Einführung von Thomas Guba als Dekan des Dekanats Bad Berneck am 15.02.2015

Rede von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner

Rede zur Einführung von Herrn Thomas Guba in sein Amt als Dekan von Bad Berneck am 15.2.15

Liebe Festgottesdienstgemeinde, vor allem liebes Ehepaar Guba, insbesondere lieber Bruder Guba!

Die Rede zur Einführung eines Dekans halte ich in aller Regel zum Wochenspruch des jeweiligen Sonntags. Der Wochenspruch für die mit dem heutigen Sonntag beginnende Woche steht in Luk. 18,31. Der ganze Vers lautet:
Jesus nahm zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Dieser Spruch öffnet den Blick auf den Leidensweg Jesu. Schließlich beginnt am kommenden Aschermittwoch die Passionszeit. Die Ankündigung des Leidensweges Jesu passt nicht gut zum Beginn des Weges als Dekan in Bad Berneck – oder doch?

Jedenfalls passt Passion nicht zu unserer inneren Gefühlslage: Ich vermute, alle hier im Kirchenraum sind fröhlich und dankbar, dass – nach der Verabschiedung von Hans-Martin Lechner am 28. Juni letzten Jahres - nun wieder ein Dekan sein Amt antritt. Noch dazu, glaube ich, dass Thomas Guba ein guter Dekan sein wird, der mit den Haupt- und Ehrenamtlichen Mitarbeitenden und den betenden und zupackenden Gemeindegliedern zusammen viel bewegen kann – oder besser gesagt: Gott durch ihn.

Auch zur äußeren Situation passt der Spruch nicht.  „Seht wir gehen hinauf nach Jerusalem“. Natürlich ist eine Dekansstelle in der beruflichen Entwicklung ein Aufstieg - doch lokal gesehen, war der Weg hierher ein Abstieg, liebes Ehepaar Guba. Sie wohnten in Waldershof auf 546 Meter über Normalnull. Bad Berneck liegt 150 Meter tiefer auf 393 Metern. Schaut man sich Ihre letzte Stelle an, lieber Bruder Guba, mit Sitz am Bildungszentrum Bad Alexandersbad, so beträgt der Höhenunterschied sogar nochmals 30 Meter mehr. Der Weg hierher erinnert also weniger an den Weg Jesu in den Tod hinauf nach Golgatha, sondern wenn, dann an den Weg nach Bethlehem, hinunter zu den Menschen, dort, wo sie leben und sind.

Anders als der Wochenspruch, der den Blick in die Zukunft lenkt, will ich auch zunächst den Blick zurücklenken, damit Sie, liebe Gemeinde ein wenig über Ihren neuen Dekan erfahren: Er ist geboren in Bamberg, hat mit seiner Frau drei erwachsene Kinder. Die erste berufliche Station im Vikariat war in Burgkirchen bei Traunstein, dann ein Jahr in Papua-Neuguinea, vier Jahre in Simbach am Inn, bei Passau, gut sieben Jahre Gemeindepfarrer in Röslau dreißig Kilometer östlich von hier; und zuletzt vier Jahre auf einer Projektstelle mit einem Doppel-Namen: „Gemeinde- und Regionalentwick-lung in Nordostbayern - Stärken, was uns stark macht“.
Mir war immer der zweite Teil des Namens viel wichtiger, weil er andeutet, wie wir als Kirche Gemeinde- und Regionalentwicklung betreiben, eben indem wir stärken, was uns stark macht und das ist der Glaube an unseren Herrn.

Manchen unter uns ist Thomas Guba gerade durch die Tätigkeit auf dieser Projekt-Stelle bekannt. Er war Koordinator des Netzwerks „Gemeinsam für die Region“, hat einen ökumenischen Kirchenent-deckerkurs für zukünftige Kirchenführer angeboten, damit wir die Kirchen als Schätze unserer Region bekannter machen, hat etliche Kirchenvorstände begleitet und beraten, Tage für Pfarramtssekretärinnen durchgeführt, sich für die Kirche auf dem Land eingesetzt und die Gipfelgottesdienst ins Leben gerufen. Vieles wird weiterwirken und manches mit Gottes Hilfe auch weiter bestehen – auch wenn die Tätigkeit dort geendet hat. Gerade wegen seines wirksamen Einsatzes für die Region habe ich ihn gebeten, auch die Aufgabe des Tourismusbeauftragten des Kirchenkreises zu übernehmen.
Doch, liebe Gemeindeglieder, Geistliche, ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende im Dekanatsbezirk, Sie dürfen gewiss sein, dass er zuallererst Pfarrer und Dekan hier in Bad Berneck sein wird. Er hat schon begonnen, gerade die Schönheiten dieses Dekanatsbezirks zu entdecken, die Menschen kennen zu lernen und auch sich zu kümmern um einige Sorgenkinder. Er ist fleißig und tatkräftig, hat Organisationstalent und Geschick, kann Beziehungen herstellen und pflegen. All das sieht ganz und gar nicht danach aus, dass er und seine Frau hier leiden werden.

Und was ist nun mit unserem Wochenspruch und mit dem Blick voraus auf Jerusalem? Jesus wendet den Blick seiner Jünger nach Jerusalem, weil sich dort erfüllt, was die Propheten des Alten Testaments geschrieben haben.
Das Bibelwort lässt sich sehr wohl anwenden auf Sie, lieber Bruder Guba, aber nicht indem wir Sie mit Jesus Christus identifizieren. Diese Rolle kann nun wirklich niemand von Ihnen verlangen. Wir sind dankbar, wenn und dass Sie sich unter seinen Jüngern einreihen. Jesus wendet den Blick der Jünger nach Jerusalem, damit Sie verstehen lernen, was dort geschehen wird und was Jesaja vorhergesagt hat, dass Jesus als Gerechter sterben wird und wir durch seine Wunden geheilt sind. In Jerusalem wird auch das so genannte Zeichen des Jona geschehen. Wie Jona drei Tage im Bauch des Wales war und wieder ins Leben gespien wurde, so wird der Tod Jesus nicht halten können, er wird auferstehen.
Der Blick auf Jerusalem eröffnet eben nicht nur die Perspektive auf Leiden und Sterben Jesu, sondern auf die Auferstehung. Golgatha und das leere Grab sind in Jerusalem.

Jesus will, dass seine Jünger verstehen, was dort geschehen ist. Er will, dass wir in das Geheimnis eindringen, was sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung für uns und diese Welt bedeuten.
Doch die Jünger, so heißt es in den Folgeversen, verstanden erst einmal gar nichts. Wohl erst durch die Begegnung mit dem Auferstandenen und sicher viele Gespräche untereinander begannen sie zu ahnen: Die Macht der Liebe Christi und seine Kraft zu vergeben, zeigte sich nirgendwo so stark wie in seiner größten Ohnmacht am Kreuz. Diesen bis zuletzt Liebenden, Vergebenden den hat der Vater im Himmel auferweckt und bestätigt als den der Heilung und Heil bringt für jeden Menschen, für die ganze Welt. Als die Jünger begannen zu verstehen, da wurden sie zu Aposteln, gesandt von Christus selbst – ausgehend von Jerusalem in die ganze Welt – ja bis zu uns und bis nach Bad Berneck. Und diese Sendung durch Christus hat bis heute nicht aufgehört.

Immer noch verstehen wir nur ein Teil dessen, was Kreuz und Auferstehung Jesu für uns bedeuten. Doch was wir – was Sie verstanden haben, sollen Sie alle auch mutig sagen. Vertrauen Sie darauf, Sie haben schon mehr verstanden als die Jünger damals und viel mehr als die meisten Ihrer Zeitgenossen heute.
Heute sendet Christus insbesondere Sie, lieber Bruder Guba. Sagen Sie, was Sie verstanden haben von dem, was in Jerusalem geschah. Dann wird viel geschehen hier in Bad Berneck durch Christus selbst. Ihr Glaube, d.h. Ihr Verstehen und Ihre Liebe zum Gekreuzigten und Auferstandenen wird andere ermutigen. Glaube steckt an entfaltet sich durch Liebe und Tatkraft hinein in diese Welt.
Ein Dekan muss gewiss leiten und organisieren, doch mehr noch anleiten zum Glauben und ermutigen zum Verkünden des Glaubens. So wird der Glaube an Christus „stark werden, der uns und unsre Gemeinden, unsere Region stark macht“. Lieber Herr Guba, dieses Projekt geht als Dekan in Bad Berneck weiter – in anderer Form.
Zuerst aber stärke Christus Sie, lieber Bruder Guba und auch Sie, liebe Frau Guba in und mit seiner Liebe zu Ihnen.
Amen.