Ökumenische Einweihung des Wanderdrehkreuzes

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 8.11.2014 am Wanderdrehkreuz bei Blankenstein

Wir weihen heute das Wanderdrehkreuz ein und damit die Verbindung der vier Wanderwege:
Erstens dem Rennsteig aus nordwestlicher und zweitens dem Kammweg aus östlicher Richtung,
drittens dem Frankenweg und viertens dem Fränkischen Gebirgsweg, die beide hier beginnen und  in südliche Richtung führen.
Die Verbindung zwischen dem einst geteilten Deutschland wird hier augenscheinlich.

Ein Weg, der ebenfalls hier verläuft und zwei der Wege nutzt, darf nicht unerwähnt bleiben:
Die Via Porta. Sie verbindet die zwei Zisterzienserklöster Volkenroda und Waldsassen. Der Weg von Kloster Volkenroda – manche kennen diesen Ort, weil dort auch der Christuspavillion der Expo 2000 steht – verläuft ab Friedrichroda auf dem Rennsteig bis hierher zum Drehkreuz; und ab hier auf dem Fränkischen Gebirgsweg bis hinter Münchberg. Dann nimmt die Via Porta einen eigenen Verlauf über Franzensbad und Eger nach Waldsassen.
Volkenroda ist das Mutterkloster von Waldsassen, doch heute evangelisch, neu belebt durch die evangelische Kommunität der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Waldsassen, die Tochtergründung von Volkenroda, ist weiter katholisches Zisterzienserinnen-Kloster.
Wer die ganze Via Porta geht von Volkenroda bis Waldsassen, begeht – im wortwörtlichen Sinne – die Verbindung zwischen evangelisch und katholisch, zwischen Ost- und Westdeutschland, ja sogar zwischen Deutschland und Tschechien.
Porta patet – cor magis!
Die Tür steht offen – mehr noch das Herz!
So grüßten die Zisterzienser den fremden Wanderer, der an ihre Tür klopfte. Das war mutig, kannten sie doch den Wanderer nicht.
Porta patet – cor magis!
Die Via Porta hat ihren Namen von diesem Spruch. Sie ist übersetzt ein „Türweg“. Gemeint ist, ein Weg offener Türen, offener Herzen für den anderen.
Darum geht es, dass Menschen unterschiedlicher Prägung einander die Tür öffnen, und mehr noch ihr Herz.
Damals vor 25 Jahren ging das Tor in den Westen auf; und die Tränen der Freude flossen auf beiden Seiten. Tore und Herzen waren offen.
Diese Via Porta, den Weg des offenen Herzens für den anderen gilt es zu gehen.

Im Bibelwort aus dem Johannesevangelium haben wir gehört, dass wir im Himmel eine offene Tür finden werden, eine Wohnung sogar. Darum sollen wir in unserem Leben nicht erschrecken und keine Angst haben. Unser Weg hat sein Ziel bei Gott. Christus führt uns diesen Weg zum Vater. Mehr noch er ist selbst der Weg dorthin. Wir haben bei Gott eine Heimat.

Je mehr ein Mensch sich dessen bewusst ist, dass er auf dem Weg zum Vater im Himmel ist, desto mehr wird er auf der Erde auf dem Weg zu anderen Menschen sein. Je mehr er seinen Vater im Himmel lieb hat, desto mehr wird er seinen Mitmenschen liebevoll begegnen. Der Weg zum Vater im Himmel ist immer zugleich ein Weg zu den Menschen. Gerade auch zu den fremden Menschen.
Wir sind Wanderer zum Himmel, wir glauben an die offene Tür dort, weil Christus sie uns aufschließt.
Wir sind angewiesen auf die offene Tür, auf das offene Herz dort. Wir wollen doch dort hören:
„Die Tür ist offen – das Herz noch mehr.“ Wir können darauf vertrauen: Wer sich an den Weg Christus hält, wer seinen Lebensweg mit Jesus Christus geht, wird im Himmel eine offene Tür und das offene Herz des Vaters finden.

Lasst uns bis wir im Himmel sind, die Via Porta gehen, den Weg der Gastfreundschaft für Fremde.
Vielleicht sind uns manche Deutsche immer noch fremd – den atheistisch Erzogenen sind wir Gläubige fremd und umgekehrt; lasst uns einander Gastfreundschaft bieten. Kommen wir, mit denen die uns fremd sind, viel mehr ins Gespräch.
Und dann gibt es natürlich die wachsende Zahl an wirklich Fremden unter uns Deutschen. Gilt da auch: Porta patet – cor magis?
Ja, das brauchen die Wanderer aus fernen Ländern jetzt bei uns. Lasst uns noch mehr lernen wieder Gastfreundschaft zu pflegen. Es braucht in Deutschland notwendig den Weg des offenen Herzens.
Wir Wanderer wissen: Ein Weg erschließt sich beim Gehen. Amen.