Bescheidübergabe für das LEADER-Projekt 'Erschließung Markgrafenkirchen'

Begrüßung und Einführung von Frau Regionalbischöfin Dr. Greiner zur Übergabe des Förderbescheids für das LEADER-Projekt 'Erschließung Markgrafenkirchen' durch Staatsministerin Michaela Kaniber am 28.09.2018, um 17:00 Uhr in der Stiftskirche, Himmelkron

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

Sie alle begrüße ich herzlich. Unsere lieben Ehrengäste erwähne ich im Folgenden noch einzeln; denn ihr Kommen ehrt und freut uns alle. Meine Begrüßung werde ich dabei mit Bemerkenswertem zum LEADER-Projekt und zur Erschließung unserer Markgrafenkirchen verweben.

LEADER! Als ich dieses Programm im kirchlichen Kontext zum ersten Mal erwähnte – auch in Sitzungen, da las ich dann im Protokoll: „Lieder“ – geschrieben mit „ie“. Im kirchlichen Kontext singen wir viel und dass wir ein „Lieder-Projekt“ machen, leuchtete allen unmittelbar ein. Wir werden nach meiner Begrüßungsrede bewusst auch ein Lied singen. Doch LEADER steht heute nicht für Kirchenchoräle und Songs, sondern für: "Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale".

LEADER ist also ein Förderprogramm der Europäischen Union für die ländliche Entwicklung. Deshalb ist das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständig. Dass Sie, liebe Frau Staatsministerin Kaniber uns heute persönlich den Bescheid zur Förderung über das LEADER-Programm überbringen, freut uns besonders. Herzlich willkommen. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass - in diesem Wahlkampf mit unangenehmen Merkmalen – dieser  Abend für Sie bei uns eher erholsame und wirklich erfreuliche Züge trägt, (zumal wir hier Kirchen und keine Karpfen haben und Ihnen auch Fotos mit solchen nicht übel nehmen.) Mit Ihnen begrüße ich den zuständigen Referatsleiter, Ministerialrat Dieter Ofenhitzer.

Indem wir heute die Genehmigung erhalten, solch ein LEADER-Projekt im Volumen von fast 700.000 Euro durchzuführen, kommt unser Großprojekt, die Markgrafenkirchen zu erschließen, einen Riesenschritt voran. Von unseren 150 Markgrafenkirchen und Kirchen im Markgrafenstil in Oberfranken werden wir nun 57 Kirchen erschließen können plus eine in der Oberpfalz, macht 58 Kirchen; über ein Drittel; die schönsten sind dabei. Wir werden mit der Erschließung dieser 58 Kirchen unzählig vielen Menschen eine große Freude machen. Denn gut erschlossene Kirchen sind ein geistlicher und kultureller Gewinn für Einheimische wie für Touristen.

Die Regierungspräsidentin für Oberfranken hat unser Projekt seit ihrem Amtsantritt mit Kräften unterstützt. Willkommen, liebe Frau Piwernetz. Ich danke Ihnen, dass Sie sich sogleich gewinnen ließen, als ich Sie bat, zusammen mit mir den Vorsitz des Vereinsrates unseres Markgrafenkirchenvereins zu übernehmen. Seitdem haben wir viel bewegt.
Ihnen, als Vorsitzende der Oberfrankenstiftung, danke ich zudem für die großzügige Förderung des „LEADER-Projekts“. Ebenso für Ihre Unterstützung des parallel zusätzlich laufenden Inventarisierungsprojektes. Sie bauten Brücken für eine Förderung durch den Kulturfond Bayern und ebenfalls durch die Oberfrankenstiftung. Durch jenes  Projekt mit einem Volumen von 550.000 Euro können 95 Kirchen inventarisiert werden.
In Summe können wir also für die Erschließung unserer Markgrafenkirchen gegenwärtig über 1,2 Millionen Euro an europäischen, staatlichen, kirchlichen und regionalen Mitteln einsetzen.

Schade, dass unsere oberfränkische Abgeordnete des Bundestages dies nicht miterleben könne. Sie mussten sich alle wegen der laufenden Sitzungswoche entschuldigen. Doch aus dem bayerischen Landtag heiße ich Frau Inge Aures, Herrn Martin Schöffel und Herrn Ludwig von Lerchenfeld willkommen, letzteren auch als Mitglied unseres Vereinsrates.

