Mission EineWelt Jahresempfang

Empfang Mission EineWelt am 28. Juni 2012
in Bayreuth

Sehr geehrte, liebe Anwesende!
Herzlich willkommen beim unserem Empfang.
Sonst begrüßt man den Mit-Einladenden nicht. Doch heute wohl: Lieber Herr Direktor Peter Weigand, es ist mir eine große Freude, dass der für die ganze Landeskirche geltende Empfang von Mission EineWelt dieses Jahr im Kirchenkreis Bayreuth stattfindet und wir gemeinsam einladen. Es ist mir/uns eine Ehre. Herzlich willkommen an Sie und alle Mitarbeitende von Mission EineWelt im Kirchenkreis Bayreuth.
Lieber Herr Domkapitular und Regionaldekan Dr. Zerndl, danke für das Zeichen der Verbundenheit der Katholischen Kirche durch Deine Anwesenheit. Viele Dekane sind heute hier und Landessynodale. Doch nun höre auf, Funktionen und Namen zu nennen. Denn Sie alle sind besondere Ehrengäste, die eingeladen worden sind, weil Sie uns lieb und wert sind aus unterschiedlichen Gründen.
Eine Gruppe aber will ich heute noch extra willkommen heißen. Den Ufunuo-Chor aus Tansania. Wapendwa dada na kaka / katika Kristo.
Ni furaha yangu kubwa / kukaa pamoja nanyi / leo. Karibu!

