Grußwort zur Vernissage der Telefonseelsorge Ostoberfranken/Bayreuth

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Telefonseelsorge Ostoberfranken/Bayreuth eröffnete die Regionalbischöfin die Ausstellung "Aus Worten können Wege werden" am 21.02.2019 in der Stadtkirche, Bayreuth

Sehr geehrter Dekan Hacker, lieber Jürgen,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Merk-Erbe,
sehr geehrte Frau Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer,
lieber Peter Meyer, Herr Dr. Steger, Frau Röhner,
Vor allem: Liebe Frau Pfarrerin Häusler und alle in der Telefonseelsorge früher und heute Tätigen!

Wie gut, dass es Jubiläen gibt! Wer redet sonst schon über die Telefonseelsorge - diesen stillen Dienst, der anonym geschieht in Gesprächen, deren Inhalt niemand erfährt.
Dieses Jubiläum 50 Jahre Telefonseelsorge galt es beim Schopf zu packen, um diesem  stillen Dienst ein Forum zu geben.
Und das geschieht heute, indem wir 50 Jahre Telefonseelsorge feiern kombiniert mit der Eröffnung einer Ausstellung zum Thema:
„Aus Worten können Wege werden“.
Frau Pfarrerin Häusler wird nachher in die Ausstellung einführen. Die Bilder dienen als Hingucker, die symbolischen Einblick geben in die sonst verborgene Welt der Telefonseelsorge.

Wie lautet die Telefonnummer Gottes? 50, 15, Psalm 50 Vers 15. Denn dort lesen wir:
„Rufe mich an in der Not, so will ich Dich erretten.“ Das Gebet ist die stillste Form des Gesprächs. Unzählige Menschen beten innerlich und niemand bekommt etwas mit. Da ist Streit zwischen Eheleuten. Unhörbar betet der eine innerlich: „Hilf mir mein Gott, zu verstehen, was meine Frau mir sagen will; hilf mir zu sagen, was uns weiterhilft.“ Gebet kann in jeder Situation stattfinden, ohne dass die Umgebung es merkt. Doch es verändert den Betenden und die Situation.
Fast so still wie das Gebet ist die Telefonseelsorge, denn auch von ihr bekommt so gut wie niemand etwas mit – außer die beiden Anrufer und Gott.

Wie lautet die Nummer der Telefonseelsorge? 0800 111 0 111 oder 111 0 222.
Gut, wenn sie bekannt ist. Denn das Gespräch zwischen Menschen ist keine Alternative zum Gebet. Wir brauchen beides; vor allem Menschen in Not brauchen immer beides. Und manche haben weder das eine noch das andere.
Die Telefonseelsorge ist offen für beides.
Wenige Menschen rufen an, damit man mit ihnen betet, doch die Möglichkeit besteht.
Immer aber ist der Telefonseelsorger bzw. die Telefonseelsorgerin Anwalt bzw. Anwältin der Hoffnung, die nur ein betender Mensch hat.
Von wegen, die Hoffnung stirbt zuletzt. Für Christen stirbt sie nie, weil der Gekreuzigte auferstanden ist.
Diese unergründlich tiefe Hoffnung kommt für mich bewegend in einem Gebet Bonhoeffers zum Ausdruck; und ich bin mir sicher, dass es schon in vielen Gesprächen der Telefonseelsorge gebetet wurde. Er schrieb es im KZ:
„Herr in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.
Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede.
Ich verstehe Deine Wege nicht,
aber Du weißt den Weg für mich.“
Auch wenn der Grund unserer Hoffnung nur bei wenigen Gesprächen genannt wird, so trägt sie doch diese Gespräche - und trägt die anrufende Person ein Stück weiter in Richtung Hoffnung.

In der Kraft des Gebets und in der Kraft dieser Hoffnung auf Christus gründete Pfarrer Schröter vor 50 Jahren hier in Bayreuth die TS.
Ich nutze dieses Jubiläum um:
1.    zu danken – Herrn Pfarrer Friedrich Schröter und den Mitgründern, allen, die seitdem Verantwortung getragen haben im Verein bis 2015 und im Dekanatsbezirk bis heute und insbesondere allen, die seit Gründung Anrufe entgegen genommen haben und nehmen. Und derer sind viele; wenn wir denken, dass es letztes Jahr allein in Bayreuth 5000 Anrufe waren und Menschen seit 50 Jahren anrufen können.
2.     nutzen wir dieses Jubiläum um aufmerksam zu machen auf diesen Dienst. „Before you commit suicide, ring me up.“. Diese Anzeige des Pfarrrers Chad Varah in der Londoner Times am 2. November 1953 – Startschuss der Telefonseelsorge in Europa – gilt nach wie vor. Dieser Dienst gilt für jeden Menschen, völlig unabhängig von Religion und Herkunft.
3.    nutzen wir dieses Jubiläum um aufmerksam zu machen auf den Bedarf an Seelsorgern und Seelsorgerinnen. Wer weiß ob jemand unter uns ist, der sich ansprechen lässt, egal aus welcher christlichen Konfession. Eine gute Ausbildung wartet auf Sie und ein ökumenischer Dienst mit tiefem Sinn.
4.    nutzen wir dieses Jubiläum um auf den Unterstützungsbedarf aufmerksam zu machen. Wir setzen hier in Bayreuth auf Qualität der Ausbildung und der Tätigkeit und so wollen wir auch die begleitende Pfarrstelle erhalten, auf der Frau Häusler tätig ist. Spenden Sie oder werden Freund oder Freundin der Seelsorgestiftung.

Gerade weil diese vier Gründe das Jubiläum zu nutzen schon jeder für sich so wichtig ist, bin ich Ihnen, liebe Frau Häusler und Ihnen, lieber Herr Böhm so dankbar, dass Sie meinen Impuls aufgenommen haben und eine kleine Broschüre erstellt haben. Vom Dank bis zur Kontonummer finden Sie alles in ihr; alle Inhalte hervorragend aufbereitet, informativ und berührend zu lesen. Vor allem aber ist es die beste Werbung geworden für den Dienst in der Telefonseelsorge. Berührend die Erzählungen der Telefonseelsorger selbst.
Eine schreibt: „Ich … höre zu und mache mich zum Anwalt der Hoffnung.“ - Ich danke dieser Hoffnungsträgerin und allen Telefonseelsorgern für diesen Leben rettenden, Hoffnung stiftenden, stillen Dienst. Tragen Sie diese Hoffnung weiter in die Zukunft. Denn unsere Hoffnung stirbt nie.