Bläserwochenende in der Christusbruderschaft Selbitz vom 23.-25.01.2015

Dialogpredigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner und Pfarrer Gottfried Greiner

Liebe Bläser und Bläserinnen!

Eine große Ehrenamtsstudie hat im Jahr 2013 bestätigt, was wir schon lange ahnten: Mitglieder von Posaunenchören gehören zu den allertreuesten kirchlichen Mitarbeitenden. Nicht umsonst haben wir immer wieder Ehrungen für 25, 40 oder gar 50 Jahre, ja sogar darüber hinaus. Manche Posaunenchöre bestehen sogar schon 50 oder gar 100 Jahre und länger.

Das nenne ich Treue und Tradition – Tradition im Sinne von tradere: über viele Jahre weitertragen. Trompete- und Posaunespielen sind übrigens nicht irgendeine Tradition. Sie sind sogar eine biblische Tradition. Mit unserem Spielen sind wir Teil einer wundersamen Geschichte Gottes mit uns Menschen, wie die Bibel sie uns erzählt.
Sie werden sie kennen lernen, wenn Sie zwei Posaunen bei ihrem Gespräch zuhören:

DG und GG mit zwei Posaunen in der Hand:

GG: Sag einmal Tenorposaune, hast Du das gehört, was die Frau Greiner da gesagt hat, – wir Mitglieder von Posaunenchören seien Teil einer wundersamen Geschichte Gottes mit den Menschen und wir stünden in einer biblischen Tradition. Wie hat sie denn das gemeint?
DG: Hallo Bassposaune! Wie sie das gemeint hat, weiß ich auch nicht. Aber wir können ja selber mal in der Bibel blättern und schauen, ob da was von uns drinsteht.
GG: Von uns Posaunen?
DG: Ja freilich. So hab ich die Frau Greiner verstanden.
GG: Na wenn Du meinst. Dann schlag´ mal Deine Bibel auf.
DG: Fangen wir doch ganz hinten bei der Offenbarung an. Vielleicht offenbart sich uns dann was.
GG: Oh, die Offenbarung ist das schwerste Buch in der Bibel, weil Johannes seine schwer verdaulichen Visionen beschreibt. Ich versteh da vieles nicht.
DG: Ich auch nicht. Vielleicht kommen in den Visionen auch gar keine Posaunen vor?!
GG: Doch! Ich hab da gerade was gefunden.
DG: Lies vor:
Offenbarung 8,1f.,6-8a.
GG: „Und als das Lamm das siebente Siegel auftat…“
DG: Mit dem Lamm ist Jesus Christus gemeint.
GG: Unterbrich mich nicht. „Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille im Himmel etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben.“
DG: Ah, das erklärt, warum in Barockkirchen so viele Engelchen mit Posaunen aus Stuck an der Decke kleben. Das kommt vielleicht von dieser Bibelstelle her.
GG: Du sollst mich nicht unterbrechen. Es geht nämlich noch weiter mit den Posaunen: „Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet zu blasen. Und der erste blies seine Posaune; und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermengt, und fiel auf die Erde; und der dritte Teil der Erde verbrannte. Und der zweite Engel blies seine Posaune; und es stürzte etwas wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer…“
DG: Hör auf, das ist ja schrecklich. Das passt ja gar nicht zu den Barockengelchen. Ich will nicht wissen, wie das weitergeht und ausgeht.
GG: Doch, das solltest Du wissen, weil nach diesem Gericht noch etwas Wunderbares folgt.
DG: So?
GG: Nach diesem Gericht, das die Posaunen ankündigen, schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt, ohne Leid und Geschrei, ohne Schmerzen und Tränen. Das Alte vergeht und alles wird neu. Gott wird bei den Menschen wohnen. Leid und Geschrei werden nicht mehr sein. Das Alte ist vergangen.
DG: Das ist wunderschön, dass dies Gottes Ziel mit unserer Welt ist. – Tragen die Engel mit den Posaunen dann also dazu bei, dass das Alte vergeht und die neue Welt kommt?
GG: Ja, in gewisser Weise schon.
DG: Du, das ist doch auch so bei vielen Posaunenchören, wenn sie an Ostern in der Früh auf dem Friedhof blasen. Sie spielen: „Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“ Auf dem Friedhof verkünden sie, dass Tränen und Leid ein Ende haben und Christus neues Leben bringt. – Aber Posaunenchormitglieder sind keine Engel.
GG: Vielleicht doch! Das würde ich jetzt nicht so eng sehen. Engel sind ja Boten Gottes. Und wenn die Bläser davon spielen, dass Christus lebt und wir leben werden, dann sind die Bläser Boten Gottes – also Engel.

