Delegationsreise Tansania, Exaudi 2012

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
in Tansania
Exaudi 2012

Predigt über Lukas 24,49-53
 

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.
„Neema ya Bwana wetu Yesu Kristo, na upendo wa Mungu wetu, na ushirika wa Roho Mtakatifu ukae nanyi nyote. Amen.“

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Es ist mein erster Besuch in Tansania und ich freue mich sehr bei Ihnen zu sein. Schön, dass unser Besuch zusammentrifft mit dem 50-jährigen Jubiläum der tansanischen und der bayerischen Kirche. Angefangen hat die Partnerschaft vor 50 Jahren auch in meiner Diözese Bayreuth durch das Dekanat Coburg und den bis heute bestehenden Kontakt zu Chimala.
Viele andere Dekanatsbezirke und Kirchengemeinden sind hinzugekommen und pflegen inzwischen eine sehr geschwisterliche Partnerschaft zu tansanischen Gemeinden. Von ihnen bringe ich Ihnen die herzlichsten Grüße und Segenswünsche.
Seit einigen Jahren ist meine Diözese in unserer Landeskirche verantwortlich für die Pflege der Beziehung zu allen nördlichen Diözesen in Tansania. Das passt auch, denn auch meine Diözese liegt im Norden der Bayerischen Landeskirche.
Ich freue mich, dass die Partnerschaft zwischen Gemeinden im Norden Tansanias und den Dekanaten meiner Diözese so lebendig ist. Einige Beispiele nenne ich:
- Die Dekanate Bamberg und Michelau stehen in Verbindung zur Meru-Diözese
- Die Dekanate Selb und Tanga in der Nord-Ost-Diözese haben eine Partnerschaft
- Die Dekanate Bayreuth und Bad Berneck stehen in Verbindung zur Norddiözese und sind engagiert in der
  Medizinischen Notversorgung Tansania
- Das Dekanat Wunsiedel pflegt auch den Kontakt zur Norddiözese und besonders zu Mwika

Auch ich fühle mich persönlich in meinem Amt verantwortlich für die Pflege dieser Partnerschaft zwischen dem Norden Tansanias und meinem Kirchenkreis. Daher wollte ich gerne die Gemeinden und Diözesen hier kennen lernen. Denn Partnerschaft lebt in persönlichen Kontakten, in Begegnung, in Freundschaft, im Gebet füreinander, im gemeinsamen Feiern unseres Glaubens.
Darum  freue ich mich sehr hier bei Ihnen zu sein.
Die ökumenischen Freundschaften haben unserer Kirche Segen gebracht – ich hoffe auch Ihrer Kirche. Möge der Segen Gottes noch reicher werden in den kommenden 50 Jahren.

Segen – damit sind wir schon beim Thema des Bibelwortes, das heute Grundlage meiner Predigt sein soll. Heute ist der Sonntag vor Pfingsten und zum Sonntag vor Pfingsten passt ein Bibelwort besonders gut. Es erzählt, dass Jesus seinen Jüngern seinen Heiligen Geist verheißt und sie segnet. Es sind die letzten Verse aus dem Lukasevangelium.

Ich lese Lukas 24, 49-53
49 Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude.
53 Und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Jesus war ein „Segner“. Martin Luther hat viel in lateinischer Sprache geschrieben. Er hat dabei in der lateinischen Sprache ein neues Wort erfunden: „benedictor“. Es bedeutet auf deutsch/tansanisch „Segner“. Es gab bis zu Martin Luther wirklich das Wort „benedictor“ in der lateinischen Sprache noch nicht. Sprachschöpferisch erfand er dieses Wort. Beim Lesen des Neuen Testamentes hat Martin Luther etwas entdeckt: Kaum ein anderes Handeln ist so typisch für Jesus wie das Segnen. Jesus hat nicht getauft, er hat auch das Abendmahl erst eingesetzt am letzten Tag vor seinem Tod. Doch er hat wahrscheinlich fast täglich Menschen gesegnet.
Die Menschen liefen Jesus nach, „damit er sie berühre“ – so die typische Formulierung im Markusevangelium. Und diese Berührung, die die Menschen suchten,  war seine segnende Berührung.
Jesus segnet aber nicht nur die Kranken. Er segnet auch die Kinder. Und er segnet eben auch seine Jünger zum Abschied.
Das Segnen ist das letzte, was er an ihnen tut und es ist überhaupt das letzte, was er als Auferstandener sichtbar tut. Dieser Segen, Jesus als Segner, wird den Jüngern immer im Gedächtnis geblieben sein.