In der Planungsphase unseres LEADER-Projekts wollten wir eigentlich bescheidener beginnen mit drei bis vier Landkreisen. Doch etliche Landkreise haben von sich aus die Hand gehoben und gebeten, dabei zu sein. Das zeigt etwas von der Attraktivität dessen, was wir vorhaben. Wir freuen uns sehr, dass nun sieben Landkreise das Projekt nun mit tragen.
Die sieben Landräte haben bei dem Projekt eine zweifache Rolle. Sie sind erstens die Vorsitzenden der jeweiligen LAG-Gremien (LAG steht für „LEADER Aktionsgruppe“). Diese LAG-Gremien müssen den Projektanträgen zustimmen und die LEADER-Fördergelder aus ihrem Budget verteilen. Und zweitens leiten die Landräte natürlich die Landkreise, die als Kooperationspartner das Projekt finanziell und ideell unterstützen. Danke für beides.
Ich begrüße Landrat Dr. Oliver Bär für den Landkreis Hof, stellvertretende Landrätin Rosi Kraus für den Landkreis Forchheim, Landrat Hermann Hübner für den Landkreis Bayreuth und Landrat Klaus Peter Söllner für den Landkreis Kulmbach.
Die beiden Letztgenannten haben das Großprojekt mit aus der Taufe gehoben und sind Mitglied im Vereinsrat. Landrat Söllner wird für den gastgebenden Landkreis und zugleich stellvertretend für alle Landräte und Bürgermeister ein Grußwort sprechen.

Für eben diese, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte, Märkte und Gemeinden, deren Kirchen am Projekt beteiligt sind, begrüße ich stellvertretend den 1. Bürgermeister der Gemeinde Himmelkron, Herrn Gerhard Schneider. Allen anderen bin ich dankbar für Ihr Kommen und vor allem, dass viele von Ihnen, das Erschließungsprojekt aktiv befördern. Kirchengemeinden und politische Gemeinden müssen und wollen bei diesem Projekt zusammenarbeiten. Die Kirchen stehen in der Mitte des Dorfes, auch im übertragenen Sinn. Die Erschließung der Kirchen dient dem Dorf, der Stadt.
Vierzehn Kommunen und drei Bürgermeister sind bereits Mitglied des Vereins. Alle anderen und alle Anwesenden lade ich dazu ein. Man kann persönlich und institutionell Mitglied werden. Ich bin beides. Durch die Vereinsmitgliedschaft bleiben Sie im Gesamtprojekt auf dem Laufenden und wir bleiben in Verbindung.

Für unsere Landeskirche und ihre Kirchenleitung begrüße ich drei Mitglieder der Landessynode, Frau Käthe Pühl, zugleich Vertreterin der Kirchengemeinde Neustadt am Kulm und damit auch die Repräsentantin der Oberpfalz, Herrn Gerhard Herrmannsdörfer, der in unserem Markgrafenkirchen e.V. das Amt eines Rechnungsprüfers innehat – und Frau Christina Flauder, zugleich stellvertretende Landrätin des Landkreises Kulmbach. Sie hat zusammen mit mir im Landessynodalausschuss wie eine Löwin für die Projektstelle gekämpft, die uns nun für drei Jahre aus landeskirchlichen Mitteln zur Verfügung steht und durch Pfarrer Hans Peetz ausgefüllt wird. Dazu komme ich gleich noch.

So, wie die Landkreise auf weltlicher Seite, so sind auf kirchlicher Seite die Dekanatsbezirke Kooperationspartner beim Projekt, insgesamt 13 an der Zahl. Ich begrüße stellvertretend die Dekane Thomas Guba vom Dekanatsbezirk Bayreuth-Bad Berneck sowie Thomas Kretschmar, Kulmbach. Thomas Guba ist zugleich 2. Vorsitzender des Markgrafenkirchen e.V., Thomas Kretschmar Mitglied im Vereinsrat.

Geprüft und gut geheißen wurde der Antrag vom LEADER-Koordinator für Oberfranken, Herrn Michael Hofmann, vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg. Ihm wünschen wir wegen seiner Erkrankung gute Besserung. Wir können aber seinen Vorgesetzten, den Leiter der Förderstelle für Oberfranken, Herrn Klaus Schiffer-Weigand, begrüßen.
Der Prüfung  durch Herrn Hofmann ging eine lange und intensive Beratung voraus – auch durch die LEADER-Manager der sieben LAGs. Von Ihnen kann ich begrüßen: Frau Susanne Faller aus Kronach, Herr Klemens Angermann, aus Kulmbach und für die federführende LAG Bayreuther Land, Frau Birgit Weber und Herr Gerhard Hänsel, die für uns die ersten Ansprechpartner waren. Ihnen allen ganz herzlichen Dank für die ausgezeichnete Beratung und Unterstützung.

Wir werden viele Kooperationspartner – auch im Bereich von Kunst und Kultur brauchen. Stellvertretend für sie begrüße ich die Intendantin des Festivals Junger Künstler Bayreuth, zugleich Vereinsmitglied, Frau Dr. Sissy Thammer, die bereits handfeste Planungen für Konzerte mit uns hat. Danke.

Last, but not least – als Zielpunkt der zu Begrüßenden – heiße ich die Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten 58 Kirchengemeinden besonders herzlich willkommen. Es geht um Ihre Kirche. Die Kirchen sind allermeist nicht nur Besitz der Kirchengemeinden, sondern lokaler geistlicher Mittelpunkt des Gemeindelebens. Aus vielen Begegnungen weiß ich, wie viele Christen persönlich stolz sind über ihre Kirche. Zu Recht.
Wir haben die kontinuierliche, verlässliche Öffnung der Kirche zur Voraussetzung gemacht für die Teilnahme an diesem LEADER-Projekt. Ich danke Ihnen, liebe Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter, dass Sie bereit waren, Ihre Kirche aufzuschließen. Nun kann sie durch dieses Projekt auch im übertragenen Sinne aufgeschlossen werden, erschlossen für andere Menschen.

