Glaube in Gefahr - Christenverfolgung heute

Rede von Regionalbischöfin Dr. Greiner am 7. Oktober 2015 in der Freiheitshalle Hof

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder!

Fünf Personen begrüße ich namentlich
Volker Kauder, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und
Markus Rode, Leiter und Geschäftsführer von Open Doors Deutschland - als unsere beiden Referenten,
Generalvikar Georg Kestel für die Diözese Bamberg, die zusammen mit dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Bayreuth und mir gemeinsamer Träger der Veranstaltung ist, tatkräftig unterstützt durch die Evangelische Allianz Hof und Umgebung.
Für alle weiteren Personen in politischer Verantwortung begrüße ich stellvertretend den Hausherrn der Freiheithalle OB Dr. Harald Fichtner
Und schließlich Pfarrer Dieter Baderschneider, der die Hauptlast der Organisation und Vorbereitung getragen hat. Ihn nenne ich stellvertretend für das ökumenische Vorbereitungsteam und sage ein herzliches „Danke!“ auch allen Mitwirkenden und Betern.

Was wollen wir mit dieser ökumenischen Veranstaltung erreichen?
-    Das Eintreten für Religionsfreiheit unter uns und weltweit stärken
-    Die Aufmerksamkeit für die Verfolgungssituationen von Christen fördern
-    Das Gebet für unsere verfolgten Glaubensgeschwister mehren und ihre Not lindern

Aus welcher Grundhaltung und Überzeugung tun wir das?
Der heutige Abend ist keine parteipolitische Veranstaltung. Vielmehr ergreifen wir Partei für Menschen in Not.
Das Thema Christenverfolgung muss aus der Nische heraus. Es ist nicht nur ein Thema für evangelikale Gruppen, sondern für die Mitte der Volkskirchen, nicht nur für die Konservativen der konservativen Parteien, sondern es gehört mitten in die politische Kultur. Es ist besonders Ihrem Engagement, sehr geehrter Herr Kauder zu verdanken, dass der Deutsche Bundestag Anfang Juli mit den Stimmen aller Fraktionen beschloss, die Bundesregierung zur Erstellung eines Berichtes zur weltweiten Lage der Religions- und Glaubensfreiheit zu verpflichten.
Doch manche haben immer noch Sorge, dass sie – sobald sie sich dieses Themas annehmen – in der religiös wie politisch konservativen Ecke stehen. Solch ein Zaudern ist verheerend für die Christen in Not und die Welt.
Die Religionsfreiheit für Christen muss – angesichts des religiös aufgeladenen islamistischen Terrors – als eines der entscheidenden Zukunftsthemen für diese Welt erkannt werden, selbst von denen, die frei jeder Religion sein wollen. Wenn wir nicht Glaubensfreiheit für die Christen in aller Welt erlangen, wird dieses Menschenrecht in aller Welt zunehmend gefährdet sein – für alle religiösen Haltungen.

Der heutige Abend ist auch keine anti-muslimische Veranstaltung. Im Gegenteil, der Runde Tisch der Religionen – mit Juden, Muslimen, Aleviten und weiteren – wurde von uns herzlich eingeladen. Herzlich willkommen den Vertretern anderer Religionen. Hof ist der richtige Ort für diese Veranstaltung, nicht nur wegen der Freiheitshalle, die heute zur Religionsfreiheitshalle wird.
Vielmehr erinnere ich an die Hofer Erklärung vom Februar diesen Jahres, in der die Religionsgemeinschaften nach den Pariser Anschlägen gemeinsam erklärten: „Im Namen Gottes darf nicht getötet werden“. Ein Banner hängt heute auch in der Halle.
Gerade als christliche Veranstalter treten wir in der Liebe Jesu Christi für alle Verfolgten ein, egal welcher Religion sie angehören. Sie alle brauchen unsere Fürsprache, unser Gebet und unseren Einsatz.
Der heutige Abend ist daher ausschließlich eine Veranstaltung pro (!): für verfolgte Christen. Denn in besonderer Weise sind uns die Glaubensgeschwister anvertraut. Der Apostel Paulus setzt folgende Ermahnung an das Ende des Galaterbriefes: „Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“

Was gibt es Besseres für Menschen in großer Not, die wir nicht persönlich kennen und denen wir nicht direkt helfen können, als dass wir für sie beten. Christus kennt sie mit Namen.
Es ist der seit 60 Jahren bewährten treuen Arbeit von Open Doors zu verdanken, dass manches Schicksal uns doch bekannt wird, sodass wir sehr konkret beten und immer wieder auch helfen können durch Gottes Gnade.
Seit einiger Zeit beziehe ich den Gebetsbrief „Stacheldrahtkerze“. Zu lesen ist immer eine konkrete Situationsschilderung und eine Bitte an Gott, die ich vollen Herzens mitbeten kann.
Es wäre meine Hoffnung, dass einige diesem Thema und dem Gebet für Christen in Gefahr verbunden bleiben auch über diesen Abend hinaus.

Leider hat die Christenheit selbst eine Phase der Religionskriege durchschritten. Christus ist Weg und Wahrheit und Leben auch zum Frieden in der Welt. Doch Getaufte haben diesen Weg vielfach selbst verfehlt. Die Christenheit ist geschichtlich schuldig geworden. Nach dem diabolischen Spuk der Deutschen Christen, die im tiefsten Sinne Antichristen waren, sagen wir heute noch klarer: Wir glauben an Christus, der sich hinrichten ließ, den Weg der Liebe zu Ende ging und der in diesem Weg durch die Auferweckung von den Toten vom Vater bestätigt wurde als Erlöser der Welt. In ihm ist Hoffnung – für jeden einzelnen Menschen und für diese geschundene Welt. Die Durchsetzung der Liebe Christi in der Weltwäre die Gewähr des Friedens selbst für die, die Christus leugnen.
Christen sind Gewaltverhinderer, oder sie sind keine Christen. Freilich können auch Christen Gewalt leider nicht immer ohne Gewalt in Grenzen halten in dieser Welt. Doch schauen wir auf unsere christlichen Blutzeugen: Wen verehren Christen als Märtyrer? Nie Menschen mit Waffen in der Hand. Wenn sie Waffen in der Hand halten, dann sind es immer die Waffen und Foltergegenstände, mit denen sie getötet wurden. Die gestorbenen verehrten Blutzeugen zeigen das wahre Gesicht der gelebten Religion.

Die christlichen Blutzeugen der Gegenwart sind unzählbar geworden.
Wir sind dankbar für alle Gefährdeten, denen die Flucht in unser Land gelungen ist. Ja, wir heißen sie von Herzen willkommen. Das Thema dieses Abends betrifft nicht nur ferne Länder wie Syrien, Irak oder Somalia, sondern ist mit den gefüllten Gemeinschaftsunterkünfte mitten in unseren Orten angekommen. Viele darin sind unsere Brüder und Schwestern im Glauben. Der paulinische Aufruf: „Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ – gilt für alle Geflüchteten unter uns.

Danke, dass Sie alle heute da sind. Danke für Ihr offenes Ohr und vielleicht sogar Ihr offenes Herz für Glaubende in Gefahr. Gottes Segen den Referenten und allen Mitwirkenden, wenn sie dieses Thema nun in die Mitte unserer Aufmerksamkeit rücken: Glaube in Gefahr.

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth