Ordination von Pfarrer z.A. Bastian Frank am 07.10.2012 in Bad Steben

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
in der Lutherkirche in Bad Steben
am 18. Sonntag nach Trinitatis, dem 07. Oktober 2012
Predigttext: 1. Korinther 1,9 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater durch unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, vor allem lieber Bruder Frank!

Heute feiern wir in Bad Steben das Fest der Ordination. Wie schön ist es, bei Ihnen dieses Fest zu feiern: Der Posaunenchor geht dem Zug voraus und spielt „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn“, der Dekanatskantor präludiert auf der Orgel „Nun danket alle Gott“ und der Chor stimmt die Gemeinde ein mit „Lobet den Herren“. Ihre Gemeinde versteht es Ordination zu feiern. Sie ist ja auch ein Fest für Ihre Gemeinde, ist doch die Vakanz beendet und die zweite Pfarrstelle besetzt.

Die Ordination ist ein Gemeindefest – und die grundlegendste Feier im Leben eines Pfarrers. Denn sie gilt nicht nur für den jeweiligen Einsatz in einer Gemeinde, sondern ist Voraussetzung jedes Einsatzes als Pfarrer. Sie gilt auch nicht nur bis zum Ruhestand, sondern bis zu unserem Tod. Bei der Ordination werden wir berufen, gesegnet und gesendet für den lebenslangen Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung.

Als Christen sind wir alle berufen zum Weitersagen des Evangeliums in all unseren Lebensbezügen. Doch zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung braucht es einen eigenen Berufungsvorgang – entweder in der Ordination für Pfarrer oder in der Beauftragung für Prädikanten.

Auch das Bibelwort, über das ich heute predigen werde, handelt vom Berufen. Es ist ein Bibelwort in unserer Ordnung der Predigttexte für den Ordinationstag. Obwohl ich schon 28 Menschen ordinieren durfte, habe ich bis zu diesem Wochenende noch nie darüber gepredigt, weil ich bisher immer das Bibelwort des jeweiligen Sonntags nahm. Doch heute wähle ich dieses Ordinationsbibelwort. Lieber Bruder Frank, es möge Sie leiten in Ihrem lebenslangen Dienst als Ordinierter.

Es lautet: „Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“ (1.Kor.1,9)

Gott ist treu. Treue ist hier in Oberfranken eine grundlegende Eigenschaft des Menschenschlages. Manche Menschen mögen erst einmal verschlossen sein – wobei ich das auch nicht mehr so empfinde, seit ich mich daran gewöhnt habe. Schließlich habe ich einen Oberfranken geheiratet. Mir ist die nüchterne, bodenständige, erst mal zurückhaltende Art der Menschen inzwischen lieb. Denn wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat, dann sind sie treu und verlässlich.

Sie haben ja schon ein wenig Oberfrankenerfahrung durch Ihr Vikariat in Marktredwitz und haben diese Eigenschaften schon schätzen gelernt.

Nun, ich will die Oberfranken nicht glorifizieren. Auch hier gehen Ehen auseinander und werden Familien- und Freundesbande brüchig. Unser Bibelwort redet auch gar nicht von Menschen, sondern von Gott. Er ist treu, er bleibt in Liebe zugewandt.

Lieber Bruder Frank, heute verheißt dieses Bibelwort Ihnen, dass Gott Ihnen treu ist. Sie sind immer mindestens zu zweit. Er ist bei Ihnen und bleibt bei Ihnen in Ihrem ganzen Dienst, in Ihrem ganzen Leben. Gott ist treu. Er beruft und sendet niemand, ohne, dass er ihn segnet und sagt: ich werde mit Dir sein.

Er war schon bisher treu mit Ihnen und hat Sie schon bisher stetig gerufen und gesegnet durch Menschen, die selbst der Treue Gottes vertrauten: durch Ihre Eltern, Ihre Verwandten, auch römisch-katholische, durch Ihre Patentante, durch den Pfarrer ihrer Heimatgemeinde im mittelfränkischen Lichtenau oder Ihre Religionslehrerin Cornelia Türck, die heute auch mit Hand auflegt.

Diese Menschen, die bei dieser Handlung der Berufung, Segnung und Sendung Hand auflegen sind Menschen, durch die Ihnen Gott seine Treue gezeigt hat. Doch diese Handlung der Berufung, Segnung und Sendung weist weniger zurück als nach vorne. Auch in Zukunft wird Gott Ihnen treu sein. Er wird Sie begleiten in Ihrem Dienst und in Ihrem Leben.

Menschen legen die Hand auf, auch ich. Viele Menschen werden hier im Kirchenschiff dabei für Sie beten. Doch wir alle vertrauen darauf, dass nicht nur wir aktiv sind, sondern, dass Gott selbst handelt bei diesem Geschehen. Wir glauben, dass er selbst Sie beruft, segnet und sendet.

Der Herr der Kirche, Jesus Christus, ordiniert. Sie sind darum zu allererst ein Ordinierter Jesu Christi. Das macht die große Freiheit der Ordinierten gegenüber allen Menschen aus.

Vielleicht kennen Sie den Pfarrer Heinrich Albertz. Er war auch eine Zeit Berlins Bürgermeister. Als der CDU-Politiker Peter Lorenz 1975 von Terroristen betäubt und verschleppt wurde, forderten die Terroristen die Freilassung anderer inhaftierter Anarchisten. Die sollten in ein anderes Land ausgeflogen werden, nur begleitet von einem Menschen. Sie wollten Heinrich Albertz als Begleiter.

Albertz stimmte zu, nachdem gegenüber Polizei und Politik aber auch gegenüber den Terroristen geklärt war, dass er als Pfarrer mitfuhr – nur Christus verpflichtet. Er schrieb: „Ich glaube, dass beide Seiten das von vornherein begriffen haben, was ein Pfarrer ist: sozusagen der freieste Beruf der Welt und nur seinem Ordinationsgelübde verpflichtet.“ Er fühlte sich zwischen allen Stühlen und sagte doch: „Ich habe auf einem festen Stuhl gesessen, einem Stuhl, den es anderswo nicht gibt, nämlich den des Evangeliums und damit des Vertrauens und auch der Geborgenheit.“ Seine Grunderfahrung war, ich zitiere: „Jesus Christus ist mein einziger Trost im Leben und im Sterben. Ich bin davon überzeugt worden, er ist auch die einzige Hoffnung für die Welt, in der ich lebe.“

Diese große Freiheit – möge sie weiter wachsen mit den Jahren, lieber Bruder Frank – nährt sich aus der Bindung an Christus, der Verbindung mit ihm. Je tiefer die Verbindung, desto größer die Freiheit.

Der Bund ist wechselseitig. Ihm sind Sie verpflichtet und er bindet sich an Sie. Nicht nur Sie lassen sich ganz auf Christus ein, ihm mit Ihrem ganzen Leben zu dienen, sondern er lässt sich auch auf Sie ein.

Ein Pfarrer hat mir mal geschrieben, rückblickend auf sein 25-jähriges Ordinationsjubiläum, zu dem ich ihm gratuliert hatte. Er schrieb, dass er betend manchmal denkt: „Auf was hast du dich da eingelassen Christus, als du mich in den Dienst gerufen hast.“ Durch diesen Satz ist mir eine große Wahrheit der Ordination ins Auge gesprungen. Der dreieinige Gott bindet sich in der Ordination auch an uns. Ordination bedeutet, dass Christus zu Ihnen sagt: „Du, Bastian, bist ab jetzt lebenslang meine Bote. Lehre, was ich Dir sage, trage das Evangelium in die Krankenzimmer, ans Grab, ins Klassenzimmer, in die Jugendgruppe. Ich brauche Dich, ich geh auch mit Dir überall hin.“

Seine Treue gilt auch weiter, wenn Sie das Gefühl haben, zu versagen, nicht mehr können, nicht mehr wollen. Und recht betrachtet, ist doch seine Treue zu uns der eigentliche Motor unseres treuen Dienstes für ihn.

„Berufen zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus.“ In diesem Bibelwort zeigt sich ein weiteres Geheimnis der Ordination: Er hat Sie nicht nur berufen zum Dienst, nicht nur zum Arbeiten, sondern – und das trägt den ganzen Dienst – zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus. Er ruft Sie zu einem Leben und Arbeiten aus der Beziehung zu Jesus Christus.

Ich glaube, dass dies das Entscheidende ist für unseren Dienst als Ordinierte, dass wir alles was wir tun, in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, aus der Kraft der Beziehung zu Jesus Christus tun.

Sie, lieber Bruder Frank, werden oft in Situationen sein, da stehen Sie allein auf der Kanzel, sitzen allein einem Menschen gegenüber, der sein ganzes Leid vor Ihnen ausschüttet und wissen keinen Rat. Sie stehen aber nicht allein auf der Kanzel und sitzen dort nicht allein, sondern gemeinsam mit Jesus Christus, der durch Sie Glaubens- und Lebenshilfe geben will und wird.

