Eröffnung des Requiem for Peace

Grußwort von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zur Eröffnung des Requiem for Peace des Festivals junger Künstler am 16.08.2015 in der Stadtkirche Bayreuth

Sehr geehrte liebe Anwesende hier im Kirchenraum,

besonders liebe Sänger und Sängerinnen, Musiker und Musikerinnen

zusammen mit Larry Nickel, Fred Sjödberg,

und auch Sissy Thammer mit Vorstand und Förderverein und allen Freunden des Festivals junger Künstler!

 

Es ist mir eine wirkliche Ehre und Freude, Sie heute alle in unserer Bayreuther Stadtkirche begrüßen zu dürfen. Die Bayreuther Stadtkirche ist zugleich meine eigene Predigtkirche. Wir werden heute eine Predigt besonderer Art hören: Der Friedensruf Jesu Christi wird erklingen in Worten und Tönen. Ich bin selbst dankbar, dass ich dies in unserer Stadtkirche erleben darf und mache mein eigenes Herz dafür weit auf.

 

Ich soll mein Statement halten zum Thema „Frieden in der Kirche“.

Den möchte in sieben kurzen Punkten entfalten:

1.      Heute erleben wir Frieden in der Kirche sehr konkret. Hier in dieser Kirche sitzen Menschen unterschiedlicher Nationen, auch von Nationen, die weltpolitisch in Spannung sind. Hier musizieren sie miteinander, hier sitzen sie nebeneinander und ersehnen miteinander Frieden. So wird die Kirche sehr konkret zum Raum, der Frieden befördert. Das soll sie immer sein.

2.      Ein Bibelwort wird mir in meinem Leben immer wichtiger. Das ist das Wort Jesu: „Liebt Eure Feinde, segnet die Euch fluchen, tut wohl denen, die Euch hassen, bittet für die, die Euch beleidigen und verfolgen, auf dass Ihr Kinder seid Eures Vaters im Himmel.“ Dieses Wort hat sanfte Sprengkraft gegen jeden Hass in unseren Herzen, sei er gegen Familienmitglieder, Kollegen oder Fremde gerichtet. Mit dem Herrn der Kirche im Herzen kehrt Friede sehr konkret im Leben ein. Durch den Herrn der Kirche muss und wird die Kirche stets Frieden stiftende Kirche sein - anders wäre sie ihrem Herrn untreu.

3.      Wir haben Unfrieden in der Kirchengeschichte erlebt, der durch die kirchlichen Institutionen nicht verhindert, sondern befördert wurde: Die Kreuzzüge und Konfessionskriege sind Schuldgeschichten. Wir sind dankbar, dass der Friedenswille des Herrn der Kirche sich in unseren Kirchen wieder durchgesetzt hat. Dass ER siegt, darauf hoffen und vertrauen wir für Gegenwart und Zukunft der Kirche. Dann sind die Kirchen ihrem Wesen treu und starker Friedensmotor für die Welt, auch zum Frieden zwischen den Religionen.

4.      Das „Requiem for Peace“ trägt nicht den Frieden zu Grabe. Vielmehr ist es ein Requiem für die Opfer von Gewalt in den Kriegen der Gegenwart für die unzähligen Opfer des IS unter Jesiden, Christen und Muslimen, für die namenlosen Opfer krimineller Schlepperbanden, ertrunken in unserem Mittelmeer. Gott kennt ihre Namen. Danke, dass Sie für all diese Opfer ein Requiem spielen. Solch ein Requiem ist beste Kirchen-Musik. Sie ist nicht nur Grabgesang. Vielmehr weckt sie Hoffnung auf Frieden in dieser Welt, zumal wenn so viele junge Menschen den Frieden besingen und ersehnen.

5.      Wir haben mit Ihnen, den jungen Künstlern und Künstlerinnen in diesen Wochen die Welt zu Gast bei uns. Seien Sie herzlich willkommen. Wir haben auch in diesen Monaten und Jahren die Welt bei uns zu Gast in den Flüchtlingen. Es hat mich sehr bewegt, dass junge Künstler und Künstlerinnen hier in Bayreuth für Flüchtlinge gespielt haben. Welch ein guter Gedanke auch für die Zukunft. Denn die Sprache der Musik erreicht alle Herzen. Ich werde diese Idee für unsere kirchliche Arbeit im Auge behalten. Ob wir kirchliche Posaunenchöre finden, die im Advent internationale Advents- und Weihnachtslieder im Hof von Gemeinschaftsunterkünften spielen werden? Bestimmt. Danke für diese Idee.

6.      Die Kirche Jesu Christi ist international. Im Advent wird hier in Bayreuth der erste internationale Gottesdienst für Flüchtlinge stattfinden. Leitsprache wird englisch sein, doch das Liturgieheft übersetzt in französisch, farsi, arabisch, russisch und deutsch. Da wird deutlich, dass Christus Völker verbindet und zu Freunden macht. Was in dieser Kirche geschieht – solche Internationalen Gottesdienste, solch ein Requiem for Peace verändert auch die Kirche als Glaubensgemeinschaft. Wir können als Glaubensgemeinschaft Frieden stiftende Kirche sein, indem wir unseren Glauben leben. Es ist Glaube der bekennt und zugleich zum Frieden auch zwischen den Religionen beiträgt.

7.      Wir sind hier in einer evangelisch-lutherischen Kirche. Luther war ein Liebhaber der Musik. Darum ist die lutherische Kirche auch eine Kirche geworden, in der die Kirchenmusik tragende Bedeutung in der Verkündigung gewonnen hat. Man denke nur an die Kantaten und Motetten Johann Sebastian Bachs. Daher möchte ich mit einem Lutherzitat schließen. Es passt nämlich zu dem Großen Werk, das wir heute hören werden und zu den Zielen des Festivals Junger Künstler:

„Die Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht.“

Diese Gottesgabe wird auch heute wirken. Danke dass solche Musik – beste Kirchenmusik – heute bei uns erklingt.