Auch die Jünger wurden „Segner“. Die Apostelgeschichte ist voll von Geschichten, in denen die Jünger den Menschen die Hand auflegten.
All unser Segnen als Christen steht in der Tradition des segnenden Handelns Jesu Christi.  Ich würde mich freuen, wenn Sie mir nachher erzählen, in welchen Situationen Sie in Tansania segnen. Ich will kurz andeuten, wie unsere Praxis des Segnens in Deutschland aussieht – das Segnen der Kranken, der Kinder und der Mitarbeitenden. Ich will davon nicht erzählen, weil diese Praxis so gut wäre, sondern weil wir gerade bei solchen Begegnungen einander Anteil geben können, wie das, was Jesus getan hat, bei uns weiterwirkt. Denn in unserem Segnen wirkt sein Segen an die Jünger weiter. Es geschah in der Kraft des Heiligen Geistes, die seit der Taufe auf ihm war. Sein Segnen der Kranken, der Kinder, der Jünger wirkt als Vorbild weiter. Und gerade auch der Segen an seine Jünger zum Abschied hat die Jünger bevollmächtigt in der Kraft des Heiligen Geistes zu segnen.

Jesus segnete Kranke. Auch unsere Pfarrer in der bayerischen Landeskirche legen manchmal bei Besuchen im Krankenhaus die Hände auf. Wir hatten in Deutschland eine Phase, da dachten wir Pfarrer, das Heil läge in guten Gesprächen. Doch es braucht Zeichen des Heils und der Heilung: Den Segen mit Kreuzzeichen und Handauflegung. Es passt nicht immer. Es gilt auch zu spüren, wenn ein Mensch es nicht mag. Doch vielen tut es sehr gut.
In England ist die Praxis des segnenden Handelns im Zusammenhang von Krankheit und Heilung ausgeprägter als in Deutschland. Doch ich hoffe, dass wir dieses segnende Handeln auch in Deutschland wieder verstärkt praktizieren und nicht nur den charismatischen Gemeinden überlassen.
Unser Predigttext steht am Ende des Lukasevangeliums. Das Ende des Markusevangeliums geht noch einen Schritt weiter. Jesus sagt beim Abschied voraus, was seine Jünger tun werden: Sie werden – wie er – Segnende sein. Ich lese die letzten Verse bei Markus:  „auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird´s besser mit ihnen werden. … Sie (die Jünger) aber zogen aus und predigten das Wort an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.“ Christus ist mit seinen Jüngern, wenn sie von ihm reden und wie er „Segner“ sind.


Als ich selbst im Krankenhaus lag, hat mich die Krankenhauspfarrerin besucht. Erst habe ich sie gefragt, wie es ihr geht und mit ihr Dienstliches besprochen. Dann aber hat sie gesagt: „So liebe Frau Oberkirchenrätin jetzt bin ich ihre Pfarrerin und bete für sie und segne sie.“ Das hat mir sehr gut getan. Der Segen Gottes tut uns gut, wenn wir krank sind.
In etlichen Gemeinden in Bayern haben wir in den letzten 20 Jahren auch Segnungsgottesdienste neu eingeführt. Da kommen Menschen mit verschiedensten Anliegen und lassen sich die Hände auflegen. Da segnen nicht nur die Pfarrer und Pfarrerinnen, sondern auch andere treue, eingeübte Gemeindemitglieder.
Doch viele, viele Menschen unserer Gemeinden haben die Erfahrung, sich persönlich segnen zu lassen, seit ihrer Konfirmation oder kirchlichen Trauung nicht mehr gemacht. Sie gehen auch bei schlimmen Krankheiten nur zum Arzt. Sie denken nicht daran, wie gut es ihnen täte, sich – zusätzlich zur medizinischen Hilfe – auch geistlich helfen zu lassen.