DG: Du, jetzt fällt mir gerade was ein. Paulus redet auch von der letzten Posaune, an zwei Stellen sogar; im ersten Korintherbrief und im ersten Thessalonicherbrief.
GG: Den Korinther finde ich schneller, der steht hinter dem Römerbrief.
DG: Lies mal vor.
GG: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune.“
DG: Da haben wir sie wieder, die letzte Posaune.
GG: Unterbrich mich nicht. Es geht noch weiter. „Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich und wir werden verwandelt werden;“
Diese Bibelstelle verstärkt die positive Botschaft, dass Christus Leben schenkt, wenn er wiederkommt und alle, die an ihn glauben mit Posaunenschall zusammenruft, die Gestorbenen und die Lebenden.
DG: Diesen Gedanken hat der Evangelist Matthäus auch.
GG: Du weißt ein Zeug.
DG: Na ja, als Posaunist wird man mit der Zeit bibelfest. Wenn man im Gottesdienst spielt, dann hört man automatisch die Lesungen und die Predigten auch. Das färbt ab.
GG: Stimmt. Eigentlich gar kein schlechter Nebeneffekt vom Posaunenspiel. – Inzwischen hab ich auch schon die Stelle bei Matthäus gefunden, die Du meinst.
DG: Lies vor:
GG: „Und er wird“
DG: Du, musst schon dazu sagen, wer der „er“ ist.
GG: Na, der Menschensohn, also Jesus Christus. Er kommt wieder mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das steht im Vers davor. – Darf ich jetzt weiterlesen?
DG: Ja:
GG: „Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.“
DG: Oh, da ist wieder diese wichtige Aufgabe der Posaunen.
GG: Welche?
DG: Na, dass die Posaunen dazu dienen, die Menschen zu sammeln. Diese Bedeutung haben sie ja auch noch bei ganz anderen Bibelstellen, z.B. im Alten Testament im Buch Jesaja. Schau mal im Kapitel 27.
GG: Das Kapitel hat eine schöne Überschrift: „Israels Erlösung“. Wenn ich das Kapitel so überfliege, dann geht es darum, dass Israel zerstreut in Ägypten und Assyrien lebt und aus diesem Exil erlöst wird und heim nach Israel darf.
DG: Und, wie lautet nun genau der Text zu den Posaunen?
GG: „Zu der Zeit wird man mit einer großen Posaune blasen, und es werden kommen die Verlorenen im Lande Assur und die Verstoßenen im Lande Ägypten und werden den Herrn anbeten auf dem heiligen Berg zu Jerusalem.“
DG: Der Wildenberg, auf dem wir hier sind, ist ja in gewisser Weise auch ein heiliger Berg. Aber so einen Berg haben in unseren Gemeinden selten.
GG: Aber in aller Regel überragen unsere Kirchtürme trotzdem die Häuser und sind weithin sichtbar. Und meistens liegen die Kirchen auch höher als die Wirtshäuser.
DG: Und unsere Posaunenchöre sammeln die Leute auch. Manche Chöre spielen ja auch ab und zu vor den Gottesdiensten im Freien.
GG: Meinst Du, dass auch nur eine einzige Person noch schnell in den Gottesdienst kommt, nur weil sie den Posaunenchor hört?
DG: Nein, das nicht. Aber es funktioniert trotzdem, dass der Posaunenchor Gemeinde sammelt.
Denn wenn angekündigt ist, dass der Posaunenchor spielt, kommen mehr Leute, weil sie ihn eben gerne hören.
GG:  Und außerdem sind mehr Leute im Gottesdienst, weil mit vielen Bläsern und Bläserinnen andere Familienmitglieder mitkommen.
DG: Also – unsere Posaunen sammeln die Gemeinde auch.