In der Beziehung zu ihm sehen wir selbst uns auch anders. Wenn wir vor einem Spiegel stehen, finden wir uns manchmal chic, sehen aber auch unsere Schönheitsfehler. In den Worten und Bewertungen anderer über uns spiegeln sich unsere Leistung und unsere Ausstrahlung.

Von Zeit zu Zeit mögen diese Spiegelbilder uns mehr oder weniger gefallen. Wir als Christen sind von diesen Spiegelbildern in unserem Selbstwertgefühl im Grunde nicht abhängig. Wir schauen noch in einen anderen Spiegel. Wir sehen uns im Spiegel des Evangeliums.

Und wie sehen wir uns da? Als Menschen mit Stärken und Schwächen, ja unsere Fehler sehen wir da noch viel deutlicher. Doch wir sehen uns mitsamt ihnen als zutiefst geliebten Menschen, gut geschaffen in Liebe, erlöst durch den Tod Jesu, befreit zu neuem Leben.

Es gibt eine wunderschöne Ikone. Sie zeigt Jesus und den Heiligen Menas. Jesus steht neben ihm und legt ihm die Hand auf die Schulter, ermutigend, beauftragend, berufend. Das schönste an dieser Ikone ist der glückliche Blick beider. Auch Jesus ist glücklich, dass er Menas berufen kann und Menas, dass er berufen wird. Lieber Bruder Frank, wenn Sie sich im Spiegel des Evangeliums sehen, dann sehen Sie nicht nur sich, sondern Sie sehen sich in Gemeinschaft mit Jesus Christus, der seine Hand auf Ihre Schulter legt und Sie begleitet.

„Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“ Das verbindet auch Pfarrerskollegen untereinander. Sie, liebe Brüder Bergmann und Frank, sind ja einander nicht hierarchisch, sondern kollegial zugeordnet. Christus schenke es, dass Sie sich darüber hinaus auch geschwisterlich verbunden fühlen, weil der Dienst für Christus und die Gemeinschaft mit Christus Sie zur Gemeinschaft miteinander führt. Das tut Ihnen gut und den Gemeinden Bad Steben und Bobengrün.

Liebe Gemeinde, dieses Berufensein zur Gemeinschaft mit Christus ist zwar wesentlich für den Pfarrberuf, doch es gilt Ihnen allen. Paulus schreibt doch keinen Brief an die Ordinierten oder an die Gemeindeleiter in Korinth, sondern an die ganze Gemeinde.

„Unser Herr“, sagt Paulus. Wenn wir selbst mit Christus verbunden leben und unser Banknachbar neben uns auch, dann verbindet uns das auch untereinander. Am dichtesten zeigt sich diese Verbundenheit im Abendmahl.

Wo gibt es denn das sonst noch, dass Menschen aus einem Becher trinken. Ihr Lieben, das tun wir allenfalls in der Familie; sonst vermeiden wir es doch eher. Und beim Abendmahl trinken wir alle aus einem Kelch.

Ich weiß, dass es manchen grauselt wenn er am Abendmahl teilnimmt und die Austeilenden nicht darauf achten, dass der Kelch gedreht und nach vier Mal Trinken gereinigt wird. Und sie haben recht. Wir müssen darauf achten, das Abendmahl als gemeinsames Trinken aus einem Kelch zu erhalten, indem wir auf Hygiene achten.

Wenn wir aber sorgsam mit dem einen Kelch umgehen, dann ist das ein solch starkes Symbol dafür, dass wir miteinander verbunden sind in der Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, der für uns gestorben ist und dessen Blut uns rein macht von aller Sünde. Die Gemeinschaft, in die wir berufen sind, ist eine Gemeinschaft mit ihm und untereinander.

Und Sie, lieber Bruder Frank, werden mit den Gemeinden in Zukunft das Abendmahl feiern und selbst daran teilnehmen. Sie sind Teil der Gemeinschaft.

Diese Gemeinschaft mit Christus ist nichts, was wir herstellen müssten. Er selbst stellt sie her, indem er uns anspricht im Wort und uns Glauben schenkt. Er stellt sie her in der Taufe und im Abendmahl. Sie, lieber Bruder Frank, haben die wunderschöne Aufgabe, die Menschen in diese Gemeinschaft zu rufen im Wort und diese Gemeinschaft zu vollziehen in Taufe und Abendmahl. Die schönste Aufgabe der Welt. Eine Berufung.

Amen