Einführung von Dekan Wolfgang Oertel

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zum Wochenspruch Jes. 60,2 am 30.01.2021 in der Stadtkirche Münchberg

Einführung von Dekan Wolfgang Oertel, 30.01.21
Ansprache zum Wochenspruch Jesaja 60,2

Liebe Gemeinde und vor allem lieber Wolfgang Oertel! Ein herzliches Willkommen auch Ihnen, liebe Annette Oertel. Und wie schön, dass zwei der drei Töchter heute mitfeiern können, Emma mit Eduard und Lina.

„Über Dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über Dir.“ So lautet der Wochenspruch für den morgigen Sonntag. Meist lehne ich mich bei Amtseinführungen an die Wochensprüche an. Aber dieser Spruch wirkt als Zusage für einen neuen Dekan etwas vollmundig: „Über Dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über Dir“.

Ihr Lieben, wenn wir uns dieses Bibelwort anschauen, dann ist da gar kein Mensch angesprochen, sondern gemeint ist der Berg Zion, der im Jahr 520 vor Christi Geburt verwüstet ist. Der große Jerusalemer Tempel liegt in Trümmern.
Der Prophet Jesaja aber verheißt: Beim Wiederaufbau und in all dem, was dann wieder an Leben auf dem Tempelberg sein wird, wird Gottes Herrlichkeit aufgehen wie eine Sonne. Diese Segenszusage gibt er – und hat doch nur ein Trümmerfeld vor Augen.

Nun, die Münchberger Kirche ist schon renoviert und erstrahlt in warmem Glanz. Doch nehmen wir es ruhig als Zusage für den Münchberger Kirchberg, dass Gottes Herrlichkeit über ihm strahlend wie die Sonne aufgehen wird und spürbar segnend da ist.
Über uns, die wir hier sitzen mit unseren Masken – über uns geht auf der Herr in seiner Herrlichkeit. Sein Licht leuchtet segnend über uns.

Dieses Bibelwort ist eine starke Zusage für Gegenwart und Zukunft: Gott wird da sein, wenn Menschen die Kirche aufsuchen zum Gebet und zu Gottesdiensten.
So verstanden, ist das dann auch eine große Segenszusage für Deinen Dienst, lieber Wolfgang Oertel. An diesem Ort hier wird Gott wie ein großes wärmendes Licht strahlen über allen, die hierher kommen. Er wird strahlen für die und durch die, die hier Gottesdienst feiern – und auch für Dich und durch Dich. Gott will und wird segnend leuchten über dem Münchberger Kirchberg und im ganzen Umland.

Anders als damals ist hier in Münchberg und der Region weder Kirche noch kirchliches Leben verwüstet. Ganz im Gegenteil!
Doch drei Herausforderungen nenne ich für die Zukunft. Sie werden auch Deine nächsten Jahre prägen, lieber Wolfgang:
Die Landesstellenplanung, die jetzt im März von der Synode beschlossen wird, wird einschlagen – nicht wie eine Bombe – aber sie wird doch manches Loch reißen.
Gebäudemanagement steht in der Region an, weil wir zu viel des Guten haben und reduzieren müssen.
Und: Nach Corona, wird in einigen Gemeinden mancher Frauenkreis und mancher Chor nicht mehr bestehen. Manche sind dem Gottesdienstbesuch entwöhnt. Wie wird es gelingen, in unseren Gemeinden das Gemeindeleben wieder aufzubauen?
Denken wir an den Propheten, der angesichts von Trümmern und Mutlosigkeit auf Gott zählt. Gott macht gerade dann, wenn´s schwierig ist, seine feste Zusage da zu sein: segnend, strahlend und herrlich. Über Dir, Dekanatsbezirk Münchberg, mit all Deinen Gemeinden mit all Deinen Herausforderungen, über Dir geht auf der Herr wie eine leuchtende Sonne.

Nun des Näheren zu Dir, lieber Wolfgang Oertel.
Gott hilft auch durch Menschen. Und Du bringst vieles mit, was in den kommenden Herausforderungen hilft. Dreierlei nenne ich exemplarisch. Du bringst mit: einen weiten Horizont, erstaunliche Energie und fröhlichen Glauben.
Der weite Horizont: Dazu gehört das Studium der Rechtswissenschaft mit anschließendem Dienst in der bayerischen Justizverwaltung, das Theologie-studium mit anschließendem Dienst in Bimbach, Castell, Friesenhausen und Untersteinach.
Deine Tätigkeit als Landessynodaler seit 2013 gab Dir Einblick in gemeindeübergreifende Prozesse. Du leitest unsere Kirche mit – nun sogar als Mitglied des Landessynodalausschusses. Bis jetzt warst Du auch Mitglied deutschlandweiter Synoden, der VELKD- und der EKD-Synode.
Die erstaunliche Energie: Wer so viel macht, muss erstaunlich viel Energie haben. Doch das ist ja längst nicht alles. Wer „Luther, Rebell seiner Zeit“ in der Trebgaster Naturbühne besuchte, sah ihn als Luthers Lehrer Johann von Staupitz. Fest steht: Du hast Ausdruckskraft und Kommunikationswillen, den es zum Leiten braucht.
Der fröhliche Glaube: Der ist Dir – ebenso wie Deine Energie – geschenkt. Es ist dieser fröhliche Glaube, der eine Problemlage anschaut und dabei mit Jesaja hofft: „Über Dir geht auf der Herr.“
Herausforderungen sind Räume, in die wir Gott hineinbitten können und sollen. Einen Glauben, der mit Gott rechnet, den will und kann Gottes Geist uns schenken, Dir, lieber Wolfgang, und uns allen.
Amen.