Doch manchmal tun sie es. Als ich noch selbst Gemeindepfarrerin war, kamen manchmal Menschen zu mir, um sich segnen zu lassen, so zum Beispiel eine Frau, die ins Krankenhaus musste und operiert werden sollte. Sie wollte vorher gesegnet werden.
Es gibt bei Operationen im Grunde drei mögliche Folgen des Segens:
Die erste, sie tritt selten ein, doch sie ist möglich: Die Operation wird überflüssig.
Die zweite Folge ist am häufigsten: Der Mensch wird operiert und verlässt nach einigen Tagen wieder das Krankenhaus. So war es auch bei dieser Frau. Ihre Erfahrung war, wie viel Ruhe und Gelassenheit ihr der Segen gegeben hat. Sie war dem Schutz Gottes anvertraut. Sie war geborgen in Gottes Hand. Sie konnte glauben: Wenn ich das Bewusstsein verliere, wacht doch Gott über mich. Nicht nur die Operateure sind da. Er selbst ist da.
Die dritte Möglichkeit besteht auch: Der Mensch stirbt in der Operation oder danach. Hat der Segen da nicht gewirkt? Doch. Der Segen im Namen Jesu wirkt immer. Viele Angehörige tröstet es, dass der Verstorbene vor seinem Tod noch gesegnet wurde. Er hat das Kreuz auf seiner Stirn gezeichnet bekommen als Zeichen, dass der Gekreuzigte vergibt. Wie der Gekreuzigte auferstanden ist, wird er ihn zu neuem Leben erwecken.
Wir müssen alle einmal sterben. Wie gut ist es dann, gesegnet zu sterben. Auch den Sterbenden hilft es. Gesegnet zu sterben bedeutet, Christus wird mich auch im Sterben nicht alleine lassen. Er wird gerade im Tod bei mir sein und ich bin nach dem Tod bei ihm.
Der Segen, den Jesus seinen Jüngern gegeben hat beim Abschied, hat ihnen im Abschiednehmen geholfen. Der Segen hilft auch beim Abschied des Sterbens, weil der Segen gerade kein Ende hat, sondern weiterwirkt über die Situation des Abschieds hinaus.

Christus hat die Kinder gesegnet und auch wir segnen die Kinder. Natürlich segnen Pfarrer und Pfarrerinnen auch die Taufkinder und die Konfirmanden.
Doch das Segnen der Kinder sollte seinen wesentlichen Ort nicht nur in der Kirche haben, sondern zu Hause. Ich sage „sollte“, denn es ist notwendig, dass wir die Eltern in diese Praxis einführen und das gelingt uns nur teilweise.
Doch es gibt Eltern, die segnen ihre Kinder vor dem Schlafengehen oder wenn sie das Haus verlassen und in die Schule gehen. In der Familie ist kein Pfarrer da. Das Segnen der Kinder ist die Aufgabe von Vätern und Müttern, Großmüttern und Großvätern. Auch ich habe das als Mutter erst wieder gelernt.
Die Geschichte dazu erzähle ich Ihnen.

Es war Abend. Ich hatte soeben meine beiden Kinder zu Bett gebracht. Da hörte ich, wie unser kleiner Sohn, damals ungefähr vier Jahre alt, nach mir rief. Das war nicht üblich, sonst war er immer nach der Gute-Nacht-Geschichte und dem Gebet gleich eingeschlafen, und so war ich etwas überrascht, als er sofort, als ich sein Zimmer betrat, sagte: "Mama, ich habe Angst." "Wieso hast du denn Angst?", fragte ich ihn, weil ich wissen wollte, ob er einen konkreten Anlass dazu hatte. Aber er antwortete: "Ich weiß auch nicht, einfach so. Bleib' bitte bei mir bis ich eingeschlafen bin oder lass` die Tür auf und mach draußen Licht an."
Die Tür bei Licht im Flur auflassen wollte ich nicht und bei ihm bleiben, bis er eingeschlafen war, auch nicht, weil ich befürchtete, dass ich das dann jeden Abend machen müsste. Aber ich ging zunächst einmal auf seinen Wunsch ein, bei ihm zu bleiben, und setzte mich auf sein Bett. Ich versuchte herauszufinden, ob nicht eine konkrete Ursache für seine Angst mit im Spiel sei. Aber das schien tatsächlich nicht der Fall zu sein. So streichelte ich ihn ein wenig und versuchte ihn zu beruhigen: "Schau, wir sind doch alle im Haus, du bist nicht allein." "Aber ich bin allein im Zimmer", entgegnete er. „Du bist nicht allein im Zimmer, der liebe Gott ist bei dir, er behütet dich. Wir haben doch gerade gebetet: ´Lieber Gott, kannst alles geben, gib auch was ich bitte nun: Schütze diese Nacht mein Leben, lass mich sanft und sicher ruhn … .` Der liebe Gott ist bei dir, er behütet und beschützt dich."
"Ja, aber ich seh' den lieben Gott nicht in meinem Zimmer", gab er zurück. Da versuchte ich ihm in einem Bild deutlich zu machen, wie Gott da ist. Ich sagte: „Atme einmal ganz tief ein und aus. Merkst du, wie da Luft ein- und ausströmt?" Er zog die Luft ganz fest in sich hinein und ebenso stieß er sie wieder aus. "Hast du die Luft gespürt, wie sie in dich hineinkommt und wieder hinaus, wenn du atmest?" Er nickte und probierte dasselbe gleich noch einmal.
„Ganz ähnlich", fuhr ich fort, „wie mit der Luft ist es mit dem lieben Gott. Wir sehen Gott nicht, und doch ist er da. Er ist um uns und in uns und darum können wir leben. Er ist da, auch wenn wir ihn nicht sehen."
Unser Sohn war lange still. Das Gesagte schien ihn beruhigt zu haben und so sagte ich nach einem Weilchen. "So und nun schlaf gut, gute Nacht, mein Schatz, wir sind im Haus und der liebe Gott ist bei dir." "Gute Nacht, Mama." Ich stand auf und wollte leise gehen. Doch da fing er wieder an: „Mama?" „Ja?" „Mama, ich hab aber trotzdem noch Angst." Seine Aussage war ganz ehrlich. Er hatte Angst, wohl nicht viel, aber doch zu viel, um zufrieden einschlafen zu können.
Nun war ich mit meiner Weisheit am Ende. Was nun? Ich streichelte über seine Haare. Meine Hand auf seinem Kopf – vielleicht kam mir deshalb der Gedanke, ihn zu segnen, vielleicht auch, weil ich schon manches Mal, bevor ich ins Bett ging, unsere Kinder gesegnet hatte, aber ohne, dass sie es merkten.
„Es gibt ein Zeichen dafür, dass Gott wirklich da ist, auch wenn du ihn nicht siehst", sagte ich. „Es ist das Segenszeichen. Wer gesegnet wird, der weiß: Gott ist bei mir, er behütet mich, mir kann nichts Böses geschehen, alles ist gut. Das Segenszeichen ist ein Kreuz. Soll ich dir so ein Kreuz auf die Stirn machen?" Er nickte. So zeichnete ich ihm mit meinen Fingern ein Kreuz auf die Stirn und sagte: „Gott segne dich und behüte dich." „Gute Nacht, Mama, jetzt kannst du gehen.“ Ich war überrascht. Glücklich gab ich ihm noch einen Kuss auf die Stirn. Da riss er die Augen auf, zog die Stirn in Falten und fuhr mich energisch an: „Mama, du hast doch jetzt den Segen weggeküsst. Mach' ihn sofort wieder hin." Ich musste mir ein Lachen verbeißen. Noch einmal zeichnete ich ihm ein Kreuz mit denselben Worten auf die Stirn. Dann fuhr er selbst noch einmal das Kreuz mit seinem Finger nach, so fest, dass ich Streifen auf seiner Haut sah. Dann war er zufrieden und sagte „Gute Nacht, Mama.“
Natürlich hatten wir nun doch eine neue Einschlaftradition. Doch es war nicht das Licht im Flur, nicht die Anwesenheit der Mutter, sondern der Segen und mit ihm das Vertrauen, dass Gott im Zimmer ist. Durch den Segen verlor die Dunkelheit ihre Macht, die Einsamkeit verging, die Angst schwand.

Seit ich dies erlebt habe, mache ich Eltern und Großeltern Mut, ihre Kinder vor dem Einschlafen zu segnen. Das Letzte, was Jesus an den Jüngern tat, war sie zu segnen. Das letzte, was Eltern tun, bevor sie beim abendlichen Abschied den Raum verlassen, kann und soll der Segen sein. Segnen ist ein wunderschönes Zeichen der Liebe, weil wir das Kind Gott anvertrauen, der es behütet.