Der Themenschwerpunkt des Empfanges heute ist die Partnerschaft zwischen den Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Tansania. Wir feiern dieses Jahr das 50-jährige Jubiläum dieser Partnerschaft.
Dass dieser Empfang mit diesem Schwerpunkt bei uns im Kirchenkreis Bayreuth stattfindet – das passt so richtig gut – aus vier Gründen:
1. Diese Partnerschaft hat ihre Wurzeln im Kirchenkreis, nämlich im Dekanat Coburg und seiner Beziehung zu Chimala.
2. Die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth und die Gemeinden des Kirchenkreis Bayreuth sind – gemäß Absprache – in besonderer Weise verantwortlich für die Pflege der Beziehung zur nördlichen Hälfte Tansanias. Daher sitzen Sie  hier in diesem Raum
3. Menschen aus dem Kirchenkreis, die diese Partnerschaft auch wirklich pflegen: Die Coburger kommen noch eigens zur Sprache. Bayreuther und Bernecker sind verbunden mit der Norddiözese und engagiert in der Medizinischen Notversorgung Tansania. Wunsiedel pflegt die Beziehung zu Mwika. Die Dekanate Bamberg und Michelau stehen in Verbindung zur Meru-Diözese und das Dekanat Selb mit Tanga in der Nord-Ost-Diözese. Und das Neuste: in Kirchahorn/Pottenstein wird bald eine Orgel aus dem Vocational Center in Hai spielen. Hier im Raum sind Menschen, denen diese Partnerschaft Herzensangelegenheit ist.
4. Vor zwei Wochen endete die Reise nach Tansania, die Dekan Dr. Schoenauer und Ehefrau Ulrike Schoenauer, Dekan Sperl und Sohn Veit, Dekanin Richter, Dekan Blechschmidt und Ehefrau Petra Blechschmidt, Pfarrer Dr. Zeh, mein Mann Gottfried Greiner und ich unternahmen, wunderbar begleitet und geleitet durch Pfarrer Manfred Scheckenbach. Allein schon durch die Zusammensetzung der Gruppe merken Sie, wie wichtig wir in unserem Kirchenkreis diese Partnerschaft nehmen. Auch Dekan Hager war übrigens zur gleichen Zeit mit einer Gruppe in Tansania, sodass wir uns in  Moshi trafen. Wir kommen also mit frischen Erfahrungen hierher.
Vor der Reise erschien mir die Aussage formelhaft: „Wir können von den jungen Partnerkirchen lernen“. Heute ist diese Formulierung mit Leben gefüllt, obwohl oder gerade weil die dortige Kirche mit enormen Herausforderungen und Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Ich  selbst habe viel gelernt durch die Reise. Vier Erfahrungsbereiche nenne ich.
Erstens: Die christliche Liebe ist in Tansania ganz konkret und hautnah wahrzunehmen. Behinderte werden in vielen Dörfern noch in den Häusern für andere unsichtbar versteckt. Christen setzen Kindergärten für behinderte Kinder in die Mitte des Dorfes. Heime für diese Kinder werden mit einfachsten Mitteln geführt und sind geprägt von tiefer Menschenfreundlichkeit, die übrigens muslimischen Kindern genauso gilt. Auch die Liebe zu Witwen und Waisen zeigt sich in ganz konkreten Hilfen mitten im Alltag. Die tansanische Kirche ist eine Kirche, in der christliche Liebe zu den Menschen ganz konkret ist und direkt.
Zweitens: Manche mögen spotten, dass in Tansania sogar vor dem Trinken des Tees ein Dankgebet gesprochen wird. Ich schätze diese Frömmigkeit, die sich äußert. Menschen laufen kilometerweit über Wege, die den Namen nicht verdienen um den dreistündigen Gottesdienst zu besuchen. Kompliment an die tansanischen Frauen, die sich dazu so schick machen. Auch darin zeigt sich Liebe zu Gott. Die Menschen bringen ihre Bibel mit in den Gottesdienst und wenn die Lesung aus der Apostelgeschichte vorgelesen wird, wissen sie, wo sie die Apostelgeschichte in der Bibel finden und lesen mit. Hätte ich noch Konfirmandenunterricht, würde ich das bei meiner Konfirmandengruppe einführen.
Beide Erfahrungen haben etwas miteinander zu tun. Die Liebe zu den Menschen und die Liebe zu Gott sind in Tansania sinnlich wahrnehmbar mitten im Leben und sie sind miteinander verbunden. Die diakonische Arbeit ist explizit christlich gestaltet und die Frömmigkeit ist zutiefst gemeinschaftlich. Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen gehören zusammen und durchwirken und befruchten sich. Gezeigte Frömmigkeit und gezeigte Liebe scheinen einander zu beflügeln.
Die Dritte Erfahrung: Europa wird klein. Unsere bayerische Welt relativiert sich. Einfachste Hilfen, wie z.B. dass eine Witwe lernt, wie man eine Ziege hält und dann auch eine Ziege bekommt, setzen eine Trendwende im Leben der Frau und ihrer Kinder. Unser Umgang mit Geld hat eine globale Dimension. Dass diese Frauen eine Ziege bekommen ist wirklich wichtig.
Dagegen erscheinen viele unserer anscheinend wichtigen Probleme nach Rückkehr als Luxusprobleme im doppelten Sinne. A.) In Relation zu den existenziellen Problemen der allermeisten Menschen in Tansania erscheint die Nennung vieler unserer Probleme als Problem als Luxus. B.): Manche unserer Probleme kommen erst durch Luxus.
Die vierte Erfahrung: Die Arbeit von Mission EineWelt in Tansania verdient unser vollstes Vertrauen. Ich kann nicht mehr empfehlen, dass Gemeinden ihr Geld direkt in tansanische Gemeinden bringen. Spenden sollten über Mission EineWelt geleitet werden oder zumindest nur in Kooperation mit EineWelt fließen. So ist gewährleistet, dass das Geld eingesetzt wird, wofür es gedacht ist und sein inhaltliches Ziel erreicht.
Manche Erfahrung macht man nur, wenn man fährt oder wenn man fliegt. Tansania ist weit. Doch nach solch einer Reise auf einmal sehr nah.
Ich denke, wir werden heute Abend diese geschwisterliche Nähe spüren durch den Chor und durch Erzählungen von Menschen, für die diese Partnerschaft zu ihrem Leben gehört.

Mungu abarikie ushirikiano wetu.

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin