"Damit aus Fremden Freunde werden" Empfang für Haupt- und Ehrenamtliche am 16.01.2015

Begrüßung durch Regionalbischöfin Dr. Greiner

Möge dieser Abend dazu beitragen, dass in unserem Land aus Fremden Freunde werden.
Sehr geehrte Anwesende,
vor allem liebe Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit und Hauptamtliche in der Migrations- und Asylsozialarbeit!

Ihnen öffentlich Danke zu sagen war der Ursprungsimpuls für diesen Abend heute. Ich mache sonst keine Neujahrsempfänge. Doch ein Empfang für diejenigen, die sich im Bereich von Flüchtlings-, Asyl- und Migrationsarbeit engagieren, ist eine andere Sache. Heute stehen Sie im Mittelpunkt:
Für Sie singt der Gospelchor,
an Sie gerichtet spricht unsere Sozialministerin Emilia Müller,
mit einigen von Ihnen führt Martin Becher, der Koordinator des unfreiwilligsten Spendenlaufs Deutschlands „Rechts gegen Rechts“ und damit YouTube Millionär, auf der Bühne Interviews. Dr. Christian Staffa bringt dazu seine Gedanken ein, wie Unterstützergruppen mit rassistisch aufgeladenen Konflikten konstruktiv umgehen können.
Unser gastfreundliches evangelisches Bildungszentrum, geleitet durch Pfarrer Beneker, hat Getränke und selbstgemachte Leckereien für Sie vorbereitet.
Mit alledem möchte ich Ihnen im Namen unserer Kirche „Danke“ sagen. Den ausformulierten Dank in Worten werde ich aber nachher noch eigens sprechen.

Doch es gibt eben auch den Dank durch Taten, und dazu gehört auch Ihr Erscheinen, liebe Verantwortungsträger aus Politik, Kirche und Diakonie.
Wir haben bei diesem Empfang keine Plätze für die Ehrengäste reserviert, eben weil wir heute nur Ehrengäste haben:
-    Diejenigen, denen Ehre gebührt aufgrund Ihres großen Einsatzes für die Flüchtlinge
-    und diejenigen, denen Ehre gebührt aufgrund ihren öffentlichen Amtes und Ansehens.
Liebe Ehren- und Hauptamtliche in der Asylarbeit – nehmen Sie es darum bitte auch als Wertschätzung für Ihren Dienst, dass folgende Verantwortungsträger des öffentlichen Lebens gekommen sind:
Aus der Politik: Unsere Referentin Frau Staatministerin Emilia Müller,
unser Regierungspräsident Wilhelm Wenning und mit ihm Herr Regierungsdirektor Jürgen Neubauer,
die Landtagsabgeordneten Klaus Adelt und Ludwig von Lerchenfeld,
die Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, Norbert Tessmer und in Vertretung Dr. Beate Kuhn. Stellvertretend für alle Bürgermeister nenne ich den Alexandersbader Peter Berek.
Sehr geehrte Herren Landräte, ich freue mich, dass Sie so zahlreich gekommen sind. Ich begrüße sehr herzlich Landrat Busch (Coburg), Landrat Dr. Döhler (Wunsiedel), Landrat Hübner (Bayreuth), Landrat Dr. Kalb (Bamberg), Landrat Schneider (Haßfurt).
Sehr geehrter Präsident des Verwaltungsgerichts, Herr Dr. Boese, wie schön, dass Sie heute den Gegenbesuch machen!
Liebe Landessynodale, danke für Ihre Verbundenheit – auch mit unserem Thema. Ich begrüße die Landessynodalen Christina Flauder, Petra Heeb, Dr. Florian Herrmann, Katrin Neeb, Wolfgang Oertel, Gerhard Ried, Dr. Peter Seißer, Jochen Wich-Herrlein.
Ich begrüße die beiden Dekaninnen Frau Beck mit Ehemann und Frau Richter (LS), wie auch die Dekane Dr. Schoenauer (mein Stellvertreter), Erwin Lechner, Hans Peetz, Dr. Pröbstl, Günter Saalfrank (LS), und den katholischen Dekan Johann Klier sowie alle Pfarrerinnen und Pfarrer.
Ich begrüße die Leitenden Diakonischer Werke: Herrn Abt (Hof), Herrn Bayreuther (Wunsiedel) und Herrn Dr. Kern (Bamberg/Forchheim) sowie die Hauptamtlichen in der Migrations– und in der Asylsozialberatung Olaf Hofmeister, Elmar Jonas, Diana Könitzer, Fred Schäfer, Jürgen Schöberlein, Gerd Weickert, Kerstin Witt und ich füge Dolores Longares-Bäumler von der Caritas selbstverständlich hinzu.
Ich begrüße den Beauftragten für Kirchenasyl, Stephan Theo Reichel.
 