Und nun segnet Jesus eben nicht nur Kranke und Kinder, sondern er segnet auch seine Jünger. Auch die Jünger brauchen den Segen. Sie sind nicht krank, sie sind nicht unmündig. Doch Jesus sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun. Dass wir, wenn wir arbeiten, aus seiner Kraft arbeiten, das ist das Geheimnis jeden Dienstes in der Kirche.“
Auch beim Segnen der Gemeindemitarbeiter stehen wir in seiner Segenstradition. Wir berufen, senden und segnen unsere jungen Pfarrer und Pfarrerinnen. Wir segnen auch die Diakone und Religionslehrerinnen, auch die Kirchenvorsteher. Und gerade in den letzten Jahren haben manche Gemeinden auch begonnen ihre Mitarbeiter in den Kindergärten vor ihrem Dienstantritt mit Handauflegung zu segnen, sogar manchmal ehrenamtliche Mitarbeiter. Wer eine wichtige Aufgabe in der Kirchengemeinde hat, soll dafür auch gesegnet werden.
Der Segen erhebt nicht in einen besonderen Status, sodass diese Mitarbeiter etwas Besseres sind. Doch am Dienstanfang gesegnet zu sein bedeutet, dass Gott mit diesem Menschen sein wird, gerade dann wenn er seinen Dienst tut.

Freilich stehen wir Christen alle im Dienst Jesu Christi. Die Bergpredigt richtet sich an das ganze Volk: Liebt eure Feinde, segnet die euch fluchen, das sagt er allen. Ihr seid das Salz der Erde, Licht der Welt. Alle, die an ihn glauben, sollen an ihrem Ort von ihm erzählen und mit und für ihn leben.  Wir sind immer und überall seine Diener und Dienerinnen: In unserem Beruf, in der Familie, unter unseren Freunden und auch gegenüber unseren Feinden. Dazu sind wir auch alle gesegnet.
Der grundlegendste Segen, der uns Christen gegeben werden kann, ist uns allen in der Taufe schon gegeben worden. Wir können gewiss sein, der Taufsegen hat gewirkt. Der Taufsegen wirkt lebenslang und für unseren lebenslangen Dienst als Christen. Er wirkt an uns bis heute. Gesegnet zu sein bei der Taufe, bedeutet: Christus ist bei dir, an jedem Ort, jeden Tag, bei allem, was du tust.
Gerade, wenn du etwas für ihn tust, wird er bei dir sein. Und Paulus sagt: Tut alles, was ihr tut, für Christus: Das Erziehen der Kinder, das Verdienen von Geld für die Familie, das Singen im Chor, das Waschen der Wäsche, das Einladen zum Gottesdienst. Alles, was ihr tut – tut alles für Christus.
Denn gesegnet zu sein bedeutet, mit Christus bleibend in Beziehung zu stehen.
Der Segen gibt nicht vor allem besondere Dinge, besondere Gaben. Der Segen schenkt die Gegenwart unseres Herrn. Alle Wirkungen, die der Segen noch hat: Heilung, Kraft, Schutz, Frieden, die kommen aus der Gegenwart des Herrn. Indem Jesus seine Jünger beim Abschied segnet, schenkt er ihnen seine Gegenwart in neuer Weise.
Das wird besonders deutlich, wenn wir unseren Predigttext am Schluss des Lukasevangeliums mit dem Schluss des Matthäusevangeliums vergleichen.
Der allerletzte Satz des Matthäusevangeliums ist das Versprechen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Das Markusevangelium – ich habe es vorhin erwähnt – sagt: Der Herr „wirkte mit ihnen“. Lukas segnet und verheißt den Heiligen Geist. In Matthäus sagt Jesus zu: „Ich bin bei euch.“ Das ist dasselbe.
Und wie ist es bei Johannes – damit wir die Evangelien komplett vor Augen haben?
Da hält Jesus eine Abschiedsrede und sagt den Jüngern:
„Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit …. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.“
Alle vier Evangelien sind Varianten der einen Botschaft: Die Jünger sind von Jesus gesegnet. Er ist bei ihnen. Er ist bei ihnen in seinem Heiligen Geist.

So ist es auch bei uns. Wir sind gesegnet bei der Taufe. Christus ist bei uns. Er ist bei uns in seinem Heiligen Geist.
Was war die Wirkung des Segens bei den Jüngern? Die Jünger waren voll großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. Wer gesegnet ist, den zieht es an den Ort der Gegenwart Gottes, in den Tempel, in das Gotteshaus. So wie es uns hierher gezogen hat. Das ist Wirkung des Heiligen Geistes.
Hier werden wir auch immer wieder gesegnet. Kein Gottesdienst endet ohne den Segen. Auch dieser nicht. Auch heute wird der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist mit uns gehen, wohin wir auch gehen. Er ist bei uns alle Tage, an allen Orten und in allem, was wir für ihn tun.
Und auch meine Predigt endet mit dem Segen:
Mungu wetu wa huruma awalinde na kuwabariki, Baba, Mwana na Roho Mtakatifu.
Amen.