GG: Mir fällt aber gerade etwas ganz anderes noch auf. In unseren Chören gibt es mindestens ebensoviele Trompeten. Über die haben wir noch gar nicht gesprochen. Die kommen bestimmt nicht in der Bibel vor.
DG: Doch, doch.
GG: Na so was. Da haben sie aber Glück gehabt. Wo denn?
DG: Schlag mal das vierte Mosebuch auf, Kapitel 10:
GG: Da steht: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Mache dir zwei Trompeten von getriebenem Silber und gebrauche sie, um die Gemeinde zusammenzurufen…“ – oh!
DG: Was, oh!?
GG: es geht weiter: „und wenn das Heer aufbrechen soll.“ Da geht es um ein Versammeln zum Krieg. Weiter unten heißt es: „Wenn ihr aber laut trompetet…“
DG: Ja, das können unsere Trompeten.
GG: Willst Du nun hören, was da steht, oder nicht!
DG: Doch, doch.
GG: „Wenn ihr aber laut trompetet, so sollen die Lager aufbrechen, die nach Osten zu  liegen. Und wenn ihr zum zweiten Mal laut trompetet, so sollen die Lager aufbrechen, die nach Süden liegen.“ – Also, das finde ich jetzt nicht so schön, dass die Trompeten bei der Kriegsführung eingesetzt wurden.
DG: Die Posaunen aber auch.
GG: Stimmt, ich erinnere mich an eine Geschichte; in ihr wird die Bundeslade schweigend und nur mit Posaunenschall sieben Tage lang um Jericho herumgetragen. – Sag einmal, was hat es eigentlich mit der Bundeslade auf sich?
DG: In der Bundeslade wurden die zwei steinernen Tafeln transportiert, auf denen die 10 Gebote standen. Die 10 Gebote waren für Israel das wichtigste und schönste, was sie aus der Zeit der Wüstenwanderung nach Jerusalem mitbrachten. Die Bundeslade war für sie das Zeichen, dass Gott mitten unter ihnen ist. Sie freuen sich über die Bundeslade und an den Geboten. Lies dazu mal 1. Chronik, Kapitel 15, da kommen nämlich Posaunen und Trompeten vor.
GG: „So brachte ganz Israel die Lade des Bundes des Herrn hinauf mit Jauchzen, Posaunen, Trompeten und hellen Zimbeln, Psaltern und Harfen. Als nun die Lade des Bundes des Herrn in die Stadt Davids kam sah Michal, die Tochter Sauls, zum Fenster hinaus und als sie den König David tanzen und spielen sah, verachtete sie ihn in ihrem Herzen.“  – Warum verachtet Michal den König David?
DG: Michal war Davids Frau und David war bis auf einen Lendenschurz nackt, als er tanzte.
GG: Oh. Daran waren aber weder die Posaunen noch die Trompeten Schuld.
DG: Nein, und auch die Harfen nicht. David war in Ekstase, weil er sich so freute über die Bundeslade, die 10 Gebote und die Gegenwart Gottes. Übrigens spielen sowieso die Trompeten und Posaunen dann, wenn die Menschen glauben und feiern, dass Gott gegenwärtig ist.
GG: Nun wird´s aber spannend. Trompeten und Posaunen haben etwas mit der Gegenwart Gottes zu tun?
DG: Ja. Am deutlichsten wird das sogar in der Erzählung, in der Gott am Berg Sinai die 10 Gebote dem Volk Israel gibt.
GG: Also muss ich nachschlagen im zweiten Buch Mose.
DG: Na, Du bist ja auch ganz schön bibelfest.
GG: Geht schon. Also da steht: „Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen … . Und der Posaune Ton ward immer stärker. Und Mose redete und Gott antwortete ihm laut.“ – Ja, da ist die Posaune wirklich Symbolinstrument für Gottes Gegenwart.
DG: Deshalb gehören sie auch schon von Beginn an zu den Festgottesdiensten im Volk Israel.
GG: Und die Trompeten auch?
DG: Ja, die Trompeten auch. Salomo ließ die Zahl der Trompeter für die Gottesdienste sogar auf 120 erhöhen.
GG: Oh, da sind sogar wir hier noch erweiterungsfähig.

Lass mich mal zusammenfassen. Wir haben doch jetzt drei Bedeutungen von Trompeten und Posaunen herausgearbeitet, die so auch in unserem Chor vorkommen:
-    Erstens: Sie verkünden als Boten Gottes sogar mitten auf dem Friedhof, dass Trauer und Schmerz vergehen, weil Christus auferstanden ist.
-    Sie tragen zweitens dazu bei, dass sich die Gemeinde versammelt und mehr Menschen in den Gottesdienst kommen.
-    Und drittens spielen sie dort, wo Gottes Nähe erwartet oder erbeten wird. Sie sind also Symbolinstrument für seine Gegenwart.
Aber das Vierte und ebenso Wichtige haben wir noch nicht erwähnt.
DG: Was?
GG: Trompeten und Posaunen helfen, Gott zu loben. Psalm 98: „Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und Saitenspiel.“
DG: Das sind andere Instrumente.
GG: Es geht doch noch weiter: „Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!“
DG: Das macht uns selbst fröhlich, dass wir Posaunen und Trompeten helfen den Herrn, den König, Christus – eben unseren wunderbaren Gott – zu loben. Und hätte man zu biblischen Zeiten schon unsere wunderbaren Hörner und Tuben gekannt, wären die auch erwähnt. Alle Instrumente im Posaunenchor haben diese vier Aufgaben.
GG: Wie schön, dass wir mit unserem Spielen Aufgaben erfüllen, die schon in der Bibel stehen. All die vielen Jahre, die wir schon spielen, stehen wir in einer Tradition und führen Sie weiter in unsere Zeit hinein. Meinst Du, das hat die Frau Greiner vorhin gemeint?
DG: Ja, ich glaube, genau das hat sie gemeint.
GG: Jetzt haben wir zwei Posaunen ihr die ganze Andacht abgenommen.
DG: Dann sagen wir jetzt gemeinsam:
Amen.