Christustag am 3. Oktober 2012 in Bayreuth

Liebe Schwestern und Brüder! 

Es ist mir eine Freude, Sie alle im Namen unserer Landeskirche beim Christustag in Bayreuth zu begrüßen. Herzlich willkommen! Der Christustag findet zum ersten Mal in Bayern statt. Schön, dass ein Veranstaltungsort auch in meinem Kirchenkreis liegt.

Neulich schrieb mir eine junge Frau, die meine Predigten im Internet abruft und liest: „Es gibt keine Predigt von Ihnen, in der Sie nicht von Jesus Christus reden und ihn verkündigen.“ Das stimmt, bis auf ganz wenige Ausnahmen; und auch bei den Ausnahmen ist doch mein Reden von Gott durch meinen Glauben an Jesus Christus geleitet, weil Jesus uns den Vater gezeigt hat.

Wir hätten nicht das Vertrauen auf Gottes Menschenfreundlichkeit und seine sich hinabbeugende Liebe zu jedem, jedem Menschen, ohne Jesu Geburt in einem Stall.

Wir hätten nicht die Gewissheit der Vergebung aller unserer Schuld ohne sein Kreuz.

Wir hätten nicht die Hoffnung auf das ewige Leben bei ihm ohne seine Auferstehung.

Daher möchte ich drei Gründe eher grundsätzlich-theologischer Art hervorheben, weshalb ich mich über den Christustag freue:

1. Christlicher Glaube ist keine allgemeine Gottgläubigkeit, sondern Glaube an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Jesus hat uns gezeigt wie der Vater ist und der Heilige Geist ist der Geist, der auf Jesus lag und von ihm verheißen wurde. Wir verstehen sowohl den Vater als auch den Heiligen Geist vom Sohn her.

2. „Es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen unter dem Himmel gegeben, darin sie sollen selig werden,“ das bezeugt Petrus gemäß Apostelgeschichte 4,12. Unser Martin Luther hat dieses „Solus Christus“, ´allein Christus bringt das Heil` in der Reformation neu zur Sprache gebracht. Dabei geht es nicht nur um Abgrenzung von Synkretismen, sondern dass in Christus das Heil liegt, das ist der Quell tiefster Lebensfreude.

3. Unsere Verkündigung muss Verkündigung des Evangeliums sein. Und das Evangelium ist zu allererst die gute Botschaft von Jesus Christus.

Meine Hoffnung ist, dass ein Christustag dazu beiträgt, das christliche Profil unseres Glaubens, unserer Überzeugung und unserer Verkündigung zu stärken. Dies ist auch mein eigenes Anliegen.

Laut Sonntagsblattausgabe vom 30. September 2012 sagte ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger, der dem bayernweiten Trägerkreis des Christustages vorsteht: „Der Gedanke, einen Christustag zu veranstalten, ist während der jüngsten innerkirchlichen Auseinandersetzungen um die Zulassung homosexueller Paare im Pfarrhaus entstanden“. Dieser Satz stieß einem sehr verbindlich-frommen Pfarrer auf. Er wirkte auf ihn, als sei der Christustag eine neue Form des Protestes.

Es wäre mir nicht recht, wenn der Christustag so verstanden würde, und ich bin aus Gesprächen mit Verantwortlichen der Überzeugung, dass es sich hier nicht um eine Protest-, sondern um eine Bekenntnisveranstaltung handelt, die nach vorne und zur Mitte unseres Glaubens weist. Auch die weiteren Worte Viewegers legen das nahe.

Die Veranstalter des Christustages möchten aus der Festlegung auf das Thema Homosexualität als Top-Thema auch wieder heraus. Sie möchten das Zentrum unseres Glaubens stark machen. Und was oder wer ist das anders als Jesus Christus unser Herr, Heiland, Helfer. Das ist das zentralste Lebens- und Glaubensthema überhaupt. Ich halte diese Reaktion auf die durchschrittene Kontroverse für hilfreich.

Meine Überzeugung: Die Frage der Homosexualität ist eine ethische Frage. Sie ist keine Bekenntnisfrage. Wir bekennen uns zu Jesus Christus. Von ihm müssen wir uns alle leiten lassen und uns auch immer hinterfragen, ob unsere ethischen Überzeugungen mit Christus und wie er uns die Heilige Schrift aufschließt, vereinbar sind. Die ethische Frage selbst ist nicht die Bekenntnisfrage. Vielmehr müssen wir uns in allen ethischen Fragen von der Schrift leiten lassen und von Christus, zu dem wir uns bekennen. Das kann ein Ringen sein – manchmal auch ein Ringen miteinander.

Sie wissen, dass ich selbst den Beschluss des Landeskirchenrates ganz mittrage und doch die Argumente pietistisch-evangelikal geprägter Menschen sehr gut verstehe und hoch achte. Noch nie habe ich so schrecklich zu lesende Briefe erhalten, wie im Nachgang zu diesem Beschluss. Einige waren voller Vorurteile gegen die verfasste Kirche. Andere enthielten persönliche Beschimpfungen. Und manche Menschen brachten ihre Verzweiflung zum Ausdruck, weil sie drohten, an unserer Kirche irre zu werden. Die letztgenannten Äußerungen gingen mir wirklich nahe.

Eines Tages wurde es mir zu viel. Ich machte mir Sorge um die Einheit unserer Kirche und bat mein Team zum Mittagsgebet. Wir beteten für die Einheit unserer Kirche und sangen „Verleih und Frieden gnädiglich“. Seitdem treffen wir uns jeden Mittag beim Glockenläuten zum Mittagsgebet und beten für Menschen im Kirchenkreis oder Anlässe, die das Gebet brauchen.

Konflikte, Krisen, Schwierigkeiten – in unserem privaten oder kirchlichen Leben – sind nicht zu beschönigen. Wir wollen sie nicht. Doch wenn sie glaubend durchlebt werden – bringen sie Gutes hervor: Gespräche, Gebet, Orientierung an der Mitte des Glaubens: Jesus Christus.

Er führe uns und unsere Kirche.

Gottes Segen für den Christustag