Stellvertretend für alle Kirchengemeindevertreter  begrüße ich den hiesigen Hausherrn in seiner eigenen Kirche, Pfarrer Michael Krug. Ihm und seinen Mitarbeitenden danke ich für die Gastfreundschaft und die Unterstützung bei der Ausrichtung dieses Festes.

Heute spreche ich als Regionalbischöfin und zugleich als Vorsitzende des Vereinsrates für den Träger des Projektes, den Markgrafenkirchen e.V., und damit im Namen aller seiner inzwischen 100 Mitglieder und im Namen des Vereinsrates. Anwesend aus dem Vereinsrat ist - außer den schon Genannten - Dr. Manuel Becher, der als Vertreter des Tourismus von Anfang der Bewegung dabei war.
Und ich spreche im Namen des Vorstandes, des 1. Vorsitzenden Pfarrer Hans Peetz, des 2. Vorsitzenden Dekan Thomas Guba, des Schatzmeisters Pfarrer Wolfgang Böhm und des Schriftführers Reinhard Stelzer, der hier in Himmelkron bestens bekannt ist.
Die meisten Mühen der Erstellung des Antrags lagen bei  Pfarrer Peetz, unterstützt durch Dr. Clemens Lukas und seine Agentur Kulturpartner. Dass Pfarrer Peetz seit März letzten Jahres auf der eigens zur Erschließung der Markgrafenkirchen gewidmeten Projektstelle unserer Landeskirche ist, kann ich nur als großes Glück für Kirche und Region werten.

Er wird nachher auch entfalten, welche Maßnahmen durch das LEADER-Projekt möglich werden.
Das LEADER-Projekt und auch das schon erwähnte Inventarisierungsprojekt stehen im Rahmen des Großprojektes „Markgrafenkirchen erschließen“, das ich als Regionalbischöfin seit Jahren voran zu bringen suche. Denn ich sehe darin große Entwicklungschancen für unsere Region in touristischer, kultureller und vor allem in geistlicher Hinsicht. Denn die Markgrafenkirchen im ehemaligen Markgraftum Brandenburg-Kulmbach und die Kirchen im Markgrafenstil, die es ebenso in benachbarten Herrschaftsgebieten gibt – all diese Kirchen sind nicht nur Kunstwerke von zum Teil europäischen Rang. Sie sind eben auch Gestalt gewordene Botschaft. Sie sind Orte für die christliche Verkündigung, und sie verkündigen selbst. Ihre Botschaft gilt es zu erschließen. Dafür wollen wir Hermeneuten, Übersetzer sein. Für viele Menschen sind Kirchen inzwischen fremd und faszinierend zugleich. Ihre fremde Sprache wollen wir vertraut werden lassen, gehört sie doch zu unserer Heimat.

Vor drei Jahren habe ich darum den Anstoß von Frau Dr. Karla Fohrbeck gerne aufgenommen und weitergeführt. Ein paar ließen sich sofort infizieren, Regierungspräsident Wenning, Landrat Hübner, Vertreter des Tourismus. Wir bildeten Arbeitsgruppen bis dann der Verein am 17. Mai 2017 gegründet wurde. Ich formulierte 12 Schritte und viele Mitdenker feilten daran mit.
Diese 12 Schritte bildeten die Grundlage für die ersten Gespräche mit den LEADER-Verantwortlichen. Und die meisten dieser 12 Schritte werden nun durch die Maßnahmen des LEADER-Projektes verwirklicht werden: Kirchen öffnen, mittels digitaler Medien wie Apps  Menschen über die Schätze dieser Kirche informieren, analoge Medien wie Flyer und ein appetitliches Büchlein veröffentlichen, wissenschaftliche Fundierung legen, die  Kirchen mit Wander-, Pilger- und Radwege verbinden, ausgebildete Kirchenführer sollen Kinder und Greise in die Geheimnisse ihrer Kirche einführen, Konzerte in Markgrafenkirchen sollen zur Marke werden. Das alles und mehr wird nun schneller kommen als wir in den Anfängen zu träumen wagten.
Der konzeptionelle, finanzielle und personelle Rahmen für die weitere Arbeit in den nächsten vier Jahren und drei Monaten ist nun vorhanden. Dafür danke ich allen Beteiligten und stellvertretend Ihnen, Frau Ministerin, herzlich.
Dieses LEADER-Projekt öffnet Kirchenräume. „Tut mir auf die schöne Pforte“ heißt ein Kirchenlied. LEADER schreibt man nicht mit „ie“. Doch lasst uns dieses LEADER-Projekt mit einem Lied begrüßen – Gott dankend für seine wunderschönen Häuser, ihn bittend, dass er uns und andere in ihnen segnet.