25-jähriges Jubiläum der Stiftung Geistliches Leben

Grußwort der Regionalbischöfin zu 25 Jahre 'Stiftung Geistliches Leben' am 7. Oktober 2018 in Schloss Craheim

Liebe anwesende Freunde und Freundinnen der Stiftung Geistliches Leben, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

erlauben Sie mir bitte ein kleines Vorwort zu meinem Grußwort.
Ich konnte nämlich 50 Jahre Lebenszentrum für die Einheit der Christen nicht mitfeiern. Längst vorher vereinbarte Termine, dazu Ordination in Weißenstadt und dergleichen, machten die Fahrt am Festwochenende für mich unmöglich. Das hat mir leid getan.
Daher möchte ich diese Gelegenheit heute nutzen, um denen, die Verantwortung trugen in den vergangenen 50 Jahren hier im Lebenszentrum Schloss Craheim, zu danken für alle Liebe zu Christus, die in und durch Sie auf diesem Berg geleuchtet hat:
-    Hier geschieht Ehepaarseelsorge wie nirgendwo in der Landeskirche.
-    Hier ist eine besondere Liebe zur Ökumene lebendig.
-    Hier ist ein Ort, an dem sich charismatisch geprägte Menschen in unserer Kirche zu Hause fühlen können.
Das schenke Gott weiterhin.
Er helfe auch in äußeren Fragen wie der Erhaltung dieses Gebäudes.
Er helfe personell in der Leitung weise Wege zu gehen und schenke den Verantwortlichen seinen Geist.
Gott segne die kommenden Jahrzehnte aus seiner Fülle.

Nun zur Stiftung Geistliches Leben und zum 25-jährigen Bestehen.
25 Jahre sind eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass eine Person die Verwaltung und Organisationsleitung der Stiftung diese 25 Jahre lang innehatte.
Ich danke Ingrid Reimer. Sie, liebe Frau Reimer, waren freilich nicht nur Verwalterin und Organisatorin der Stiftung, sondern zusammen mit ihrem überraschend früh verstorbenen Mann Gründerin und dann spiritus rector. Sie konnten ja selbst in Person den Stiftungszweck, den Sie selbst gesetzt hatten, auslegen.
Eine Regionalbischöfin vertritt in ihrem Kirchenkreis die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Das betone ich sonst nicht – nur heute um damit zugleich zu untermauern:
Ich danke Ihnen, unsere Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern dankt heute Ihnen, liebe Frau Reimer. Wir sind dankbar, dass Sie die Stiftung mit solch einem kräftigen Betrag ausgestattet haben und immer wieder zugestiftet haben.
Auch allen anderen, die gespendet oder gestiftet haben, danke ich herzlich; auch denen, die sich im Stiftungsrat engagiert haben und nun besonders Frau Horneber aus Ottmaring und Frau Pfarrerin Feige aus Grüna, die den Stab der Leitung übernommen haben.

Ich bin Ihnen und Gott dankbar für die Stärkung geistlichen Lebens durch die Stiftung. Das geschah auf kluge Weise:
Gewiss durch die erschienenen Taschenbücher, vor allem aber durch zweierlei:
-    Durch die Gewährung von Zuschüssen für Projekte, die der geistlichen Erneuerung dienen und
-    Durch die Jahrestagungen, auf denen nicht nur Vorträge und Gespräche stattfinden, sondern auf denen die Projekte vorgestellt werden. Die Teilnehmenden erleben dies als ungeheuer bestärkend. So dient die Tagung selbst eben der geistlichen Erneuerung der Kirche.

Die Stiftung Geistliches Leben ist eine private Stiftung, bei der die Aufsichtsfunktion durch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern wahrgenommen wird. Ich bin dankbar, dass die Stiftung eine lutherische Grundierung bei ökumenischer Ausprägung hat. Ich bin dankbar, dass die geistliche Erneuerung auf unser konkretes kirchliches Leben zielt. Es geht eben nicht um eine geistliche Erneuerung am Rande, sondern inmitten unserer Kirchen. Ja noch mehr: Es geht nicht nur um eine geistliche Erneuerung in der Kirche, sondern der Kirche.

Der persönliche Grund, weshalb ich Ihnen dafür so sehr dankbar bin, liegt  darin, dass das Stiftungsziel einen der eliptischen Brennpunkte kirchlichen Lebens und meiner Existenz benennt.
Zwei Ziele sehe ich in meinem Dienst und sehe ich als grundlegend für die Kirche an:
1.    Die missionarische Wendung der Kirche nach außen in der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus als Herrn und Erlöser an alle Menschen.
2.    Die geistliche Vertiefung und Erneuerung all derer, die sich in unserer Kirche engagieren.
Ohne diese zweite Bewegung der Kirche fehlt auch die Kraft zur missionarischen Wendung der Kirche nach außen.
Umso dankbarer bin ich für Ihre Stiftung, die die geistliche Vertiefung und Erneuerung zum Ziel hat. Diese Stiftung tut unserer Kirche gut!

Wer nach geistlicher Erneuerung Ausschau hält, entdeckt sie - als Werk Gottes.
Ich möchte ein Beispiel nennen: Häufig und doch viel zu wenig habe ich um eine Erweckung in unserer Kirche gebetet. Ich muss schmunzeln, wie Gott sie schenkt: Er schenkt eine Erweckung unter den iranischen Geflüchteten. 150 geflüchtete Iraner und Iranerinnen sind allein in Bayreuth in den letzten drei Jahren als Erwachsene getauft worden.
Gestern waren 80 von Ihnen bei einem Gemeindefest da und ich habe mit ihnen einen Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Diese jungen Christen sind von einer herzlichen, direkten Christusfrömmigkeit, wie unsere volkskirchlichen Gemeinden sie dringend brauchen. Einer von diesen Getauften ist bereits an der Evangelistenschule Johanneum zur Ausbildung, vier lassen sich als Kirchenvorsteher aufstellen.
Gott schenkt geistliche Erneuerung auf so überraschende, unerwartete Weise.
Die Stiftung Geistliches Leben hält danach Ausschau, und wird auch in Zukunft viel entdecken und fördern können, von dem, was Christus selbst an Leben hervorruft durch seinen Geist.
Es gibt einen großen Bedarf, dass Verkarstetes und Verkrustetes in der Kirche aufbricht und Gottes- und Menschenliebe zum Leben erwacht.
Doch diese Stiftung schaut nicht auf die Brache, sondern auf den ersten Baum, der wächst und hilft, dass weitere gepflanzt werden können. Und wir können darauf vertrauen, dass Sie, liebe Säulen im Stiftungsrat, weitere kleine Wunder Gottes entdecken und gießen können. Denn Gott selbst hütet sein Volk als Hirte, und Christus selbst ist es, der die Kirche erhalten hat und erhalten wird durch seinen Geist.
Gottes Segen für die kommenden 25 Jahre und die weitere Zukunft.