Wir wissen nicht von allen ehrenamtlichen Unterstützergruppen, die sich teilweise gerade auch erst bilden. Doch ich freue mich sehr, dass es Sie gibt, in Ihrem Ort und heute hier: Ehrenamtliche aus Bamberg, Bayreuth, Coburg, Ebermannstadt, Ebern, Forchheim, Höchstadt, Holenbrunn, Kronach, Lichtenfels, Marktredwitz, Münchberg, Neuenmarkt, Röslau, Selb, Warmen-steinach, Wunsiedel. Der Name Ihrer Gruppen ist Programm: Unser Kirchenkreis hat Helfende Hände, ist bunt statt braun, ist Freund statt fremd, ist House of all Nations, ist Netzwerk, ist Zuflucht.

Als ich mir überlegte, was ich den Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit als Zeichen des Dankes überreichen könnte – vielleicht sogar, indem ich sie auf die Bühne bitte, stieg in mir eine Frage auf: Wo ist die Grenze, wer bleibt dann sitzen?
Sie alle sind engagiert in der Flüchtlingsarbeit. Es ist ein Thema, das uns alle umtreibt in unterschiedlicher Weise – organisatorisch, politisch, theologisch, menschlich.
Beispielsweise verwaltet die Regierung Gemeinschaftsunterkünfte, Landräte verantworten die Arbeit ihrer Ausländerbehörden, die eine Vielzahl von lebenstechnischen Anträgen der Flüchtlinge bearbeiten, Bürgermeister stellen Quartiere, Dekane und Pfarrer fördern die Bildung von Unterstützergruppen zur Begleitung von Flüchtlingen.
Ein Jahr lang habe ich im Kirchenkreis Besuche in Gemeinschaftsunterkünften, bei Unterstützergruppen, im Verwaltungsgericht, in einem Landratsamt gemacht und habe wahrgenommen, dass Spielräume für Menschlichkeit und Liebe da sind und auch, dass sie von Ort zu Ort sehr unterschiedlich genutzt werden. Wenn das Netz der Verantwortlichen eine Willkommenskultur ausprägt, laufen fremdenfeindliche Bewegungen, deren Namen viel zu oft genannt werden, ins Leere. Das Wichtigste ist nicht, dass so viele Flüchtlinge so schnell wie möglich wieder weg sind, sondern dass in allem – auch in den notwendig zu beschleunigenden Verfahren – die Hochschätzung der Würde jedes Menschen zum Tragen kommt.
Jeder und jede von Ihnen – da bin ich überzeugt – unterstützt auf ihre und seine Weise ein Klima des Willkommens für Flüchtlinge; sonst wären Sie zu diesem Empfang nicht gekommen. Ich danke insbesondere Ihnen als Ehren- und Hauptamtlichen in der Flüchtlingsarbeit und darüber hinaus Ihnen allen in Ihren unterschiedlichen Verantwortungsbereichen für Ihren Beitrag. Darum habe ich Ihnen ein Büchlein auf Ihren Sitz gelegt, um Ihnen allen von Herzen „Danke!“ zu sagen.
Zum einen ist es ein Büchlein, in dem alle Regionen des Kirchenkreises vorkommen – und so auch Ihre – und zum anderen stehen in diesem Büchlein die von 12 Künstlern bearbeiteten 12 wichtigsten Bibelworte – und alle 12 handeln von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes und appellieren an unsere.
Wir alle können und sollen an unserem Platz, an den Gott uns gestellt hat, dazu beitragen, dass die Lichtstrahlen seiner Menschenfreundlichkeit hineinstrahlen in jede Unterkunft, in jedes Amtszimmer, in jeden Gerichtssaal.

„Je suis Charlie“, „nous sommes Charlie“, diese Identifizierung der Menschen in Frankreich mit den Opfern war bewegend und machtvoll. Bei diesen Demonstrationen spürte man die Kraft solidarischer Identifikation.
Als ich diese Schilder sah, wurde mir bewusst, dass Jesus diese Kraft der solidarischen Identifikation lebte. Er sagte: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ – obwohl er gar nicht fremd war. Aber er hat sich mit den Fremden identifiziert. Er ließ sich im Innern von ihrem Schicksal berühren und machte sensibel für ihr Leben. So viele ertrunken im Mittelmeer. Viele auf der Flucht. Grauenvolles erlebt. Einige angekommen in unseren Orten. Jeder ein Mensch mit Lebenssehnsucht. Jesus will, dass wir ihm nachfolgen und tun, was er tat: Uns identifizieren mit den Fremden. „Nous sommes étranger.“ Liebe Freunde, lasst uns mit Christus sagen: „Wir sind die Fremden“.

Damit aus Fremden Freunde werden – das ist unser christliches Ziel. „Bürgerschaftlichen Engagement“ trägt Wesentliches dazu bei. Sie, verehrte Frau Staatsministerin Emilia Müller, haben zu diesem Thema das Wort.