Beauftragung von Sr. Susanne Schmitt am 18.11.2018 in der Kapelle der Christusbruderschaft, Selbitz

Ansprache von Frau Regionalbischöfin Dr. Greiner zur Beauftragung von Schwester Susanne Schmitt zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch – so der heutige Lehrtext im Losungsbüchlein (1.Thess. 5,18)

Liebe Gemeinde, vor allem, liebe Schwester Susanne,
Es gibt Situationen, in denen fällt es mir ausgesprochen leicht, diesem Aufruf zu folgen, dankbar in allen Dingen zu sein. So auch heute. Das „Ding“ (in Anführungszeichen) ist gut:
Sie, liebe Schwester Susanne, sind bereit, sich in den Dienst der öffentlichen Verkündigung unserer Kirche senden zu lassen.
Für Ihre Bereitschaft danke ich Gott und Ihnen.
Als ausgebildete Gymnasiallehrerin für Geschichte und Germanistik bringen Sie ein hohes Maß sprachlicher und rhetorischer Kompetenz mit. Wir sind dankbar für Ihre geschulten Gaben.

In der Christusbruderschaft Selbitz gibt es inzwischen neben den drei Schwestern, die ordiniert sind, auch 15 Schwestern, die beauftragt sind mit der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums in Wort und Sakrament.
Ich bin dankbar, dass es so viele sind, denn die öffentliche Verkündigung all dieser Schwestern geschieht aus intensiver gepflegter Gottesdienstpraxis und gelebter tiefer Gottesbeziehung heraus. Beides gibt auch der liturgischen Praxis und Verkündigung von Sr. Susanne Halt und Tiefe.

Die Beauftragung, die heute geschieht, ist - wie die Ordination - eine Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums in Wort und Sakrament.
Sie ist zuerst eine Berufung: Die Berufung gilt noch nicht dem Dienst, sondern der Person. „Ich habe Dich ausgesondert von Mutterleibe an“, sagt Gott zu Jeremia. Das war das Bibelwort Ihres Prüfungsgottesdienstes, liebe Schwester Susanne. Er sagt zu Ihnen heute: Dich brauche ich, will ich, liebe ich.
Sich rufen zu lassen in die Gottesbeziehung, in die Gottesgegenwart ist Voraussetzung der Sendung in den Verkündigungsdienst.

Die Beauftragung ist zweitens dann auch Sendung:
Jeremia erfährt Gottes Gegenwart und reagiert und sagt zu Gott: „Sende mich.“
Heute werden Sie gesandt in der Öffentlichkeit den gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verkünden, den Menschen zu sagen, was Gott an ihnen tut und von ihnen will. In diesen Dienst senden wir Sie, sendet Gott Sie.

Die Beauftragung ist drittens ein Segen: Gott sendet niemandem, ohne ihn zu segnen. Wortwörtlich sagt Gott zu Jeremia: „Ich bin bei Dir.“
Er sagt Ihnen heute zu: In jeder Situation der Verkündigung werde ich selbst da sein, mit Dir sein, wenn Du auf eine Kanzel steigst, an einen Ambo trittst, vor dem Altar stehst.
Ich bin segnend da und wirke in Dir und durch Dich. Und wenn Du Dich vorbereitest und nicht weißt, was Du sagen sollst. Ich schenke Dir, die Worte, die ich sagen will.
Wenn unsere Kirche Sie heute beruft, segnet, sendet und wenn ich dies vollziehe, so tue ich dies im Vertrauen, dass Christus selbst Sie beruft, sendet, segnet. Dass er dies tut, macht uns ihm gegenüber gemeinsam dankbar.

Die Sendung muss immer in einem so genannten „bestimmten Dienst“ konkretisiert werden. Alle beauftragten Schwestern der Christusbruderschaft verkündigen primär im Raum des Ordens. Doch darüber hinaus haben alle auch die Aufgabe, Gemeindegottesdienste außerhalb der Christus-bruderschaft zu feiern. So steht auch bei Ihnen, liebe Schwester Susanne in Ihrem Dienstauftrag, dass Sie an zwei Sonntagen pro Jahr Gottesdienste im Dekanatsbezirk Naila feiern werden.

Ob es in den nächsten Jahren freilich dazu kommen wird, bezweifle ich – nicht weil Sie unwillig wären. Ganz im Gegenteil.
Als für den Orden und Sie klar war, dass Sie die Prädikantenausbildung machen, geschah das im Blick auf Ihren Dienst in den Exerzitiengruppen in Selbitz. Doch nun hat es sich gefügt, dass Ihr Platz ab dem Neuen Jahr auf dem Petersberg sein wird.
Ihre Beauftragung, die Sie heute erhalten, gilt lebenslang und sie kann auch auf dem Petersberg aktiv gelebt werden, wenn die Mitteldeutsche Kirche Ihren Dienst der öffentlichen Verkündigung auf dem Petersberg bejaht. Das wird sie gewiss – nach Anfrage - dankbar tun.
Denn Sie sind gerade für die Verkündigung auf dem Petersberg am richtigen Ort. Dadurch dass Sie, liebe Schwester Susanne, erst als Jugendliche Zugang fanden zum christlichen Glauben, haben Sie ein Gefühl für Menschen, die in Distanz zu Kirche und Glauben sind. Sie haben eine Sensibilität und Liebe für gegenüber dem Glauben fremdelnden Menschen und können sprachlich Zugang finden zu ihnen. Und genau dies wird gebraucht in der völlig entkirchlichten Region um Halle. Wir sind dankbar für diese Führung Gottes, der wohl schon vor Ausbildungsbeginn wusste, dass er Sie dort braucht im Verkündigungsdienst. Sie werden sich auch auf dem Petersberg geistlich einüben, dankbar in allen Dingen zu sein. Und so wie mir heute die Dankbarkeit bei Ihrer Beauftragung leichtfällt, so werden Sie sehr dankbar sein für den Verkündigungsdienst, den Sie tun.
Amen.

Auf seine Gegenwart, sein Handeln vertrauen wir, wenn wir Sie nun berufen, senden und segnen. Wir öffnen uns seiner Gegenwart mit dem folgenden Lied.