Einführung von Dekan Hans-Martin Lechner

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner über Psalm 103,2 zur Einführung von Dekan Lechner in sein Amt als Dekan in Bamberg am 21. September 2014 in Bamberg St. Stephan

Liebe Festgottesdienstgemeinde,
liebe Familie Lechner,
vor allem lieber Dekan Hans-Martin Lechner!

Sonst vermeide ich es, bei Dekanseinführungen in meiner Ansprache den Einzuführenden schon als Dekan anzureden. Doch heute ist das anders, denn wir führen den ehemaligen Dekan von Bad Berneck in das Amt des Dekans von Bamberg ein. Dich, lieber Hans-Martin, habe ich in Deiner Amtsführung als Dekan von Bad Berneck und als Christenmensch in allem sehr geschätzt. Darum kann ich Ihnen, liebe Bamberger und allen hier im Bamberger Dekanatsbezirk aus vollem Herzen sagen: Ich freue mich mit Ihnen. Sie gewinnen mit Hans-Martin Lechner einen zugewandten, seelsorgerlichen Pfarrer, einen kompetenten, fleißigen Dekan und ehrlichen, freundlichen Menschen.
Ich könnte Ihnen darüber hinaus viel Lobenswertes aufzählen. Doch auch Bamberg liegt in Oberfranken. Vor allem führt der Wochenspruch, über den ich jeweils meine Einführungsansprachen zu halten pflege, in eine andere Richtung. Der Wochenspruch dieser Woche lautet: „Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat – Psalm 103, 2. Und der Vers davor ist eigentlich noch deutlicher; er lautet: Lobe den Herrn meine Seele und seinen heiligen Namen.
Ich glaube auch, es macht uns auf eine besondere Weise froh, wenn wir das Gute im Leben und Werdegang von Hans-Martin Lechner unter dem Blickwinkel betrachten, wofür wir Gott loben können.
Das ist auch für Dich, lieber Hans-Martin Lechner, gewiss nicht zuallererst die gelungene Karriere, sondern, dass Du gesund bist an Leib und Seele und ein Kind Gottes, von Christus erlöst und befreit.
Auch durch Deine Familie hat er Dir Gutes getan: Durch Deine Frau, die bescheiden auftritt, doch weiß was sie will, die als Lehrerin selbst ihre Frau steht und Dir zugleich mit großer Treue zur Seite steht. Deine drei Töchter werden flügge, die älteste studiert nun schon. Das Leben Deiner drei Töchter, ihre Anliegen, Pläne, Erfahrungen erweitern zum einen Deinen Horizont, halten Dich jung und nehmen Dich auch immer wieder in Beschlag, sodass Gedanken an die Arbeit manchmal heilsam zurücktreten. Möge es Deiner Familie hier gut gehen, sodass Ihr alle erfahrt, dass Gott Euch hier in Bamberg Gutes tut.

Schon mit Deinem eigenen Elternhaus hat Gott Dir viel Gutes getan. Du und Dein Bruder, der heute auch Assistent bei der Einführungshandlung sein wird, Ihr seid in einem - im besten Sinne - frommen Elternhaus aufgewachsen. Vor dem Schulweg seid Ihr zu Euren im Stall arbeitenden Eltern gegangen und habt mit Ihnen die Hände zum Gebet gefaltet. Das Losungsbüchlein und Mutters Büchlein mit christlichen Trostworten, sowie das Andachtsbuch beim Abendessen prägten Euer Leben durch die selbstverständliche tägliche Einübung in den christlichen Glauben.
Auch ich bin in einem solchen Elternhaus groß geworden, auch bei mir war es kein Pfarrhaus. Solch eine Kindheit, wie wir, wie Du sie erlebt hast, lassen mit Überzeugung dafür werben, dass christlich-religiöse Andachtsformen wieder in die Privathäuser Einzug halten, sodass die Gemeindeglieder mitten im Alltag dieses „Lobe den Herrn meine Seele“ praktizieren und dadurch fröhlich und  gelassen werden.

Dankbar bist Du und sind wir natürlich auch für Deine berufliche vita. Sie hat Dich an verschiedenste Orte geführt und dadurch Deinen Horizont erweitert.
Im Lehrvikariat in Ingolstadt, die ersten praktischen pastoralen Schritte. Vor allem hast  Du dort Deine Frau im Kirchenchor kennengernt.
Im Pfarrvikariat in Ottobrunn hat es Dir nicht geschadet, mit selbstbewussten, finanzstarken, durchsetzungsfähigen Ehrenamtlichen des Münchner Südens zusammenzuarbeiten. Schnell hast Du gelernt: Selbstbewusstsein gegen Selbstbewusstsein zu setzen hilft oft nicht weiter. Vielmehr mit Gottesbewusstsein integrieren, trösten, ermutigen, das ist unser Weg pastoral zu leiten.
Dann die knapp 10 Jahre auf der Pfarrstelle Gunzenhausen II mit Einübung in die Pfarramtsführung. Es war eine Zeit, in der Du die Schönheit der vielen kirchenmusikalisch liebevoll ausgestalteten und gut besuchten Gottesdienste genossen hast. Sie haben Dir die Erfahrung vermittelt, dass Du selbst als Prediger und Liturg aus solchen Feiern beschenkt und erfüllt in den Sonntag gehst und das mit der Gemeinde gesungene Lob Gottes Dich selbst durch die Woche trägt. Ich vermute, das wirst Du hier ebenso erleben in der klingenden und singenden Stephanskirchengemeinde.
All diese Erfahrungen und nicht nur die Zeit als Dekan von Bad Berneck haben Dich vorbereitet auf den Dienst hier. Freilich haben Dich die Verantwortung für eine Diakoniestation und die Personalführungsaufgabe für Pfarrer, Diakone, Kirchenmusiker in den letzten elf Jahren geschult für eine größere Herausforderung.
Deine Verantwortungslast als Dekan in Bamberg  ist höher als in Bad Berneck. Doch hier sind auch viele kompetente, begabte Haupt- und Ehrenamtliche Mitarbeitende, die geschäftsführend und leitend viel schultern wollen und können.
Freilich brauchen gerade die Menschen, die selbst leiten auch Deine unterstützende Begleitung, manchmal korrigierende Ermutigung, entlastenden Trost und gelegentlich auch von Herzen kommendes Lob.
Ich muss Dich gewiss nicht an irgendeine Deiner Pflichten erinnern, eher daran, dass Du auch zwischendurch ausreichend Erholung brauchst  und auch Deine Familie Rechte hat.
Und auch daran erinnere ich Dich mit Psalm 103:
In all den kommenden Herausforderungen – „vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat“. Gott hat Dich bisher und hierher geführt. Er hat Dir in vielen schwierigen Entscheidungen Weisheit gegeben, in Problemen Lösungswege gezeigt. Er hat Dir in Deinen Fehlern vergeben – so geht ja der Psalm weiter: „der Dir alle Deine Sünden vergibt“. Das zählt zum Besten des von Gott geschenkten Guten, dass er uns Schuld befreit, sodass wir erlöst und aufrecht weitergehen können.
Er hat Dir bisher die Kraft gegeben für Deinen Dienst. Er hat Dich versorgt, Dich behütet und gestärkt. Er hat Dir Gutes getan und wird Dir auch hier Gutes tun an Leib und Seele. Er wird Dir Kraft und Friede sein. Vertraue darauf.

Du bist vom „evangelischsten“ Dekanatsbezirk in den „katholischsten“ gewechselt, in dem das Verhältnis von Evangelischen zu Katholiken sich sozusagen umkehrt. Doch Deine profiliert evangelische und zugleich ökumenische Haltung wird bleiben.
Würde ich heute einen Dekan einführen, den ich nicht so gut kenne wie Dich, so hätte ich vermutlich abgewartet, ob ich dem neuen Bamberger Dekan zusätzlich auch die Aufgabe des Ökumene-beauftragten für den Kirchenkreis Bayreuth anvertrauen möchte. Doch Dich habe ich gleich darum gebeten und danke Dir für Deine Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernehmen. Du trägst mit der heute wirksam werdenden Ernennung zum Ökumenebeauftragten des Kirchenkreises Bayreuth zugleich auch den Titel Kirchenrat.

Heute geben wir den Stab des Dekansamtes von Bamberg an Dich weiter. Dies geschieht durch Gebet und Segen mit Handauflegung. Es geschieht auch symbolisch dadurch, dass ich Dir das Kreuz umlege, das Dein Vorgänger mir in die Hände gelegt hat. Bei Abgeben des Kreuzes in Bad Berneck hast Du gespürt, wie damit Aufgaben, Rechte und Pflichten von Dir genommen werden. Nun wird Dir erneut ein Leitungsamt anvertraut. Der wichtigste Ort das Kreuz zu tragen sind Gottesdienste. Denn wir leiten zuallererst durch die Verkündigung des Evangeliums vom Gekreuzigten und auferstandenen Christus. Wir leiten durch Anleitung zum Lob Gottes. Möge es sich mehren im Dekanatsbezirk Bamberg durch Deinen Dienst. Amen.