Beauftragung von Dr. Jürgen Wolff zum Prädikanten

Einführungsansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 3. Advent in der Sadtkirche Bayreuth

Liebe Gemeinde,
vor allem lieber Herr Dr. Jürgen Wolff!

Sie, lieber Bruder Wolff, werden heute berufen, gesegnet und gesendet zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Es ist mir eine Freude, die Beauftragung selbst liturgisch zu vollziehen.
Sie alle in der Gottesdienstgemeinde sind zuständig für die Verkündigung des Evangeliums. Auch der Wochenspruch aus Jesaja Kapitel 40 gilt für Sie alle:
Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe der Herr kommt gewaltig.
Sie alle sollen an dem Ort, an den Gott Sie gestellt hat: In der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz – wo auch immer – nach Situationen Ausschau halten, wo es passt, etwas von unserem Glauben zu sagen. Dieses persönliche Glaubensbe-kenntnis von Ihnen allen ist unersetzbar. Ihr Christen zeigt Flagge, seid Türöffner, Wegbereiter für Gott an möglichst vielen Orten, in möglichst vielen Situationen.
Gott kann das Leben der Menschen, mit denen Ihr sprecht, gewaltig verändern – mit seiner gewaltlosen Liebe und seinem Frieden. Das Evangelium verkündigen gehört zu den sinnvollsten, schönsten und kraftvollsten Aufgaben, die jeder getaufte Christi hat.

Sie alle sind also zuständig für die Verkündigung des Evangeliums. Ist Dr. Wolff nun noch zuständiger? Zum einen: Nein. Denn dieser Auftrag gilt für ihn nicht anders als für Sie alle. Zum anderen: Ja. Denn er soll und darf diesen allen geltenden Auftrag nun auch in der Öffentlichkeit ausüben und er soll und darf Abendmahlfeiern leiten.
Öffentlich predigen und die Sakramente verwalten darf nur der, der dazu – stellvertretend für die ganze Kirche und zusammen mit ihr – durch einen Bischof bzw. eine Regionalbischöfin berufen wird. Denn durch öffentliche Verkündigung wird unsere Kirche geleitet und erhalten die Gläubigen Impulse für ihr eigenes Glaubenszeugnis.
Wir haben in unserer Kirche zwei Formen der Berufung zur öffentlichen Verkündigung:
Durch Ordination werden die Pfarrer und Pfarrerinnen berufen; durch Beauftragung werden Religionspädagogen und Diakone, Prediger der landeskirchlichen Gemeinschaften und auch Ehrenamtliche berufen. Dr. Wolff wird mit dem heutigen Tag nun ehrenamtlicher Prädikant. Das bedeutet: Diesen Verkündigungsdienst macht er noch zusätzlich, ehrenamtlich.

„Hast du nicht schon genug zu tun?“, ist er gefragt worden. Als Leiter des Evangelischen Bildungs-werkes, als Mitglied im Team der Segnungsgottes-dienste, als Leiter des „Runden Tisches Ausländerarbeit“ und so weiter – um nur einiges zu nennen – ist er eigentlich ausgelastet.
Doch für Sie, lieber Bruder Wolff, ist das Nachsinnen über biblische Worte, das Predigen und die Gestaltung von Gottesdiensten – so sagen Sie es selbst – erfüllend. Es ist Arbeit und doch schenkt sie mehr Kraft als sie nimmt. Dann ist jemand am richtigen Platz. Ja, dieser Weg stimmt.

Es ist ein Freudentag für unsere Kirche, wenn ein gescheiter und gebildeter, ein gläubiger und gütiger Mensch, wie Sie es sind, beauftragt werden will und soll. Die Beauftragung von qualifizierten Personen aus verschiedenen Berufen bedeutet eine Bereicherung unserer Verkündigung. Immer wird bei Predigten ein biblisches Wort ausgelegt. Doch zuvor liest es jeder mit seiner eigenen Lebensbrille.
Sie bringen die Ausbildung zum Bankkaufmann mit, das Studium der Pädagogik mit Nebenfach Evangelische Theologie, weitere Jahre des Theologiestudiums, insgesamt acht Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bamberg am Lehrstuhl von Herrn Professor Lachmann und eine Doktorarbeit im Fach Religionspädagogik zu einem Thema „Zeit für Erwachsenenbildung“.
Als Pädagoge sehen Sie, lieber Bruder Wolff, immer zuallererst den Menschen, und was ihn prägt. Und Sie tragen als Grundintention das Ziel der Bildung und Entwicklung von Menschen in sich.
Die Auferstehung ist für Sie Anker Ihrer Hoffnung. Sie taucht Jesu Geburt, Leben und Tod in ein neues Licht und auch unser Leben. Als die Emmausjünger an Jesu Auferstehung glauben, verändert das ihr Leben gewaltig. 
Am Brotbrechen erkannten sie ihn. Auch im Advent feiern wir im Abendmahl Ostern, feiern wir, dass der Auferstandene unter uns ist, gegenwärtig in Brot und Wein.
Heute feiern Sie zum ersten Mal mit einer Gemeinde das Abendmahl. Jede Abendmahlsfeier, jede Gabenbereitung, ist eine Wegbereitung für unseren Herrn.
Seien Sie in Zukunft noch viel mehr als schon bisher getragen von der Hoffnung, dass der Herr „gewaltig kommt“ – auch durch Sie in Ihrem Dienst im Bildungswerk und nun auch im Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakraments-verwaltung, ja in Ihrem ganzen Leben.

Lasst uns nun, liebe Gemeinde, um den Heiligen Geist bitten, dass er gewaltig kommt und wirkt, wenn wir nun unsern Bruder Jürgen Wolff beauftragen zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Amen.

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin