dass da mancher, wenn er es hört, still Gott zu danken beginnt für das vergangene Jahr. Mitten im Feuerwerk bringt Ihr unseren Glauben zum Leuchten.
Ihr Posaunenchöre bringt das Licht Christi mitten in das Leben unserer Gesellschaft hinein. Ihr tragt dazu bei, dass Dörfer eine Seele haben und der christliche Glaube in den Kirchengemeinden mitten im Leben sichtbar und hörbar wird. Pflegt diese Traditionen weiter.
Etwas Neues habe ich wahrgenommen dieses Jahr. Es war hier in Oberfranken in Pegnitz. Da blies der Posaunenchor beim Protest gegen Rechtsradikalismus. Das war ein besonderes Bekenntnis. Ihr Posaunenchöre, wenn Ihr von rechtsradikalen Umtrieben in Euren Orten hört, dann spielt Lieder von der Liebe Gottes in Jesus Christus. Denn gerade die braune Ideologie ist menschenverachtend und kennt die Liebe nicht, die Christus bringt: die Liebe zu jedem Menschen, auch zu den Fremden, selbst zu den Feinden, eben zu jedem Menschen. Vergesst dabei nicht: Seine Liebe gilt auch denen, die im Rechtsradikalismus verloren scheinen. Seine Liebe ist stark und kann jeden verändern.
Das Licht der Liebe Christi scheint auf uns und durch uns in diese Welt.
Christus, unser Licht, hilft uns zu unterscheiden, was Menschen verführt und was sie zu gelingendem Leben leitet.
Christus, unser Licht, wärmt mit seiner Liebe in einer Gesellschaft, die echte Menschlichkeit braucht.
Christus, unser Licht, lässt uns erkennen, wo Not ist und wo wir helfen können.
Christus, unser Licht, will dort scheinen, wo es dunkel ist und Menschen im Schatten des Todes sitzen.
Christus, unser Licht, strahlt über uns als Sonne unseres Lebens.
Christus, unser Licht, macht uns zu einem Licht, das nicht selbst glänzen will, sondern das Licht seiner Liebe weiterträgt.
Darum weisen wir hin auf ihn: sagen, zeigen, singen oder spielen: Christus, unser Licht! Amen.

Mottolied: Christus, unser Licht