Einführung von Dr. Manuél Ceglarek

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 21.02.2021 in der Stadtkirche Bad Berneck

Liebe Gemeinde, liebe Familie Ceglarek und besonders lieber Manuel Ceglarek
Paulus sagt im 1. Korintherbrief: „Jesus Christus wird Euch fest machen bis ans Ende.“
So lautet der Lehrtext des heutigen Sonntags im Losungsbüchlein. Wir feiern heute den Anfang Ihres Dienstes, lieber Herr Ceglarek, und der Lehrtext redet vom Ende? Das passt auf den ersten Blick nicht - auf den zweiten schon.   

Drei Punkte, warum dieses Bibelwort treffend ist, greife ich heraus.
Zum einen: „Jesus Christus wird euch fest machen bis ans Ende“ passt als Bibelwort zu Ihnen, weil Jesus Christus das erste Wort dieses Spruches ist und der eigentliche Akteur.
Ihre Bewerbung im August letzten Jahres hat mich angesprochen, weil Sie sich darin theologisch zeigten und schrieben: „Theologisch bin ich stark von der Vorstellung des Apostels Paulus geprägt, dass Christus durch den Glauben in uns wie in einem Haus wohnt.“
Sie haben ja auch eine Doktorarbeit verfasst über den „inneren Christus“. In der Tat sprechen viele Bibelworte im Neuen Testament von Jesus Christus, der in uns wohnt-ist-lebt:
Paulus nennt die Galater,  denen er schreibt: „Meine Kinder, um die ich Geburtswehen leide, bis Christus Gestalt in euch gewinnt“. Von sich sagt er: „Nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“.
Ich freue mich auf einen Theologen, der nicht nur unspezifisch von Gott redet, sondern von Gott in Jesus Christus - was er für getan hat und wie er uns verändert. Wir sind nicht einfach nur Gottgläubige, sondern wir sind Christen. Und wir halten mit unserer Christusbeziehung nicht hinterm Berg, sondern zeigen, was wir glauben und laden andere dazu ein. Dafür stehen Sie.

Zum anderen:Jesus Christus wird Euch festmachen.
Junge Menschen sind beweglich, flexibel, manchmal noch sprunghaft, jedenfalls noch nicht festgefahren. Sie sagen nicht: „Das war schon immer so“.
Ihr Lieben, Ihr habt einen wirklich jungen Dekan. Hier kommt die neue Generation. Er ist noch nicht mal 40 Jahre. Dieses runde Fest feiert er erst Ende März. Zu jung? Nein! Unser Landrat ist auch nicht älter. Älter werden wir alle von ganz alleine.
Trotzdem! Ohne eine gewisse Standfestigkeit geht es nicht in Leitungsämtern – und in diesem allemal nicht. Denn der hiesige Dekan arbeitet zwar im Tandem mit Jürgen Hacker, dem bewährten, lieben Dekan von Bayreuth-Bad Berneck Süd, doch er hat ganz eigene Verantwortungsbereiche:
Er ist Prediger in Bad Berneck und Seelsorger für einen Sprengel von 550 Gemeindegliedern und eben auch verantwortlich für eine der größten Diakonischen Werke unserer Landeskirche, die Bereiche Jugend und Schule, Erwachsenenbildung und Tourismus – letzteres für ganz Oberfranken. Pfarrer, Diakone und viele andere Mitarbeitende sind ihm dienstaufsichtlich anvertraut.
Die dazu notwendige bedachte Standfestigkeit wird ohne Zweifel im Amt wachsen. Sie haben sie, lieber Herr Ceglarek, aber auch schon gewonnen:
Nach verschiedenen Forschungsaufenthalten in USA wurden Sie ganz normaler Vikar in Hemhofen, kamen in den Probedienst nach Eching und hatten dann die Pfarramtsführung in Traunstein neben dem amtierenden Dekan in Traunstein.
Pfarramtsführung direkt neben dem Dekan – da geht man unter oder gerät in Konflikt oder man lernt und gewinnt Standfestigkeit. Das dritte war der Fall. So wird es auch umgekehrt gelingen zwischen Ihnen und Pfarrer Maul, der nun – anders als seine Vorgängerin - die Pfarramtsführung innehat.
Und sowohl Michael Maul wie Manuel Ceglarek wissen: Auch Familienvater zu sein macht einen, wenn man sich darauf einlässt, handfester. Man muss zupacken in praktischen Dingen des Lebens. Windeln wechseln und Tränen trocken bringt eine eigene Art der Bodenständigkeit für Männer, die unserer Gesellschaft nur gut tut.
Aber hat das etwas mit der Verheißung unseres Bibelwortes zu tun: „Jesus Christus wird Euch festmachen?“
Ja ganz bestimmt. Denn Menschen, die Jesus Christus in sich haben, durchleben ja alles mit ihm. Sie wollen, dass seine Liebe spürbar wird im Beruf, in der Familie zu Kindern, Ehefrau und Eltern und zu allen Menschen.
Das wollen Sie, lieber Herr Ceglarek und das ist das feste Profil in Ihrem Leben. Natürlich scheitern Sie immer wieder an diesem Anspruch – so wie wir alle, auch ich. Doch zum Glauben an Jesus gehört, dass wir durch seine Vergebung täglich neu anfangen können und als Lernende weitergehen.

Drittens: Und was ist nun mit dem Ende? Jesus Christus wird Euch festmachen bis ans Ende? Im Griechischen steht das Wort „Telos“ – und das bedeutet nicht nur Ende, sondern auch Ziel. Aus den Rahmenversen unseres Bibelwortes wird klar, was das Ziel ist, auf das wir zugehen: Jesus. Vor ihm werden wir stehen – sei es bei seiner Wiederkunft oder nach unserem Tod.
Manchen ist das vielleicht zu viel Jesus - ihn im Herzen haben und als Ziel?  
Zu viel Jesus geht gar nicht – bei Paulus zumindest nicht. Denn je mehr echter Glaube an ihn da ist, desto mehr Liebe zu den Menschen ist da und desto mehr Hoffnung für die Welt und die Kirche. Wer im Glauben an Jesus und damit in der Liebe und in der Hoffnung fest wird, wird beweglich, was die notwendigen Veränderungen in Famlilie, Kirche und Welt anbelangt.
In diesem Sinne haben wir einen sehr beweglichen Dekan in Bad Berneck.
Lieber Herr Ceglarek, liebe Familie und liebe Gottesdienstgemeinde. Die Installation eines Dekans ist nie nur eine Amtseinführung. Sie ist ein wechselseitiges Versprechen, gemeinsam unterwegs zu sein - mit Jesus Christus im Herzen und als Ziel - , damit durch den Glauben an ihn Hoffnung und Liebe wachsen in den uns anvertrauten Menschen und in dieser Welt. Dieses Versprechen geben Sie, lieber Manuel Ceglarek, uns und wir Ihnen und wir alle unserem Herrn, Jesus Christus. Amen.